bockenheimer

Tumblr-Blog im Blickpunkt: U[ni]TV Frankfurt

Für unseren heutigen Interview-Beitrag haben wir Michael Stadtnik von UTV-Frankfurt befragt – dem Studierendenfernsehen der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Im Bild seht ihr übrigens seinen Kollegen Martin Brüggemann. 

Erzähl doch bitte ein bisschen was über die Frankfurter Uni. 

An der Goethe-Universität studieren momentan ca. 45.000 Studierende. Unsere Universität verteilt einige Fachbereiche über die gesamte Stadt. Am Campus Bockenheim (dem alten Hauptstandort) befinden sich noch Fächer wie Kunstgeschichte. Die Goethe-Universität zieht seit mehr als zehn Jahren nach und nach auf den neuen Campus Westend/ IG-Farben-Campus um. Dort befindet sich inzwischen ein Großteil der Fachbereiche, z. B. die Geistes-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften.
Fachbereiche wie Biologie oder Chemie befinden sich im „hohen Norden“ von Frankfurt, auf dem Campus Riedberg. Manche Fächerkombinationen führen also durchaus dazu, dass man manchmal eine halbe Stunde durch Frankfurt tingeln muss, um seine Seminare zu besuchen.

Und wie ist das Mensa-Essen? :-)

So unterschiedlich die Campusse sind, so unterschiedlich ist sogar das Essen. Während einige das Essen in Bockenheim verschmähen, werden die Mensen am Riedberg und im Westend gelobt. Die Preise sind dort jedoch zu diesem Semester rasant gestiegen, wozu wir auch einen Beitrag gemacht haben.

Was ist an der Uni Frankfurt verbesserungswürdig? Welche Probleme gibt es aktuell?

Wie viele Universitäten muss die Goethe-Universität mit einer gestiegenen Anzahl von Studienanfängern klarkommen. Das resultiert meistens in überfüllten Vorlese- und Seminarräumen. Einige der neu gebauten Seminargebäude wurden zu klein geplant, da man aufgrund der Studiengebühren vor ein paar Jahren mit weniger Studierenden rechnete. Brisant ist jedoch, dass in den Fächern Soziologie und Erziehungswissenschaften schon immer die Seminarräume überfüllt waren und dies sich trotz Neubauten und weiterer Hilfsbauten nicht geändert hat. Zudem ist die Universität unterfinanziert, es fehlt an Lehrpersonal, manche Professuren sind nicht besetzt, obwohl man sie wegen des Andrangs an Studierenden dringend bräuchte.

Und nun zu UTV: Seit wann gibt es UTV Frankfurt? Wie viele Leute arbeiten daran? Was für Beiträge dreht ihr hauptsächlich und wo kann man sie sehen?

UTV Frankfurt wurde ursprünglich 1993 gegründet. Laut Aussage des Gründers Boris Kreuter war es das erste regelmäßig „sendende“ Studierendenfernsehen in Deutschland. UTV produzierte ab dem Wintersemester 1993 drei halbstündige Sendungen, die auf Monitoren in der Uni gezeigt wurden. Die Sendungen wurden leider in den Jahren 1999/2000 eingestellt.

Vor knapp zwei Jahren wurde dann von Studierenden das Projekt wiederbelebt. Zunächst gab es nur kleine Clips zu aktuellen Ereignissen, wie z. B. Demos. Eine Neuerung war die Einrichtung eines YouTube-Accounts zur Verbreitung.
Eine richtige Sendung gab es dann erstmals wieder im August 2013, und seit dem Wintersemester 2013 konnten wir wieder drei halbstündige Sendungen auf die Beine stellen. Inzwischen sind wir eine Gruppe von ca. 20 Leuten.
Die Themen umfassen Sport, Musik, Comedy oder Hochschulpolitik. Von Anfang an waren hochschulpolitische oder studentische Themen unser Steckenpferd. Da wir uns als Studierende übergangen fühlten und aus unserer Sicht einiges an der Uni schief lief, haben wir UTV wiederbelebt, um der Studierendenschaft eine Stimme zu geben. So wurden z. B. auch Skandale, wie eine Bibliothek, in die es reinregnete und in der Bücher zerstört wurden, von uns publik gemacht. Von Anfang an dabei war die Vorstellung von Sportarten, die man an der Uni machen kann (z. B. Kuriositäten wie Einradhockey), und wir stellen in jeder Sendung talentierte Musikerinnen und Musiker, die an der Uni studieren, vor. Auch unsere Comedy-Rubrik gibt es seit der ersten Folge, denn wir sind der Überzeugung, dass man einige Zustände an der Uni nur mit Galgenhumor ertragen kann, und andererseits kann Humor manch trockene Thematik besser rüberbringen als bierernste Reportagen.

Wird UTV irgendwie finanziert, oder macht ihr das im Grunde aus Spaß in eurer Freizeit?

Im Unterschied zu manch anderen Studierendenfernsehen an Hochschulen oder Universitäten ist UTV ein hundertprozentig unabhängiges Fernsehprojekt, das von Studierenden für Studierende gestaltet wird. Das U im Namen steht auch für „Unabhängig“.
Das heißt konkret, dass die Organisation und redaktionelle Arbeit allein von Studierenden erbracht wird.
Finanziert wird das Projekt durch die Studierendenschaft, wir erhalten einen Projektetat vom AStA (dem Allgemeinen Studierendenausschuss, die „Regierung“ der studentischen Selbstverwaltung). Dieser Etat erlaubt es uns, das nötige Equipment zu beschaffen und auch in der redaktionellen Arbeit unabhängigen und kritischen Journalismus zu betreiben – Journalismus, der von den UTV-Mitgliedern ehrenamtlich betrieben wird.

Foto: Michael Stadnik