dunkle-gedanken

Und ja, es tut weh zu sehen, dass andere so viel Liebe von ihren Partnern bekomme. Wieso es weh tut? Weil man sich dauernd hinterfragt. Weil man sich dauernd fragt: wieso verdiene ich das nicht auch? Bin ich so ein schlechter Mensch, dass niemand ernsthaft Interesse an mir zeigt? Bin ich so schlimm? Bin ich wirklich so unscheinbar?
“Dunkle” Kapitel  meiner “Jugend”

Der Titel klingt etwas übertrieben, ist zur Zeit noch “Arbeitstitel”. Bloß für den wahrscheinlichen Fall dass ich es verpeilt so Poste.  

Mal auf der Zunge  zergehen lassen, “meiner Jugend”, klingt als wäre ich ein Alter Mann in  seinen “besten Jahren”  ( @benzylgoblog, kleine Anspielung ;D)  der ein paar Schmankerl aus  seinen jungen Jahren zum  besten gibt. Tatsächlich habe ich mich krass geändert seit  damals obwohl ich sagen muss ich habe mir meine kindliche Denkweise und Phantasie (Ja, mit “ph”, verklag mich doch!) behalten, zum Glück denn ich will nicht wissen was sonst aus mir geworden wäre. Dennoch gibt es Sachen die ich tat auf die ich nicht stolz bin. Manche sind gar nicht so lange her  und haben vielleicht hier nichts zu suchen aber sie haben nur ihre Kontaktlinsen hier verloren. Einige würde ich wieder  tun andere eher weniger und schäme mich dafür.  Ich hoffe ihr verliert nicht das Bild was ihr gerade von mir habt wenn ihr fertig seid mit lesen, denn so bin ich nicht mehr, ich bin so wie ich mich euch zeige wenn wir Nachrichten schreiben oder wenn ich andere Einträge verfasse.


Das wohl  schlimmste war in der Mittelschule, 5./6. Klasse, ja ich war in der Mittelschule ich war für lernen immer zu faul, wer weiß was ich hätte erreichen können hätte ich mich reingekniet. Jedenfalls, da gab es  einen jungen der mir tierisch auf den Sack ging und den ich vielleicht sogar hier schon einmal erwähnt habe. Dieser provozierte mich immer, es gab kaum einen Tag an dem ich ihn nicht eine tracht Prügel  spendiert habe oder an dem mir seine Visage Kopfschmerzen bereitete. Es war zum einen seine Art und zum  anderen seine Worte, er nannte das eine Mal meine gesamte Familie schwul, den Wortlaut kenne ich immer noch, er sagte “Meine Familie ist wenigstens Hetero, nicht so wie deine.”. In dem Moment konnte ich mich sogar zusammenreißen, aber sowas waren Auslöser für  alles was ich ihm antat. Das aber wohl dümmste was ich machen konnte war eine Beschreibung auf “schüler.cc” bei dem Punkt “Dinge die ich hasse”, ich schrieb: “Mike, den könnt  ich umbringen”. 

Meine Fresse, ich war 10 oder 11 Jahre alt damals und wusste es nicht besser. Es verging ein Jahr sogar an dem das unentdeckt blieb  aber eines Tages rief die KriPo an. Ich ging ans Telefon und der überaus nicht nette Polizist fragte ob meine Eltern da sind, meine Mutter hielt Mittagsruhe und mein Vater war arbeiten also sagte ich ihm: “Nein, sind nicht da.”. Prompt kam “Verarsch mich  nicht, gib mir jetzt deine  Eltern!”, also stapfte ich hoch  und weckte meine Mutter. Nach dem Telefonat war sie nicht mehr so freudig auf mich zu sprechen. Ihr könnte euch gar nicht vorstellen was es für ein Gefühl ist zu wissen man hat  seine Eltern  richtig mies enttäuscht und als mein Vater das erfuhr war sowieso Polen offen. Ich bekam den Anschiss meines Lebens und der sollte nicht der einzige bleiben. Ich musste ein Gespräch mit dem Polizisten führen und erklären warum ich das tat und wie sie  darauf aufmerksam worden. Er sagte das der Mike  einen hinweis bekam und danach tagelang nicht  mehr schlafen konnte und es irgendwann seinen Eltern erzählte. Wer´s  glaubt, aber ey Mike wenn du das liest: Screw you!  Anschließend musste ich mich auch bei  ihm entschuldigen und dann wurde es privat geklärt.  

Nächstes Thema wieder  einer “Weiterlesen”-Barriere. 

