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Wenn ein Schwan auf Kaperfahrt geht

Eis hat das Piratenschiff eingeschlossen. Daneben ist ein riesiger Schwan festgefroren. Sie kommen hier jetzt nicht mehr weg, obwohl die nahe Spree noch frei vorbeifließt. Aus einem anderen Schwanenboot wächst Schilf. Seit Jahren liegt der Vergnügungspark im Plänterwald still. Nur das Riesenrad dreht sich langsam im Wind. Die große Wildwasserbahn ist längst trockengefallen. Und Regen hat zwar den Kanal des Love-Boats gefüllt, doch das Boot selbst blieb unvollendet. Kein Wunder, dass einer der schweren Schwäne eines Nachts – mit wessen Hilfe? - ausbrach und auf der Spree davonschwamm, wie Christopher, der Fremdenführer an diesem verwunschenen Ort, erzählt. Über Havel und Elbe habe es der Schwan bis nach Mecklenburg-Vorpommern geschafft.

ff: Wasser und Schiffe, das hat immer etwas mit Fernweh und Freiheit zu tun. Das scheint sich sogar auf diesen Plastikschwan übertragen zu haben, den acht Mann kaum anheben können. Und Flüsse und Seen unterscheiden sich in dieser Hinsicht offenbar wenig von der offenen See.

nata: Wir haben uns diesen Monat auf Schiffe konzentriert, und plötzlich haben alle Dinge mit Schiffen zu tun. Im Radio singt man über Schiffe, Freunde erzählen über Schiffe und Boote.

ff: Auffällig ist auch, dass Schiffe einerseits alle weiblich sind, wir andererseits aber nur ganz selten auf Frauen an Bord gestoßen sind.

nata: Bis auf das Badeschiff, den Theaterkahn und die Alfred, das Hausboot am Treptower Park mit dem männlichen Namen und der süßen Neda, der Wassernymphe. Wie man ein Schiff nennt, was ein Schiff bedeutet und was generell die Faszination von Orten ausmacht, hängt sehr von unserer Vorstellung ab.

ff: Und in der Vorstellung vieler Eigner ist ein Schiff oft mehr als ein toter Gegenstand. Das geht’s dann plötzlich um die „Beziehung auf dem Wasser" oder die „zweite große Geliebte". Einer besucht seine schwimmende Freundin auch im Winterquartier mehrmals die Woche und ein anderer lobt seines Gefährts – oder seiner Gefährtin? - Schönheit, auch wenn die „nicht mit einer Frau zu vergleichen" sei.

nata: Das sind teilweise Liebesgeschichten. Auch sonst fasziniert das Wasser viele Menschen. Warum eigentlich?

ff: Wenn Du auf dem Wasser bist, denkst Du weniger an irdische Dinge.

nata: Ich frage mich, was uns sonst hilft, weniger über irdische Dinge nachzudenken. Verlassene Orte spielen manchmal auch eine solche Rolle.

ff: Vielleicht, weil sie die Vorstellungskraft anregen. Man erfindet Geschichten, wie man es als Kind getan hat.

nata: Der Plänterwald ist auch ein solcher Ort, voller Geschichten, ein Spielplatz. Die Leute kommen hierher, um sich an Sachen zu errinnern, da sie irgendwann schon hier gewesen sind. Oder sie haben Geschichten darüber gehört - darüber, wie das Riesenrad sich im Wind dreht, und das hat sie in der Januarkälte hierher gebracht. Geschichten sind stark, sie haben die Kraft, Dinge zu bewegen, zu ändern, und Menschen zu berühren, zu motivieren. Wir alle brauchen Geschichten, um uns an einfache kindliche glückliche Sachen zu erinnern. Erwachsene vergessen das manchmal.

ff: Sie sind zu sehr in ihrem Alltag verhaftet. Und es braucht eine besondere Umgebung, um das aufzubrechen: Einen Horizont wie auf dem Tempelhofer Feld oder eine weite Wasserfläche. Da werden die alten Grenzen aufgehoben.

nata: Im Plänterwald ist auch die Zeitgrenze durchlässig. Wir sind jetzt hier. Der Ort ist aber ein fassbarer Beweis, dass die Zeit vergeht und weitergeht.

ff: So wie jetzt die Zeit für dieses Kapitel von Ein Monat, 31 Portraits.

nata: Wir sind wieder an einem Ende angekommen.

ff:: Die Schiffe fahren aber weiter.

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When a Swan Takes on a Pirate Journey

Ice locked the pirate ship. A huge swan froze next to it. They’re not sailing away anymore, even though the near by Spree river still flows. Reed grows in another swan boat. The Plänterwald entertainment park has been quiet for years. Only the big wheel turns slowly in the wind. The wild water track has been dry for a while now. And rain filled up the Love-Boat channel, while the boat itself was never finished. No wonder one of the heavy swans one night - with whose help? - evaded and swam away on the Spree, as Christopher tells, the guide of this enchanted place. Apparently, the swan made it all the way over Havel and Elbe to Mecklenburg-Vorpommern.

ff: Water and ships, that has always something to do with wanderlust and freedom. One can also read that on this plastic swan, difficult to move by eight people all together. And from this point of view, rivers and lakes apparently differ little from the open sea.

nata: We’ve focused this month on ships, and suddenly everything seems to have something to do with ships. The radio plays a song about a ship, friends tell stories about ships and boats.

ff: Also to note is that ships are on the one hand all female, but on the other hand we rarely met females on board.

nata: Except for the Badeschiff, the Theaterkahn and Alfred, the houseboat from Treptower Park with the masculine name and the sweet Neda, the water nymph. It depends on the imagination how one names a ship, what meaning does a ship have and why do places fascinate us in general.

ff: And ships mostly mean more than just an object in its owners’ imagination. It’s suddenly about ‘relationship to water’ or 'the second lover’. One visits his swimming girlfriend several times per week also in the winter garage and another one praises the vessel’s - the companion’s - beauty, even if she’s 'not comparable with a woman’.

nata: They’re partly love stories. Water fascinates many people also otherwise. Why is that actually?

ff: When you’re on water, you’re less concerned with earthly things.

nata: I wonder what else helps us think less about these kind of things. Abandoned places also play sometimes such a role.

ff: Maybe because they stimulate our imagination. One makes up stories, like we used to as children.

nata: Plänterwald is also such a place, full of stories, a playground. People come here to remember, as they were here some time ago. Or they heard stories about the place - about how the wheel turns in the wind, and this brought them here in the January cold. Stories are strong, they have the power to move things, to change and to touch people, to motivate them. We need stories to remember the simple happy childish things. Adults forget that sometimes.

ff: They’re too much caught up in their daily life. And it needs a different context to break that barrier: a horizone like on the Tempelhof field or a wide water surface. Old borders are broken like this.

nata: The time border is also permeable in Plänterwald. We’re here now. But the place is a tangible proof, that time passes by and flows further.

ff: Like the time of this chapter of One Month, 31 Portraits.

nata: We reached an other end.

ff: But the ships keep on sailing.

Die Ballerina von der Polizei

Sie dreht eine Pirouette, beweglich fast wie eine Ballerina, wendet auf der Stelle, hat einst auch im Wasserballett getanzt an Tagen der offenen Tür. Sie ist schlank, sie ist schnell, schafft Tempo 22. Das ist schneller als die Wasserschutzpolizei erlaubt. Dabei ist die Seeschwalbe dort selbst Beamtin, seit 1966 schon im Dienst. Sie und ihre Schwestern sind etwas Besonderes: Sie haben kein Ruderblatt, sondern eine Düse mit Propeller. Das macht sie trotz ihres Alters so agil.

„Wir kriegen keine neuen Boote, das ist viel zu teuer“, sagt Bernd von der „Dir ZA.WSP Mitte“, auf dessen Visitenkarte über und unter dem Namen „Präventionsarbeit“ steht. Er ist seit 1972 bei der Polizei, noch nicht so lange wie die Seeschwalbe. 1983 ging er zur Wasserschutzpolizei. 160 Männer und Frauen sind heute bei der WSP, etwa ein Prozent aller Berliner Polizisten. Früher sind sie rausgefahren mit einem großen Pott Kaffee und einem Kuchenpaket. Früher wurden die Kojen im Bug der Seeschwalbe noch benutzt. Früher irgendwann gab es auch ein Problem mit dem Alkoholverbot im Dienst. „Glauben Sie, der hat ein Wort mit Ihnen gesprochen, bevor Sie einen Schnaps mit ihm getrunken hatten?“, sagt Bernd über polnische Binnenschiffer in grauer Vorzeit.

Überall ist die Seeschwalbe dabei: Der Feuerwehr helfen, Falschparker am Ufer verwarnen, Führerscheine der Freizeitkapitäne kontrollieren. „Die sehen in uns nicht so den blöden Bullen, als der man in Kreuzberg immer gesehen wird.“ Eines Nachts, im Sommer 1974, schlich sich gar prominenter Besuch an Bord. Die damals noch junge Seeschwalbe (oder eine ihrer Schwestern) lag da am Wannsee, wachte über den ruhigen Schlaf der Weltmeister-Elf, als plötzlich Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Sepp Maier vor der Tür standen. „Die wollten das Boot besichtigen und ein Bier trinken an Bord“, sagt Bernd. „Sowas würde ihnen bei der normalen Polizei nie passieren.“ Und auf einem normalen Schiff auch nicht. Aber die Seeschwalbe ist ja etwas Besonderes.

ff

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The Police Ballerina

She twirls in a pirouette with ballerina movements and spins around; she even took part once in a water ballet during days of open doors. She’s thin, she’s fast, she has a tempo of 22. That’s faster than what the water police allows. The Seeschwalbe/Sea Swallow is herself an official, serving since 1966. She and her sisters are something special: they don’t have a rudder blade, but a jet with propeller. That makes her so agile despite her age.

‘We don’t get any new boats, that’s too expensive’, says Bernd from the ‘Dir ZA.WSP Mitte’ division, whose visit card says ‘prevention work’ above and under his name. He’s been with the police since 1972, not as long as the Seeschwalbe. With the water police (WSP) since 1983. 160 women and men are with the WSP, around one percent of the total police in Berlin. They once used to have excursions with a pot of coffee and cake. They once still used the bunks in the bow of the Seeschwalbe. They also once had a problem with the use of alcohol during service. ‘Do you think they would have started talking to us before drinking a shot with them?’, says Bernd about Polish boatmen in former times.

