(c)jsch

kollateral

wie heißt du
und seit wann lebst
du so laut

und verschwenderisch
unter meinen kapillaren
in einem universum
das keine geschichte

für uns vorgesehen hat
ich sitze den winter aus
in abwesenheit der berührung

3

this is home III

there are things, that can’t be measured in words, even, if you try to explain, they will never really be enough, to show, what it means. what it means, to have such a loving, connected and settled family. not in a perfect way, but I know, all these lives had been raised through hard work and deep understanding for each other. and all our childhoods had been hard in some way, but we always knew, there’d be this unbreakable bond, that helped us on our feet again. and it still does.

by ichinpixel

interim

you are the space
between

never and again

before
return and fear

after
regret and spilled
truths all over the floor

and I stayed with you

until your lips ran black
and your fingertips broke
all your sins caught fire

when you burned my memory
and forgot my name, you
are the space between

always and leaving

but I still keep your face
among remembrance and fading away

because you are present and past
colliding, under my skin

welche wünsche wir in die
nacht schicken;

ungeliebt zwischen dem asphalt
wachsen

welche bitterkeit wir morgens
schlucken

träge dem tag entgegen torkelnd
und hoffen

abends einzuschlafen, in den gedanken
eines fremden kopfes

brief an klara

an dich zu denken, ist wie eine vereiste böschung hoch zu klettern, bei minusgraden. meine vitalzeichen fahren notbetrieb und der fokus erliegt den schmerzen. du bist wie eine neblige erinnerung an einen geruch, den man als kind wahnsinnig gern mochte, aber das menschliche gedächtnis kann gerüche leider nur wiedererkennen - und nicht herbeirufen. meine lippen zerreißen sich schon an der ersten silbe deines namens, jeder schritt näher an den stamm bedeutet ein weiteres geständnis an meine träume: wir werden uns nicht wiedersehen. nicht hier, in messbarer zeit.

ich werde nicht das sperrige grüne tor aufstoßen und mich dabei durch den spalt drücken, damit der hund nicht entwischt. ich werde mich nicht zu dir niederbeugen, um dir einen kuss zu geben und du wirst nicht warm lächeln, weil ich mich nie so verändern konnte, um in deinen augen jemand anders zu sein. wir werden nicht auf dem linoleumküchenboden hausschuhe tragen, weil das haus zu alt ist, um richtig beheizt zu werden, ich werde die teller nicht aus dem wackeligen glasschrank holen.

und das sind bloß erinnerungen, die ich in meinem kopf wiederhole und in eine zeit spinne, der sie nicht standhalten. viel tiefer tritt mein magen, wenn ich die lücken in meiner zukunft entdecke, die du schon hinterlassen hast, bevor sie geschrieben wurde.

du wirst nicht meine erste eigene wohnung betreten und hoffen, dass ich ordentlicher geworden bin, als du mich kennst, ich werde nicht versuchen, deine rezepte zu immitieren um die tradition der geheimkombinationen fort zu führen. du wirst nicht auf meiner hochzeit freudentränen weinen und mein erstes kind in den armen halten, so ruhig und sicher, wie auch wir unter deiner erfahrung zu großen menschen wuchsen.

unablässig davon, schlägt deine geschichte weiter durch mich, die familienfäden, dein echo ist der hall meines spiegelbildes. ich werde nicht aufhören, geschichten von dir zu erzählen, sie in der welt zu platzieren und zu hoffen, dass jemand fremder an dich denkt, obwohl er dich nicht kannte. womöglich mit mehr leichtigkeit, mit der gewissheit, wie gut du warst, mit mehr temperatur und entspannteren gliedern, als ich, wenn ich die böschung hoch krieche, im eis meiner erinnerung, zu den tagen deines lebens, die wir teilten.

moor

mein bauch erzählt von einem jahrhundert krieg. du bist das flimmern, das mich nachts wirr aus dem schlaf erwachen lässt und ich bin müde geworden. bist mir unter die härchen im nacken gewachsen, wie ein geruch, den ich nicht abstreifen kann. somit werden wir uns weiterhin in den narben liegen, körpersprache lesen und gedanken sammeln. ich werde das licht an deinen schultern wegblinzeln, bis es nur noch eine erinnerung ist und versuchen zu bleiben. wir werden uns weiterhin aneinander wundern, wie es kam und wo wir stehen geblieben sind. möchte jeden centimeter fläche ausmessen, um eine geografie der angst zu skizzieren und routen zu wählen, die ungefährlich sind. doch dein kopf ist ein moor, und mein körper ein schlachtfeld.

also schreibe ich dir weiterhin briefe, von den schrillen gesichtern und den taubeschlagenen momenten. von den schmutzigen fensterscheiben und der stimme, die in mir tanzt und lärmt. von den berührungen, die uns fehlen und den uhren, die ich vergaß. ich werde einen weg finden, aus einem moment ein bild zu schreiben und du wirst wissen, dass ich es war.

