Rebellen

Gaddafi-Tanker erreicht Rebellenhafen

Der am Dienstag im Mittelmeer entführte libysche Tanker Cartagena hat gestern mit 40.000 Tonnen Benzin an Bord die Rebellenhochburg Benghasi erreicht.

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Das Schiff (Foto) war angeblich von Widerstandskämpfern vor der Küste Maltas gekapert worden. In ersten Berichten hieß es, die Piraten seien dabei von Spezialeinheiten eines westlichen Staates unterstützt worden. Unterdessen hat die NATO bestätigt, dass Soldaten an Bord der Cartagena waren, um nach Waffen zu suchen. Eine Kaperung des Schiffes habe man nicht bemerkt.

Die FAZ berichtet mehr. Die libysche Jugendbewegung Shabab Libya (unter Berufung auf Reuters) auch.

Hintergründe: hier.

spiegel.de
Rebellen rücken in Hauptstadt Tripolis ein

Ich hoffe, dass die Tage Gaddafis Herrschaft gezählt sind und Libyen eine ECHTE Chance auf einen geordneten Neuanfang mit internationaler Unterstützung hat.

Ein Studienkollege hat auf meinen kurzen Halbsatz als Kommentar folgendes geantwortet. Ich will Euch seine Meinung nicht vorenthalten:

„sorry ich muss dir mal wieder widersprechen. Ich war bis jetzt zwar erst 2x in Lybien aber ganz so einfach ist die Lage dort nicht wie es vielleicht in den Medien derzeit kommuniziert wird. Qaddhafi (so heißt der Mann wirklich) ist zwar bestimmt ein Diktator, aber dem lybischen Volk ging es unter seiner “Herrschaft” dennoch relativ gut. Das Gesundheitssystem war beispielsweise nicht nur das Beste in Gesamt-Afrika es war sogar für jeden der Bürger zugänglich und kostenlos. Es gab Schulen, Universitäten, die Menschen waren zwar sicherlich nicht frei- wir durften uns in Libyen nur mit einem Polizei/Geheimdienstkonvoi bewegen, allerdings wenn man die Menschen so sieht dann waren sie nicht unglücklich. Klar jetzt kann man einwenden das diese Menschen es nicht anders kennen, aber ich glaube das nicht mal.

Ich bin weder für noch gegen Qaddhafi, jedoch auf jeden Fall dagegen Rebellen, die man nicht kennt und die ein zusammengewürfelter Haufen sind, durch Luftschläge bzw. militärische Interventionen zu unterstützen. Das Land Libyen steht jetzt am Scheideweg, ich befürchte es wird anstatt besser die nächsten Jahre wesentlich schlimmer…..

Aber gut das kommt davon, wenn man mal einen Krieg anzettelt, wenn man das Land nur aus Google Earth kennt.“

🎭 Rebellion auf Whatsapp 🔫

Wer Lust hat, meldet sich bei mir. Ihr werdet nur berücksichtigt, wenn ihr mir
- Namen
- Alter
- Bundesland
- und ein paar Sätze zu euch
schreibt. Außerdem solltet ihr diesen Post rebloggen, damit es so viele wie möglich sehen.

Von Vorteil für euch wäre, wenn ihr durchaus gut mit schwarzem Humor, Ironie und Sarkasmus auskommt, aber auch mal über erste Themen diskutieren könnt.

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Ellen and Rebel Wilson are so inspiring.

ANALYSE (1/3) - Wer gegen wen in Nordsyrien, und warum?

Viele haben eine Meinung zu Syrien, zu „Guten“ und „Schlechten“, „Rebellen“, „Kurden“ oder Regime, Türkei, USA, Russland oder…. Doch gerade die oberflächlichen Kategorien und Positionierungen zeigen, dass die große Mehrheit der Medien- und Internetkommentatoren schon vor Jahren ausgestiegen ist, es aufgegeben hat, in Syrien mitzukommen, zwischen sozialen, politischen, ethno-religiösen und geostrategischen Verwerfungen, kreuz- und querliegenden Fronten und hunderten von kleinen und großen lokalen, nationalen und internationalen Akteuren. Ein Grund mehr, angesichts sich überschlagender Meldungen innezuhalten, und dem Bescheidwissen einen (Rück-)Blick auf den Kontext des Geschehens entgegenzusetzen, auf alte und neue Fronten, auf zentrale Akteure, Feindschaften, Kooperationen und Pragmatismus und schließlich: auf die Rollen Russlands, Irans, der Türkei, der USA u.a.
In einem zweiten und dritten Teil wird es dann um die weiteren Hintergründe gehen: die Geschichte ethnoreligiöser Mobilisierung und Identität, die sozialen und politischen Ursachen der Proteste von 2011, die Militarisierung und Radikalisierung des Konflikts durch das syrische Regime und den Krieg als Totengräber von Gesellschaft, Staatlichkeit – und Regime selbst. Denn was ist von „Syrien“ eigentlich noch übrig? [Follow us on facebook: http://facebook.com/bikoret.khatira.nahostinfos/]

