ich denke zu viel nach

Eines Tages, Baby

“Eines Tages, Baby, werden wir alt sein. Oh baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.
Ich bin der Meister der Streiche, wenn´s um Selbstbetrug geht. Bin ein Kleinkind vom feinsten, wenn ich vor Aufgaben steh. Bin ein entschleunigtes Teilchen. Lass mich begeistern für Leichtsinn – wenn ein andrer ihn lebt. Und ich denke zu viel nach, ich warte zu viel ab, ich nehm mir zu viel vor – und ich mach davon zu wenig. Ich halt mich zu oft zurück, ich zweifel alles an, ich wäre gerne klug, allein das ist ziemlich dämlich. Ich würde gern so vieles sagen, aber bleibe meistens still, weil, wenn ich das alles sagen würde, wäre das viel zu viel. Ich würde gern so vieles tun, meine Liste ist so lang, aber ich werd eh nie alles schaffen – also fang ich gar nicht erst an. Stattdessen hänge ich planlos vorm Smartphone, warte bloß auf den nächsten Freitag. "Ach, das mach´ ich später.” ist die Baseline meines Alltags. Ich bin so furchtbar faul, wie ein Kieselstein am Meeresgrund. Ich bin so furchtbar faul, mein Patronus ist ein Schweinehund. Mein Leben ist ein Wartezimmer, niemand ruft mich auf.
Mein Dopamin, das spar ich immer,
falls ich´s nochmal brauch.
Und eines Tages, Baby, werde ich alt sein, oh baby, werde ich alt sein, und an all die Geschichten denken, die ich hätte erzählen können. Und du? Du murmelst jedes Jahr neu an Silvester
die wiedergleichen Vorsätze treu in dein Sektglas, und Ende Dezember stellst du fest, das du Recht hast,
wenn du sagst, dass du sie dieses Jahr schon wieder vercheckt hast.
Dabei sollte für dich 2013 das erste Jahr vom Rest deines Lebens werden: Du wolltest abnehmen, früher aufstehen, öfter rausgehen, mal deine Träume angehen, mal die Tagesschau sehen - für mehr Smalltalk, Allgemeinwissen. Aber so wie jedes Jahr, obwohl du nicht damit gerechnet hast, kam wieder mal dieser Alltag dazwischen. Unser Leben ist ein Wartezimmer, niemand ruft uns auf. Unser Dopamin das sparen wir immer, falls wir´s nochmal brauchen. Wir sind jung, und haben viel Zeit. Warum sollen wir was riskieren, wir wollen doch keine Fehler machen, wollen auch nichts verlieren.
Und es bleibt so viel zu tun, unsere Listen bleiben lang, und so geht Tag für Tag, ganz still ins unbekannte Land. Und eines Tages, Baby, werden wir alt sein, oh baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können. Und die Geschichten, die wir dann stattdessen erzählen, werden traurige Konjunktive sein wie: “Einmal bin ich fast einen Marathon gelaufen, und hätte fast die Buddenbrooks gelesen. Und einmal wär´ ich beinah bis die Wolken wieder lila waren noch wach gewesen, und einmal, fast hätten wir uns mal demaskiert und gesehen, wir sind die gleichen, und dann hätten wir uns fast gesagt, wie viel wir uns bedeuten.”, werden wir sagen. Und das wir bloß faul und feige waren, das werden wir verschweigen, und uns heimlich wünschen, noch ein bisschen hier zu bleiben. Wenn wir dann alt sind – und unsere Tage knapp, und das wird sowieso passieren, dann erst werden wir kapieren, wir hatten nie was zu verlieren, denn das Leben, das wir führen wollen, das können wir selbst wählen, also lass´ uns doch Geschichten schreiben, die wir später gern erzählen. Lass uns nachts lange wach bleiben, auf´s höchste Hausdach der Stadt steigen, lachend und vom Takt frei die allertollsten Lieder singen. Lass uns Feste wie Konfetti schmeißen, sehen, wie sie zu Boden reisen, und die gefallenen Feste feiern, bis die Wolken wieder lila sind. Lass mal an uns selber glauben. Ist mir egal ob das verrückt ist, und wer genau guckt sieht - das Mut auch bloß ein Anagramm von Glück ist. Und wer immer wir auch waren, lass mal werden wer wir sein wollen. Wir ham´ schon viel zu lang gewartet, lass mal Dopamin vergeuden. “Der Sinn des Lebens ist leben”, das hat schon Casper gesagt. “Let´s make the most of the night”, das hat schon Kesha gesagt. Lass uns möglichst viele Fehler machen,
und möglichst viel aus ihnen lernen.
Lass uns jetzt schon Gutes sähen,
dass wir später Gutes ernten. Lass uns alles tun, weil wir können – und nicht müssen. Weil jetzt sind wir jung und lebendig, und das soll ruhig jeder wissen, und, unsere Zeit die geht vorbei - das wird sowieso passieren, und bis dahin sind wir frei, und es gibt nichts zu verlieren. Lass uns uns mal demaskiern´, und dann sehen wir sind die gleichen, und dann können wir uns ruhig sagen, dass wir uns viel bedeuten, denn das Leben das wir führen wollen, das können wir selber wählen. Also los, schreiben wir Geschichten, die wir später gern erzählen.

