daheim

Ich weiß.
Bei dir ist immer eine Kammer für mich frei.
Du verlangst dafür nichts.
Außer, dass du auch spät abends noch bei mir klingeln kannst.
Um dir eine Umarmung zu holen.
Für die Nacht.

Ich weiß.
Wo deine Hintertür ist.
Und wie die Parole lautet.
Um zu dir zu gelangen. Auch wenn Sperrstunde ist.
Du verlangst dafür nichts.
Außer, dass ich es geheim halte.
Und niemandem davon erzähle.
Dass du manchmal einsam bist.

Ich weiß.
Wo du den Schlüssel versteckst.
Wenn du mal verschlossen bist.
Um mir offen gegenüberzutreten.
Du verlangst dafür nichts.
Außer, dass ich meine Schlösser offen halte.
Wenn du in der Stadt bist.

Ich weiß.
Wenn du nicht da bist.
Dann kann ich in deinem Bett schlafen.
Weil wir beide uns riechen können.
Und es dir nichts ausmacht.
Wenn ich die Laken zerwühle.
Du verlangst dafür nichts.
Außer, dass ich dir eine Decke übrig lasse.
Für den Fall, die Ferne ist dir plötzlich zu weit.
Und du kommst heim.
Wenn ich schon schlafe.

Ich weiß.
Du hast Bilder von mir an deiner Wand.
Und ich kann mich mit deinen Augen sehen.
Wenn ich mal nicht mehr weiß.
Wer ich bin.
Du verlangst dafür nichts.
Außer, dass ich einen Spiegel auf der Zunge trage.
Und einen im Herzen.
Für dein Gesicht.

Ich weiß.
Es ist ein wenig wie heimkommen.
Wenn ich an dich denke.
Weil ich nicht überlegen brauche.
Wo etwas steht.
Wenn ich etwas brauche.
Und wo das Licht angeht.
Wenn ich schwarzsehe.
Du verlangst dafür nichts.
Außer, dass ich alles an seinem Platz lasse.
Weil es gut so ist.
Wie es ist.

Ich weiß.
Es zu schätzen.
Und es gibt nichts.
Was ich dafür verlangen würde.
Weil es alles ist.
Auf dieser Welt.
Was man bekommen kann.

— 

Felix Wetzel, Daheim