Ich war gerade dabei eine langjährige Liebe und das Gefühl gegen Wände zu laufen zu begraben und fand mich in einer Suche nach oberflächlicher Zuneigung wieder. Es war völlig egal, wer mir diese Art von Bestätigung entgegen brachte, ich brauchte sie, um nicht auseinander zu fallen. Um meinen Stolz wiederzufinden und den Sommer zu überstehen.
—  past-tense, minusgold

die dinge, die wir als schwer bezeichnen haben selten gewicht, schweben in einem vakuum von unmöglichkeiten. es sind unsichtbare kerker, die uns in die enge treiben, obwohl der horizont so weitläufig erscheint. und wenn ich sage, es wäre leichter einen felsen von meiner brust zu rollen, als die distanz zwischen dir und mir zu überbrücken, dann ist das eine rhetorische antwort auf meine praktische verzweiflung.

es ist nicht genug
die zelte wieder
abzureißen, es
reicht nicht, all

die worte die kehle
hinab zu würgen
unausgesprochen

es bedeutet nichts mehr
auf derselben strecke
wiederholt die beine gebrochen
zu haben

du flackerst in meinen
krämpfen, bist das
schlagwort meiner brüche

und ich übergebe mein herz
an das moor

vermissen pt I

hier ist die tragödie: ich schlafe auf nur einer seite des bettes, mit einem rücken voll dornen, weil mein genick deinen atem kennt und nicht vergessen kann. ich staple eine unübersichtliche summe an büchern, die dieses gefühl beschreiben, aber mir nicht nehmen. jedesmal, wenn der lärmpegel fällt, warte ich auf deinen anruf. ich wähle umwege von A nach B, ich lenke mich mit distanzen ab, die deine adresse nicht erreichen. jedesmal, wenn die ampel auf rot fällt, bekomme ich herzrasen, ob der stille, die sich breit schlägt. mein kreislauf ist geschäftig, meine gedanken in einem stummfilm gefangen. jeder ist hier schon einmal gewesen und dennoch ist es akut. ein leben, das zu nahe an dem eigenen lag, eine sprache, die man teilt. all die tage, die dich zeichnen, mit wärme im genick.


ich trage kilometer an den sohlen, die deinen namen unkenntlich machen. ich bringe meinen körper in ein bett, das meine einsamkeit vervielfältigt. wem man den rücken zukehrt, wenn da keiner mehr ist, sagst du mir nicht.

where we were.

du bist irgendwo am ende deiner kräfte und sowieso voller rot gestaut um bleiben zu können. ich lebe an einem ort nun, an dem du nicht mehr nachsiehst. die begrifflichkeiten sind einsilbig, die entschuldigungen trocken. wir reiben immer noch ein, zwei erinnerungen an den sommer wund, doch in der hitze des gefechts ist glut auch nur heiße asche. ich habe 26 280 stunden damit verbracht dich in der galle zu tragen und gehofft, es wäre keine säure.
ich kann dich hallen spüren, irgendwo, dazwischen. dein klang zersetzt sich auf meiner haut in narben.



ich wollte, ich wüsste, wie es zu erklären ist, dass an manchen tagen das leben sich in falten wirft, und aufbricht. wie jeglicher schutz sich loslöst, ähnlich wie von den nägeln schon kurz nach dem auftragen all die farbe splittert. die wut kurz vor der unterlippe halt macht und in einer bleischweren blase zurück in den magen sinkt. wie aus berührung irritation wird, weil zwei körper manchmal nur zu einer gewissen zeit dieselbe temperatur haben können, jeder einzelne danach zum verbrennen gezeichnet ist. wie sich ein versehentlicher blick in den unterbauch prägt und tagelang nachhallt. ein geruch in bildern flackert und schmerzt. und wo man die sammlung der momente ablegt, in denen man bleiben sollte und nicht konnte.

doch dann kauern wir plötzlich am fußboden, schenken den fliesen unser gesamtes gewicht und atmen notfallpläne in den bauch, die sprachlosigkeit aus. schlucken wiederholungen und schieben hilfe an den rand, behalten die tür im blickfeld. heruntergebrochen nur eine unannehmlichkeit im system, ein unfall. doch ich wünschte, ich könnte ertragen, dass man eines abends im bett liegt und blut an der zungenspitze schmeckt. weil es sticht und weil es an den innennähten aufquillt.

da, wo das innen und außen hauchdünn zu einer grenze zusammenläuft und dem druck einen augenblick nicht stand hält.

ich hab noch nie ein flammendes haus betreten
oder einen menschen sterben sehen, keine
gebete an meinen lippen gesammelt oder
einen krieg miterlebt

aber ich weiß, wie lippen beben, wenn sie
scheitern, wie aus einer brust ein minenfeld
wird, wenn das herz lodert und wunden
verbunden, die das leben ohne fragen
verteilt

die großen bilder meiden worte aus
seide. uns war gedimmtes licht genug
grund nach dem schweigen
zu suchen

smother

ich sehe dir zu, wie du mit schwerelosen schritten das haus kaum füllst, ich weiß nicht, wer es wagt, das gift des kopfes kunst zu nennen, doch es ist keine kunst, wie deine beine und arme dem nebel gleichen. in meinen armen bist du vogelkörper, im wind nur ein blatt. wenn der morgen mich holt, fürchte ich, dass die nacht dich schon verschluckte, dich übersah. keine schrift schreibt deine wangen wieder rosig, keine formel macht aus deinen händen wieder eine berührung. ich sehe dir zu, wie dein bauch flach dem raum den atem nimmt und weiß nicht, was es braucht um deinen kopf zu befreien.