Nicht „Kurden“, nicht „Rebellen“, nicht „Regimesoldaten“ – eine genauere Betrachtung der Akteure an den Fronten in Nordsyrien (Milizen, Allianzen, Kooperationen)

In den letzten Wochen erhitzten sich die Gemüter: Im Gebiet um Aleppo würden „die Kurden“ gemeinsam mit „dem Regime“ und Russland gegen „die Rebellen“ vorgehen, „die Rebellen“ würden von „den Kurden“, „dem Regime“ und ISIS gleichzeitig von allen Seiten angegriffen. „Pro-Rebellen“-Kommentatoren sprachen von Verrat, Konterrevolution und Kollaboration mit dem Assad-Regime, manche sprachen von „ethnischen Säuberungen“ gegen sunnitische Araber,  auf „pro-kurdischer“ Seite hörte man dagegen von manchen, dass „alle sogenannten Rebellen Islamisten und Al-Qaida-Jihadisten“ seien, und alle, die keine „Terroristen“ seien, die „Befreiung“ durch die von der kurdischen YPG-Miliz angeführten „Demokratischen Kräfte Syriens“ (SDF) wünschten. Je nach Standpunkt hielt man Russland, Iran, Türkei und/oder USA für Schurken oder ihre Aktionen für eine hilfreiche Intervention. Nun soll hier versucht werden, die Entwicklung in Nordsyrien in drei Schritten zu entwirren und zu erklären, mit jeweils steigender Komplexität. Zunächst die aktuelle Lage.
Das Regime ist seit mehreren Monaten in der Offensive, im Süden im Bereich Dar’a, im „Zentrum“ im Bereich Homs, und im Norden im Bereich Aleppo. Nur die Kampfhandlungen im Bereich Aleppo erhalten international Aufmerksamkeit. Doch ist es das Regime? Das scheint im eigentlichen Sinne kaum mehr real zu existieren (dazu mehr im zweiten Teil). Für das Regime kämpfen insbesondere

  • 1. einige Spezialeinheiten der syrischen Armee (– der größte Teil der regulären Armee ist nicht mehr aktiv, fast die Hälfte der Truppenstärke von 2011 ist verloren gegangen – die meisten sind gefallen, viele desertiert, einige Truppenteile zerfallen).
  • 2. libanesische und irakische schiitisch-islamistische bzw. –jihadistische Milizen, allen voran die Hizbollah, aber auch die (irakischen) Kata’ib Hizbullah und Asa’ib Ahl al-Haqq und die syrischen Al-Abbas-Brigaden,
  • 3. der irreguläre syrische Milizenverband „Kräfte der nationalen Verteidigung“ (NDF) aus Loyalisten und Klientelstrukturen des Baath-Assad-Regimes, der von Hizbollah-Kadern und iranischen Militärs (Revolutionsgardisten) aufgebaut und strukturiert wurde und deren Milizionäre Ausrüstung und Bezüge vom syrischen Regime beziehen,
  • 4. kleinere iranische Spezialeinheiten, insbesondere aus der „Quds“-Sondereinheit für Auslandseinsätze der Revolutionsgardisten, und Militärberatern aus „Quds“ und Armee,
  • 5. sowie die russische Luftwaffe zur Luftunterstützung und kleinere Einheiten russischer Spezialkräfte am Boden.

Aus dem Iran, aber vor allem aus Russland kam es auch zu umfangreichen Lieferungen (bzw. –verkäufen) von Waffen und schwerem Gerät. Insbesondere das Eingreifen der russischen Luftwaffe und das koordinierte Vorgehen der Hizbollah-geführten Kampfeinheiten sorgten dabei seit Ende letzten Jahres für einen Umschwung zu Gunsten des Regimes auf den meisten Fronten.
(Bei Angriffen der russischen Luftwaffe wurden dabei bisher etwa 2000 gegnerische Milizionäre getötet, darunter 900 ISIS-Milizionäre. Gleichzeitig sollen etwa 1000 Zivilisten bei russischen Angriffen getötet worden sein. Die russische Luftwaffe setzt seit mehreren Tagen Clusterbomben ein.)
Auf der Karte zeigen die gelben und roten Ringe diejenigen Orte an, die in den letzten drei Monaten von pro-Regime-Kampfverbänden (rot) bzw. in den letzten drei Wochen von den „Demokratischen Kräften Syriens“ (SDF, gelb) eingenommen wurden.