Und eines Tages, Baby, werden wir alt sein. Oh baby, werden wir alt sein.
– und an all die Geschichten denken, die für immer unsere sind.“

- Julia Engelmann

Ich sage die falschen Dinge, und ich denke zu viel nach. Ich fühle oft zu viel, und manchmal kühl ich einfach ab. Ich bin widersprüchlich, und schwer zu ertragen, und es tut mir leid, dass das alles ist, was ich bin.

Ich kann super gelaunt sein, den ganzen Tag über, doch dann passiert eine Sache, eine Bemerkung, ein Blick, ein Mensch und ich werde still. Denke nach, zu viel nach, sitz wieder kurz davor zu heulen irgendwo, unterdrücks aber, weil es keine Sau interessiert und so geht es seit Jahren und manchmal hab ich keine lust mehr mich aus dieser scheisse rauszukämpfen.

Ich würde einfach am liebsten vergessen, wer ich bin und was mich ausmacht. Einfach dass tun, was ich mich nicht traue zu tun. Ich ertrag’ mich nicht mehr so, wie ich bin. In mir herrscht ein einziges Durcheinander und niemand hilft mir es zu ordnen. Ich weiß ja langsam selbst nicht mehr, wie ich mir helfen soll. Ich versuche es ja, dauernd. Doch mir wird immer nur mehr klar, wie komisch und kompliziert ich bin. Niemand braucht mich, niemand will mich. Wie soll ich da positiv bleiben und nach vorne sehen? Das einzige was bleibt ist das Chaos in mir. Egal was ich versuche in mir herrscht ständig ein Tumult. Ich fühle zu viel und denke zu viel nach. Ich will nichts und merke im selben Moment, dass ich eigentlich viel zu viel will. Wer soll mich denn überhaupt verstehen, wenn ich mich selbst nicht verstehe?

Eines Tages Baby, werden wir alt sein. Oh Baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.
Ich, ich bin der Meister der Streiche, wenn’s um Selbstbetrug geht. Bin ein Kleinkind vom Feinsten, wenn ich vor Aufgaben steh‘. Bin ein entschleunigtes Teilchen. Kann auf Keinsten was reißen. Lass‘ mich begeistern für Leichtsinn, wenn ein anderer ihn lebt.

