Wagenhallen

Klubtour 2014 - Stuttgart & Zürich

Adé goldener Herbst. Der Winter greift mit seinen langen, klammen Fingern nach uns. Drei Pullover übereinander, trotzdem noch frieren. 
Aufgewacht in Stuttgart, sah das alles erstmal überhaupt nicht nach Stuttgart aus. Eher wie der Schrottplatz der drei Fragezeichen.
Die Wagenhallen, der Ort an dem wir Abends auftreten sollten, war eine riesige Fabrikhalle mit verschiedenen Künstlerateliers und Werkstätten drin. Angeblich haben in der zugigen Halle auch Leute gelebt, die zum Konzert raus aus ihren Wohnungen mussten. Brandschutzbestimmung. Da hatten wir gleich ein ganz schlechtes Gewissen.
Zugezogen Maskulin hatten uns die Aufgabe gestellt, mit einem Radschlag die Bühne zu betreten. Entspannte Punkte eingefahren. 

In Zürich hatten wir bisschen mehr Glück mit dem Wetter, also auch mehr bock auf Stadtbummel. Schön Zürisee und Altstadt. Und ständig diese komischen Informationsschilder, auf denen irgendwas von “Archäologie der Zukunft” und “Hochseehafen für Zürich” stand. Haben immer noch nicht so richtig gepeilt, ob das jetzt quasi ein Insider-Scherz aller Züricher war oder ob das deren Ernst ist..

Wie auch immer, ohne groß drum herum zu schwafeln: Das Konzert war das beste der Tour. Also vom Publikum her. Unglaublich was die Züricher alles mitgesungen haben. Textsicher sowieso. Aber die haben sogar Gitarrenriffs mitgesungen! Wirklich, große Verneigung vor dem Publikum im Exil. 

Till, das bassspielende “U”

So sitzt Steffen schon seit Stunden, doch niemand will ihn in Öl malen.


Ninja-mutant-hero Turtle


Irgendetwas an diesem Bild ist komisch. Keine Ahnung, irgendwas.


Felix allabendlicher Kampf gegen die Wand. 

20 Franken für nen Frisör? Steffen ist ja nicht blöd! Selbst ist der Mann.


Harte Getränke auf Tour. RocknRoll mit allem, was dazu gehört.


Wanderung am Zurisee. 

(Nach der) Tourtagebuch #5 - Weißäääää Weihnaaaacht

Es läuft: Modern Life Is War - Fever Hunting

Na das hat ja lange gedauert. Genau ein Monat ist seit Ende der Tour vergangen. Entschuldigt die lange Wartezeit. Weihnachten, Silverster, Auskatern und Urlaub im Osten saugen einen dann doch recht stark ein, wenn man so emotional offenporig aus einer Tour stolpert. Ich werde mich daher vermutlich auch nur an das wesentlichste erinnern und nun beginnen:

Auch die Konzerte in Wien, Berlin und Hamburg sind sehr schön. Wien ein wenig verhalten und in Hamburg (umgebaut gefällt mir das Headcrash noch besser!) komme ich erstmals auf der Tour an meine Aftershow-Smalltalk-Grenze. Aber nach wie vor -  vor allem rückblickend - alles weit über den Erwartungen, die wir an die Shows, wie auch die ganze Tour hatten. 

Kurz vor dem recht absurden Finale in Stuttgart fahren wir noch in Greven-dingens vorbei, der Heimatstadt der Jungs von City Light Thief, und dürfen dort zusammen mit Smile And Burn Teil ihres furiosen Jahresabschlusses sein. Das ist auf so vielen Ebenen herzzereissend schön:

Auf einer gemeinsamen Tour wächst man doch sehr schnell zu einer kleinen Gang zusammen, von der zwar jeder weiß, dass sie nur temporär sein kann - trotzdem bleibt da manchmal auch was übrig, das mich bei jedem Treffen aufs Neue zu Tränen rühren kann, auch wenn man sich über Monate nicht zu Gesicht bekommt. Bei City Light Thief, die mit uns im Frühjahr 2014 auf Tour waren, ist das so und allein das hätte mir den ansonsten nicht minder schönen Abend schon gerettet. Danke!

