Verraten sind die Armen, denn sie haben nichts einzubringen.
Verraten sind die Leidtragenden, denn sie sind ausgeschlossen von unserer Gesellschaft.
Verraten sind die Sanftmütigen, denn sie werden an die Wand gedrückt werden.
Verraten sind die, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn die Macht geht vor; Recht und Geld regiert die Welt.
Verraten sind die Barmherzigen, denn Undank ist der Welt Lohn.
Verraten sind die, die reinen Herzens sind, denn sie werden übers Ohr gehauen.
Verraten sind die Friedfertigen, denn sie werden zwischen die Fronten geraten.
Verraten sind, die um ihrer Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn am Ende ist doch alles umsonst.
—  Zeichen der Hoffnung, Patmos Verlag, Düsseldorf 1989, S.118
Literatur-Skript - Prokrastination überwinden (Teil 1)

Woher kommt Prokrastination – und mit welchen Mitteln überwindet man das Aufschieben?

Vom ‚Ich muss‘ zum ‚Ich will‘

Prokrastination ist den meisten im Studium nicht unbekannt. Neil Fiore hat dazu das Buch Vorbei mit der Aufschieberei verfasst. Dabei durchzieht das Aufschieben nicht das ganze Leben eines Menschen, sondern tritt nur in bestimmten Situationen auf. Zum Beispiel im Studienalltag, wenn wir das bestmögliche Ergebnis erzielen wollen. Oder wenn wir die Aufgabe als langweilig wahrnehmen. Dies wird in beiden Fällen von der Angst vor dem Mittelmaß oder dem Scheitern begleitet – sprich, es gibt die Angst zu versagen. Fangen wir dann einfach nicht an, vermeiden wir unsere Versagensängste. Prokrastination ist also das Sich-Drücken vor Aufgaben, wir entziehen uns unserer Angst.

Wahrgenommen wird Prokrastination als Faulheit. Diese können wir, so haben wir es von unseren Eltern und Lehrern gelernt, mit Disziplin überwinden. Bei Dingen die uns Spaß machen brauchen wir diese Disziplin nicht. Dass das Studium nicht in allen Schritten ähnlich motivierend ist, ist klar. Aber es trägt zusätzlich noch den Gedanken in sich, dass man gute Leistungen erbringen muss, um möglichst der Beste zu sein. Daraus erwächst ein nicht gesunder Perfektionismus. Wenn jeder Top sein will, werden fast alle die Erwartungen nicht erfüllen. Die daraus erwachsenden Versagensängste sind die Grundlage der Prokrastination.

Wertschätzung von anderen braucht jeder Mensch für seinen Selbstwert. Bedrohungen unseres Selbstwerts probieren wir abzuwenden. Der Selbstwert ist wiederrum sehr stark an erbrachte Leistungen geknüpft. In der Umkehr haben wir Angst abgewertet zu werden, wenn wir diese Leistungen nicht erbringen. Prokrastination hilft uns, diese Angst zu vermeiden, indem wir uns dem Stress vorübergehend entziehen. Mit dem Anstieg des Leistungsanspruchs in einer Gesellschaft, steigen auch die Probleme mit der Prokrastination.

Das Aufschieben ist also eng mit Perfektionismus verbunden. Der Leistungsdruck hemmt uns, uns Aufgaben und Herausforderungen zu stellen. Erfolgreiche, leistungsstarke Menschen haben dieses Problem scheinbar nicht. Sie können mit Misserfolgen umgehen und machen sich keine Sorgen zu scheitern. Aus Rückschlägen lernen sie. Allein damit wachsen ihre Erfolgsaussichten deutlich. Um Prokrastination zu überwinden, müssen wir also lernen, Misserfolge auch als nützlich zu betrachten.

Prokrastination ist von einem inneren Dialog begleitet. Hier dominieren Formulierungen wie ‚Ich muss etwas tun…‘. Dies beinhaltet dann auch immer ein ‚… ich will das aber eigentlich nicht‘. Das ist ein innerer Konflikt, den es zu überwinden gilt. Dies soll in positive Formulierung, wie ‚Ich will etwas tun‘ umgeleitet werden. Alternativ funktionieren ‚Ich möchte‘ oder ‚Ich habe mich entschieden‘ auch gut. Diese Formulierungen spiegeln dann eine wachsende Selbstverantwortung wider und der äußere Druck nimmt ab.

Vorbei mit der Aufschieberei! Von Neil Fiore; erschienen im VAK Verlag

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Literatur-Skript - weniger Stress im Studium (Teil 1)

Ursachen von Stress – und welche Rolle die Fremdbestimmtheit spielt

Das Stress-Problem liegt im Müssen begründet

Über Zeitmanagement und die dazu gängigen Methoden, wie zum Beispiel die Pomodori Methode, die Eisenhower Matrix und die 80/20 Regel, haben wir ausführlich berichtet. Lothar Seiwert, einer der bekanntesten deutschen Management Berater, geht mit seinem Buch Ausgetickt: Lieber selbstbestimmt als fremdgesteuert einen Schritt weiter und erklärt, warum Stress wirklich entsteht.

Stress ist ein alltägliches Problem, auch im Studium. Er nagt an unserer Gesundheit und im Extrem setzt er einen durch den Burn-out schachmatt. Um dem entgegenzutreten, muss man sich die Ursachen anschauen. Was uns dabei als erstes einfällt ist meist ein zu hohes Arbeitspensum und der damit einhergehende Druck. Einigen Kommilitonen gelingt es aber, trotz des Anspruchs, locker zu bleiben. Der Schlüssel zur Lockerheit ist vor allem Selbstbestimmung. Abhängigkeit erzeugt Stress. Fremdbestimmung führt zu Erschöpfung.