Und ich denke zu viel nach. Ich warte zu viel ab. Ich nehm‘ mir zu viel vor und ich mach‘ davon zu wenig. Ich halt‘ mich zu oft zurück, ich zweifel alles an, ich wäre gerne klug – allein das ist ziemlich dämlich. Ich würd‘ gern so vieles sagen, aber bleibe meistens still, weil wenn ich das alles sagen würde, wäre das viel zu viel. Ich würd‘ gern so vieles tun.
Meine Liste ist so lang, aber ich werd‘ eh nie alles schaffen – also fang‘ ich gar nicht an. Stattdessen häng‘ ich planlos vorm Smartphone. Wart‘ bloß auf den nächsten Freitag. „Ach, das mach‘ ich später“ ist die Baseline meines Alltags. Ich bin so furchtbar faul wie ein Kieselstein am Meeresgrund. Ich bin so furchtbar faul, mein Patronos ist ein Schweinehund. Mein Leben ist ein Wartezimmer, niemand ruft mich auf. Mein Dopamin, das spar‘ ich immer, falls ich’s nochmal brauche.

Und eines Tages Baby, werd‘ ich alt sein. Oh Baby, werd‘ ich alt sein und an all die Geschichten denken, die ich hätte erzählen können.
Und du? Du murmelst jedes Jahr neu an Silvester die wieder gleichen Vorsätze treu in dein Sektglas und Ende Dezember stellst du fest, dass du Recht hast, wenn du sagst, dass du sie dieses Jahr wieder vercheckt hast. Dabei sollte für dich 2013 das erste Jahr vom Rest deines Lebens werden.
Du wolltest abnehmen, früher aufstehen, öfter rausgehen, mal deine Träume angehen, mal die Tagesschau sehen für mehr Small Talk, Allgemeinwissen. Aber wie jedes Jahr, obwohl du nicht damit gerechnet hast, kam dir wiedermal dieser Alltag dazwischen.

Unser Leben ist ein Wartezimmer. Niemand ruft uns auf. Unser Dopamin, das sparen wir immer, falls wir’s nochmal brauchen. Und wir sind jung und haben viel Zeit. Warum sollen wir was riskieren? Wir wollen doch keine Fehler machen. Wir wollen auch nichts verlieren und uns bleibt so viel zu tun. Unsere Listen bleiben lang und so geht Tag für Tag ganz still ins unbekannte Land.

Eines Tages Baby, werden wir alt sein. Oh Baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können. Und die Geschichten, die wir dann stattdessen erzählen, werden traurige Konjunktive sein wie: Einmal, bin ich fast einen Marathon gelaufen. Und hätte fast die Buddenbrooks gelesen.
Und einmal wäre ich beinahe bis die Wolken wieder lila waren noch wach gewesen. Und fast, fast hätten wir uns mal demaskiert und gesehen, wir sind die Gleichen. Und dann hätten wir uns fast gesagt, wie viel wir uns bedeuten. Werden wir sagen.

Und, dass wir bloß faul und feige waren – das werden wir verschweigen und uns heimlich wünschen, noch ein bisschen hierzubleiben, wenn wir dann alt sind und unsere Tage knapp – und das wird sowieso passieren – dann erst werden wir kapieren, wir hatten nie was zu verlieren. Denn das Leben, das wir führen wollen – das könn‘ wir selber wählen.
Also lass‘ uns doch Geschichten schreiben, die wir später gern erzählen. Lass‘ uns nachts lange wach bleiben, aufs höchste Hausdach der Stadt steigen, lachend und vom Takt frei die tollsten Lieder singen. Lass‘ uns Feste, wie Konfetti schmeißen. Sehen wie sie zu Boden reisen und die gefallenen Feste feiern, bis die Wolken wieder lila sind. Und lass mal an uns selber glauben. Is‘ mir egal, ob das verrückt ist und wer genau kuckt, sieht, dass Mut bloß auch ein Anagramm von Glück ist.
Und, wer immer wir auch waren – lass‘ mal werden, wer wir sein wollen. Wir haben schon viel zu lang gewartet. Lass mal Dopamin vergeuden.

