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trainspotter.dstr shared on Instagram: 250 006 kommend aus Oßling mit einem vollen Schotterzug in Richtung Straßgräbchen-Bernsdorf. Aufgenommen wurde das Foto gestern in Straßgräbchen an der Brücke der S94. Zur Info: Ich stand nicht im Gleis!

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18. Januar 2016 | Hamburg Underground

Gegensätze

Nur der Mittelgang des Waggons trennt sie. Ich schätze sie beide auf etwa Anfang sechzig. Zwei Frauen gleichen Alters, die sich beide in den Mantel kuscheln und doch gegensätzlicher nicht sein könnten.

Rechts

Fest hat sie die Kapuze mit dem Fellaufsatz um ihren Kopf gezogen, mit einem Schal um den Hals geknotet. Kein einziges Haar schummelt sich aus dem festgezurrten Nest. Ihr Gesicht wirft erste tiefe Falten, vor allem die Furche über der Nase verleiht ihr einen strengen Ausdruck. Ihre Mundwinkel hängen nach unten und ziehen ihre schmalen, rot bepinselten Lippen in die Länge. Ihre Augen sind nur Schlitze, obgleich die Lider riesig wirken und in einer undefinierbaren Lidschattenfarbe glänzen. Von Zeit zu Zeit kneift sie die Augen noch weiter zusammen, krallt ihre Finger fester ineinander, drückt sie in den Schoß. Die Denkerfalte an ihrer Stirn vibriert kurz.

Links

Auf ihren kurzen grau-weißen, leicht gewellten Haaren sitzt eine dünne Mütze, bedeckt nur die Hälfte ihrer Ohren. Ihr Kopf wandert hin und her, ihre großen Augen verfolgen jede Bewegung im Waggon. Ihre vollen Lippen liegen leicht aufeinander, heben sich ab und an, und mit ihnen bewegen sich auch die Lachfältchen um die Augen. Sie ist ungeschminkt, doch auf ihre Wangen stiehlt sich ein sanftes Rosa, ihre hellen Augen glitzern. Ihr Blick ist aufgeweckt, amüsiert, neugierig. Und immer wenn sich ihr jemand nähert, scheint sie innerlich wohlwollend zu nicken, das Glitzern in ihrer Pupille vertieft sich für einen Moment, genauso wie die Mund- und Augenwinkel, die sich heben und so verweilen.

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7. Januar 2016 | Hamburg Underground

Zerbrechliche Momente

Ich weiß nicht genau, warum sie mir auffallen, als sie den Waggon betreten. Er führt sie vorsichtig an der Hand zu einer freien Sitzbank, schielt über seine Schulter, als könnte sie jeden Moment verschwinden. Ihr Gesicht sehe ich nicht, nur das hübsche schwarz-weiß gemusterte Kopftuch, die kleine Gestalt, die hinter dem breitschultrigen blonden Mann verborgen bleibt, der sich schützend vor sie stellt.

Dann, am Sitzplatz angekommen, lässt er ihr den Vortritt, ihre Finger lösen sich, als sich beide setzen. Im Feierabendgetümmel verliere ich sie schließlich aus den Augen.

Ich weiß nicht genau, was mich ein paar Haltestellen weiter wieder in ihre Richtung blicken lässt. Der Waggon ist mittlerweile wieder deutlich leerer geworden, sodass ich ungehindert zu ihnen hinüberschielen kann, wo ich aber nur ihre Hinterköpfe bewundern kann. In diesem Moment jedoch beugen sie sich einander zu, legen Wange an Wange, Küsschen links, Küsschen rechts, Küsschen links. Auffällig langsam, fast schon etwas schwermütig.

Die Bahn fährt in die nächste Station ein. Er erhebt sich. Sie sagen noch etwas zueinander, dann verlässt er den Waggon. Ihr Blick sinkt auf das Handydisplay, als er auf dem Bahnsteig ankommt, von den anderen ungeduldigen Fahrgästen verdrängt wird.

Er wirft einen Blick zurück, wird mit dem Fahrgaststrom weitergetrieben, die Treppe hoch. Nur langsam hebt er seine Beine Stufe für Stufe. Noch einmal dreht er sich um. Ich glaube nicht, dass er noch einen Blick auf sie erhaschen kann, sein Gesichtsausdruck verrät mir, dass ich Recht habe. In meinem Kopf höre ich sein tiefes Seufzen, als er das Kinn auf seine Brust sinken lässt und die Treppe weiter hochstapft.

Er hat sich zweimal umgedreht, doch sie hat es nicht bemerkt. Niemand hat es gesehen, die Bedeutungsschwere in seinem Blick. Diesen zerbrechlichen Moment. Doch, ich habe es, und ich bin dankbar dafür.

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4. Februar 2016 | Hamburg Underground

Probier’s mal mit Schwachsinn

Heute habe ich mich vom allgemeinen Schwachsinn anstecken lassen, eigene Prinzipien über Bord geworfen. Als ich die Rolltreppe zum Bahnsteig betrete, höre ich, wie die U-Bahn einfährt. Vor mir bewegt sich die Menschenmenge, drängelt sich an den sich gemächlich von der Rolltreppe nach unten tragenden standfesten Passagieren vorbei. Ich überlege eine Millisekunde, mein Fuß zuckt nach links und ich ergebe mich.

Haste nach unten. Quetsche mich am Fußende der Rolltreppe an einem Mann mit einem Kinderwagen vorbei. Ich glaube, er stöhnt genervt. Und ich fühle mich schlecht. Aber da steht er, der Zug, zum Greifen nah. Der Großteil der Fahrgäste ist schon eingestiegen, die Türbereiche quellen über. Ich renne an der ersten Tür vorbei, stocke an der zweiten. Soll ich einfach stehen bleiben? Oder den nächsten Waggon? Schaffe ich das noch? Doch reinquetschen?

Ich tue es. Gleichzeitig ertönt das bekannte Piepsen, ich spüre das Warnsignal auf meiner Schulter, drücke mich weiter in den Waggon. Ein Mann will hinter mir reinspringen, zerrt mit vereinten Kräften an den sich schließenden Türen, schummelt sich tatsächlich noch ins Innere.

Herrje, ist das voll hier. Ich fühle mich unwohl. Wie kann man sich das nur täglich antun? Morgen hole ich mir meine Gelassenheit zurück. Und bleibe draußen stehen. Nehme mir die vier Minuten, um auf den nächsten Zug zu warten. Weil, Schwachsinn bleibt Schwachsinn.

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