das allerletzte gefecht

Was die Menschen verloren haben, davon reden sie. Solange sie es besitzen, reden sie davon nicht. Im Pariser Mai 1968 wurden die verblichenen Hoffnungen aus der Anfangszeit des Atomzeitalters noch einmal ins Bewusstsein geholt, um sie anständig beerdigen zu können. Die Revolution war ein Trauerzug, das revolutionäre Paris war ein Friedhof, und die Häuserwände waren Grabsteine, auf denen hin gekritzelt die Namen der Verstorbenen standen. Es waren Parolen wie Sous les pavés, la plage, L´imagination prend le pouvoir!, Soyez réalistes, demandez l´impossible.
Aktuelle Beispiele wären der Refrain von Obamas erster Wahlkampagne, Yes we can. So singt man, wenn man nicht mehr kann. Wer kann, singt nicht, sondern macht. Desgleichen Buchtitel wie “Der kommende Aufstand” oder “Empört euch!”. Sie sind ein Abschiedsgruß, ein Winke-Winke und kein Signal zum Aufbruch. Die Zeit für solche Dinge ist vorbei – so der Klartext der Botschaft –, sie sind Kulturmüll geworden. Dann rücken Fernsehen und Feuilleton an und entsorgen die Überreste umweltfreundlich durch Recycling.
—  Wolfgang Pohrt, Das allerletzte Gefecht, S.19.