The Seeschwalbe is all over the place: to help the firemen, to warn those who parked wrongly by the shore, to check the driving license of the leisure time captains. ‘They don’t see in us dumb cops, as it happens in Kreuzberg.’ One night during the summer of 1974 there were celebrities on board. The back then still young Seeschwalbe (or one of her sisters), while resting in Wannsee, was suddenly awaken by world champions, as Franz Beckenbauer, Gerd Müller and Sepp Maier showed up at the door. ‘They wanted to visit the ship and drink a beer on board’, says Bernd. ‘That would never happen at a normal police station.’ And also not on a normal ship. But the Seeschwalbe is something special.

ff 

Weite Fahrt durchs Meer der Worte

Worte wogen. Blätter baumeln. Abertausend Zettel zappeln im Zug, wenn die Tür sich öffnet. Ein Ozean der Worte erstreckt sich über den Köpfen der Gäste. Dank und Grüße, auch wohl Küsse. Und immer wieder Fisch. Fliegende Fische. Hier einer mit Sprechblase: „La fille qui m'a dégusté m'a trouvé délicieux (ich war sehr gut)“. Datiert 30 XII 2011. Es könnte auch jeder andere Tag sein. Dienstags und donnerstags landet frischer Nachschub vom Mittelmeer an.

Am Spiegel über den Gläsern hat die Blauauge aus Antalya angelegt. Ihr blaues Auge im Segel blickt auf das Zettelmeer, dessen geflügelte Worte die kleine Welt dieser vier Wände widerspiegeln.„Meine Gäste und Nachbarn haben alles mitgebracht“, erzählt Balikci. Das Schiff mit dem Auge schenkte ihm der Nachbar, der im S-Bahn-Bogen nebenan seine Firma für Kamerasysteme hatte. Es soll den bösen Blick vertreiben. Die Zettel zeugen davon, dass hier das Glück mit am Tisch sitzt. Fisch, Salat und Raki – mehr brauche er nicht, sagt Balikci. „Mein erster Fischladen war bis 1990 in der Bastianstraße. Jeder Gast hat dort schon einen Zettel geschrieben.“ Er sammelte sie, nahm sie beim Umzug 1991 mit und hängte sie an dieser Decke auf: „Das ist meine Idee.“

An den Wänden, den Küsten dieses Zettelmeeres, hängen Fotos vieler Gäste. Nicht das von Helmut Kohl, dessen Frau hier regelmäßig Fisch kaufte, wie Balikci erzählt. Auch nicht das von Sibel Kikelli, die kürzlich hier aß. Aber das des früheren türkischen Fußballnationaltrainers, der in den 1960er Jahren mit Balikci für Ankara in der Ersten Liga kickte. Nahe dem Liegeplatz der Blauaugehat der Wirt stolz Bilder seiner Mannschaft aufgehängt. Ein neuer Stolz ist hinzugekommen: „In ganz Deutschland gibt’s kein Restaurant, das mehr als 20 Sorten frischen Fisch hat, in ganz Europa nicht.“ Und das Grollen der S-Bahn verwandelt sich zum Meeresrauschen.

ff

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Long Trip through the Sea of Words

Words wave. Cards dangle. Thousands and thousands of cards flounder in the draught, when the door opens. An ocean of words spreads over the guests’ head. Thanks and greetings, and many kisses. And a lot of fish. Flying fish. Here’s one with a speech bubble: ‘La fille qui m’a dégusté m'a trouvé délicieux (I was delicious).’ Dated 30 XII 2011. Could have been any other day. Fresh supplies from the Mediterranean Sea arrive Tuesdays and Thursdays.

Blauauge from Antalya anchored by the mirror above the glasses. The blue eye on the sails gazes over the sea of cards, whose flying words mirror the small world in between the four walls. ‘My guests and neighbors have brought everything’, tells Balikci. His neighbor gave him the ship with the eye, he had a company for camera systems next door under the arch of the S-bahn. It’s supposed to drive away the evil eye. The notes are proof that happiness is a guest in here. Fish, salad and Raki – he doesn’t need more than that, tells Balikci. ‘My first fish shop was in Bastianstraße until 1990. Every guest wrote a note there already.’ He collected all of them, took them along when he moved in 1991 and hanged them from the ceiling, ‘this is my idea.’

Photos of many guests are hanging on the walls, on the coasts of this sea of cards. Not of Helmut Kohl, whose wife used to buy here fish regularly, as Balikci tells. Neither that of Sibel Kikelli, who ate here recently. But there is the photo of the football national trainer, who played with Balikci for Ankara in the first league. The host proudly hanged pictures of his team close to the anchored Blauauge ship. Another reason to be proud: ‘there isn’t a restaurant in the entire Germany, offering more than 20 types of fish, not in the entire Europe.’ And the rumblings of the S-bahn metamorphose into sea hissings.

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Die bewegliche Haltestelle

Das Hotel-Zimmer ist eine Haltestelle. Der Gast kann sich dort leicht fühlen, die Dinge von außen betrachten oder vorübergehend eine neue Identität annehmen. Was bieten die Zimmer des Eastern Comfort? „Kabinen“, präzisiert Edgar, der Kapitän des schwimmenden Hostels. „Wir schaukeln Sie in den Schlaf. Ein Schiff ist etwas, das immer etwas losgelöst ist von dem da draußen.“ Er wohnt selbst mit seiner Familien auf einem Hausboot.

Die Eastern Comfort ist per Definition eine Zwischenwelt. „Die Landbehörden sagen, das ist doch auf dem Wasser, damit haben wir nichts zu tun. Und die Wasserbehörden sagen, das ist ein Hotel, das geht uns nichts an“, erzählt Edgar. 1993 hat er die Eastern Comfort (auf der östlichen Spreeseite) mit 25 Kabinen und die Western Comfort (auf der West-Seite) mit 19 Kabinen erworben. Ihre Namen täuschen dennoch ein wenig. Die Western Comfort wurde 1987 in Polen gebaut. Die Eastern Comfort wurde 1991 im Westen gebaut. Beide liegen nun neben Oberbaumbrücke, East-Side Galerie und Watergate vertäut.

„Auf dem Wasser ist es eine andere Welt,“ meint Edgar. Er hat wohl Recht, wenn selbst die Nachbarn von gegenüber ab und zu auch hier übernachten. Pärchen, 70-Jährige, Backpacker, Walk-Inns, Straßenmusiker: „Im Hostel kannst Du immer ein Buch schreiben über skurrile Gäste.“ Seit 2005 gibt es mittwochs auch eine Lounge-Bar, ein internationales Treffen mit Live-Musik.

Das Schiff ist gefangen zwischen den niedrigen Berliner Brücken. Trotzdem ist es das Versprechen einer Reise und eine Pause vom Alltag. Man packt seine Sachen in einen kleinen Koffer und beginnt seine Nachtreise in der kleinen Kabine. Vielleicht ist man morgens überrascht, wenn man durch die Bullaugen das gleiche sieht wie vor dem Einschlafen. Doch wer weiß, auf welchen Wasser-Wegen und über welche Werner-Herzog-Berge die Träume gesegelt sind.

nata

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The moving station

The hotel room is a station. The guest can feel lighter in there, can contemplate things from an outsider perspective or take on momentarily a new identity. What do the rooms of Eastern Comfort offer? ‘Cabins’, specifies Edgar, the captain of the swimming hostel. ‘We rock you in your sleep. A ship is different, is something detached in a certain way from the outside of it.’ He lives himself on a houseboat with his family.

Eastern Comfort is a world in between per se. ‘The land authorities say they don’t have anything to do with it, because it’s on water. And the water authorities say is not their business, because it’s a hotel’, tells Edgar. In 1993 he got the Eastern Comfort on the Eastern shore of the Spree, with 25 cabins, and the Western Comfort on the Western shore, with 19 cabins. Their names are still somewhat deceiving. The Western Comfort was built in 1987 in Poland. The Eastern Comfort was built in 1991 in the West. They’re both anchored now next to the Oberbaum Bridge, East Side Gallery and Watergate.

‘There’s another world on water,’ tells Edgar. He must be right, since his own vis-à-vis neighbors are sleeping here over every now and then. Pairs, 70-year-olds, backpackers, walk-ins, street musicians – ‘one can always write a book in a hostel about eccentric guests.’ Wednesdays have been lounge-bar days since 2005, an international get together with live music.

The ship is captive in between Berlin’s too low bridges. But it’s still a promise of a trip and a pause from every day life. One packs his things in a small luggage and begins his night trip in the small cabin. Maybe one’s even surprised when next day sees the same landscape through the bull eyes. But who really knows, on which waterways and Werner-Herzog-mountains did the dreams sail.

nata

Das Märchen von Köpenick

Ein Haus gibt ein Gefühl der Stabilität - es steht meistens fest. Ein bewegliches Haus beschäftigt die Vorstellung – sei es ein nomadischer Wagen wie im Herzog„Stroszek“(1977) oder ein fliegendes Haus wie im Pixars „Up“ (2009). Die SpreeArche auf dem Müggelsee ist auch eine solche Geschichte.

Frank Baum hat sich im Jahr 1900 ein fliegendes Haus im „Zauberer von Oz“ vorgestellt. Ein anderer Frank – Frank Cotte – hat sich vor ein paar Jahren ein schwimmendes Haus in Köpenick vorgestellt. „Es ist ein Traum für mich. Ich bin am Wasser groß geworden. Ich liebe jeden Tag, wo ich hierherfahre.” Die SpreeArche war ein leerer Schubleichter, ein Holzbauponton. „Ich wollte ein Blockhaus drauf aufbauen.” Jetzt ist es eine Gaststätte in der Mitte des Wassers, ohne Brücke. Rauchschwalben nisten unter der Plattform und Bachstelzen. Das Wasser, die Anwohner und Mundpropaganda bringen stets neue Gäste. Statt Autos hat Frank zwei Fähren, mit denen er seine Gäste vom Ufer abholt und wieder zurückbringt.