Es war in der selben Schule, wie kann es anders sein. Es war im Geschichtsunterricht, wir schrieben eine Arbeit und wer fertig war durfte auf die  Rückseite etwas Malen bis die Stunde vorbei war, klingt bisschen nach Waldorfschule wo man singen und klatschen hat aber sei es drum.  Ich malte wie ich die damalige  Schule  in die Luft jage. Richtig mit einem kleinen Männchen, Fässern beschriftet mit “TNT” und “Dynamit”  und rissen in den Wänden und die  Front der Schule sah genauso aus wie wenn man auf dem Schulhof steht. Paar  Tage später kam  eben ein Anruf aus  der Schule, wieder die  selbe  Leier und ich enttäuschte wieder meine Eltern. Ich musste mit meinem Vater zu einem Lehrergespräch. Meine Klassenlehrerin meinte dass sie sich gar nicht trauten eine Veranstaltung zu machen in der Schule, keine Ahnung was das war.  Aber  ja ne ist klar, wie soll ein 11 Jähriger an Dynamit und TNT kommen, merkste selber nicht? Jedenfalls versuchte mein Vater die wogen zu glätten und ich musste ein Entschuldigungsschreiben verfassen und es persönlich beim Rektor abgeben und mich entschuldigen. Ich war aufgeregt wie scheiße und heulte irgendwann los, nicht aus reue sondern Scham. Alle in meiner Klasse haben mich auch heulen sehen und das war dann peinlich. Zu der Zeit war  noch der nette Rektor da und später wechselte das Amt zum nächsten Kloppi. Zwar nicht weniger schlimm aber dümmer. Dieser redete meinen Eltern ein mich nach Wermsdorf zu schicken für  drei Tage, eine Art Nervenheilanstalt, bei Google steht “Klinik für Psychiatrie und Psychologie”. Aber anders als “Briarcliff” @ihushu, denn die hatten eine Kinderabteilung. Meine Eltern wollten es mir schonend beibringen und fuhren mit mir ins Platsch, das war ein Schwimmbad in Oschatz. Dort erklärten sie es mir wie folgt: “Wie wäre es wenn du  mal ein paar Tage nicht in die Schule müsstest?”. Ich war ein Kind und wusste es nicht besser und willigte ein in der Annahme ich hätte eine Wahl denn die hat man nie. Dort musste ich anstatt 3 Tage eine ganze Woche bleiben, das Handy was  mir meine Eltern für die Zeit gaben wurde eingezogen, Naschwerk gab es nicht und Nachts auf Toilette durfte man auch nicht. Die “Lehrerin” die da immer mal kam hatte keine Aufgaben für mich weil  ich weiter war als die anderen obwohl ich nicht der älteste war aber der älteste der Kinder war auf einer Sonderschule also war ich der am weitesten gebildete. Die eine Pflegerin ritt  auf meinem Gewicht rum, damals war ich wirklich etwas fülliger aber mittlerweile nicht mehr, aber diese Striege war nicht weniger Korpulent. 

Ich vertrieb mir die Zeit mit meinen Zimmerkollegen mit Comics malen, diese hatte ich noch irgendwo eine Zeit lang aber mittlerweile dürften die leider weg sein. Irgendwann, nach einer Woche, kam der erlösende Tag der Entlassung und ich kam unverändert raus weil ich nie ADS hatte aber die Ärztin diese (Sorry ihushu) Schlampe verschrieb mir Tabletten gegen diese “Krankheit” ohne das ich jemals auffällig gewesen wäre! Eine Zeit lang musste ich diese violetten Kapseln nehmen aber irgendwann setzte ich sie selber ab und nahm die auseinander um zu gucken was drinnen ist. Einige Zeit später nach meiner selbst verordneten Absetzung meinte meine Mutter das diese Kapseln ADS ähnliche Erscheinungen bei mir entstehen ließen. 

Ich bin ganz ehrlich, damals konnte ich das alles viel schlechter einschätzen aber heute… . Ich nehme es meinen Eltern und dem Direx Spasten immer noch krumm mich da eingewiesen zu haben und dass ich diese Droge nehmen musste wegen dieser behinderten Ärztin. Das ist meines Erachtens nach schlimmer als das was ich tat was ich schrieb! Das wissen meine Eltern auch dass ich es ihnen krumm nehme. 

Auch wenn es im selben Absatz mit der “Bombenzeichnung” steht hat es zusammen nichts miteinander zu tun weil nach dem Zeichnungseklat wurde ich ruhiger. Ich wurde dort nur hinverfrachtet weil ich mich benahm wie ein Kind und das ist das was ich nicht verkraftet habe als es mir mit zunehmenden Alter dämmerte!


