dogmatismus

Die Liquidation des Dings-An-Sich in der hegelschen Philosophie als Reflexionsmöglichkeit der Dreiwertigkeit

Der kantische Standpunkt ist der Standpunkt der Triplizität. Die Struktur seiner Reflexion ist V -> (D -> (R -> I)); hierbei steht

I für das Ding an sich.

R für die Reflexion oder die Sinnlichkeit; sie ist auf das Ding-an-sich.

D für das Denken oder die Unendlichkeit / das Selbstbewusstsein; es ist gerichtet auf die Sinnlichkeit R.

und V für die intellektuelle Anschauung; sie trifft D, und versteht damit das Selbstbewusstsein; es ist der Standpunkt des Idealismus, welche das fichtesche Ich (also D) erkennen kann, d.h. die Unendlichkeit als konkrete Unendlichkeit.

Kant hat selbst keine Logik der Triplizität entwickelt. Er steckt noch ganz in der zweiwertigen Logik. Der vor-hegelsche Schelling und Hegel selbst haben nun den Anspruch vertreten, das Ding-an-sich zu liquidieren; sie wollen also aus

V -> (D -> (R -> I)) ein

V -> (D -> R) machen.

Damit hätten sie die Dreiwertigkeit wieder aufgehoben, und zuletzt also das ganze System des Denkens als zweiwertiges und Selbstbewusstes dargestellt.

Wie lässt sich dies aber vollziehen? Es wurde bereits festgehalten, dass die Transzendental-Reflexion die Reflexion D -> I darstellt, welche als zweiwertiger Teil der gesamten dreiwertigen Reflexion V -> (D -> (R -> I)) erscheint, und zwar als V -> (D -> I). Die Transzendental-Reflexion drückt das Verhältnis von Seiendem I und der konkreten Unendlichkeit oder das Selbstbewusstsein D aus. Es ist zugleich das Verhältnis zwischen dem Seienden, und der doppelten Negation des Seienden; also das Verhältnis von Sein und Nicht-Nicht-Sein.

Die Transzendental-Reflexion war bereits an sich gesetzt in den Systemen des Dogmatismus und des Skeptizismus. Der Dogmatiker denkt an sich die Einheit der Reflexion in sich und in anderes; und denkt damit die Identität von D und I; also dass Sein und Nicht-Nicht-Sein dasselbe sind (was auf dem Standpunkt der zweiwertigkeit auch eine naheliegende Konsequenz ist). Hierdurch sind an sich Reflexion in sich und Reflexion in anderes dasselbe; d.h. es gibt dann das absolute, wo dieser Unterschied nicht mehr besteht, und das bloß relative, wo der Unterschied noch vorliegt. Wenn also D und I dasselbe wären, dann müsste entsprechend aus V -> (D -> (R -> I)) ein V -> (D/I -> (R -> D/I) werden. Auf dem Standpunkt des Idealismus wäre es aber das Subjekt selbst, dass diese Einheit vollzieht, nicht das göttliche Bewusstsein; es ist also der von V aus der bewusste Spinozismus, welcher D und I gleichsetzt.

Damit gelangt man also in eine Zirkel. Denn wenn D/I auf R reflektiert, R aber auch auf D/I reflektiert, so gelangt man zu dem Punkt, an dem zwei Denkpositionen sich gegenseitig denken können; d.h. es gibt dann zwei inverse Selbstbewusstseinspositionen, welche von V aus geschehen; einmal denkt V -> (D/I -> R), dann V -> (R -> D/I); dies sind die beiden möglichen integrierten Systeme der hegelschen Logik. Alles ist zugleich Subjekt und Objekt eines Denkprozesses; das Ding an sich ist zugleich das Selbstbewusstsein; Natur und Vernunft sind irgendwie dasselbe. Die beiden logischen Systeme können sich gegenseitig begründen. Es ist dann nur noch eine Frage des Standpunktes, ob man behauptet, man habe das Ding an sich und die Materialität liquidiert, oder eben D bzw. das Selbstbewusstsein. Entsprechend unterscheiden sich wahrschienlich der Marxismus und der Hegelianismus. Die Möglichkeit eines Zirkels der logischen Systeme ergibt sich erst auf dem Standpunkt des Idealismus, oder besser gesagt, der Triplizität.

Wenn nun aber diese beiden Systeme sich gegenseitig begründen können, so bleibt am Ende ein Zusammenfall dieser Systeme übrig, nämlich in Form von V -> D/R/I, wodurch der Standpunkt des (einwertigen) Bewusstseins wieder erreicht worden ist. Dadurch wäre das Ziel vollbracht, das die gesamte griechische Philosphie immer gesucht hatte, den Regress in das bloße Bewusstsein; das in der Zeit fortschreitet. Damit ist, so scheint es zumindest, der Standpunkt der Idee erreicht, welche für Hegel die Absolute Einheit von Subjekt und Objekt darstellt. Alles in allem ähnelt diese Bewegung aber dem Dogmatismus, insofern schlicht die Identität von D und I behauptet wird.

Der Zirkel ist aber auch vermeidbar, wenn nämlich die Differenz von D und I gesetzt wird. Hierbei wird dann die Triplizität zementiert; mit diesem Standpunkt geht man über zu Schelling, welcher nach Hegel an einem Ding an sich festgehalten hat. Damit ist der Zirkel vermieden, das System der Triplizität wird nicht zum Einsturz gebracht. Die Philosophie von Gotthard Günther ist wohl auch hier zu verorten, der stehts ander Triplizität festgehalten hat und die hegelsche Tendenz zur Aufhebung der Werte immer kritisierte.

Alles in allem ist die Transzendental-Reflexion entscheidend für das Verhältnis zur Welt. Ob sie nun an sich ist, oder für sich, sie hat erhelbliche Auswirkung darauf, wie die Welt empfunden wird.

Die Reflexion ist An sich (unbewusst) gegeben als:

A. Identität: Dogmatismus / Spinozismus

B. Differenz: Skeptizismus / Empirizismus

C. Identität der Identität und Differenz: Verzweiflung, Christentum


Die Reflexion ist Für sich (bewusst) gegeben als:

A. Identität: Zirkel, dann Rückkehr zur Einwertigkeit. Hegelianismus, früher Schellingianismus.

B. Differenz: Die Zementierung der Dreiwertigkeit. Späterer Schelling.


Die Triplizität ist also in der Lage, sich selbst zu setzen und aufzuheben, eben durch die Transzendental-Reflexion.

Adorno ist nicht der Vater von (irgend)einem eurer Männer (auch wenn dieser sein Nennsohn ist). Er ist vielmehr der Gesandte der falschen Totalität und das Siegel der Philosophen (d. h. der Beglaubiger der früheren Philosophen, oder der letzte der Philosophen).
—  Magnus Klaue (apokryph) // Sure 33:40