Es war nicht einfach, seinen Traum zu verwirklichen. „Ich wollte eine Gaststätte, die schwimmt. Ich hatte andere Liegeplätze im Auge. Überall musste ich weg. Ich wusste nicht mehr wohin. Dann habe ich hier den Anker geworfen.“ Franks Traum war auch zu groß für Banken und Behörden. „Es gibt dir keine Bank ‘nen Kredit auf so 'nen Spleen“, er musste selbst investieren und aufbauen. „Ich sollte ja hier weg. Weil es so außergewöhnlich ist, hat der behördliche Druck aber nachgelassen.“

Man muss seinen Weg durch den Müggelsee-Tunnel und Wald zum Anleger finden. Dort klingeln oder winken. Die SpreeArche ist nicht mit der Landwelt verankert, sondern nur mit der Unterwasserwelt. In den vergangenen drei Wintern war das Eis aber so dick, dass man zu Fuß kommen konnte. Besonders Kinder sind von dem schwimmenden rustikalen Haus fasziniert, sie ziehen die Eltern wieder her. Für sie stecken viele Märchen in der Arche.

nata

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The Fairytale from Köpenick

A house gives a feeling of stability – it’s usually fixed. A moving house stimulates the imagination – be it a nomadic trailer like in Herzog’s ‘Stroszek’ (1977) or a flying house like in Pixar’s ‘Up’ (2009). The SpreeArche on the Müggelsee is also such a story.

Frank Baum has imagined a flying house in the ‘Wizard of Oz’ in 1900. Another Frank – Frank Cotte - has imagined a swimming house in Köpenick a few years ago. ‘It’s a dream for me. I grew up by the water. I love every day coming here.’ The SpreeArche was an empty barge, a construction pontoon. ‘I wanted to build a blockhouse on it.’ Today it’s a restaurant in the middle of the water, bridgeless. Swallows nest under the platform and there are also white wagtails. The water, the nearby residents and the word of mouth bring new guests again and again. Instead of cars, Frank has two ferries with which he picks up his guests from the shore and then brings them back.

It wasn’t easy to make his dream come true. ‘I wanted a floating restaurant. I had my eyes set on other anchorages. But I had to go away and wasn’t sure where to anymore. So I dropped the anchor here.’ Frank’s dream was also too big for banks and public authorities. ‘No bank gonna give you a loan for such a crazy idea,‘ he had to invest and construct it himself. ‘I was actually supposed to go away from here. But the unusual side of the project made the pressure from the authorities fade away.’

One has to find his way to the quay through the Müggelsee tunnel and the woods. To ring or wave from over there. The SpreeArche is not anchored to the land world, but only to the underwater world. But the ice has been so thick during the last three winters, one could walk his way over. The swimming rustic house fascinates especially children; they keep dragging back their parents. Many fairytales hide in the Ark for them.

nata

It’s a bird, it’s a plane… it’s a Badeschiff!

Dafür muss man ins Wasser, nicht zum Himmel, gucken. Der Bezirksbürgermeister Franz Schulz soll einst gesagt haben: „Es wird nie dazu kommen, dass drei Plastikwürste in der Spree liegen.“ Nun liegen sie zwischen dem Glashaus und dem Hoppetosse-Restaurant, und zusammen mit denen gehören sie zum Ensemble der Arena. Was schwimmt hier eigentlich?

Die Klang-Installation beim Eingang in die Arena – eine Industriehalle ist zu sehen, Fußstapfen und Gezirpe zu hören – lädt zu weiteren Vorstellungen ein. Das Badeschiff ist kein richtiges Schiff (mehr). Es ist auch kein Standard-Schwimmbad. Direkt in der Spree: „Bio-Sauna, eine 95-Grad-Sauna, eine Bar und ein 25 Meter langer Pool,” erzählt die Berlinerin Marie, zuerst Gast hier und seit 2010 Mitarbeiterin. Alles hat als „Kunstprojekt“ angefangen. Der Architekt des Badeschiffes hat damit eine Frage beantwortet – „Wie schafft man es, dass die Berliner mehr ans Wasser kommen?“ – und dafür sogar den Bundesarchitekturpreis bekommen. „Damals war ein Teil des Badeschiffes ein Schubleichter, 32 mal 8 Meter groß”, erzählt Falk, Bauherr des Bades und Chef der Hoppetosse. Heute habe es „die besten Wasserwerte aller Bäder in der Stadt”. Das Badeschiff ist chamäleonhaft, es ändert sich nach Jahreszeiten und ist täglich geöffnet. Sommer-Badeschiff ohne Wände seit 2004, und Winter-Badeschiff mit 28 Grad seit 2005. Die Wassertemperatur bleibt aber konstant bei 24 Grad.

„Von einer Million Besucher der Arena sind 350 000 Badeschiffbesucher“, meint Falk. Oder sollte man lieber „Passagiere“ sagen? Das frühere Schiff ist vergessen. Man verlässt aber immer noch das Land, um es zu betreten. Es ist die Geschichte eines ehemaligen Schiffes, das heute selbst einen Fluss enthält. Oder die Geschichte eines Schiffes, das sich in einen Fluss verwandelt hat. Egal, es ist Winter in Berlin und hier ist es… heiß!

nata

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It’s a bird, it’s a plane… it’s a Badeschiff!

One has to look into water for it, not the sky. The quarter’s mayor Franz Schulz seems to have said, ‘there will never ever be three plastic sausages in the Spree.’ Now they’re floating there between the Glass House and the Hoppetosse restaurant and they all belong to the Arena complex. What’s actually swimming here?

The sound installation by the entrance into Arena invites to further imagining – one can see an industrial hall and can hear footsteps and chirps. Badeschiff is not an actual ship (anymore). It’s also not a standard swimming pool. Directly in the Spree – ‘Bio-sauna, a 95 degree sauna, a bar and a 25 meter long swimming pool’, tells the Berliner Marie, first guest here and an employee since 2010. Everything has started as ‘art project’. The architect of the Badeschiff answered a question with it – ‘what could be done to increase Berliner’s access to water?’ – and even got the Federal Price for Architecture with it. ‘A part of the Badeschiff was once a barge, 32 on 8 meter big’, tells Falk, its owner and boss of the Hoppetosse. Today it’s known to have the ‘best water quality among the city’s swimming pools.’ The Badeschiff is chameleonic, it changes according to season and is open daily. Summer-Badeschiff with no walls since 2004 and winter-Badeschiff with 28 degrees since 2005. But the water temperature stays constant at 24 degrees.

‘From Arena’s one million visitors, 350 000 are visitors of the Badeschiff’, estimates Falk. Or should one better say passengers? The former ship is forgotten. But one still has to leave behind the land to enter it. This is the story of a former ship, which contains itself a river today. Or the story of a ship, which metamorphosed into a river. One way or another, it’s winter in Berlin and here it's… hot!

nata

Sie hat das Baggern gelernt

Nichts scheint Annika aus der Ruhe zu bringen. Nur wenn die junge, schlanke Harley auftaucht, möchte sie sich manchmal von ihren Leinen losreißen. Schon länger buhlen die beiden um Werners* Aufmerksamkeit. Manchmal verschwindet er tage- und nächtelang, reitet wild auf der  Jüngeren, vergisst alle Grenzen. Annika bleibt allein zurück. Hier hat sie keine Chance. Es ist eine Konkurrenz mit ungleichen Waffen. Annikas alter, behäbiger Körper ist mit den Jahren etwas eingerostet. Sie schwimmt gut, aber bewegt sich nur noch alle paar Jahre. Sie weiß: Für Werner bietet sie den sicheren Hafen, den guten Ankerplatz, ein warmes und gemütliches Zuhause, wenn er abgekämpft nach Hause kommt. Sie hält ihm sein warmes Bett bereit, hat das Bier im Kühlschrank und eine bequeme Couch vor dem Fernseher.

Werner hat Nymphe vor zwei Jahren verlassen, um bei Annika einzuziehen. Sie hat das Baggern in jungen Jahren gelernt. „Annika war ein Baggerschiff“, erzählt Werner. Später wurde sie umgebaut. „Das ist mein viertes Hausboot.“ Auch auf der Magdeburg und der Harry hat er vorher schon gewohnt, seit 1998 lebt er auf dem Wasser. Die Nymphe ist dann bei der Renovierung in der Werft abgebrannt, aber da war Werner bereits auf die Annika gezogen.

Schon Ende 1995 hatte Werner die Magdeburg gekauft. Sechs Jahre lang hat er dann Partys veranstaltet am Spreeufer in Kreuzberg, neben dem illegalen Planet-Club. „Manchmal haben wir an einem Abend zwölf DJs gehabt, alles illegal“, erzählt er. Bis es ihm zu viel wurde: „So einen Club zu machen, das reibt Dich auf.“ Nun ist er 51 und kümmert sich um Boote. Dass er selbst auf einem lebt, „hat sich so ergeben“. Aber der gebürtige Schwabe will es nicht mehr anders, möchte auf dem Wasser bleiben: „Auf diesem Boot oder auf irgendeinem anderen.“ Die Annika kann sich Werners nicht wirklich sicher sein.

*Name geändert

ff

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She Got to Know Digging

Nothing seems to trouble Annika from her tranquility. She only wishes to set off from her ropes when the young, thin Harley comes out. It’s been a while since they’ve both been craving for Werners’* attention. Sometimes he’s gone for days and nights riding the younger one, forgetting about limits. Annika remains then alone behind. She doesn’t stand a chance. It’s a competition with unequal weapons. Annika’s older body has rusted a bit over the years. She swims well, but she gets to move around only every couple of years. She knows: she’s offering Werner a safe harbor, a good anchorage ground, a warm and cosy home when he comes back. She keeps his warm bed prepared, beer in the fridge and a comfortable couch in front of the television.

Werner has abandoned the Nymphe two years ago to move on Annika. She learned digging in her early years. ‘Annika was a dredger’, tells Werner. She was rebuilt later on. ‘This is my fourth houseboat.’ He has been living on water since 1998; he once lived on Magdeburg and Harry. The Nymphe burned out while in the dockyard, but Werner was already on Annika at that time.

Werner bought the Magdeburg in the end of 1995. He then organized parties for six years in Kreuzberg, at the Spreeufer next to the illegal Planet-Club. ‘Sometimes we even had 12 DJs per evening, everything illegal’, he tells. Until everything got too much – ‘such a club can really get to you.’ He’s now 51 and takes care of houseboats. 'It just happened’ that he lives on one himself. The born Swabian doesn’t wish anything else for himself, wants to stay on water – ‘on this boat or another one.’ Annika can’t take him for granted.