Nächstes Thema ist nicht so lange her, um ehrlich zu sein passierte es in meiner Ausbildung als ein Freund von mir mich verkuppeln wollte. ( @ihushu, bitte verzeih mir wenn sich deine innere Feministin wieder meldet aber ich bin schon lange nicht mehr so und das war aus dem Affekt heraus)

Ich ließ mich breitschlagen von meinen Freund und schrieb ihr. Wir schrieben bisschen miteinander, typisches Chatten eben. Doch dann schrieb ich mal einen Tag nicht mehr und sie keifte mich an und fragte harsch warum ich nicht mehr schrieb, an dem Tag war ich gerade dabei meinen Vater vom Bahnhof abzuholen weil er kein Taxi nehmen wollte. Ich antwortete: “Ich hab auch ein Privatleben und wir keine Beziehung. Musste Hausaufgaben machen”, danach ging es normal weiter mit schreiben, normal von ihrer Seite denn ich wurde distanzierter und hinterfragte ihre psychische Stabilität. Es wurde irgendwann richtig Creepy und an ihren Geburtstag schrieb sie eine gepfefferte Nachricht: “Warum schreibst du  denn nicht mehr, sag doch gleich du hast kein Interesse!”. Zu meiner Verteidigung, ich wusste nicht dass sie Geburtstag hatte und schrieb aber eine Nachricht weit unter der Gürtellinie. In diesem Moment ist mir einfach der Kragen geplatzt weil es nicht das einzige Mal war dass sowas kam, wenn mir mutwillig und dumm unrecht getan wird regel ich das auf einen vulgären verbalen Level der in krassen Fällen unter die Gürtellinie geht. Ich schrieb: “Was denkst du wer du bist? Denkst du du bist der Mittelpunkt der Welt? Der einzige Ort an dem du vielleicht der Mittelpunkt bist ist auf einer Bukkake Party. […]”. Ich weiß nicht mehr genau wie es weiterging in meiner Nachricht und erspare euch aber das was ich noch weiß. Wenig später am Abend schrieb mir ihre Freundin (die Freundin meines Freundes der mich verkuppeln wollte) per Whatsapp, die hat einfach meine Nummer weitergegeben. Sie meinte sie würde jetzt weinen und heute wäre ihr Geburtstag und ich solle es nochmal mit ihr versuchen. In dem Moment war es mir auch egal dass sie die Freundin meines Kumpels war und ich fragte: “Was soll ich nochmal versuchen? Es lief nie irgendetwas!”, ich weiß nicht was sie sich da einbildete was gelaufen sein sollte. Einige Nachrichten später hatte ich keinen Bock mehr und blockierte beide auf dem Handy und auf Facebook  und bat meinen  Kumpel mich nie wieder verkuppeln zu wollen mit einer irren. Mich plagte allerdings das schlechte gewissen und ich schrieb eine Entschuldigungsnsachricht, ja schriftlich weil wir nie persönlichen Kontakt hatten und ich es nicht für notwendig ansah sie anzurufen und ich hatte sowieso nicht mehr ihre Nummer.

Da sind diese ganzen Menschen um mich herum, die lachen, trinken, tanzen und Spaß haben. Und ich sitze da, sehe ihnen zu und merke, dass ich es nicht mehr kann. Mich unbeschwert und frei bewegen, mich zu entfalten, sorgenlos zu lachen und alles um mich herum zu vergessen. Ich kann es einfach nicht mehr. Mein Körper fühlt sich zu schwer und träge an. Alles in mir schreit, will zurück in mein Bett unter die Decke, da wo es ruhig und sicher ist. Ich gehöre hier nicht hin. Ich gehöre nicht zu diesen Menschen, die das Leben feiern, denn ich feiere meins nicht mehr. Und jeder Versuch zu lächeln, zu lachen, zu tanzen, glücklich zu sein, fühlt sich einfach nur falsch an. Ich bin müde und erschöpft. Ich fühle mich alleine und hasse es. Aber das ist das einzige, das ich gut kann, alleine sein. Ich habe meinen größten Halt verloren, meinen Fels in der Brandung, nun ertrinke ich. Ertrinke in der Dunkelheit und ich lasse mich von ihr einwickeln, weil es einfacher ist, sich ihr hinzugeben als dagegen anzukämpfen. Ich habe oft genug gekämpft, ich kann nicht mehr, ich bin müde, ich will mich fallen lassen, auch wenn da niemand ist, der mich auffängt. Aber wie soll ich mich auch festhalten, wenn da nichts mehr ist? Und wie soll ich wieder nach oben kommen, wenn das Licht, das mir den Weg zeigt, nicht mehr scheint? Ich falle, immer tiefer und bin es leid dagegen anzukämpfen, deswegen lasse ich es zu und es fühlt sich gut an, weil ich keine Energie mehr verschwenden muss, weil ich mich nicht mehr retten muss, ich bin eh schon verloren.
—  Dunkle Gedanken