„Der Sinn des Lebens ist leben“ - das hat schon Casper gesagt. „Let’s make the most of the night“ – das hat schon Kesha gesagt. Lass’ uns möglichst viele Fehler machen und möglichst viel aus ihnen lernen. Lass‘ uns jetzt schon Gutes säen, damit wir später Gutes ernten. Lass‘ uns das alles tun, weil wir können und nicht müssen. Weil jetzt sind wir jung und lebendig und das soll ruhig jeder wissen.
Und unsere Zeit, die geht vorbei – das wird sowieso passieren. Und bis dahin sind wir frei und es gibt nichts zu verlieren. Lass‘ uns, uns mal demaskieren und dann sehen, wir sind die Gleichen. Und dann können wir uns ruhig sagen, dass wir uns viel bedeuten, denn das Leben, das wir führen wollen, das können wir selber wählen.

—  One Day von Julia Engelmann

Eines Tages, Baby, werden wir alt sein. Oh Baby, werden wir alt sein
und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.
Ich, ich bin der Meister der Streiche, wenn´s um Selbstbetrug geht.
Bin ein Kleinkind vom Feinsten, wenn ich vor Aufgaben stehe.
Bin ein entschleunigtes Teilchen, kann auf keinstem was reißen,
lass mich begeistern für Leichtsinn – wenn ein anderer ihn lebt.

Und ich denke zu viel nach.
Ich warte zu viel ab.
Ich nehme mir zu viel vor –
und ich mach davon zu wenig.

Ich halte mich zu oft zurück –
ich zweifel alles an,
ich wäre gerne klug,
allein das ist ziemlich dämlich.

Ich würde gern so vieles sagen
aber bleibe meistens still,
weil, wenn ich das alles sagen würde,
wär das viel zu viel.

Ich würde gern so vieles tun,
meine Liste ist so lang,
aber ich werde eh nie alles schaffen –
also fange ich gar nicht an.
Stattdessen hänge ich planlos vorm Smartphone,
warte bloß auf den nächsten Freitag.
Ach, das mach ich später,
ist die Baseline meines Alltags.

Ich bin so furchtbar faul
wie ein Kieselstein am Meeresgrund.
Ich bin so furchtbar faul,
mein Patronus ist ein Schweinehund.

Mein Leben ist ein Wartezimmer,
niemand ruft mich auf.
Mein Dopamin, das spare ich immer –
falls ich´s nochmal brauch.

Und eines Tages, Baby, werde ich alt sein. Oh Baby, werde ich alt sein
und an all die Geschichten denken, die ich hätte erzählen können.

Und Du? Du murmelst jedes Jahr neu an Silvester
die wiedergleichen Vorsätze treu in dein Sektglas
und Ende Dezember stellst Du fest, das du Recht hast,
wenn Du sagst, dass Du sie dieses Jahr schon wieder vercheckt hast.

Dabei sollte für Dich 2013 das erste Jahr vom Rest deines Lebens werden.
Du wolltest abnehmen,
früher aufstehen,
öfter rausgehen,
mal deine Träume angehen,
mal die Tagesschau sehen,
für mehr Smalltalk, Allgemeinwissen.
Aber so wie jedes Jahr,
obwohl Du nicht damit gerechnet hast,
kam Dir wieder mal dieser Alltag dazwischen.

Unser Leben ist ein Wartezimmer,
niemand ruft uns auf.
Unser Dopamin das sparen wir immer,
falls wir´s nochmal brauchen.

Und wir sind jung und haben viel Zeit.
Warum sollen wir was riskieren,
wir wollen doch keine Fehler machen,
wollen auch nichts verlieren.

Und es bleibt soviel zu tun,
unsere Listen bleiben lang
und so geht Tag für Tag
ganz still ins unbekannte Land.

Und eines Tages, Baby, werden wir alt sein. Oh Baby, werden wir alt sein,
und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können
und die Geschichten, die wir dann stattdessen erzählen werden,
traurige Konjunktive sein wie

„Ein mal bin ich fast einen Marathon gelaufen
und hätte fast die Buddenbrooks gelesen
und einmal wäre ich beinah bis die Wolken wieder lila waren noch wach gewesen
und fast, fast hätten wir uns mal demaskiert und gesehen, wir sind die Gleichen,
und dann hätten wir uns fast gesagt, wie viel wir uns bedeuten.“

Werden wir sagen.

