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Changing the World...

@nactivist

Or say: Doing my best. Mainpage: nacbo.tumblr.com  |  Contact: polo.chubb@gmail.com
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Dieses Video entstand im Vorfeld des letzten nationalen Klimastreiks. Damit will ich wiederum erklären, warum es einen System Change braucht, und eigenverantwortliches Engagement einfach nicht reicht. Mit 5‘300 Likes auf Insta eines unserer am besten performenden Videos.

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Autofahren ist nicht nur ein ökologischer Wahnsinn. Autos brauchen extrem viel Platz, sie verursachen viel Lärm, sie stinken, sind gefährlich, führen zu einer aggressiven Stimmung und sind ein Hauptgrund für Übergewicht… Für mich und viele andere junge Menschen ist es absolut unverständlich, wieso diese ‚Welt der Erwachsenen‘ gegen jeden Verstand am Status quo festhalten will. Aus unserer Wut über diese Unvernunft entstand diese Aktion, die ich in einem Film festgehalten habe.

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Klimastreik - 4

In der Arena

Die Arena am 15. März, gerade am Tag des bisher grössten Klimastreiks: sie war ein Witz. Vier ältere Herren, allesamt - obwohl nicht wirklich auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft - trotzdem erprobte und rhetorisch begabte Diskutanten gegen fünf unerfahrene Klimastreikende: Momoll, fair.

Wir wollten aus der Situation das beste machen, also habe ich kurzerhand noch via einer bekannten Umwelt-NGO für den Donnerstag ein Rhetorik-Training eingefädelt. