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Tumblr-User im Blickpunkt: Sanna von Sanna Wandtke Illustration

In unserem Interview-Beitrag stellen wir euch heute Sanna Wandtke vor. Die 25-jährige studiert in Hamburg Illustration, kommt aber ursprünglich aus Berlin Pankow. Sie beschreibt sich als total durchgeknallt, aufgeweckt und sehr positiv, mit einer abenteuerlustigen Piratenseele. Sanna liebt die wilde, ursprüngliche Natur und damit auch das Entdecken der Welt und ihrer Wunder durch Reisen. Diesen Sommer geht sie für zwei Monate nach Island auf eine Pferde- und Kuhfarm mitten im Nirgendwo arbeiten. Abgesehen vom Illustrieren steht sie auf Klettern (Bouldern), Tanzen (Hip Hop/ Funky Jazz/ Street/ Swing), Longboarden, Inlineskaten, Brett/Kartenspiele uvm.

Du befindest dich ja noch in der Ausbildung. Arbeitest du nebenher gelegentlich auch schon als Illustratorin?

Meine Illustrations-Lehrreise durch den weiten Studiumsozean der HAW Hamburg ist noch nicht zu Ende, auch wenn ich mich bereits in den wellenbewegten Gefilden des Masters befinde. 1-2 Jahre werde ich mich noch im Kampf erproben mit Bleistift, Pinsel und Grafik-Tablet-Stift, mit weißen Blättern, Leinwänden und leeren Dokumenten in Photoshop. Aber ich versuche mich bereits mit einem Kopf voll brodelnder Ideen in der Arbeitswelt des meisterlichen Illustrators zu behaupten und habe auch schon ein paar Aufträge an Land gezogen. Das ist auch notwendig, denn schließlich regnen die Aufträge nicht einfach so vom Himmel, wenn man seinen Abschluss hat, denn ein Abschluss bedeutet nicht, dass die Leute von dir wissen. Aber wenn sie von dir wissen und dich schätzen, dann kommt das mit den Aufträgen. ;) Für die Spielefirma Spieltz habe ich „Das Affenspiel“ illustriert. Das war schon sehr toll, weil ich mich mit dem Gestalten total austoben durfte und alle Freiheiten hatte, die man sich als Illustrator wünscht – ich durfte „einfach machen“. 

Was zeichnest du am liebsten? Hast du irgendwelche Wunschprojekte für die Zukunft?

Am allerliebsten gestalte ich fantastische und abenteuerliche Szenen wie in meinem Kinderbuch „Die Reise in das Zauberbuch“ – z. B. eine Schildkröte, der ein Urwald auf dem Rücken wächst oder ein mit Schätzen gefülltes und scharfen Zähnen besetztes Maul eines Anglerfisches. Ich verliere mich gern völlig beim arbeiten, deswegen wäre es unglaublich großartig mal für einen Wimmelbuchverlag etwas zu illustrieren!

Wo liegen die Unterschiede zwischen dem Zeichnen von Hand und am Computer?

Zeichnen, malen oder drucken per Hand, das ist einfach unglaublich sinnlich! Du fühlst, riechst und hörst das Papier, du hast Farbe an den Fingern und atmest ihren Geruch ein, du machst Kaffeeränder aufs Papier, haust dein Malglas mit buntem Wasser runter oder schneidest dir mit einem Holzschnittmesser in den Finger. Es entstehen viel überraschendere Dinge per Hand, viel mehr Zufälle. Arbeiten per Hand gibt deinen Illustrationen oft mehr Lebendigkeit – z. B. siehst du den Pinselstrich oder die kratzigen Bleistiftlinien. 

Aber bestimmte Dinge sind schwieriger zu ändern als am Computer. Hier hast du viele Änderungsmöglichkeiten – da ist ganz schnell mal die Helligkeit des Bildes verändert oder eine Farbe mit einem Klick von Blau zu Rot. Am Computer kann man jedes Element im Bild (ein fliegender Teppich oder eine Schildkröte) auf eine eigene Ebene setzen, sodass man sie unabhängig voneinander bewegen kann. Ich könnte meine Waldrückenschildkröte im Bild von der Welle heruntersetzen oder sie spiegeln oder auf den Kopf drehen. Man ist sehr flexibel am Computer, sehr schnell und du hast viele Optionen an deinem Bild etwas zu ändern. Ich mag beide Arten zu arbeiten sehr, aber vor allem möchte ich gerade wieder zur sinnlichen Arbeitsweise zurückkehren. Ich werde wieder beides verbinden in Zukunft: mit Bleistift vorzeichnen und am Computer kolorieren. 

Wie lange arbeitest du ungefähr an so einem Bild?

An diesem Bild habe ich drei Wochen gesessen. Aber da hatte ich noch kaum in Photoshop gearbeitet. An dem Unterwasser-Wimmelbild habe ich dahingegen nur eine Woche gearbeitet. Das war mein letztes Bild für die Reihe „Die Reise in das Zauberbuch“ und somit hatte ich mehr Übung.

Du hast gerade etwas für eine Charlie-Hebdo-Ausstellung gezeichnet. Wie kam es dazu und was stellt das Bild dar?