Und das wir bloß faul und feige waren,
das werden wir verschweigen,
und uns heimlich wünschen,
noch ein bisschen hier zu bleiben.

Wenn wir dann alt sind
und unsere Tage knapp,
und das wird sowieso passieren,
dann erst werden wir kapieren,
wir hatten nie was zu verlieren –
denn das Leben, das wir führen wollen,
das können wir selber wählen.

Also lass uns doch Geschichten schreiben,
die wir später gern erzählen.
Lass uns nachts lange wach bleiben,
auf´s höchste Hausdach der Stadt steigen,
lachend und vom Takt frei die allertollsten Lieder singen.
Lass uns Feste wie Konfetti schmeißen,
sehen, wie sie zu Boden reisen
und die gefallenen Feste feiern,
bis die Wolken wieder lila sind.
Und lass mal an uns selber glauben,
ist mir egal, ob das verrückt ist,
und wer genau guckt, sieht,
dass Mut auch bloß ein Anagramm von Glück ist.
Und – wer immer wir auch waren –
lass mal werden wer wir sein wollen.
Wir haben schon viel zu lang gewartet,
lass mal Dopamin vergeuden.

„Der Sinn des Lebens ist leben“,
das hat schon Casper gesagt,
„let´s make the most of the night“,
das hat schon Kesha gesagt.
Lass uns möglichst viele Fehler machen,
und möglichst viel aus ihnen lernen.
Lass uns jetzt schon Gutes sähen,
dass wir später Gutes ernten.
Lass uns alles tun,
weil wir können – und nicht müssen.
Weil jetzt sind wir jung und lebendig,
und das soll ruhig jeder wissen,
und – unsere Zeit die geht vorbei.
Das wird sowieso passieren
und bis dahin sind wir frei
und es gibt nichts zu verlieren.

Lass uns uns mal demaskieren
und dann sehen, wir sind die Gleichen,
und dann können wir uns ruhig sagen,
dass wir uns viel bedeuten,
denn das Leben, das wir führen wollen,
das können wir selber wählen.

Also los, schreiben wir Geschichten,
die wir später gern erzählen.

Und eines Tages, Baby, werden wir alt sein. Oh Baby, werden wir alt sein
und an all die Geschichten denken, die für immer unsere sind.

—  Eines Tages, Baby von Julia Engelmann
Mein Wesen, meine Art..

Du sagst mir, ich mache mir zu viele Sorgen. Ich solle abschalten. Im Moment leben. Aufhören, alles zu zerdenken.

Aber so bin ich nun mal. Ich zweifle ab und an zu oft, entscheide manchmal zu spät und weiß von Zeit zu Zeit nicht was ich will. Aber ja, ich denke zu viel nach. Ich mache viel zu wenig von dem, was ich eigentlich sollte. Manche meiner Handlungen sind nicht verständlich. Sie sind ab und an so unverständlich, dass ich selbst gar nicht mal genau weiß warum. Es ist halt mein Wesen, meine Art, über etwas nachzudenken. Manchmal so lange, bis ich selbst nicht mehr weiß worüber. Es ist mein Charakter, an manchen Dingen so lange zu zweifeln, bis ich selbst gar nicht mehr weiß weshalb.

Aber genauso ist es mein Charakter bedingungslos zu lieben. Ich schenke Dingen Beachtung, die übersehen werden. Ich schenke Menschen ein Lächeln, die sonst übersehen werden. Ich schenke Hoffnung, die sonst vergessen wird.

Und bei der Tatsache, dich zu lieben, gibt es selbst für mich nichts zu denken, zu zweifeln, zu werten. Denn bei dir bin ich. Hier schalte ich ab. Hier vergesse ich. Hier lebe ich.

