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tatort "Ohnmacht": Ballauf & Schenk, Koeln




Die böse Jugend


Dass Günther Jauch seine sonntägliche Talkrunde mit den Worten “Hat Sie dieser tatort auch hilflos und ohnmächtig zurückgelassen?” eröffnet, ist selten. Was war also geschehen? Ein tatort der den Zuschauer verstört, ein tatort der es tatsächlich schafft 90 Minuten ohne größere Peinlichkeit oder Durststrecke auszukommen?
Zumindest nah dran.

Nach wenigen Sekunden des letzten tatorts war klar: keine Curryuwusrt mehr in Köln? Da stimmt was nicht…
Kommissar Ballauf wird nach ein oder zwei (oder drei?) Feierabendbierchen Zeuge eines brutalen Angriffs einer Gruppe Jugendlichen auf einen jungen Mann, nachts, im kölner Underground. Als Ballauf versucht dazwischen zu gehen, wird der Kommissar selbst verletzt und vor die U-Bahn gestoßen. So also das Ausgangsszenario für die kölner Ermittler: Jugendgewalt, eine ordentliche U-Bahn-Schlägerei, Zeugen die nur zusehen, nicht einschreiten und daneben der übermenschliche Max Ballauf, der nichts mehr tun kann.

Was diesen tatort von nun an auszeichnet sind weniger die Ermittlungsarbeit, die spektakulären Wendungen oder actionreiche Verfolgungen,  vielmehr ist es eine ernüchternde, realitätsnahe Suche nach Motiven.
Das kölner Ermittlerduo ringt fortan mit den Verdächtigen um Geständnisse, um Beweisse und Aussagen.

Doch dabei wird eines klar: diesmal wird kein großer Wert auf irgendwelche semi-professionellen Erklärungsversuche à la “Ach’ sein Vater war  obdachloser Türke mit Alkoholproblem…”, oder “Ach’ ihre Mutter wurde im Krieg von drei russischen Geige-Solisten missbraucht, na dann is ja klar, dass sie den jungen Mann mit der Geige in der U-Bahn Station halbtod schlägt.”
Nein, diesmal ist alles herrlich flach, oder eben auch nicht.
Die Täter waren böse.
Sie sind böse und müssen nun überführt werden.

Ob es nicht doch tiefere Gründe haben könnte, dass drei halbwüchsige U-Bahnschläger aus der oberen Mittelschicht, mit Pseudo-Vorzeigeeltern, mit emotionslosen Richtermüttern oder Borderline-Vätern ihren perversen Aggressionen nachgehen, wird diesmal dem Zuschauer überlassen.

Achja, die neue Ermittlergehilfin Fräulein Häslich („Nicht Hässlich, nicht Häslein, bitte keine Witze auf meine Kosten“) ist auch ganz nett.

“free speech am Arsch!”