*Name changed.

ff

Die Welt trifft sich in Rummelsburg

Alle Welt schläft in Rummelsburg, träumt in Rummelsburg. Träumt von Rummelsburg? Die Kamina wiegt sie in den Schlaf: Australier und Neuseeländer, Inder und Amerikaner. Sie wollen zum Swimming Hostel Berlin und landen auf der belgischen Spits, gebaut 1963 in Oostende, umgebaut 45 Jahre später in Lübeck, seit August 2010 Traum-Ort weltreisender Backpacker im Rummelsburger See. Für ihr Bett zahlen sie wenig, für ihr Frühstück exakt so viel wie sie möchten.

Thomas träumte von der Weltumseglung, nachhaltig mit Gästen an Bord. Doch dafür hätten er und Eddy, der Partner und Maschinenbauingenieur, ein Schiff von 30 oder 35 Metern Länge gebraucht. Das hätte mindestens eine Dreiviertelmillion gekostet, „und die haben wir nicht zusammenbekommen“. Für die Kamina mit zwölf Betten und zwei Matrosenkojen reichte es. Nun segeln Thomas und Eddy nicht um die Welt, „jetzt kommt die Welt zu uns“. Ihre Träume gehen weiter auf Reisen. Eines Tages soll die Kamina „als Hostel durch Europa touren“. Backpacker-Cruises von Marseille über das Schwarze Meer nach Istanbul und zurück: „Das ist unsere Traumstrecke.“

Es kann noch etwas dauern. „Wasser ist ein entschleunigendes Element.“ Es könnte Durststrecken geben. „Es gibt diese Wüstenerfahrung auf dem Meer, wo man aus eigener Kraft nicht überleben kann.“ Wer jedoch auf den Geschmack kam, mag nicht davon lassen. „Ein Salamibrot schmeckt auf dem Meer einfach viel besser.“ Thomas kennt sich aus mit Umwegen, die zu märchenhaften Zielen führen: In Bremen aufgewachsen, Bankkaufmann gelernt, Wirtschaftswissenschaften anstudiert, die Komödie in Kassel gemanagt, das Brüder-Grimm-Festival mitgegründet. Nun Kapitän des Traum-Schiffs von Rummelsburg. Die Kamina ist ihm „Burg, Freiheit, Gemeinschaft“. Und doch muss er ein böses Erwachen fürchten. Aus der Traum für Thomas? Er soll seinen Liegeplatz verlassen. Ein neuer ist noch nicht in Sicht. Schlaflose Nächte auf dem Rummelsburger See.

ff

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The World Gets Together in Rummelsburg

The entire world sleeps in Rummelsburg, dreams in Rummelsburg. Dreams about Rummelsburg? Kamina rocks them in their sleep: Australians and New Zealanders, Indians and Americans. They plan to be on the Swimming Hostel Berlin and they find themselves on the Belgian spits, built in 1963 in Oostende, changed 45 years later in Lübeck, dream place for world travelers in the Rummelsburg Lake since august 2010. They pay little for their bed and exactly as much as they want for their breakfast.

Thomas dreamed about sailing around the world, in a sustainable way with guests on board. That’s why he and his partner Eddy, a mechanical engineer, would have needed a 30 to 35 meters ship. That would have cost up to three quarters of a million, ‘and we couldn’t raise that.’ But they did raise enough for Kamina with its 12 beds and two sailors’ bunks. Now Thomas and Eddy are not sailing around the world, ‘now the world is coming to us.’ They still dream about traveling. Kamina ‘will tour Europe as a hostel’, one of these days. Cruises for backpackers from Marseille through the Black Sea to Istanbul and back, ‘that’s our dream track.’

But it could take another while until then. ‘Water is a calming element.’ Could encounter also dry times. ‘There’s this desert feeling in experiencing the sea, one couldn’t survive on his own.’ But who got to know this, doesn’t let it go anymore, ‘bread and salami taste just much better on the sea.’ Thomas knows his way around detours, which lead to magic goals: he grew up in Bremen, got his training in banking, studied economics, managed Comedy in Kassel, co-founded the Grimm Brothers Festival. Now captain of the ship-of-dreams from Rummelsburg. Kamina is for him ‘castle, freedom, community.’ And now he starts to fear an angry awakening. Is that put paid to Thomas’ dream? He might have to leave his anchorage. A new one is not yet at the horizon. Sleepless nights on the Rummelsburg Lake.

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Fremd mitten in Berlin

Seit Jahren schon ist sie hier mittendrin und fühlt sich doch immer noch fremd. Mitten in Berlin, wo sie doch aus einer lieblichen Berglandschaft stammt. Mitten unter ihresgleichen, wobei sie hier mit ihren 55 Jahren eindeutig zu den Jüngeren gehört. Sie liegt zwischen Andreas und AnnaGisela und Karl HeinzMartinRuth und Volldampf, sodass sie mit ihrem fremden Namen Jeseniky einmal mehr heraussticht. Sie stammt aus einer Gegend mit Gänsebraten, Knödeln und Sauerkraut – doch die Spezialität in ihrem Deckshaus ist Emder Matjes mit Bratkartoffeln.

Und dann das Wasser! Es ist die Spree, nicht die Elbe, und es ist ungewohnt tief hier. Als Heckradschlepper hat die Jeseniky nur einen Tiefgang von 78 Zentimetern. Vergleichbare Schiffe ihrer Größe liegen etwa 1,10 Meter tief im Wasser. Aber die 57,58 Meter lange und 9,36 Meter breite Jeseniky mit ihrem 650 PS starken Skoda-Diesel sei für das Niedrigwasser auf der Oberelbe ausgelegt gewesen, erzählt Thomas, der im Januar 2004 an Bord ging, um die Wirtschaft im Deckshaus zu übernehmen. Drei Lastkähne zog der schraubenlose Schlepper einst über den Fluss, um die Menschen im tschechischen Altvatergebirge mit allem Notwendigen zu versorgen.

So passt die Jeseniky doch ausgezeichnet in ihre neue Umgebung, den Historischen Hafen von Berlin: Die schwimmenden Museumsstücke dort zeigen, wie die Großstadt mit Waren beliefert wurde, bevor Lastwagen diese Aufgabe übernahmen. Urkunden an der Kajütwand dokumentieren einen Spruch der Steineschiffer: „Wi hebben geschubt, getreckt, gemockt und gedohn und et hett doch nich vorwärts gohn.“

Flott vorwärts geht’s indes unter dem flachen Kiel der Jeseniky. Da rollt die U-Bahn. Und für ein Kunstprojekt wurde auf exakt deren Strecke mal eine Seilbahn mit Kamera gespannt, erzählt der Wirt Thomas. So konnten die Fahrgäste sehen, was über ihren Köpfen eigentlich los ist. Da war die Jeseniky wieder mittendrin: Die Kamera fuhr quer durch ihr Deckshaus. 

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Foreign in the Middle of Berlin

She’s been here in the center for years and still feels foreign. In the middle of Berlin, where she came from her idyllic mountainous landscape. In the middle among her sisters, where she’s obviously one of the youngest at her 55 years. She’s placed in between Andreas and AnnaGisela and Karl HeinzMartinRuth and Volldampf, so she could once again detach herself with her foreign name Jeseniky. She’s coming from an area with roast goose, dumplings and sauerkraut – but the specialty in her deckhouse is soused herring from Emden with fried potatoes.

And then the water! It’s the Spree, not the Elbe, and it’s unusually deep around here. Jeseniky has only 78 cm for the stern wheels. Other ships like her have a depth of 1,10 meters into the water. But the 57,58 meter length and the 9,36 meter wideness with the 650-horse power Skoda-Diesel were configured for the low water of the Oberelbe, tells Thomas, who’s been on board since January 2004, taking over the business of the deckhouse. Three barges pulled the screwless tugboat on the river, to provide the people from the Czech Oldnativecountry with the necessary.

That’s how Jeseniky is special in her new surrounding, the Historical Harbor of Berlin – the floating museum pieces show how the big city was supplied with merchandises, before barges took over this task. Papers on the wall document a proverb of the former stone skippers - ‘We’ve been pushing and pulling, doing and making, however it didn’t move forward.’

But there is rapid movement under the flat keel of Jeseniky. That’s where the subway drives through. Thomas tells how a camera was installed on a cable following the tracks for an art project. The subway passengers could see like this what was actually happening above their heads. Jeseniky was then again in the middle of it – the camera crossed right through the deckhouse.

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Unter Amicas Rock

An der Spree sitzen und Wolken oder Schiffe zählen könnte ein typisch Berliner Job sein. In der kalten Saison zählt man aber weniger Schiffe und weniger Wolken. Manche Schiffe schlafen im Winter. Amica wird auch bis Ende März, Anfang April an Land in einer Schiffsgarage bleiben.

Walter hat zusammen mit seiner Frau den Namen ausgesucht. „Das heißt nur Freundin,“ erzählt er. Sie haben vorher ein Segelboot gehabt und vor drei Jahren haben sie die 1978 in den Niederlanden gebaute Jacht in Brandenburg gekauft. „Meine Frau konnte wegen des Rückens nicht mehr segeln.“ Sie fahren normalerweise zu zweit auf dem Wannsee. Im Sommer waren sie aber auch fünf Wochen auf der Elbe, in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und auf dem Elbe-Müritz-Kanal unterwegs. „Hochwasser hatten wir letztes Jahr. Da waren 14 Tage lang die Schleusen zu. Andere lagen fest. Wir waren unterwegs, wir sind gerade so durchgekommen.“

„Aufgrund des Alters finden wir es schöner als die neuen Schiffe.“ 11,5 Tonnen schwer. Ein Meter Tiefgang. 120 PS Fiat-Dieselmotor: „Viele Boote haben weniger.“ Walter besucht seine Amica dreimal pro Woche. Er muss Roststellen entfernen und an der Lichtmaschine etwas machen. Ein Schiff braucht Gesellschaft das ganze Jahr über.

Walter weiß nicht, wie das Schiff vorher hieß. Man kann sich nur vorstellen, wie viele Wasserwege Amica kennengelernt und wie viele Farben sie getragen hat. An Land zeigt Amica sich aber aus einer anderen Perspektive. Man kann nicht horizontal zurück in Amicas Vergangenheit gucken, aber Teile von ihr sehen, die normalerweise im Wasser versteckt sind. Man kann vertikal nach unten gucken. Weiße, kleine Opferanoden am Schiffsrumpf helfen gegen Durchrostung. Unter dem Wasser-Rock ist sie rot und trägt jetzt Räder. Sie wird bis zum Frühling rollen.