Die „Demokratischen Kräfte Syriens“ (SDF) sind eine Koalition aus

  • 1. dem bewaffneten Arm der säkular-nationalistischen kurdischen Partei PYD, die im Rahmen des Kriegszustands eine autoritär-dominierende Position in “Rojava” eingenommen hat – den Volksverteidigungseinheiten (YPG) (und deren Frauenverteidigungseinheiten [YPJ]),
  • 2. mit dem FSA-affiliierten Kampfverband „Armee der Revolution“, unter dessen Label momentan zwei stärkere („Front der Kurden“, „Sonne des Nordens“ [arabisch]) und einige sehr kleine Gruppen arabischer und selbst turkmenischer Milizionäre operieren (Status anderer FSA-Gruppen, die bei der Gründung der SDF beitraten, ist unklar),
  • 3. der lokalen Miliz assyrisch-aramäischer Christen, dem „Suryoyo-Militärrat“,
  • 4. Dem „Operationsraum Euphrates-Vulkan“, in dem die YPG sich mit der „Armee der Revolution“ und – in einem angespannten Verhältnis – der ebenfalls FSA-affiliierten „Brigade der Revolutionäre Raqqas“ koordiniert, die in engem Verbund mit Stämmen aus dem Raum Raqqa dort auch gegen ISIS kämpft.
  • 5. arabischen Stammesmilizen (der Shammar u.a.), die sich früher mit dem Regime arrangiert haben und nun nach ISIS-Besatzung und ISIS-Massakern an Stammesmitgliedern insbesondere im Bereich Raqqa gegen ISIS kämpfen.

Die SDF werden durch Luftschläge der US-geführten Koalition gegen ISIS unterstützt. In den letzten zwei Wochen profitierte die SDF auch von russischen Luftangriffen nördlich von Aleppo, die Positionen im Bereich Azaz-Tel Rifaat angriffen, gegen die die SDF gerade vorgingen. Wen genau griffen sie da an, wer genau wurde von der Rede von „Rebellen“ und „Rebellengebiet“ umfasst?

Die „Levante-“ bzw. „Großsyrienfront“, al-Jabha al-Shamiya”, ist die zentrale „Rebellen“-Formation im Bereich Aleppo, und war die zentrale Kraft in den von den SDF angegriffenen und eingenommenen Positionen und Ortschaften. Sie ist eine Koalition verschiedener von Saudi-Arabien, der Türkei, Qatar u.a. finanzierter und ausgerüsteter Milizen, darunter

  • 1. die (zu diesem Zeitpunkt noch aktiven) Milizen der „Islamischen Front“, die für einen “islamischen Staat” unter “den Gesetzen der Scharia” (sie halten das wie alle modernen Salafisten anachronistisch für ein kodifiziertes Regelwerk) kämpfen, allen voran und autonom deren zentrale salafistische Mitglieder
  • 2. die „Freien Großsyriens“ („Ahrar al-Sham“, inkl. „Suqur al-Sham“) und
  • 3. die „Armee des Islams“ („Jaysh al-Islam“), sowie nicht-salafistische Milizen wie
  • 4. die „Nur al-Din al-Zenki-Bewegung“,
  • 5. einige Milizen der „Armee des Islam“ („Jaysh al Islam“) im Raum Aleppo, neben al-Zenki also Gruppen wie
  • 6. die 19. Division (FSA-Label), ein Zusammenschluss kleinerer lokal verwurzelter Einheiten (die oft unpolitisch und unideologisch, aber der Form nach salafistisch waren), die wichtigste Kraft darin die „Ansar-Brigaden“ (Muslimbrüder),
  • 7. einen Teil der zerfallenen „Hazm-Bewegung“.

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Entführung des libyschen Tankers weiterhin mysteriös

Die Entführung des libyischen Tankers Cartagena (Foto) vor Malta bleibt weiterhin mysteriös. Der Tanker gehört der Familie Gaddafis.

In ersten Berichten hieß es, libysche Rebellen hätten das 182 m lange Schiff auf der Hurd’s Bank im Mittelmeer vor Malta am Mittwoch gegen 14 Uhr in ihre Gewalt gebracht. Sie hätten sich mit einem libysch beflaggten Schlepper genähert.

In anderen Berichten ist die Rede davon, dass ein Spezialkommando eines westlichen Staates das Schiff per Helikopter gestürmt und dann an die Rebellen übergeben habe. Jetzt sei der Tanker auf dem Weg in die libysche Rebellen-Hochburg Banghasi. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es bisher nicht.

Ein NATO-Sprecher wollte entsprechende Anfragen nicht kommentieren. Er bestätigte lediglich, dass die NATO-Verbände im Mittelmeer einen Tanker unter Beobachtung halten, der auf die libysche Küste zufahre.

Der Sprecher sagte:

“We are monitoring the ship and the ship has been hailed and signs indicate it is cooperating with NATO forces as it approaches the shores of Libya”.

 

“NATO will follow normal procedures and it will be up to commander of the NATO ship involved to decide whether to board the ship, weather and sea conditions permitting.”

Das Schiff ist bereits seit drei Monaten mit einer Ladung von 40.000 Tonnen Benzin unterwegs, die es angeblich in der Türkei übernommen hat. Schiffe der Gaddafi-Familie sind von der NATO mit Sanktionen belegt.

Vesseltracker Infos zur Cartagena: hier