galerie priska pasquer

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What a great Art Paris Art Fair we had this year! Thank you for spending your time at our booth. It was our pleasure to welcome you. We have shown photographs, drawings, paintings and videos by

Rudolf Bonvie
Bengü Karaduman
Rinko Kawauchi
Hanno Otten
Yağız Özgen 
Tim Parchikov
Manfred Willmann.

Also our red cabinet with works by Russian avant-garde artists and Japanese artists from the 1960s had a great response from everyone.

Daido Moriyama
Issei Suda
Yutaka Takanashi
Shomei Tomatsu
Shin Yanagisawa

El Lissitzky
Valentina Kulagina
Gustav Klutsis
Alexandr Rodchenko

For those who had not the chance to visit us we would like to share some impressions.

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Current exhibition at GALERIE PRISKA PASQUER in Cologne

RUDOLF BONVIE | DIALOG

Rudolf Bonvie was born in 1947. Having spent many years in France, he now lives and works near Cologne, Germany. In addition to many individual exhibitions including in Museum Folkwang (Essen – 1988), Lenbachhaus (Munich – 1991) and Kunstverein Karlsruhe (Karlsruhe – 1990), he has been involved in a number of significant group exhibitions. These include “Die Reste des Authentischen” at Museum Folkwang, Essen (1986), “Blow up” at Kunstverein Stuttgart (1987), “Fotografie in der deutschen Gegenwartskunst” at Museum Ludwig, Cologne (1993), and “Deutschlandbilder” at Martin-Gropius-Bau, Berlin (1997). His works can be found in the Museum of Modern Art (New York), Museum of Fine Arts (Houston), Museum Folkwang, (Essen), Lenbachhaus (Munich), ZKM (Karlsruhe), Museum Ludwig (Cologne) and in the Staatsgalerie (Stuttgart) as well as in numerous German and US private collections.

Review of “Issei Suda - The Transition of the Flower of Acting Style”

KOELNISCHE RUNDSCHAU, June 26, 2013
by Thomas Linden

Kein Strom der Emotion
Priska Pasquer zeigt Fotos des Japaners Issei Suda

Unter Japans großen Fotografen ist keiner der Tradition der sachlichen Fotografie, wie sie in Deutschland seit Generationen gepflegt wird, so nahe wie Issei Suda. Der heute 73-Jährigen bleibt respektvoll auf Blickdistanz. Stets auf Augenhöhe zu seinem Gegenüber, führt er die Kamera streng und überlegt, ohne den Überraschungsmoment zu suchen, selbst wenn das Gegenüber eine Katze ist. Issei Suda fotografiert Mädchen und Frauen in traditioneller Kleidung, den jungen männlichen Kadetten schaut er beim Plausch zu, und seine Straßenfotografie gibt sich nie dem Strom der Emotion hin.

Suda ist der große Außenseiter unter Japans legendären Fotokünstlern, während Daido Moriyama und die legendäre Gruppe der Provoke-Fotografen bedingungslos ihren spontanen Gefühlen folgten, sucht er abgeklärte Sujets.

Die Galerie Priska Pasquer zeigt großartige Beispiele für Sudas ikonenhafte Fotografie, die einen statischen Aspekt durch ihre quadratischen Formate erhält, in denen der Bildgegenstand fein säuberlich ins Zentrum gerückt ist. Obwohl die Situationen wie im Theater arrangiert sind - Suda fotografierte tatsächlich über viele Jahre im Bereich der avantgardistischen Bühnen - erzählen sie doch von einem sorgsam verborgenen Geheimnis. Alles zu zeigen, heißt nicht, dem Betrachter die Welt zu erklären.

Nicht ausgeliefert

Die Menschen auf Sudas Porträts halten etwas zurück, sie liefern sich nicht willig dem Blick aus, wie wir es heute in den Fernsehbildern beobachten können. Weil man nicht alles sehen kann, erhält man jedoch eine Vorstellung vom Innenleben, der Persönlichkeit der Menschen, die vor Sudas Kamera treten. Selbst die Kinder begegnen seiner Kamera mit selbstbewusster Attitüde.

So verweist auch der Titel der Ausstellung “The Transmission of the Flower of Acting Style” auf die dramaturgischen Lehrbücher des No-Theaters. In ihnen wird das Erblühen einer Blume beschrieben, deren letzte Geheimnisse verborgen sein sollten, damit man die Schönheit und die kreative Kraft, die den Dingen innewohnt, noch entdecken kann.

Die Ausstellung zeigt Arbeiten aus den späten 70er Jahren, als Suda mit dem Buch “Fûshi Kaden” Berühmtheit erlangte. Damals siedelte er vom Land in die Stadt über und seine Sujets wechselten vom Porträt zu Straßenszenen. Ein Sujet, das er meisterhaft in Angriff nahm, weil seine wohldosierte Distanz die Lebendigkeit des Verkehrs und öffentlichen Lebens umso beeindruckender ins Bild setzte.

WELTKUNST, July 2013
Article by Susanne Schreiber

Zeitgenössische Fotokunst ist gefragt. Sammler bevorzugen Bilder mit starker Anmutung, die zum Dialog einladen 

Jeder kann es. Jeder tut es. Selbst mit Telefonieren und iPads fotografieren wir unseren Alltag und Festtag. Bilder machen hat das auf Erkenntnis angelegte Sehen ersetzt. Das Resultat ist erstaunlich gut - für einen Schnappschuss aus der Hüfte, für das schnelle visuelle Notieren. Kunst hingegen, und das ist Fotografie schon seit 100 Jahren, verlangt mehr als das bildschöne Motiv, mehr als den richtigen Augenblick. In der Kunst der Lichtbildnerei wirken Komposition, Tiefe, Brillanz und Überraschung zusammen, aber auch der gekonnte Einsatz von Technik, die bewusste Wahl des Druckverfahrens, des Papiers. Fotografie, die Relevanz hat für Sammler, startet meist mit Preisen im vierstelligen Bereich. Weltrekorde in Höhe von 3,3 Millionen Euro für einen einzigen Abzug von Andreas Gurskys “99 Cent” sind selten und nicht typisch.