Mit allen Dingen im Leben, so auch mit dem Studium, verfolgt man ein bestimmtes Ziel. Das verlangt viel Arbeit. Diese hat positive, aber auch negative Auswirkungen, denn die Anhäufung von Stress beeinflusst unseren Alltag sehr. Die Ziele kontrollieren den Zeitablauf und, wenn es zu extrem wird, schaden sie unserer Gesundheit. Die Abhängigkeit macht uns unfrei. Unabhängigkeit dagegen erlaubt uns flexibel auf die Welt zu blicken und ein Gleichgewicht herzustellen. Das Streben nach ausgewogener Unabhängigkeit bedeutet wirkliche Souveränität.

Stresskrankheiten können nicht wirklich ursächlich in der Arbeit begründet sein. Viele Menschen schaffen ein sehr hohes Pensum und sind gesund, andere, die eigentlich gar nichts mache, leiden hingegen unter Stress. Die Arbeit kann dann nicht der Auslöser für Stress sein, auch nicht das wohlmöglich fehlende Zeitmanagement. Wichtig ist die innere Einstellung zu seinen Zielen. Das Stress-Problem liegt im Müssen begründet. Muss man etwas tun was man nicht will, dann stellt sich Stress ein. Mag man das was man macht, entsteht deutlich weniger Stress.

Es gibt sogenannte Glückskinder. Denen fällt alles von alleine zu. Ihr Geheimnis ist, dass sie sich selbstverantwortlich auszusuchen was sie tun. Sie orientieren sich in Richtung ihres Ziels und zwar sehr selbstbestimmt. So wächst ihr Erfolg ständig an. Wenn wir also herausfinden was uns wichtig ist, können wir uns darauf konzentrieren. Das nennt man dann Zielstrebigkeit. Mit einem Ziel vor Augen fällt es leichter, dies mit seiner Willenskraft zu erreichen. Ein greifbares Ziel motiviert uns. Weiter erzeugt es Unabhängigkeit und Willensstärke. Diese ist entscheidend wichtig, um erfolgreich zu handeln.

Ausgetickt: Lieber selbstbestimmt als fremdgesteuert. Abschied vom Zeitmanagement von Lothar Seiwert; erschienen im Ariston Verlag

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Literatur-Skript - weniger Stress im Studium (Teil 2)

Wie Stress entsteht – und welche Rolle die Fremdbestimmtheit spielt

Proaktives Handeln hilft

Es gibt viele Methoden, die das Zeitmanagement verbessern. Lothar Seiwert, einer der bekanntesten deutschen Management Berater, geht mit seinem Buch Ausgetickt einen Schritt weiter und erklärt, wie Probleme mit Zeit und Stress entstehen. Im ersten Teil wurde die Fremdsteuerung als wesentlicher Einflussfaktor beschrieben, dagegen hat Zielstrebigkeit und Willenskraft eine entspannende Wirkung.

Fremdbestimmung wächst aus der Beeinflussung anderer. Je öfter wir an den falschen Stellen Ja sagen, desto mehr Stress kommt auf. Auch wenn es einen Gruppendruck gibt, hilft es Nein zu sagen, wenn es angebracht ist. Um entspannter zu sein müssen wir also lernen, auch mal gegen den Strom zu schwimmen, und nicht immer den Weg des geringsten Widerstandes gehen.

Natürlich müssen wir viele Dinge machen, die wir uns nicht selbst aussuchen, das gehört dazu. Wirklicher Stress entsteht aber, wenn wir in dem was wir machen überhaupt keinen Sinn finden. Daraus erwächst dann der gefürchtete Dauerstress. In einem idealen Zustand befinden wir uns, wenn wir zwischen unseren Aufgaben und dem, was wir als ‚Leben‘ bezeichnen nicht wirklich trennen müssen. In diesem Zustand macht es dann Sinn, sich intensiver mit seinem Zeitmanagement zu beschäftigen, um ein gesundes Gleichgewicht zwischen unseren Aufgaben und der Freizeit herzustellen. Studium und Arbeit gehören auch zu unserer Lebenszeit.

Einen großen Einfluss auf unser Stress-Level haben die Menschen um uns herum, im Speziellen die Kommilitonen. Wir müssen uns aufeinander verlassen können. Sind diese nicht zuverlässig genug, steigert sich wieder die Fremdbestimmtheit, was zu weiterem Stress führt. Das Einzige was da hilft, ist proaktives Handeln. Wir müssen die Kontrolle in wichtigen Situation übernehmen. Proaktiv handeln heißt vor allem vorauszuschauen. Da sich Stress nicht vermeiden lässt, bedeutet proaktiv sein auch, eine bestimmte Menge an Stress zu akzeptieren.

Zeitmanagement ist ein wichtiges Mittel gegen Stress. Es darf aber nicht alleine stehen, die richtige Priorisierung ist genauso entscheidend, denn falsche Prioritäten erzeugen neuen Stress. Hierfür müssen wir uns regelmäßig einen Gesamtüberblick schaffen und uns so besser selbst steuern.

Der Druck im Leben wächst beständig, im Studium zum Beispiel durch die Bologna Reform. Immer mehr technische Möglichkeiten machen vieles einfacher, erzeugen aber auch neue Probleme. Das Lebenstempo steigt durch mehr Termine und unserer andauernden Erreichbarkeit. Auch hier brauchen wir wieder eine konsequente Selbststeuerung, wir müssen Grenzen ziehen können. Ein anderes Wort dafür ist Entschleunigung. Dinge langsamer machen und sie vereinfachen. Weniger Tempo bedeutet weniger Stress.

Ausgetickt: Lieber selbstbestimmt als fremdgesteuert. Abschied vom Zeitmanagement von Lothar Seiwert; erschienen im Ariston  Verlag

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