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Der im Wachstum begriffene Mensch wird gezwungen, die meisten seiner autonomen, echten Wünsche und Interessen und seinen eigenen Willen aufzugeben und einen Willen, Wünsche und Gefühle anzunehmen, die nicht aus ihm selbst kommen, sondern ihm durch die gesellschaftlichen Denk- und Gefühlsmuster aufgenötigt werden. Die Gesellschaft und die Familie als deren psychosoziale ‘Agentur’ haben ein schwieriges Problem zu lösen: Wie breche ich den Willen eines Menschen, ohne daß dieser es merkt? Durch einen komplizierten Prozeß der Indoktrination, durch ein System von Belohnungen, Strafen und entsprechender Ideologie wird diese Aufgabe im großen und ganzen jedoch so gut gelöst, daß die meisten Menschen glauben, ihrem eigenen Willen zu folgen, ohne sich bewußt zu sein, daß dieser konditioniert und manipuliert wurde.
—  Erich Fromm, Haben oder Sein, 1976
Umtausch nicht gestattet. - Die Menschen verlernen das Schenken. Der Verletzung des Tauschprinzips haftet etwas Widersinniges und Unglaubwürdiges an; da und dort mustern selbst Kinder mißtrauisch den Geber, als wäre das Geschenk nur ein Trick, um ihnen Bürsten oder Seife zu verkaufen. Dafür übt man charity, verwaltete Wohltätigkeit, die sichtbare Wundstellen der Gesellschaft planmäßig zuklebt. In ihrem organisierten Betrieb hat die menschliche Regung schon keinen Raum mehr, ja die Spende ist mit Demütigung durch Einteilen, gerechtes Abwägen, kurz durch die Behandlung des Beschenkten als Objekt notwendig verbunden. Noch das private
Schenken ist auf eine soziale Funktion heruntergekommen, die man mit widerwilliger Vernunft, unter sorgfältiger Innehaltung des ausgesetzten Budgets, skeptischer Abschätzung des anderen und mit möglichst geringer Anstrengung ausführt.
Wirkliches Schenken hatte sein Glück in der Imagination des Glücks des Beschenkten. Es heißt wählen, Zeit aufwenden, aus seinem Weg gehen, den anderen als Subjekt denken: das Gegenteil von Vergeßlichkeit. Eben dazu ist kaum einer mehr
fähig. Günstigenfalls schenken sie, was sie sich selber wünschten, nur ein paar Nuancen schlechter. Der Verfall des Schenkens spiegelt sich in der peinlichen Erfindung der Geschenkartikel, die bereits darauf angelegt sind, daß man nicht weiß, was man schenken soll, weil man es eigentlich gar nicht will. Diese Waren sind beziehungslos wie ihre Käufer. Sie waren Ladenhüter schon am ersten Tag. Ähnlich
der Vorbehalt des Umtauschs, der dem Beschenkten bedeutet: hier hast du deinen Kram, fang damit an, was du willst, wenn dir’s nicht paßt, ist es mir einerlei, nimm dir etwas anderes dafür. Dabei stellt gegenüber der Verlegenheit der üblichen Geschenke ihre reine Fungibilität auch noch das Menschlichere dar, weil sie dem Beschenkten wenigstens erlaubt, sich selber etwas zu schenken, worin freilich zugleich der absolute Widerspruch zum Schenken gelegen ist.
[…]
Alle nicht entstellte Beziehung, ja vielleicht das Versöhnende am organischen Leben selber, ist ein Schenken. Wer dazu durch die Logik der Konsequenz unfähig wird, macht sich zum Ding und erfriert.
—  Theodor W. Adorno, Minima Moralia
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Es gibt keine Ganzheiten in dieser Welt, viel eher gilt, daß sie aus Fetzen von Zufallsereignissen besteht, deren Abfolge an die Stelle sinnvoller Kontinuität tritt. […] Fragmentarische Individuen spielen ihre Rollen in einer fragmentarischen Realität.
—  Siegfried Kracauer, Theorie des Films, 1960
Tierrechte in der kritischen Theorie

In der „Dia­lek­tik der Auf­klä­rung“ kri­ti­sie­ren Hork­hei­mer und Ador­no den An­trieb abend­län­di­scher Zi­vi­li­sa­ti­on und Wis­sen­schaft, die das als „Natur“ De­fi­nier­te zu nichts mehr als zu blo­ßem Ma­te­ri­al macht, wel­ches zu be­herr­schen ist, grund­sätz­lich: „Was die Men­schen von der Natur ler­nen wol­len, ist, sie an­zu­wen­den, um sie und die Men­schen voll­ends zu be­herr­schen.“ Dabei gehen sie auch spe­zi­ell auf die „Ver­skla­vung der Krea­tur“ ein und kri­ti­sie­ren auch das Vor­ge­hen der funk­tio­na­len Wis­sen­schaft, die dis­qua­li­fi­zier­te Natur zum Stoff blo­ßer Ein­tei­lung und Ver­füg­bar­keit für den Men­schen zu ma­chen – so gehe etwa das Ka­nin­chen „ver­kannt als blo­ßes Ex­em­plar durch die Pas­si­on des La­bo­ra­to­ri­ums“. In einem ei­ge­nen Ab­schnitt über „Mensch und Tier“ kri­ti­sie­ren Hork­hei­mer und Ador­no die For­meln und Re­sul­ta­te, die Men­schen „in ihren scheuß­li­chen phy­sio­lo­gi­schen La­bo­ra­to­ri­en wehr­lo­sen Tie­ren ab­zwin­gen“ und den „blu­ti­gen Schluß“, „den sie aus den ver­stüm­mel­ten Tier­lei­bern zie­hen“. Von „Arena und Schlacht­haus“ ist die Rede, von der „lü­cken­lo­sen Aus­beu­tung der Tier­welt heute“. „Dem blu­ti­gen Zweck der Herr­schaft ist die Krea­tur nur Ma­te­ri­al“, so pran­gern sie an. Die Ur­sa­che davon: „Jedes Tier er­in­nert an ein ab­grün­di­ges Un­glück, das in der Ur­zeit sich er­eig­net hat“ – näm­lich die Un­ter­drü­ckung der in­ne­ren Natur, des in­ne­ren Tie­res im Men­schen, die „Geist“ über­haupt erst er­mög­lich­te. So „bannt Man­gel an Ver­nunft das Tier auf ewig in seine Ge­stalt, es sei denn, daß der Mensch den er­lö­sen­den Spruch fin­det und durch ihn das stei­ner­ne Herz der Un­end­lich­keit am Ende der Zei­ten er­weicht.“

how do we prevent the discourse of the void (the empty place of democracy) from congealing into a kind of negative theology? ..The Bilderverbot has to be secularized, it has to be pried away from religious orthodoxy, it needs to be given its real materialist urgency and immediacy. Only through theology do we overcome religiosity.
—  REBECCA COMAY in reference to ADORNO
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Puh, am Ende gewinnt doch immer Adorno.

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Der Weg Zur Kritischen Theorie - Adorno Horkheimer Fromm Habermas