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Under Amica’s skirt

Sitting by the Spree and counting clouds or ships could be a typical job in Berlin. But during cold days one gets to count less ships and less clouds. Some ships sleep in winter. Amica is also going to stay on land in a ship-garage until end of March, beginning of April.

Walter decided on the name together with his wife. ‘It only means girlfriend’, he tells. They had a sailing boat before that and they’ve bought the Dutch yacht, constructed in 1978, in Brandenburg three years ago. ‘My wife couldn’t sail anymore because of her back.’ They usually sail with the two of them on Wannsee. But they’ve also been for five weeks on the Elbe, in Mecklenburg-Vorpommern, in Brandenburg and on the Elbe-Müritz canal during summer. ‘We had high waters a year ago. The locks stayed closed for 14 days. Others stayed on shore. We just passed before.’

‘We like this ship better than new ones because of its age.’ Weighing 11,5 tons. One meter flotation depth. 120-horse power Fiat-Diesel engine – ‘many boats have less.’ Walter visits his Amica three times a week. He has to remove rusty parts and fix things at the light generator. A ship needs company all year round.

Walter doesn’t know how the ship was called before. One can only imagine how many waterways got to know Amica or how many colors she used to have. But on land she shows herself from a different perspective. One can not look back horizontally in Amica’s past, but can see parts of her, which are normally hidden by water. One can look vertically down. White, small sacrificial anodes on the hulk help against corrosion. She’s red under the water-skirt and she’s now wearing wheels. She’s going to roll until spring.

nata

Spazierfahrt hinter die Glienicker Brücke

Sie wartet auf einen neuen Liebhaber. Frisch gewaschen liegt sie da, doch auf dem Trockenen. Aufgetakelt ohne Segel. Wird er kommen, der neue Steuermann ihres zweiten Lebens? Wer könnte es sein? „Ich kann mir vorstellen: Ein ehemaliger Segler, der schon etwas älter ist. Der nicht mehr die Kraft hat, schnell zu segeln. Der mal erkunden will, wie das Gebiet hinter der Glienicker Brücke aussieht“, sagt stellvertretend George, der die Schaluppe Coen Rutjes hier zwischen den Klassikern in der Messehalle anbietet.

Der Rumpf aus Polyester, das Deck aus Mahagonie und Teak. Mit einem 40-PS-Vierzylinder-Benzinmotor zum Preis eines Mittelklassewagens. 6 Meter lang und 2,20 Meter breit aber nur 75 Zentimeter hoch. „Sie ist so niedrig, die passt unter allen Brücken durch.“ Da müssen sich dann aber selbst die Enkelchen ducken, die sich George an Bord vorstellt: „Das Boot liegt hinter dem Haus, im Garten. An einem Sommerabend nimmt man die Gäste mit an Bord, mit einem Sherry. Das ist sehr kommunikativ, man sitzt in der Runde und tuckert leise vor sich hin. Der Bootsbesitzer hat als Steuermann dann alle Gäste vor sich sitzen. Oder man macht eine Spazierfahrt mit den Enkelkindern, legt dann irgendwo an, um ins Restaurant zu gehen.“ In Holland, sagt George, schippern schon viele dieser Schaluppen über die Grachten und Binnenseen.

Und wenn es regnet? Hm, tja. Da gibt’s so eine Persenning. Aber dann ist’s vorbei mit der Gemütlichkeit. „Wenn’ regnet, bleibt man zu Hause.“ So sucht die Schaluppe also einen Schönwetterkapitän. Und übrigens auch einen neuen Namen. Coen Rutjes, das ist eigentlich der Name der Werft, ein Alibi, etwas Provisorisches. Etwa so vorübergehend wie der Sonnenschein in Berlin.

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Trip beyond Glinicker Bridge

She’s waiting for a new lover. Freshly painted on land. Dressed to kill without sails. Will the new captain of her second life show up? Who could that be? ‘I could imagine a former sailor, who grew a bit older. Who lost part of his strength for sailing fast. Who’s curious to explore the area beyond Glienicker bridge’, says George, who is offering the Coen Rutjes shallop, here among the classic ships in the fair hall.

Hull of polyester, deck of mahagony and teak. 40-horse power-four cylinder-petrol-engine for the price of a medium-size car. 6 meters long and 2,20 meters wide, but only 75 centimeter high. ‘She’s so low, it fits easily under all bridges.’ In some cases even grandchildren, imagined by George on board, would have to duck down – ‘the boat lies behind the house, in the garden. One takes guests on board on a summer evening, with a glass of sherry. They get to sit in a circle, that eases the communication. The owner has all his guests in front of him as captain. Or one could take a walk with the grandchildren, park it somewhere, and go to a restaurant.’ Many such boats already sail on Holland’s town canals and lakes, tells George.

And when it rains? Hmm, well. There’s a boat cover. But then it’s not so cosy anymore. ‘If it rains, one should better stay at home.’ So the shallop is looking for a good weather captain. And also for a new name. Coen Rutjes is actually only the name of its dockyard, an alibi, something temporary. Something as momentarily as the sunshine in Berlin.

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Auf der Spree galoppieren

Eine Kutsche schaukelt über den Boulevard. Muss etwas besonderes sein, denkt man heute. Mit einer Kutsche heute zu fahren ist ein Versuch zu feiern, den Alltag zu überflügeln und die Zeit zu betrügen. Der Hausboot-Verleih mit Stegplätzen an der Oberbaumbrücke trägt diese Idee einen Schritt weiter – er bietet Kutschen ohne Räder und ohne Pferde an. “Raus aus der stinkenden Stadt. Das Wasser birgt ja auch etwas Beruhigendes. Ich habe eher einen Hang zum Meer, zum Salzwasser und Ozean,” erzählt Jan. “Ich habe mir das so romantisch vorgestellt, dass ich pfeiferauchend auf dem Schaukelstuhl am Bootssteg sitze und auf die Kunden warte. So läuft’s leider nicht. Um Charterboote muss man sich ständig kümmern.”

Jans Kutschen schaukeln auf der Spree, sind Wasserkutschen. Gebaut nach einem gekauften Plan, den er umgesetzt hat. Zwei dieser Kajütboote segeln in Berlin seit 2010. “Ich baue an Nummer drei und vier”, sagt Jan. Man kann irgendwo ankern oder eine Mischung aus Hausbooturlaub und Wasserwandern machen. Sie haben 3,5 Elektropferde, für Boote unter 5 PS braucht man keinen Führerschein. Bei halber Kraft voraus erreicht man 6,5 Kilometer pro Stunde und kann stundenlang fahren. “Acht Stunden lautlos dahingleiten.”

Jan baut weiter, die neue Saison beginnt im April. “Es passiert ja ‘ne Menge auf dem Wasser. Das ist gerade ein echter Schub. Der Berliner an sich - wir haben ja unheimlich viel Wasser hier - bei dem ist es schon lang verankert in der Seele.” Nach einer grünen und einer roten Wasserkutsche, kommt jetzt eine blaue. Der Kutschen-Embryo braucht zwei bis drei Monate und zwei bis drei Leute. Keine Fee mit einem Zauberstab. Keinen Namen, sondern Farbe. Diese Kutschen verwandeln sich aber auch nicht um Mitternacht in einen Kürbis zurück. Man könnte drei Tage und drei Nächte lang weiter galoppieren.

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Galloping on the Spree

A carriage swings on the boulevard. Should be something special, one would think nowadays. Driving a carriage today is an attempt to celebrate, to outwit daily routine and to deceive time. The Houseboat Rental, with parking slots at the Oberbaum Bridge, takes this idea a step further – it offers carriages without wheels and without horses. 'Getting out of the stinky city. Water brings along something comforting. I’ve got an inclination for the seaside, for salty water and the ocean’, tells Jan. 'I had a romantic picture of it, that I’d be smoking a pipe on a swing chair by the water, waiting for customers. Unfortunately it doesn’t work like that. The charter boats keep one always busy.’

Jan’s carriages swing on the Spree, they are Wasserkutschen. Built after a bought plan, which he implemented. Two of these cabin cruisers have been sailing in Berlin since 2010. 'I’m building a number three and four’, says Jan. One can anchor somewhere or try a combination of a houseboat holiday and a water trip. They have 3,5-electric horses, one doesn’t need a driving license for boats with less than 5-horse power. One can reach up to 6,5 km per hour at half speed and can drive for hours. 'Eight hours of quietly gliding.’

Jan keeps constructing, the new season starts in April. 'There’s a lot happening on water. That’s really a push. We have a lot of water around here - it’s already been anchored in Berliners’ hearts for a long time.’ A blue carriage will follow after the green and the red Wasserkutsche. The carriage-embryo needs two to three months and two to three people. There’s no fairy with a magic wand. No names, just colors. But these carriages will also not transform back into a pumpkin at midnight. One could keep galloping for three days and three nights.

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Zaubern mit Holz

„Zauberholz haben sie mich genannt und hierher aufs Trockene geschleppt. Nun werde ich jeden Tag betatscht, die Besucher stellen Fragen und Heinz-Joachim zeigt ihnen ein Video über mich. Ich bin der Star und ein Lockvogel zugleich. Einen Winter lang haben Heinz-Joachim und die Kinder aus dem Club mit Holz gezaubert. Sie haben gehobelt, geraspelt und gesägt, die maschinell vorgefertigten Teile in eine Passform eingesetzt, alles verklebt und verschraubt. Schließlich kam der amtliche Vermesser und hat meine Maße genommen. Und als alles stimmte, waren die Jungs und Mädchen einigermaßen stolz. Na gut, nicht alle waren gleichermaßen aktiv gewesen, die meiste Arbeit hat eigentlich Heinz-Joachim gehabt. Deshalb ist es auch nicht sicher, ob ich wirklich ein paar Geschwister bekomme, wie er es ursprünglich geplant hat. Ich bin und bleibe aber Optimist.”

Die Optimisten-Jolle Zauberholz ist das Prunkstück auf dem Messestand des Segel-Klubs Nixe vom Tegeler See. „Warum sind wir hier? Um Mitglieder zu werben“, sagt der Vorsitzende Heinz-Joachim, der selbst einen 20er Jollenkreuzer segelt. Allein am Tegeler See gebe es 23 Wassersportvereine. Da muss man sich irgendwie unterscheiden.