Die HAW Hamburg, an der ich studiere, ist eine sehr bekannte und renommierte Universität, die einige Kontakte zu anderen Schulen innerhalb und außerhalb Deutschlands pflegt, durch die immer wieder gemeinsame Projekte ins Leben gerufen werden. „La Maison Heinrich Heine“, eine Galerie in Paris, in der Studenten unserer Schule und Studenten der ESAM Caen/ Cherbourg und der ERG Brüssel bereits ausgestellt haben, hat anlässlich des Attentats bei Charlie Hebdo eine spontan organisierte Ausstellung ins Leben gerufen. Wir Studenten haben ein Wochenende Zeit bekommen um eine Illustration anzufertigen, die dort ausgestellt wird. Meinungsfreiheit und Toleranz sollten die Oberthemen dafür sein. 

Mein Bild zeigt einen Bleistift, der als Taschenlampe fungiert. Außerhalb seines Lichtscheins sind Gesichter mit geöffneten Mündern zu sehen, die reden können. Innerhalb des Lichtscheines sieht man, dass die Münder geschlossen sind mit einem Kreuz über dem Mund. Können sie nicht reden oder dürfen sie nicht? Im Lichte betrachtet können wir doch nicht frei sagen, was wir wollen, obwohl Meinungsfreiheit in der westlichen Welt sehr groß geschrieben wird. Vieles wird zensiert, verschwindet einfach oder kommt nur verfälscht an die Öffentlichkeit. Man könnte das Gefühl bekommen, dass wir nur sehen und hören, was wir sehen und hören sollen. Das Bild kann aber auch bedeuten, dass wenn wir unsere Meinung äußern, wir Gefahr laufen, jemanden zu kränken oder so sehr zu reizen, dass uns der Mund verboten wird oder im schlimmsten Falle wir für unsere Meinung umgebracht werden, wie es gerade in Paris geschehen ist. Das ist jedenfalls meine Interpretation zu meiner Arbeit. Aber macht euch selbst eine Meinung darüber ;)

Bild: Sanna

Hallo Olivia! Hier der erste Versuch ein Gedicht von Dir zu illustrieren und auch zu schreiben. Die nächsten werden besser. Ich kann es nicht bei Dir einreichen, daher poste ich es. Aber Du kannst es ja rebloggen. Es gehört Dir, und Du kannst damit anfangen, was Du möchtest. Wenn erforderlich, schicke ich es Dir per Post.

W. Strempler, 2016

Tumblr-User im Blickpunkt: Jesse Krauß
“Bilder sind Geschichten. Tinte lebt. Zeichnen sollte man täglich." Wir haben uns diese Woche mit Illustrator und Graphiker Jesse Krauß unterhalten.
Wann hast du angefangen zu zeichnen, und wie bist du dazu gekommen, es beruflich zu machen?  
Gezeichnet habe ich im Grunde immer schon, das begann bereits im Kindergarten. Sobald ich dann Lesen und Schreiben gelernt hatte, zeichnete ich auch Comics mit Sprechblasen. Im Laufe der Zeit habe ich zwar noch vieles andere gemacht (gemalt, geschrieben, fotografiert, Filmchen gedreht und Hörspiele aufgenommen), doch das Zeichnen hörte nie auf und zieht sich wie roter Faden bis zum heutigen Tag.  Beruflich zeichne ich bei weitem noch nicht so viel, wie ich es gerne tun würde. Als studierter Kommunikationsdesigner mache ich noch viel reines Layout für Flyer, Plakate, Broschüren und Bücher. Doch das Illustrieren hat in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen, und immer öfter bekomme ich nun auch Aufträge in diesem Bereich.     
Wo findest du Inspiration für deine Illustrationen? Gibt es Motive, die du besonders gerne zeichnest?
Wenn ich ganz frei zeichne, kommt mir vieles wie von selbst in den Sinn und aufs Papier, oft zeichne ich dann auch spontan ohne Vorzeichnung. Inspirierend finde ich aber vor allem Kunst, die erzählerisch und bildreich ist und dem Auge ermöglicht, im Bild herumzuwandern und Details zu entdecken. Ich bin nicht der Typ für abstrakte Farbfeldmalerei; ein wirklich gutes Bild ist für mich eines, das ich mir auch längere Zeit ansehen kann. Besonders gern zeichne ich Figuren und dabei vor allem die Gesichter. Aus denen heraus entwickelt sich meist die ganze Figur. Meine Motive sind oft etwas melancholisch (vor allem wenn ich es selbst grad mal wieder bin), insgesamt aber immer freundlich. Extreme oder unangenehme Darstellungen wird man bei mir kaum finden, das interessiert mich auch nicht wirklich.
Kennst du noch andere gute Illustrations-Blogs? Hast du einen Traum-Follower für dein eigenes Blog?  
Von den 126 Tumblr-Blogs, denen ich aktuell folge, sind weit über die Hälfte Illustratoren-Blogs. Ich bin stets auf der Suche nach denen, die ihren eigenen individuellen Stil verfolgen und nicht so sehr den aktuellen graphischen Mainstream. Um nur einige wenige beispielhaft zu nennen: alexisdeacon, mattiasinks, phoebewahl, joncarling, lenapflueger, zeichenwege oder auch der immer an der Grenze zur Abstraktion zeichnende kaeghoro. Stolz bin ich schon ein wenig darauf, dass einige meiner Follower selbst Zeichner und Illustratoren sind und daher natürlich einen genaueren Blick haben. Darunter ist übrigens auch einer der echten Tumblr-Shooting-Stars, das aber nur am Rande. ;-)    
Bild: Jesse Krauß