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Kommunismus und Sozialismus sind nicht utopische Bilder einer besseren Menschheit, sie forderten und fordern bis heute, die einzige wahre Befreiung, frei von Gesellschaftlichen und kapitalistischen Sachzwängen.

Magnus Klaue: Dirk Braunstein im Gespräch über die Protokolle von Adorno-Seminaren 

Gerät der Versuch einer derart genauen Dokumentation alltäglicher Seminararbeit nicht auch in Gefahr, einer Historisierung oder Musealisierung der kritischen Theorie zuzuarbeiten?

Davor habe ich aus verschiedenen Gründen gar keine Angst. Zum einen versuche ich immer – und auch bei dieser Arbeit –, die Texte der kritischen Theorie als gegenwartsbezogene zu behandeln, als Texte also, die Aussagen über die unmittelbare Gegenwart machen, und nicht einfach nur als historische Dokumente. Zum anderen finde ich es wiederum durchaus hilfreich, wenn sich dabei herausstellt, dass sie Zeugnisse einer Zeit sind, die unwiderruflich vergangen ist. Die Hoffnung, durch kritische Theorie denkend in die gegenwärtige Gesellschaft einzugreifen, aus der heraus heute viele Linke sich die Zeiten des alten Instituts für So­zialforschung zurückwünschen, war ja schon zur Zeit Adornos und Horkheimers prekär. Dass bei vielen Linken das alte Institut für Sozialforschung zu einer Art theoretischer Keimzelle für die Entwicklung richtiger Praxis überhöht und dieser vermeintlich besseren Zeit hinterhergetrauert wird, ist insofern schon historisch falsch. Wenn eine solche editorische Arbeit dazu beiträgt, das Bewusstsein dafür zu schärfen, in welchem Maß sich der heutige Seminarbetrieb an den Universitäten vom damaligen unterscheidet, und wie vieles Schlechte sich umgekehrt seither erhalten hat, mag das die Frustration heutiger Akademiker verstärken, es fördert aber vielleicht auch einen historischen Realismus, der gerade vielen Linken vollständig abgeht. In diesem Sinne ist eine Histo­risierung kritischer Theorie, als Schärfung des Bewusstseins für die Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen dem damaligen und dem heutigen gesellschaftlichen Leben, sogar wünschenswert.

Umtausch nicht gestattet. - Die Menschen verlernen das Schenken. Der Verletzung des Tauschprinzips haftet etwas Widersinniges und Unglaubwürdiges an; da und dort mustern selbst Kinder mißtrauisch den Geber, als wäre das Geschenk nur ein Trick, um ihnen Bürsten oder Seife zu verkaufen. Dafür übt man charity, verwaltete Wohltätigkeit, die sichtbare Wundstellen der Gesellschaft planmäßig zuklebt. In ihrem organisierten Betrieb hat die menschliche Regung schon keinen Raum mehr, ja die Spende ist mit Demütigung durch Einteilen, gerechtes Abwägen, kurz durch die Behandlung des Beschenkten als Objekt notwendig verbunden. Noch das private
Schenken ist auf eine soziale Funktion heruntergekommen, die man mit widerwilliger Vernunft, unter sorgfältiger Innehaltung des ausgesetzten Budgets, skeptischer Abschätzung des anderen und mit möglichst geringer Anstrengung ausführt.
Wirkliches Schenken hatte sein Glück in der Imagination des Glücks des Beschenkten. Es heißt wählen, Zeit aufwenden, aus seinem Weg gehen, den anderen als Subjekt denken: das Gegenteil von Vergeßlichkeit. Eben dazu ist kaum einer mehr
fähig. Günstigenfalls schenken sie, was sie sich selber wünschten, nur ein paar Nuancen schlechter. Der Verfall des Schenkens spiegelt sich in der peinlichen Erfindung der Geschenkartikel, die bereits darauf angelegt sind, daß man nicht weiß, was man schenken soll, weil man es eigentlich gar nicht will. Diese Waren sind beziehungslos wie ihre Käufer. Sie waren Ladenhüter schon am ersten Tag. Ähnlich
der Vorbehalt des Umtauschs, der dem Beschenkten bedeutet: hier hast du deinen Kram, fang damit an, was du willst, wenn dir’s nicht paßt, ist es mir einerlei, nimm dir etwas anderes dafür. Dabei stellt gegenüber der Verlegenheit der üblichen Geschenke ihre reine Fungibilität auch noch das Menschlichere dar, weil sie dem Beschenkten wenigstens erlaubt, sich selber etwas zu schenken, worin freilich zugleich der absolute Widerspruch zum Schenken gelegen ist.
[…]
Alle nicht entstellte Beziehung, ja vielleicht das Versöhnende am organischen Leben selber, ist ein Schenken. Wer dazu durch die Logik der Konsequenz unfähig wird, macht sich zum Ding und erfriert.
—  Theodor W. Adorno, Minima Moralia

Das wissen schon einige, trotzdem auch hier noch einmal: Die berühmte Zeitschrift für Sozialforschung ist endlich online. Die Zeitschrift wurde 1932 vom Frankfurter Institut für Sozialforschung unt…

Archives of the Frankfurt School journal Zeitschift für Sozialforschung, all in the original German.
Il [Pierre-André Taguieff] est finalement refusé à l’examen d’entrée de l’IS, pour avoir cité l’école de Francfort.
— 

Things to avoid during the examination for entering the Situationist International: Quoting the Frankfurt School.

(Quote from there, see also: In girum imus nocte et consumimur igni (2006), S. 170 and Archives & documents situationnistes 1 (2001), S. 211)

youtube

Puh, am Ende gewinnt doch immer Adorno.

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Der Weg Zur Kritischen Theorie - Adorno Horkheimer Fromm Habermas