feinste

Ich bin kein Mann der seine Frau einsperrt, nur weil ich will, dass ihr Lächeln, ihr Charme, ihre Aufmerksamkeit und ihre Blicke mir gehören. Meine Frau ist eine Frau mit viel Verantwortung und Anstand. Ihre Bildung stoppen zu lassen, damit sie zuhause hockt und auf mich den ganzen Tag wartet wäre dumm und herzlos von mir. Sie ist eine Dame die meine Familie respektiert. Sie liebt meine Mutter wie ihre eigene. Respektiert meinen Vater sie ihren eigenen. Ihre Attraktivität und ihre süße Art macht jedes Herz schwach. Für jede Eigenschaft die sie trägt liebe ich sie. Sie hat Eigenschaften an sich, die mich die Welt vergessen lassen. Ihr Herz schlägt nur für mich, so wie mein Herz nur für sie schlägt. Sie ist zerbrechlicher als die feinste Rose auf Erden. Dies ist der Grund, wieso mein Zorn und meine Wut den eines Löwen ähneln, wenn sie jemand zum weinen bringt. Sie lässt mich jeden Tag mit ihrer liebe zu mir wissen, dass sich der Kampf um ihren Ringfinger lohnt.
haltestelle zwei.

ich denke täglich an den baum
von haltestelle zwei
er wirft mit schatten, wirft mit laub
und denkt sich nichts dabei

lehnt unverwandt am straßenrand
und stülpt mit seinen wurzeln
den betonierten bussteig auf
bringt feinstes volk zum purzeln

meist steht er still, der alte greis
und harrt ganz ohne murren
dem bus, nur wenn der später kommt
hört man ihn leise knurren

ich denk fast täglich an den baum
von haltestelle zwei
am montag wird er durchgesägt
für haltestelle drei

© tore greenwood

heute morgen fühlt es sich an, als würde es bereits dämmern. dichter nebel packt die straßen in nasskalte watte; feinste tröpfchen legen eine klamme maske auf mein gesicht. läden starren mich aus toten schaufenstern an. ich senke scheu meinen blick; doch halt. im fast blinden spiegel des altmodischen hutladens sehe ich im tränenwinkel einen schatten auf meiner wange. ich bleibe stehen, trete näher heran und finde dünne buchstaben, feine worte, ganze sätze auf meiner haut. gedicht-risse in meiner hülle, kleine spalte, lichtscharten meiner seele.