Dabei hilft die Zauberholz. „Das hat unsere Jugend selbst gebaut“, sagt Heinz-Joachim über das kleine Boot. 2001 war das. Den Bausatz dafür hat der Maschinenbaukonstrukteur persönlich entwickelt. Und es hat alles gepasst. Die Maße stimmen, und so darf die Zauberholz an offiziellen Wettkämpfen für Optimisten teilnehmen. „Es gibt sogar Weltmeisterschaften dazu“, sagt der Segler. Nun, eine Weltmeisterschaft hat die Zauberholz noch nicht gewonnen. Ihren Zweck auf der Messe erfüllt sie dennoch: Sie lockt Segelfreunde zum Klub Nixe.

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Magic Trick with Wood

‘They called me Zauberholz/Magic Wood and dragged me here on land. I’m now filled up every day, visitors ask questions and Heinz-Joachim shows them a video about me. I’m a star and a decoy at the same time. Heinz-Joachim and the kids from the club worked with wood an entire winter. They chopped, grated and saw, they assembled the mechanically already manufactured parts, glued and screwed it together. The official measurer checked on me afterwards. And as everything turned out right, the boys and girls were somewhat proud. Oh well, not everybody put in the same effort, Heinz-Joachim did most of the job. That’s why is not entirely sure if I’ll get a couple of siblings, as it was planned in the first place. But I am and stay an optimist.’

The optimist-dinghy Zauberholz is the centerpiece of the fair stand of the Sailing Club Nixe from the Tegeler Lake. ‘Why are we here? To court future members’, says the president Heinz-Joachim, who sails himself a 20s dinghy. There are 23 water sport clubs on the Tegeler Lake alone. One has to find a way to distinguish themselves.

Zauberholz helps around with this. ‘Our youngsters built it’, says Heinz-Joachim about the small boat. That was in 2001. The mechanical constructor designed himself the assembly set. And everything fit. The proportions are good enough to allow Zauberholz to take part in competitions for optimists. ‘There are even world championships’, says the sailor. Zauberholz didn’t win yet a world championship. But she did fulfill her duty at the fair – she brings new sailing friends to Club Nixe.

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Die zweite große Geliebte

Es geschieht nicht alle Tage, dass ein Mann – und ein gutaussehender dazu – sich eine 40 Jahre ältere Geliebte sucht. Bernd hat es getan und sein Glück gefunden. Das kam so. Bernd fuhr mit seinen Schülern auf Klassenreise nach Holland. Sie segelten auf einem Schiff namens Ebenhezer, was man mit „Bis hierhin hat der Herr uns geholfen“ übersetzen kann. Der Eigner des Schiffes wusste sich nicht mehr zu helfen. „Mit Gottes Hilfe ist er pleite gegangen“, erzählt Bernd, „und mir ist eine Ehe pleite gegangen.“ Bernd verliebte sich aufs Neue. Er übernahm das Schiff, „meine zweite große Geliebte“, und segelte mit Ria seinerseits über Ijssel- und Wattenmeer: “Wir sind Wasserzigeuner.”

Das Schiff – gebaut 1910 in Zwartsluis als 30 Meter langer holländischer Einmast-Frachtsegler vom Typ Plattbodenschiff, nach Umbau mit Gemeinschaftsraum und zwei Dutzend Kojen – hieß nun Jacob van Berlijn nach Bernds damals zweijährigem Sohn aus der geschiedenen Ehe, der in Berlin geblieben war. Bernd und Ria nahmen wieder Schulklassen an Bord. “Da arbeiten alle zusammen”, schwärmt er, “das ist pädagogisch hervorragend.” Mal zerbrach eine Böe den 16 Meter langen Baum, und nach zwölf Jahren Notfalltraining ging ein Ozeansegler über Bord. Sommers segelten sie durch Holland, winters lagen sie im Emder Hafen.

Bis zu 140 Tage im Jahr ununterbrochen auf Segeltörn mit wechselnden Gruppen, das kostet Kraft. Deshalb soll die Jacob van Berlijn jetzt in Berlin ihren Unterhalt verdienen. Bernds Lehrergehalt reicht nicht für die zweite Geliebte. Sie ist anspruchsvoll: “Das frisst zu viel Liebe. Ich stecke hier überall drin. Sobald ich nachlasse, geht alles kaputt.” Eine Symbiose sei er mit dem Kahn eingegangen: “Schiffe sind Wesen, die haben eine Seele. Mit der Seele kann man sich vereinen.” Bernd sagt das ohne Pathos. Er sitzt in der gemütlich geheizten Kapitänskajüte, zwölf Quadratmeter mit Herd und Tisch und Bett, und stellt fest: “Mein Lebensmittelpunkt, auch der Höhepunkt.”

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Second Big Lover

It doesn’t happen every day that a man – and a good-looking one – would look for a lover 40 years older. Bernd did that and found his happiness. It happened like this. Bernd went with his pupils for a class trip to Holland. They sailed on a ship named Ebenhezer, which could be translated as ‘God helped us so far’. The owner of the boat couldn’t take it further. ‘With God’s help he went bankrupt’, tells Bernd, ‘and my marriage also went down the drain.’ Bernd fell in love again. He took over the ship, ‘my second lover’, and sailed with Ria on his side over Ijsselmeer and Wattenmeer – ‘we’re water gypsies.’

The ship – built 1910 in Zwartluis as a 30 meters flat Dutch cargo sailing ship, with living room and two dozen cabins after reconstruction – was named Jacob van Berlijn after his son, then two years old from the split marriage. Bernd and Ria are again taking pupil-trips on board. ‘Everyone works together then’, he says, ‘this is pedagogically fantastic.’ The boom of 16 meters broke once, and after twelve years of emergency training, an ocean sailor fell over board. The ship sailed through Holland in summer and slept in the Emden Harbor in winter.

Up to 140 days in a row in a year sailing with different groups, that takes strength. So Jacob van Berlijn has to earn its living in Berlin now. Bernd’s teacher salary is not enough for his second lover. She demands a lot, ‘it takes up too much love. I’m all over the place. As soon as I’ll let go, everything will break apart.’ He formed a symbiosis with the barge, ‘ships have character, they have a soul. One can join a soul.’ Bernd doesn’t say that in a pathetic way. He’s sitting in his cosy warm captains’ cabin, twelve square meters big with oven and table and bed, and states, ‘the center of my life, and my climax.’

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Das Tier des Monats

Gemütliche Kissen vor den großen Fenstern. Keine Straße, sondern Wasser draußen. 50 kleine schwarze gucken rein. Blesshühner. Und Minu, die schwimmende Katze, wohnt auch hier. „Sie paddelt total schnell. Sie ist schon mehrmals ins Wasser gefallen. Sie klettert dann über einen Reifen wieder aufs Schiff,” erzählt Neda. Von der Küche kommt plötzlich ein Knurren. Eine größere Katze? „Wenn man unseren Wasserhahn aufdreht, dann brummt es.“ Minu ist ein Jahr alt. Neda ist elf. Ihr Name kommt „von einer Wassernymphe, einer Tochter von Zeus, glaube ich“. Sie kann sich nicht richtig daran erinnern, in einem festen Haus gewohnt zu haben. Ihre Alfred ist ein Wohnschubleichter aus den 60er Jahren. „Das Schiff ist nach unserem Uropa benannt.”

Neda ist die einzige in ihrer Klasse, die auf einem Hausboot wohnt. „Die anderen Kinder finden das total toll und sind total neidisch.” Drei der fünf Geschwister leben noch auf dem Schiff. „Wenn wir im Sommer auf dem Dach frühstücken: Ach ist das toll!“, erzählt ihr Bruder Ladislaus. Sie springen auch zum Baden vom Dach in die Spree. Hinten steht eine Badewanne unter freiem Himmel. Enten nisteten auf dem Dach. Überraschungen gibt es auch: „Da war über Nacht ein Fahrrad ins Wasser gefallen.” Oder irgendwann ein Gast. Neda möchte sowieso weiter auf dem Schiff wohnen. Für Minu ist das Leben hier auch schön – voller Fische. Sie kennt sich hier aus. „Die Katze begleitet mich den halben Weg zur Schule”.

Eine Schnecke hat ihr Häuschen dabei. Kann sich langsam damit auf den Weg machen. Das denkt man auch über ein Hausboot. Ist alles schon drauf und kann weiter segeln. Es ist aber nicht unbedingt so mit den Wohnschiffen in Treptow. Es gibt kaum Liegeplätze in Berlin. Die Schule der Kinder ist gegenüber. Endlich kennt der Briefträger den Weg. Die Hausboote sollen aber weg – die glänzend weiße Charterflotte der Reederei marschiert ein. Heute liegen hier noch zwölf Hausboote. Es waren 13. Minu schwimmt hier aber weiter.

nata

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Animal of the Month

Cosy pillows under the big windows. No street, but water outside. 50 small blacks are looking inside. Coots. And Minu, the swimming cat, lives here as well. ‘She paddles really fast. She fell into the water many times. She climbs then back on the tires’, tells Neda. A snarl comes suddenly from the kitchen. A bigger cat? ‘Turning our tap growls.’ Minu is one year old. Neda is eleven. Her name comes from a ‘water nymph, a daughter from Zeus, I think’. She can’t really remember to have ever lived in a fixed house. Her Alfred is a house barge from the 60s. ‘The ship was named after our great-grandfather.’

Neda is the only one in her class, who lives on a houseboat. ‘The other kids find it really cool and are really envious.’ Three out of the five siblings still live on the ship. ‘Having breakfast on the housetop in the summer is just so great!’ tells her brother Ladislaus. They also jump from the top into the Spree to swim. There’s also a bath tab at the back of the ship, under the sky. Ducks build nests on the rooftop. There are also surprises - ‘a bicycle fell into the water one night’. Some other time so did a guest. But Neda still wants to keep on living on the ship. Life is good for Minu here too – full of fish. She knows her way around here. ‘The cat accompanies me half way to school.’