Sie war so schön, das ich mich kaum wage sie zu beschreiben, denn egal was ich sage, ich würde sie beleidigen, weil es untertrieben ist. Sie war eine der Personen, bei der Worte nicht reichten. Sie lief täglich den gleichen weg, sie schaute immer auf den Boden, sie sah jeden Tag die selben Steine. Da war einer der kaputt war, dem sie auswich um ihn nicht weiter zu zerstören. Sie ging um ihn herum, warf ihren Schatten auf ihn, ihm wurde kalt. Sie wusste es nicht, sie wusste nicht das einem Stein kalt werden kann, also tat sie es jeden Tag, sie wollte ihn doch nur schützen. Irgendwann ging sie einen anderen Weg, sie schaute weiterhin auf den Boden, wenn sie ging, sie sah so viele kaputte Steine, doch sie weichte keinen mehr aus. Sie fing an über sie hinüber zu gehen, sie zerstörte sie, sie wusste was sie tat. Der Stein, der bin ich, die anderen Steine bin ich ebenfalls, ich habe dich die ganze Zeit begleitet, du hast mich die ganze Zeit betrachtet und doch, hast du mir so unendlich weh getan. Ich war immer für dich da, du hast mich jeden Tag gesehen, du wusstest das ich kaputt bin und du wusstest, das wenn du gehst, dass es mich zerstört. Schau nicht mehr auf den Boden, schau mich nicht mehr an, du bist so unbeschreiblich, du brauchst mich nicht, du hast mich nie gebraucht und wirst mich auch nie brauchen. Ich war nur eine Person die dich eine Zeit begleitet hat, damit du dahin kommst, wo du hin willst. Vielleicht ist ja all das richtig, vielleicht gehört es sich so, doch egal was du tust, merk dir das wir uns wieder sehen. Nicht heute, nicht morgen, doch glaub mir, spätestens wenn wir nicht mehr leben werden wir uns sehen und ich weiß nicht, ob du es ertragen könntest, wenn dir bewusst wird, was du mit mir getan hast. Ich weiß nicht was ich sagen würde, ob ich etwas sagen würde, ob ich dir einen Blick würdigen würde, doch wenn ich es tue, dann nur damit du alles siehst und nicht nur einen Teil. Du sollst alles sehen, all das, was du getan hast. Ich kämpfte für dich, jeden Tag, doch war es nicht genug. Du bist gegangen, ich kämpfte weiter für dich, ich war dir treu, vielleicht war ich sogar die treuste Seele, die du jemals kennengelernt hast, doch du bist einfach gegangen und hast mich in diesem Kampf um dich, alleine gelassen. Der Kampf ist noch nicht vorbei, noch heute kämpfe ich, kämpfe um dich, für dich, schenke dir meine Gedanken, denke an das was zwischen uns war zurück, weil ich glaube das es mir gut tut, doch verdammt, ich weiß das es das nicht tut und trotzdem tue ich es. Ich denke viel zu viel über dich nach, weil du mir so unglaublich wichtig warst. Mir kommen die Tränen, wenn ich darüber nachdenke, wie gering mein Wert für dich war, denn du bist gegangen, einfach gegangen und du hast ein riesen Loch hinterlassen, das man nicht mehr füllen kann. Du hast die Teile stück für stück herausgerissen. Ich weiß nicht ob du das wolltest oder nicht, ich weiß nicht wie es dir dabei geht, ich weiß nicht ob ich dir jemals etwas bedeutet habe und es macht mich verrückt, dies nicht zu wissen. Ich denke noch immer so viel darüber nach, doch vielleicht ist es besser wenn ich die Antworten auf diese Fragen nicht kenne, denn ich glaube, egal wie die Antwort ist, sie würde mich zerstören. Ich glaube, du würdest mich zerstören, du würdest die Mauer zum fallen bringen, sie würde langsam fallen, sehr langsam. War es jemals ein Kampf für dich? Hast du jemals versucht mir zu helfen? Wolltest du das es mir besser geht? Bitte, sag es mir, ich muss es wissen, ich muss wissen ob all das umsonst war, oder nicht. Ich verzweifel wenn ich darüber nachdenke, ich kann mir nicht vorstellen das du das nicht ernst gemeint hast, ich kann es nicht verstehst du? es geht nicht. 

