celeb: rooney mara

Song to Song

Regie: Terrence Malick         Gesehen am: 25.05.2017     Wertung: 08/10

Wir müssen singen, den Menschen dabei helfen, glücklich zu sein.“

Was ist Liebe? Diese Frage begleitet den Menschen bereits durch die Jahrtausende und ist eine wesentliche Triebfeder unserer Kulturgeschichte und dennoch fordert es noch immer so viel von uns, sie aus dem Blickwinkel der Freiheit zu stellen. Aus dieser gewagten Perspektive nähert sich ihr  jedoch der inzwischen bereits 73jährige Regisseur Terrence Malick in seinem Essayfilm „Song to Song“. Wie bereits aus seinen letzten Werken gewohnt, beweist er hierbei viel Mut. Mut zur Schönheit, Mut zur Komplexität, Mut zum Fragment und Mut zur statischen, minutenlangen Stille. Das Ergebnis ist wahnsinnig sehenswert aber auch wahnsinnig anstrengend und fordernd. Am Ende wirkt es dann leider so, als würde eben dies dem Film selbst zu einer Last, wenn er in enttäuschend seichten Gewässern seinen Ausklang sucht.

Der Regieveteran macht sich vom ersten Frame daran, gnadenlos unsere Sehgewohnheiten zu zerschmettern. Mit Schönheit und Statik auf sie einzudreschen, bis unmissverständlich klar wird, dass das Problem an unseren Sehgewohnheiten ist, dass sie unsere Sehgewohnheiten sind. Malick entfaltet ein Mosaik aus Stimmungen in dessen Zentrum er drei Menschen stellt, die sich den Fesseln der Liebe verweigern, um frei zu sein. Die Konsequenz ist verständlicherweise Ekstase und Schmerz, Verzückung und Verlust, die sich immer wieder in der überwältigenden Ästhetik der Bilderwelten kreuzen. Wie ein Tanz, der auch immer wieder als tragendes Moment auftaucht. So viel Schönheit und so viel Verderben. Ist doch das eine ohne das andere kaum zu haben und doch handelt es sich hier nicht um einen faulen Deal, denn ist dies nicht so viel besser als die Mittelmäßigkeit? Als der Verlust der Freiheit? So entfesselt sich unter den Augen der Zuschauer ein bildgewaltiges Requiem auf die Liebe, nur um sie am Ende dann doch ängstlich wieder auferstehen zu lassen. Und das ist der große Makel: warum plötzlich eine solche Konvention, ein solches Zugeständnis an das Gewöhnliche? In seiner Schizophrenie erinnert „Song to Song“ in all seiner postmodernen Pose überraschend stark an das 19.Jahrhundert. Denn hier wurde sich ebenfalls mit Vorliebe an die wildesten und mutigsten Theorien gewagt, nur um sich am Ende wieder brav selbst auf den metaphysischen Topf zu setzen. Touche Terrence.              

Rico Handorf