A snail has its little house on. Can slowly head off with it. That’s what one may also think about a houseboat. Everything is already on it and could sail away. But it’s not really like this with the houseboats from Treptow. There are too few anchorages in Berlin. The kids’ school is just across the river. The postman finally finds his way. But the houseboats have to go away – the glowing white charter fleet of the shipping company is invading. There are still twelve houseboats floating here today. Used to be 13. But Minu still swims here.

nata

Kleines Pils, Schultheiss: 1,70 Euro. „Der Zwiebelfisch wurde am 3. November 1967 erstmals urkundlich erwähnt bei der Berufsgenossenschaft, und die nimmt es sehr genau. Seit dem 16. August 1982 bin ich hier. 24 Jahre lang habe ich darüber nachgedacht, wie man das Lokal mit drei Worten beschreiben kann. Dann kam ein Brite mit seiner Freundin aus Malaysia, und er hat ihr erklärt: ‘This is a down to earth bar’. Danach habe ich immer gesucht. Das schönste Getränk, das ich kenne, ist Bier. Da ich aber mit Alkohol schlecht umgehen kann, habe ich mich für das zweitschönste entschieden: Kaffee. Ich wäre gerne nur Gast.“ Hartmut, 66, aus Osnabrück, seit 1967 in Berlin, Kneipier, „Zwiebelfisch“, Charlottenburg, Savignyplatz 8.

Kein „Zwiebelfleisch“, kein „Silberfisch“: Der Name „Zwiebelfisch“ hat auch nichts mit Essen zu tun, „obwohl wir einen guten Matjes machen“, sagt Hartmut. In der Sprache der Buchdrucker ist der Zwiebelfisch ein Buchstabe, dessen Type nicht zur übrigen Schrift passt. Hartmuts Kneipe gibt den falschen Typen ein Zuhause, solange sie einander akzeptieren. „Man muss das Gefühl haben, Heimat zu finden.“ Und warum sonst kommen die Leute in die Kneipe? Vielleicht wegen Zappa. Zwei Bücher sind über den Kater des Hauses schon erschienen: „Schultheiss mit Zappa“ und „Zappa unterwegs“ von Walter Aue. „Er wollte nicht mehr schreiben und dann fand er diese Katze hier“, sagt Hartmut. Auch ein Hund kommt regelmäßig. Er und der Kater zollen sich Respekt. Gäste, die keinen Respekt zeigen, sind unerwünscht. „2007 haben wir mein 25-Jähriges hier gefeiert. Obwohl das eine offene Feier war und 800 bis 1000 Leute erschienen sind, ist nicht eins meiner 150 lebenden Lokalverbote vorbeigekommen. Das fand ich sehr respektvoll von denen.“ Die Stammgäste leben in der ganzen Welt: „Sie kommen immer wieder, wenn sie einmal da waren.“ Fünf Generationen Roma-Frauen seien auch gekommen, um aus den Karten die Zukunft zu lesen. 1988 habe ihm die Urgroßmutter prophezeit: „Du guter Mann, Du 84.“ - „Es muss stimmen, denn sie hat den 20-Mark-Schein nicht genommen“, sagt Hartmut. Tochter Claudia will aber noch „mindestens 30 Jahre“ warten, bis sie die Kneipe vom Vater übernimmt. Sie arbeitet jetzt schon im Zwiebelfisch mit seinen großen Fensterscheiben. „Bei diesem Lokal weiß man nicht, ob drinnen das Aquarium ist oder draußen“, sagt Hartmut. Zappa zeigt vielleicht den Unterschied an, wenn er auf seinem türkisfarbenen Schal auf der Fensterbank liegt. Dann ist drinnen beim Bier die warme Welt und draußen der weite Ozean.

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Small Pilsner, Schultheiss: 1,70 Euro. ‘Zwiebelfisch was first mentioned by the Trade Association on the 3rd of November 1967, and they take it seriously. I’ve been here since 16th of August 1982. I’ve spent 24 years wondering how could one best describe this place in three words. And then came along a Brit with his girlfriend from Malaysia, and he explained her casually – this is a down to earth bar. I kept on looking for a better description ever since. The nicest drink I know is beer. But as I’m not getting along with alcohol that well, I’ve settled for the second nicest drink: coffee. I’d love to be only a guest.’ Hartmut, 66, from Osnabrück, since 1967 in Berlin, bar keeper,‘Zwiebelfisch’/’Misprint’, Charlottenburg, Savignyplatz 8.

No ‘Zwiebelfleisch’/’Onionmeat’, no ‘Silberfisch’/’Silverfish’ – the name Zwiebelfisch has also nothing to do with food, ‘even though we cook a hell of a herring’, says Hartmut. In the printer’s jargon, Zwiebelfisch is a letter, which doesn’t fit among the others. Harmut’s tavern gives a home to the misfit as long as one accepts each other. ‘One has to get a homey feeling.’ And why else are people coming to the bar? Maybe because of Zappa. Two books have already been published about the bar’s tomcat: ‘Schultheiss with Zappa’ and ‘Zappa on the Way’ by Walter Aue. ‘He had given up writing and then he ran into out cat’, tells Hartmut. A dog is also visiting regularly. He and the cat show each other respect. Guests who fail to do so are not welcome.‘2007 we celebrated 25 years since I’ve been here. Even though it was an open party with 800 to 1000 guests, none of the 150 banned per life former guests showed up. I find that a great proof of respect on their behalf.’ The regulars live all over the world, ‘they keep coming back after they’ve been here once.’ Five generations of gipsy women came by as well, to read the future with their cards. The great-grandmother predicted him in 1988, ‘you good man, you 84.’ ‘It has to be true, since she didn’t take the 20 marks bill’, says Hartmut. But his daughter Claudia plans to wait for ‘at least another 30 years’, before she’ll take over her father’s tavern. She’s already working in the big windowed Zwiebelfisch. ‘One can’t know for sure whether the aquarium is inside or outside of this bar’, says Hartmut. Maybe Zappa can tell the difference, when he sleeps inside by the window on his turquoise scarf. The warm world must be then inside with the beer, and outside the wide ocean.

Kleines Pils, Veltins: 1,70 Euro. „Das Haus steht unter Denkmalschutz. Es war bis vor gut 100 Jahren mal ein Leichenschauhaus für Selbstmörder. Wir haben hier vor sieben Jahren diese Gaststätte eröffnet. Vorher ist der Putz von den Wänden gefallen, es hat gestunken und war modrig. Ich bin Fliesenleger und wir haben alles selbst ausgebaut. Wir sind alle vier Quereinsteiger – meine Schwiegereltern, meine Frau Kathrin und ich. Es hat vom ersten Tag an funktioniert, die ersten Tage waren ständig alle Sitzplätze belegt. Ich erinnere mich nicht mehr, wie es genau war, weil wir total überfordert waren.“ Carsten, 37, aus Spandau, jetzt in Dallgow, „Dienstleister”, „G7", Spandau, Gatower Straße 7.

Drei Jahre hatte das Haus leer gestanden, als Carsten und seine Familie es übernahmen und renovierten. Vorher hatte das Grünflächenamt es genutzt, davor war es ein Obdachlosenheim und vor dem Ersten Weltkrieg diente es als Leichenhalle. „Es war früher so, dass die Bevölkerung auf den normalen Friedhöfen keine Kinderschänder oder Selbstmörder haben wollte.“ Warum kommen die Leute heute in die Gaststätte? „Es hört sich vielleicht überheblich an, aber vor allem auch wegen uns”, sagt Carsten. Schon zum Frühstück ab 8 Uhr seien viele da. 90 Prozent seien Stammgäste, „und von denen begrüßen wir wohl die Hälfte mit Handschlag". Ein treuer Gast wurde auf eine harte Probe gestellt: „Er trinkt immer Hefeweizen, und jeder Kellner hat ihn schon mindestens einmal nass gemacht. Jeder Kellner von uns hat ihn schon einmal geduscht. Der Typ hat immer schon geguckt, wenn ein neuer Kellner kam.“ Kommt er noch? „Der kommt noch, natürlich!” Wer kommt sonst? „Arbeitslose, Handwerker, Computerfachleute, Rechtsanwälte, Ärzte, der Bürgermeister. Die Leute trinken das gleiche Bier, sie gehen aufs gleiche Klo und ihre Suppe wird mit dem gleichen Wasser gekocht. Und wenn sie drei, vier Bier getrunken haben, erzählen sie den gleichen Mist.“ Das Haus liegt strategisch günstig an der Hauptstraße zwischen dem Schwimmbad und der Kirche neben einem großen öffentlichen Parkplatz. Trotzdem hat es früher kaum jemand bemerkt. Erst das G7 hat einem Haus mit langer Geschichte eine neue Zukunft gegeben.

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Small Pilsner, Veltins: 1,70 Euro. ‘This house finds itself under monument protection. 100 years ago they used to bring in here bodies of suicides. We’ve opened the restaurant for seven years. At that time the plastering was peeling off the walls, it was smelly and moldy. I’m a floor tiller and we’ve rebuilt everything ourselves. We are four beginners – my parents in law, my wife Kathrin and me. Everything worked out with day one, when we already had a full house. I forgot the other details, we were completely overworked.’ Carsten, 37, from Spandau, now in Dallgow, ‘service manager’, ‘G7’, Spandau, Gatower Straße 1.

The house had been empty for three years, when Carsten and his family took over and renovated it. The Ministry of Green Areas used the house in the past; it was an asylum for homeless before that and before the First World War was a hall for corpses. ‘Back then people didn’t want to have in normal cemeteries child molesters and suicides.’ Why are people coming today to the restaurant? ‘Maybe it sounds presumptuous, but before anything else, it’s because of us’, says Carsten. The house is already pretty busy at 8 for breakfast. 90 percent are regulars, ‘we welcome more than half of them with a hand shake.’ A loyal customer passed a hard test, ‘he always drinks Hefeweizen, and each of our waiters spilled it over him at least once. Every waiter already showered him once with the beer. He started to worry every time a new waiter was hired.’ Is he still around? ‘Of course he is!’ Who else is coming? ‘Unemployed, hand workers, IT people, lawyers, doctors, the Mayer. They drink the same beer, they go to the same toilet and their soup is cooked in the same water. And after three or four beers they tell the same bullshit.’ The house is placed strategic next to the main street, between a swimming pool and a church, next to a big parking slot. But people were still hardly noticing the place back then. It wasn’t until the G7, that a house with a long history received a new future.

Die Durstigen

Die Großen schaffen bis zu 40 000 Liter. Die kleine Gisela nicht mehr als 90. Die Pauline von der Capt'n Schillow kann aber 1000 Liter schlucken. Ingo und Jochen sind Gastwirte – sie wissen, wie viel einige brauchen und sie kennen ihre Grenzen. „Seit 1997 mache ich das hier“, sagt Ingo, und seit sieben Jahren ist auch Jochen auf Schiffen.

