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Sein Unterschenkel drohte abzusterben, achtmal musste er operiert werden. An Leistungssport ist beim ehemaligen Dortmunder Nachwuchstalent Dario Scuderi nach schlimmen Verletzungen nicht mehr zu denken. Für seinen neuen Weg bat der Italiener den Verein um ein Darlehen - die Antwort des Clubs hätte fürsorglicher nicht ausfallen können.


Sein Karrieretraum platzte innerhalb weniger Sekunden. Als die U19 des BVB vor zehn Monaten zu einem Jugendspiel gegen Warschau antritt, erleidet Nachwuchsspieler Dario Scuderi eine derart schlimme Verletzung, dass an Fußball fortan nicht mehr zu denken ist.
Doppelter Kreuzbandriss, Außenbandriss und Meniskusschaden. Weil später wegen einer Entzündung sogar der Unterschenkel abzusterben droht, muss der junge Fußballer sofort notoperiert werden.


Nach acht Eingriffen muss Scuderi seinen Traum vom Leben als Profi abhaken und entschließt sich zu einem Studium: Sportmanagement.
Für die Studienkosten bittet der junge Italiener den BVB um ein Darlehen, wie der “Kicker” nun berichtet. Der Verein zögert nicht lange mit seiner Zusage. Und hat für Scuderi sogar noch eine viel bessere Nachricht parat.


Denn dem Bericht des “Kicker” zufolge gewährt der Verein kein Darlehen, sondern übernimmt die vollen Kosten für das Studium des 19-Jährigen, der auch für die U19 seines Heimatlandes gespielt hatte.
BVB-Chef Hans-Joachim Watzke hält sein Wort. Denn wenige Wochen nach Scuderis schlimmer Verletzung hatte der Geschäftsführer des Vereins den Italiener ins Stadion eingeladen, ihn in den Arm genommen und ihm gesagt, er müsse sich keine Sorgen um seine Zukunft machen.

—  Focus.de 31.07.17

Ich wache auf, ich liege in meinem Bett und meine Oma bringt mir frühstück. Ich bin traurig, denn mein Fuß ist kaputt, ich bemitleide mich selber. Checke Tumblr, checke whatsapp, checke Instagram, Telegram, Facebook, Twitter. Ich sehe: nach heidenau kommt Nauen. Die Turnhalle in der Refugees unter kommen sollten, ist komplett abgebrannt. Meine Oma kommt in den Raum und fragt mich ob ich denn heute besuch bekommen würde, fragt ob meine Sozialarbeiterin morgen kommt.
Ich nicke, schalte den Fernseher ein und suche nach einem Nachrichten Kanal. Über all, auf jedem Sender kommt das gleiche, Berichte über Refugees… Über die Kritik an ihnen. Ich bleibe auf Phoenix hängen und Wut steigt in mir hoch. Übelkeit, Hass, Tränen. “In 10 Tagen bin ich in Deutschland, das wird die schwerste Reise meines Lebens!” Sagt ein Fliehender, er weiß noch nicht das er 4 Monate brauchen und nie in Deutschland ankommen wird.
“Wir legten unsere Pässe neben einander und stellten fest: sie sind beide aus Plastik, mit Fotos von uns. Nur auf meinem steht Deutschland, ich habe das Privileg überall hinzureisen wann und wie ich will.” Erzählt der Reporter. Ich knabbere an meinem Croissant während der nächste Bericht Kindersoldaten zeigt, ein 11 jähriger Junge sitzt dort, mit Zigarette im Mund und einer Waffe in der Hand. Ich sehe wie Kinder in ihrer eigenen Scheisse spielen, abgemagert und krank. Ich sehe Kinder die Kinder groß ziehen. Ich sehe Hunger, leid, not, Verzweiflung, trotzdem lachen diese Menschen und Beten zu Gott, halten sich an diesem kleinen Strohhalm der Hoffnung fest…

Und ich schäme mich Mensch zu sein.
Ich schäme mich so verwöhnt zu Leben, ich schäme mich für das Land in dem ich geboren wurde, ich schäme mich für mein Verhalten und ich schäme mich für die Menschheit.
Die Kamera macht einen Cut und ich höre Schreie. Ein Bombenanschlag. Ein älterer Mann erscheint auf dem Bildschirm und sagt in die Kamera:
“Zeig ihnen allen mein Schicksal. Ich bin doch eh schon tot!”. Während ich hier im Bett liege und diesen Text mit meinem Smartphone tippe, ertrinken Menschen im Mittelmeer, planen irgendwelche verwirrte nazis den nächsten Anschlag auf eines der Heime, sterben Kinder weil sie nicht ärztlich versorgt werden, werden Menschen niedergeknüppelt weil sie versuchen vor dem Krieg zu fliehen.
Während ihr diesen Text lest, reißen Familien auseinander, harren flüchtlinge in dunklen Wäldern aus, warten bis die Spürhunde an ihnen vorbei gelaufen sind, haben Menschen Todesangst.
Und diese Todesangst nehmen sie in Kauf, denn alles scheint besser zu sein als deren zuhause. Jegliche Strapazen erscheinen für sie einfacher als dort zu bleiben wo sie ein geregeltes Leben haben. Ein zuhause, Familie, Freunde, Arbeit, Alltag.
Ich schaue auf Deutschland und mir wird kotzübel. Ich hasse dieses Land. Ich hasse die Ignoranz mit der sich die Politik schmückt. Ich schäme mich für die Herzlosigkeit die hier herrscht, es ist nicht Deutschland es ist kaltland.
Ich scheiß auf dieses Land und seine Politik, ich scheiß auf die Ungerechtigkeit und die Polizei, welche nazis schützt und HelferInnen nieder schlägt. Wären Flüchtlingsheime Banken, würden sich ketten von Bullen davor stellen, denn die Aufrechterhaltung des Staates ist weitaus wichtiger als die Würde eines Menschens.

Ich werde in Zukunft jeden einzelnen rassistischen Kommentar veröffentlichen, damit jeder sehen kann was für elendige verdammte nazis unter uns sind. Ich werde nicht ruhe geben in Diskussionen mit Rechtsgesinnten, Polizei SympathisantInnen, RefugeegegnerInnen, SexistInnen und MackerInnen.
Wer nicht in der Lage ist Stellung zu beziehen ist feige, es gibt nur dafür und dagegen, wer sich zur Mitte gesellt ist meiner Meinung nach nicht besser als die, die dagegen sind.

Ich werde nie verstehen, wie man so herzlos sein kann, Menschen die so ein Schicksal erleidet haben abzulehnen und so viel Angst und Hass in sich tragen zu können.
Irgendwann werde ich den Verstand darüber verlieren, es bringt mich zum weinen und zum schreien, und ich kann nicht nachvollziehen wie ein anderer Mensch so kalt bleiben kann.

Es ist im Leben wie im Schachspiel: Wir entwerfen einen Plan. Dieser bleibt jedoch bedingt durch das, was im Schachspiel dem Gegner, im Leben dem Schicksal, zu tun belieben wird. Die Modifikationen, welche hierdurch unser Plan erleidet, sind meistens so groß, dass er in der Ausführung kaum noch an einigen Grundzügen zu erkennen ist.
—  Arthur Schopenhauer