Der Abschied von unserem Busfahrer Holger ist für seine Verhältnisse fast schon als emotional zu bezeichnen (letzte Worte: “Aber die Flasche da nimmste mit!”), der darauffolgende Offday in Stuttgart bringt erstmal alles durcheinander. Fühlt sich irgendwie nicht nach Tour an, aber auch nicht nach zuhause. Ist ja irgendwie auch weder noch. Zuhause spielen ist immer komisch.

Ursprünglich hätten wir in den Wagenhallen gespielt, die allerdings an dem neuen Termin schon belegt waren. Also ist mal wieder irgendjemand mit Kredirkarte zur Hand mutig ins Internet und hat uns ins LKA gesteckt, in das so 1500 Leute rein passen - wenn ich richtig informiert bin. 

Das mag für viele Bands und Konzertbesucher, die überwiegend in Arenen abhängen eine recht moderate Zahl sein. Für uns nicht. In Chur zum Beispiel haben wir vor knapp 80 Menschen gespielt, da ist schon eine gewisse Diskrepanz bemerkbar. Und das LKA ist an diesem 21. Dezember 2014 ausverkauft.

Nicht, dass ich Angst vor vielen Menschen hätte. Im Gegenteil: Sehr große Menschenmengen verhalten sich sogar sehr viel vorhersehbarer, als ein kleiner Haufen von hundert Leuten, deren Gesichter man nach der Show alle eingebrannt hat und werden irgendwie zu dieser großen, fast anonymen Masse, die man meint, wenn man “Publikum” sagt. 

Ich hingegen mag eigentlich vor Allem die Nähe zu weniger Leuten, bei der man manchmal dieses Knistern zwischen einzelnen Personen spüren kann. In diesem Punkt ist für mich die Show im LKA tatsächlich erstmal sehr gewöhnungsbedürftig (wir haben zwar auf Festivals oder als Support auch schon vor weitaus größeren Menschenmengen gespielt, aber da ist das alles nochmal ein ganz anderes Gefühl). Nach einigen Songs aber macht es einfach nur noch Spaß, auf dieser wunderbar geräumigen Bühne herumzuturnen und ohne Rücksicht auf Verluste die letzten Tropfen Energie aus mir herauszupressen. Insgesamt definitiv die außergewöhnlichste Show der Tour. Ich weiß nicht, ob ich die kleinen Läden vollständig gegen ausverkaufte Hallen tauschen könnte, sollte das irgendwann mal zur Debatte stehen. Aber nach diesem Jahr, in dem mich der ganze Scheiss desöfteren an meine körperlichen und psychischen Grenzen gebracht hat tut es irgendwie auch gut, den Progress so unmittelbar zu spüren - auch wenn es mir immer noch völlig surreal erscheint. Dankeschön, mal so ganz persönlich von mir an dieser Stelle. Verrückte Scheisse.

Randbemerkung: Die sonst doch recht raunige Publikums-Herde wird bei “Bestehen” mucksmäuschenstill. Mein persönlicher Gänsehautmoment der Tour. 

Wir werden uns nun ein bisschen in den Keller zurückziehen, an neuer Musik basteln und auf den Frühling warten. Ich habe viel darüber nachgedacht, wie ich diesen Blog nun weiter führen werde, da die Tour rum und damit die Erlebnis-Maschine wieder auf ein normales Alltags-Level gesunken ist. Keinen Bock so belanglosen Scheiss darüber zu schreiben, wie ich belanglosen Scheiss mache. Und weil ich so ein gefährlicher Typ bin und die meisten meiner Freizeitbeschäftigungen schwer kriminell sind oder sich zumindest in einer schmalen Grauzone zur Illegälität bewegen, weiß ich jetzt auch noch nicht so richtig.

Wir werden sehen, ich bin gespannt und freue mich über Rückkopplungen. 

Ein Grüßchen,

euer Mathias