Ein Besuch der führenden Fotomesse “Paris Photo” oder einer der spezialisierten Galerien macht den Qualitätsunterschied im Bild von Laie und Profi sofort augenfällig. Priska Pasquer in Köln beispielsweise ist Expertin für russische Konstruktivisten, Bauhaus-Künstler und die zeitgenössische Szene in Japan. Sie zählt berühmte Museen und profilierte Privatsammler zu ihren Kunden. Ein breiteres Publikum spricht der von ihr vertretene Rudolf Bonvie an. Bei dem Kölner findet der Fotografiefreund einen ungewöhnlichen Blick, extreme Formate und Sinn für Abstraktion. Bonvie nimmt Meerwasser von oben zwischen Bohlen so auf, dass sich das “Seestück” auch als ungegenständliches Bild mit kalligrafischer Wirkung lesen lässt. In einer Dreierauflage kosten seine schmalen Hochformate bei Pasquer zwischen 12 000 und 16 000 Euro. Kenner näherten sich einem Foto nicht unbedingt vom Motiv her, eher “über die Anmutung, die Lebenseinstellung des Fotografen, die Reibung oder Identifikation damit”, erzählt Pasquer.

Das Internet hingegen ist voll von Schnäppchen. Doch der Einsteiger sei gewarnt. Unterbewertete Schätzchen der Fotokunst findet nur der Kenner. Denn der hat sein Auge lange geschärft, hat Entstehungskontext, Marktlage des Künstlers und Rang des Fundstücks sofort für Vergleich parat. Nur so kann er das Belanglose vom Wertvollen unterscheiden. Tun Sie es ihm nach, schulen Sie Ihr Auge!

 

Exhibition “Children”
Galerie Priska Pasquer
January 30 - April 30, 2004

Review Frankfurter Allgemeine Zeitung, February 28, 2004
by Freddy Langer

Von der Notwendigkeit, ernst zu schauen
Ein Augenblick nur, dann ist alles Vergangenheit: Kinderfotografien aus über hundert Jahren in der Kölner Fotogalerie Priska Pasquer

Kinder sind auch nur Menschen. Und doch entziehen sich Kinderbilder den üblichen Kategorien des Porträts. Denn in den wenigsten Fällen wollen sie einen Charakter darstellen oder gar bloßlegen, vielmehr sind sie gewöhnlich als Erinnerungen gedacht an Gesichter, die so schon bald nicht mehr aussehen werden. Mehr noch als anderen Fotografien haftet ihnen deshalb immer ein Moment von Vergangenheit an, auch von Verlorenem. Um so größer der Schock, wenn Fotografen sich dem Hang des Kinderbildes zum Niedlichen und damit der Darstellung der Unschuld verweigern.

“Kinder” heißt eine Ausstellung der Fotogalerie Priska Pasquer in Köln, die mit mehr als sechzig Beispielen aus den vergangenen hundert Jahren zeigt, was passiert, wenn Kinder ernst genommen werden: von Charles Negres Bild eines Säuglings im Baby-Gestell bis zu den trotzigen Teenagern in Berliner Straßen von Michael Schmidt. Der Schriftzug “Sie wollte von Anfang an etwas Außergewöhnliches werden”, den Astrid Klein in einer metergroßen Fotoarbeit als Balken über die Gesichter dreier Mädchen auf einer Parkbank gelegt hat, ist dabei gleichsam Programm der Bilderschau.

Im Jahr 1873 mag der strenge Blick des Prinzen Louis de Bourbon auf einer Aufnahmeserie von Adolphe-Eugène Disdéri nicht nur dem Bewußtsein um den eigenen Stand, sondern auch der langen Belichtungszeit geschuldet gewesen sein. Als hingegen Hugo Erfurth 1906  für sein “Knabenbildnis in Landschaft” einen Jungen vor dräuenden Wolken ernst in die Weite und für das Bild “Mutter und Sohn” denselben Bub nicht minder ernst in die Kamera schauen ließ, suchte er ebenjene Mimik der Selbstgewißheit, die fast all seine Prominentenporträts jener Zeit auszeichnet. In Alexander Rodchenkos Bub mit Kappe und Halstuch aus dem Jahr 1930 hingegen soll sich vermutlich die Zuversicht angesichts revolutionärer Visionen spiegeln.

Es gibt freilich auch eine Ernsthaftigkeit, die aus der Tragödie erwächst. Der Sozialreformer Lewis Hin nahm zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts kleine Kinder in den amerikanischen Südstaaten auf, denen die Arbeit in Fabriken jede Spur von Unbekümmertheit aus den Gesichtern gewischt hat. Und Achim Lippoth fand in chinesischen Sportzentren kleine Buben, die das Training zu Wettkampfmaschinen macht. Die beklemmendste Arbeit der Ausstellung ist eine Installation von Christian Boltanski. In einem raumhohen Regal hat der Künstler Porträts von Findelkindern arrangiert, die Hilmar Pabel nach dem Zweiten Weltkrieg für den Suchdienst des Roten Kreuzes aufgenommen hat: Leere Blicke auf leere Kartons geklebt - gespenstische Metapher für einen Lebensbeginn im Nichts.