Ihre Shell 5 ist ein Tankschiff mit vier Tanks und insgesamt fast 64 000 Liter Fassungsvermögen. Die Bunkerstation gibt es „seit den 50er Jahren“, erzählt Ingo. Der Treibstoff ist zollfrei und wie Heizöl eingefärbt, hat aber „Straßendieselqualität“. Neben Schiffsdiesel verkauft Ingo auch anderen Schiffsbedarf und Öle. Für Sportboote gibt es die „Eurotank“, die als Tankstelle fest am Kai liegt. Ein Schiff fährt vorbei, beide grüßen: „Der hat gestern 10 000 Liter getankt.“

Shell 5 wurde 1929 in Hamburg gebaut und liegt gerade in Spandau. Man denkt bei Schiffen viel an Wasser und weniger an die Füllung der Schiffe. Die hilft gegen das Brücken-Problem in Berlin. Shell 5 hat 1,70 Meter Tiefgang bei voller Beladung. „An der Jannowitzbrücke ist es manchmal etwas schwierig, wenn wir leer sind.“ Die großen Kreuzfahrer tanken je nach Wasserstand: Bei Hochwasser tanken sie ganz voll, damit sie tiefer liegen und unter den Brücken durchkommen. 

Man kann die meisten Schiffen mit einem Joystick oder einem kleinen Drehknüppel fahren, „das funktioniert alles hydraulisch,“ erzählt Jochen. „Wir haben noch ein Handsteuer. Wir müssen noch richtig kurbeln wie Männer jeden Tag.“ Von Spandau bis zum Westhafen fährt er etwa anderthalb Stunden, bis nach Köpenick 3,5 Stunden. „Ich behandle mein Schiff vielleicht schon etwas sanfter als meine Frau. Es ist ein geiles Gefühl, ein Schiff zu führen. Jedes Schiff hat eine Seele.“ Und Ingo und Jochen kennen diese Seele bis ins Innerste. Sie müssen gute Gastwirte sein - die Stammgäste kommen immer wieder.

nata

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The Thirsty Ones

The big ones manage up to 40 000 liters. The small Gisela not more than 90. But Pauline from Capt’n Schillow can drink 1000 liters. Ingo and Jochen are barkeepers – they know how much some need and which are their limits. ‘I’ve been doing this since 1997’, says Ingo and for the last seven years, Jochen has been on ships as well.

Their Shell 5 is a tank ship with four tanks and almost 64 000 liters in total barrel capacity. The bunker station has been around ‘since the 50s’, tells Ingo. The fuel is customs-free, has the color of domestic oil but the ‘quality of the diesel street oil’. Ingo sells also other naval requisitions and oils beside the ship diesel. Sport ships can count on the ‘Eurotank’, which is placed on the quay as gas station. A ship is passing by, they both wave – ‘It tanked up 10 000 liters yesterday.’

Shell 5 was built in 1929 in Hamburg and swims now in Spandau. One thinks a lot of water in terms of ships, less of their filling. It helps against the bridge-problem in Berlin. Shell 5 has a depth of 1,70 meter at a full load capacity. ‘It’s somewhat hard at the Jannowitz Bridge if we’re empty.’ The big cruise ships fill up according to the water level: at a high level they fill up completely, to sink deeper and pass under all bridges.

One can con most of the ships with a joystick or a small heaver, ‘everything functions hydraulically’, says Jochen. ‘We still have a manual rudder. We still need to turn the crank like men every day.’ Around one and a half hour trip from Spandau to Westhafen, 3,5 to Köpenick. ‘I’m treating the ship maybe a bit more gentle than my wife. It’s a great feeling to con a ship. Every ship has a soul.’ And Ingo and Jochen know these souls to their deepest. They must be good hosts – the regulars keep coming back.

nata

Galina (*Moscow), Art History Institute, Freie Universität, Berlin

English version below

„Wenn du ‘FU’ googelst, als eines der ersten Bilder erscheinen Bilder der philologischen Bibliothek“, sagt Galina über ihre regelmäßige Studienstube. Sie kam vor 5 Jahren mittels eines DAAD Stipendiums nach Berlin, um Kunstgeschichte zu studieren. Ein Liebling unter ihren Studienstuben ist die „geräumige und moderne philologische Bibliothek“. Es geht nicht nur darum „die Bücher in der Bibliothek zu benutzen, sondern auch um die Atmosphäre“, erklärt sie und deutet damit auf die Beziehung zwischen Raum und Studieren. „Was ich brauche, sind ein Tisch und jede Menge Licht“, sagt sie, wenn es zur Frage kommt, wie sie am einfachsten in ihre Studieninhalte eintauchen kann. Die Bibliothek, liegt in Dahlem, einer idyllischen Ecke Berlins, die ganz im Kontrast steht zur hektischen Stadt, die Galinas hinter sich gelassen hat – Moskau.

Mit ihrer Leidenschaft für gesprochene und geschriebene Wörter gewann Galina 2008 den Wettbewerb Jugend Debattiert und ist dem Verein seither als Jurorin und Mentorin treu geblieben. „Debattieren ist einfacher als Schreiben“, meint sie; denn Schreiben lässt sich nur langsam. Und Kurse zum Thema Kommunikation und Verlagswesen „bringen dir nicht bei, wie man schreibt“. Einen Drang zu Schreiben hat sie dennoch und dieser war es auch, der sie später zur Studierendenzeitung brachte. Im Moment gestaltet sie auch eine Masterarbeit über sowjetischer Architektur: eine Mischung aus Stadt und architektonischem Stil und eine Verstrickung von Raum und Schrift – all dies erschaffen auf ihrem Schreibtisch in der Bibliothek. Was uns mit dem Gedanken anderer möglicher Welten auf den lichtüberfluteten Tischen nebenan zurück lässt. 

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“If you google FU, one of the first pictures that pop up are pictures of the philological library”, says Galina about her usual study space. Galina came to Berlin five years ago with a DAAD Scholarship to study Art History. One of her preferred study spaces is the “spacious and modern philological library”. It’s not only about “using the books of the library, but about the atmosphere”, she says, pointing to the relation between space and study. “I only need a table and lots of light”, says Galina about diving into studying. The library is in Dahlem, an idyllic corner of Berlin quite unlike the hectic home city she left behind – Moscow.

With a passion for the spoken and written word, Galina won a debating competition of Jugend Debattiert back in 2008 and has been in touch with the association ever since, as a jury member and mentor. “Debating is easier than writing”, says Galina, since writing happens slower. And just courses on publishing and communication “don’t teach you how to write”. Following her quest to learn, she went on to write for the student newspaper. Currently, she is also designing a Master Thesis about Soviet Architecture: a mixture of cities and architecture styles, knitting between space and writing – all created on her table in the library. Leaving us to imagine other worlds created in parallel on the other sunny tables.

nata

Kurze Strecke, lange Affäre

100 Meter fährt die Luise tags und nachts in zirka 80 Sekunden hin und zurück. Sie wurde in Saßnitz gebaut. Die alte Fähre Pfaueninsel liegt derzeit mit einem Maschinenschaden still. Luise hat im Januar 2011 die Strecke zur Pfaueninsel übernommen.

Luise hat die Arbeit angenehmer für Thomas gemacht, seit fast 30 Jahren fährt er die Fähre zur Pfaueninsel. Sie ist eine Wunderfähre. Bei ihr „funktionieren die Klappen hydraulisch und auch die Schranken heben und senken sich auf Knopfdruck. Bei der anderen wurde das per Hand bedient“. Thomas hat mit 16 angefangen, auf Schiffen zu arbeiten. Auf der Fähre sieht man Leute in einem Zwischenzustand. „Manchmal kommen Schauspieler, Leute die man aus dem Fernsehen kennt, öfter beispielsweise Dieter Hallervorden.” 100 000 Fahrgäste besuchen die Insel pro Jahr, etwa ein Viertel von ihnen hat er gefahren. Nach vielen in kurzen Schritten gesammelten „Seemeilen“ lebt Thomas mit seiner Familie immer noch auf der Insel, im Kavaliershaus, seiner Werkswohnung. Seine fünf Kinder fuhren mit dem Bus zur Schule. Auf der Insel wohnen 20 Leute, es ist ein kleines Dorf.

Laufen oder 218er. Schwimmen oder Luise. Dies sind die Alternativen. Mit dem selten fahrenden Oldtimerbus findet man seinen Weg durch den Wald zur Pfaueninsel. Mit der Luise kann man ein Stück weiter fahren. Man zahlt nur die Hinfahrt der Überquerung. Man kriegt das Gefühl, dass die Insel ein anderer Weltenraum ist, und eine andere Zeit. Fantastischen Kreaturen fahren ab und zu mit, „manchmal sitzt ein Pfau auf dem Dach und man merkt es nicht“. Thomas spricht über seine andere Welt, manche seiner Kollegen „kommen auch von draußen”. Nicht alle wohnen auf der anderen Seite.

Thomas hofft, „dass man das bis zum Rentenalter machen kann“. Das nennt man ein loyales Verhältnis.

nata

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Short trip, long affair

Luise swims 100 meters day and night in around 80 seconds to and fro. She comes from Saßnitz. Pfaueninsel, the old ferry, stands aside quietly with an engine breakdown. Luise took over the trip to Pfaueninsel in January 2011.

Luise made Thomas’ work easier, he has been sailing with the ferry to the Pfaueninsel for 30 years. She’s a wonder ferry. Her ‘flaps work hydraulically and also her barriers come up and down by pressing a button. Everything worked manually on the other ferry.’ Thomas started working on ships at 16. One sees people in an in between stage on a ferry. ‘Sometimes come actors, people seen on TV, for example often Dieter Hallervorden.’ From 100 000 yearly visitors of the island, he drove a quarter of them. Thomas still lives with his family on the island in the Chevalier House, his workhouse, after many ‘sea miles’ collected in small steps. His five children took the bus to school. The 20 people living on the island make a small village.

Walking or 218. Swimming or Luise. These are the alternatives. One can find his way through the wood to Pfaueninsel with the seldom-old school bus and can go a step further with Luise. One pays only for one way of the crossing over. The island gives the feeling of a different space and different time. Fantastic creatures come along every now and then, ‘sometimes there’s an unnoticed peacock on the cabine.’ Thomas talks about his other world, some of his colleagues ‘come from the outside.’ Not everyone lives on the other side.

Thomas hopes ‘to keep on doing this until retirement.’ That’s what one calls a loyal affair.

nata