antarktis

Herbert George Ponting, A Cavern in an Iceberg, 1910. Scott’s Last Expedition. Carbon print. 

Ponting was the official photographer for Captain Scott’s tragic final expedition, enduring sub-zero temperatures to document this environment. In The Great White South (1921), he recalled discovering this cavern: ‘A fringe of long icicles hung at the entrance of the grotto and passing under these I was in the most wonderful place imaginable. From the outside, the interior appeared quite white and colourless, but, once inside, it was a lovely symphony of blue and green.’ Source V&A

Die geheimen Gärten der Antarktis

Unter einer 800 Meter dicken Eisschicht finden Forscher Tausende von Mikroorganismen. Neue Einblicke in ein gewaltiges, noch unerforschtes Ökosystem.

Ein kalter Wind fegte über das antarktische Flachland und betäubte Nasen und Ohren der Wissenschaftler. Diese standen an einem dunklen Loch im Eis, aus dem gerade mit einer Winde die letzten Meter eines Seils heraufgezogen wurden. Eisstücke prasselten vom Seil herab. Zwei Arbeiter in steriler Schutzkleidung beugten sich vornüber, um die Ladung aus dem Loch entgegenzunehmen: einen Zylinder von der Länge eines Baseballschlägers, der am Ende des Seils baumelte. Mit einem Hammer schlugen sie das Eis ab und tauten das Gefäß mit einem Fön an. “Ist er zu?”, rief der Arbeiter an der Seilwinde.

“Ja”, schrie John Priscu, der Spezialist für mikrobielle Ökologie von der Montana State University in Bozeman in den USA. Der Probenzylinder lag schwer in seinen Handschuhen – ein Zeichen dafür, dass er mit Wasser gefüllt und dicht verschlossen seine lange Reise an die Eisoberfläche angetreten hatte. Das Wasser stammte von einem der am meisten isolierten Gewässer der Erde: dem Lake Whillans, der unter einer 800 Meter dicken Eisschicht eingeschlossen gerade einmal 640 Kilometer vom Südpol entfernt liegt. Kaum ein Wort wurde gesprochen, als Priscu den Behälter schulterte und zu dem Metallcontainer schleppte, in dem sich das Team ein kleines Behelfslabor eingerichtet hatte.

Das Seewasser, das sie am 28. Januar 2013 geborgen hatten, war die weltweit erste Probe direkt aus einem subglazialen See. Priscu und andere Wissenschaftler wollten schon lange die versteckten Seen und ihre Bewohner erforschen. Doch jedes Anbohren der Eisschicht barg natürlich die Gefahr, das Wasser zu verschmutzen. Jegliche Kontamination hätte nicht nur die Herkunft der aufgefundenen Organismen in Zweifel gezogen, sondern auch von außen fremde Organismen in den See einschleppen können. Priscu und sein Team haben sechs Jahre darauf verwendet, eine sichere Probennahme zu entwickeln. Darüber hinaus mussten sie etliche logistische Herausforderungen meistern, nicht zuletzt, um hunderte Tonnen Equipment zu dem weit entlegenen Ort zu transportieren.

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