bargeldloses zahlen

2007-2015

Der gläserne Studentenmagen

Von Oktober 2007 bis zum Sommer 2015 habe ich in Berliner Mensen gegessen. Bezahlt wird in den Mensen bargeldlos mit einer Chipkarte, der MensaCard, aufgeladen wird die Karte an Automaten, die Scheine und teilweise auch Münzen annehmen. Über die Jahre habe ich immer die gleiche Karte verwendet. Hin und wieder hat mich das spekulieren lassen, wie viel ich wohl mit ihr in der ganzen Zeit umgesetzt habe.

Deshalb schicke ich eine Anfrage an die Mensa-Infostelle und erhalte zwei Tage später von einem Mitarbeiter der Datenverarbeitung eine Excel-Tabelle, die in 1453 Zeilen alle Saldos seit dem Kauf der Karte am 15. Oktober 2007 enthält, einschließlich Datum und Uhrzeit. Insgesamt habe ich 2125,28 € mit der Karte gezahlt, bei 1087 Zahlvorgängen. 2125,28 – eine Zahl, nur 0,69-mal so viel wie das Techniktagebuch derzeit Einträge hat, aber nicht weit entfernt von der Fläche des Saarlands in Quadratkilometern.

Durchschnittlich habe ich bei einem Bezahlvorgang 1,98 € ausgegeben. Ich habe die Karte 365-mal aufgeladen, durchschnittlich mit 5,81 € (min. 0,50 €, max. 20 €). Der höchste Betrag, den ich jemals auf der Karte hatte, war 23,12 €. Ich weiß noch, dass ich lange Zeit auf 5-Euro-Scheine geachtet habe, damit ich die Karte immer mit einem kleinen Betrag aufladen konnte, denn ich könnte sie ja einmal verlieren und dann wäre es weg, das große Geld.

Seit Ende 2013 konnte man mit der Karte auch in der Bibliothek kopieren, auch wenn ich diese Möglichkeit nur noch sehr selten genutzt habe. Daraus ergibt sich der kleinste Betrag von 0,05 € für eine kopierte Seite. Die höchste Ausgabe sind 6,70 € für ein Essen an meinem 21. Geburtstag, mitten in den Semesterferien – damals war das dann wohl meine Vorstellung von »schlemmen« oder »sich was gönnen«.

(Felix Lorenz)

8.1.2015

Hinhaltend zahlen

Dass ich schon seit fast zwei Jahren an der schönen neuen bargeldlosen Zahlungswelt teilhaben kann, habe ich erst vor ein paar Monaten gemerkt. In meinem Lieblings-Outdoorladen schaute die Kassenfrau nur kurz auf meine Kreditkarte, hielt sie an das Terminal, wo normalerweise die Karten (richtig herum) eingeschoben werden müssen, gab sie mir zurück – und das war’s.

Als ich sie etwas irritiert anschaute und fragte, ob sie denn weder Unterschrift noch PIN von mir haben wollte, zeigte sie nur auf das Symbol auf der Kreditkarte, das ich zuvor übersehen hatte:

Und in der Tat, das kontaktlose Bezahlen funktioniert. In immer mehr Läden, inzwischen sogar, wie ich jetzt gemerkt habe, beim Discounter. An der Aldi-Kasse halte ich nur kurz die Karte hin, das war’s.

Anfangs machte mich das ein bisschen besorgt. Wenn meine Karte geklaut wird, ja wenn ich sie nur verliere – wird dann der Dieb oder der nicht-ehrliche Finder jetzt kontaktlos mein Konto abräumen?

Nicht so schnell, versuchte mich schon voriges Jahr bei meinem Anruf der Bank-Mitarbeiter zu beruhigen. Jede einzelne Zahlung hat ein Limit (das ich aber schon wieder vergessen habe, es muss allerdings über 25 Euro liegen. Und unter 50). Außerdem seien maximal drei solcher Vorgänge pro Tag möglich – oder gab’s da ein Tageslimit?

Egal, es scheint mich beruhigt zu haben. Nicht zuletzt, weil der Bank-Mitarbeiter auf meine vorgebrachten Bedenken entgegnete: Das unsicherste Sicherheitsmerkmal ist Ihre Unterschrift. Die kann jeder nachmachen.

(Thomas Wiegold)