Oft schweife ich ab, wenn ich schreibe.
Oft ergibt das was ich sage keinen Sinn, auch wenn es in meinem Kopf Sinn ergibt. Ich sah in dir etwas, was ich in niemanden anderes sah. Ich wollte dir einen Platz geben, der nicht vorgewärmt war, an dem noch niemand war, doch du lehntest ab. Du wolltest mir nicht so nahe sein, du wolltest mich nicht, ich war dir nicht gut genug dafür, ich war nur jemand, der immer hinter dir stand, als du es am meisten gebraucht hast. Ich hätte dir meinen letzten Schluck Wasser gegeben, wenn du ihn benötigt hättest. Ich hätte alles für dich getan und das ist das, was du so sehr ausgenutzt hast. Ich war für dich nur ein Spiel, das du eine Zeit gespielt hast und es dann in die Ecke gestellt hast, weil es langweilig wurde, mehr nicht. Ich war nichts für dich, obwohl du alles für mich warst. Du konntest dich auf mich verlassen, egal was war. Hättest du in der Nacht angerufen, mir gesagt das du im Krankenhaus liegst, weil du Fieber oder sonst etwas hast, hätte ich den nächsten Zug genommen und wäre zu dir gefahren. Ich hätte dir dein Lieblingsessen mitgebracht, weil ich gehofft hätte, das du lächelst, um all den Schmerz ein wenig zu vergessen. Ich hätte alles für dich getan, doch das war dir nicht genug, ich war dir nicht genug und das habe ich zuspät realisiert. Ich weiß, das ich oft nicht leicht war, das auch ich Ecken und Kannten habe, doch ich weiß auch, das ich es wert war zu kämpfen. Ich habe so viel für dich getan, ich habe es verdient, dass du mich gut behandelst, doch du hast es nie getan. Ich war immer nur der Abschaum für dich und wahrscheinlich werde ich es immer bleiben. Mir fehlen die Worte, obwohl man es in diesem Text nicht sieht, ich könnte ein Buch schreiben, doch mir fehlen die Worte um zu beschreiben was ich fühle. Ich fühle irgendwie so einen enormen Hass, doch gleichzeitig so krasse Sehnsucht nach dir. Was ist los mit mir? Ich wollte dich so sehr, so unglaublich sehr, ich war verrückt nach dir, doch du nicht nach mir. Ich habe mir immer so jemanden wie dich gewünscht gehabt, doch als du gingst, da starb so viel in mir, du hast keinen Funken Hoffnung hinterlassen. Ich bin nur noch eine leere Hülle, die tut was man ihr sagt, verstehst du? Ich bin nicht mehr der, der ich einmal war, ich bin nicht mehr der, den du gekannt hast, mich gibt es nicht mehr, ich bin schon lange gestorben. So lange ist es her, das ich niemals sagen würde, dass ich gelebt habe.

Ich habe keine Quelle mehr, von der ich meine Kraft beziehen kann. Sie ist weg, sie war nicht lange da, doch sie gab mir so viel Kraft, dass ich eine kleine Ewigkeit damit auskam. Ich hätte nicht gedacht, dass sie so schnell wieder geht, woher sollte ich dies auch wissen? Das schlimmste ist, das ich mir einrede, das es wegen mir ist, dass ich wieder einmal Fehler gemacht habe. Und dann fange ich an zu bereuen, zu bereuen was ich gar nicht tat. Ich bereue Dinge, von denen ich gar nichts weiß, sie mir aber vorstelle. Ich weiß, es ergibt keinen Sinn, mein Kopf ergibt oft auch keinen Sinn, denn aus dem kommen all diese Worte. Ich habe das Gefühl, das das Kapitel mit dir, noch nicht vorbei ist, doch wenn ich die nächste Seite aufschlage, fängt das nächste Kapitel an. Ich will das neue anfangen, doch das alte nicht beenden. Was tue ich? Beende ich es und nehme dich mit ins nächste, obwohl das so nicht vorgesehen ist oder beende ich es nicht und versinke drin.

—  Mein Kopf gibt keine Ruhe, erschießt mich, ich mag nicht mehr. // verbautezukunft