griechenland

Öffnet Eure Herzen!

Immer, wenn ich mir dieses Foto ansehe, kommen mir bestimmte Gedanken.

Zu sehen ist ein kleines Kind, ob Junge oder Mädchen spielt keine Rolle. Ich habe es auf Lesbos kurz nach der Ankunft getroffen und mich zaghaft genähert. Das Kind fror und hatte sich in eine Sicherheits-Decke eingekuschelt.
Ich erinnere mich noch gut daran, dass das Kind nicht aufblickte. Es war in seine eigene Welt versunken. 

Im Bild ist auch eine Hand zu sehen, die nach dem Kind greift. Ob dies die Hand der Mutter oder einer Helfer*in ist, weiß ich nicht mehr. Dies spielt hier auch keine Rolle, denn ich sehe in dieser Hand auf der metaphorischen Ebene auch etwas bedrohliches. Und zwar das:

Europa greift nach dem Leben der Kleinsten. Der Schwächsten. Und Schutzlosesten.

Wir alle wissen, dass die Grenzen zwischen der Türkei und Griechenland absichtlich von der Europäischen Union, der sogenannten „Festung Europa“, verschlossen wurden. Von der Türkei fährt eine Fähre nach Griechenland. Sie ist für alle da. Nur nicht für Geflüchtete. 


Außerdem gibt es über Land ebenso Wege, nach Griechenland zu gelangen. Diese sind jedoch für Menschen auf der Flucht verschlossen. Das ist kein Zufall, sondern gewollt.

Und das bedroht Stunde um Stunde Menschen, die vor dem Krieg (den auch Deutschland seit kurzem führt) fliehen, ein zweites Mal. Was Krieg bedeutet, kann ich nur erahnen. Es muss das Schlimmste sein, was einem Menschen widerfahren kann. 

Ein zweites Mal, weil die Überfahrt auf einem billigen Schlauchboot sehr, sehr gefährlich ist. Und Babies? Sie werden von Schlepper*innen mit Schutzwesten ausgestattet, die explizit nicht für Bootsfahrten geeignet sind.

Wenn ein Boot kentert, ertrinken die Babies zuerst.

Ein schlafendes Baby kommt sicher auf Lesbos an. 

Die EU ist für dieses Ertrinken verantwortlich. Die Idee hinter dieser Politik ist, dass das Sterben von Geflüchteten weitere Geflüchtete davon abhalten wird, überzusetzen. Wie perfide. Wie bosartig. Wie teuflisch. 

Doch die Idee geht nicht auf. Denn: Frauen, Kinder, Männer und Großeltern fliehen doch schon vor dem Schlimmsten. Sie können nicht anders, sie müssen fliehen. Und weil sie so verzweifelt sind, laufen in ein offenes Grab, das Meer. Die Kleinsten zuerst. 

Alleine diese Woche sollen schon 10 Kinder ertrunken sein.

Und Europa schaut zu. Nein, wie töten Geflüchtete nicht selbst. Es ist viel schlimmer. Wir lassen sie sehenden Auges den Kampf gegen den Tod verlieren. Doch weil nicht jeden Tag davon berichtet wird, vergessen wir es. Doch nur, weil wir es nicht sehen, heißt das nicht, dass es nicht passiert. 

Zum Schluss möchte ich ein Bild zeigen, dass ich schonmal gepostet habe. Es zeigt eine Mutter, die vor Glück weint, weil ihre Tochter wohlbehalten angekommen ist.

Ich stand direkt neben dieser Frau. Ich weiß, wie erleichtert und froh sie war, ihre Tochter zu sehen und gleich danach in den Armen zu halten. Doch wie würde sie sich fühlen, müsste sie erfahren, dass ihre kleine Tochter es nicht geschafft hätte? 

Ihr Politiker*innen Europas! Öffnet die Grenzen! Öffnet Eure Herzen!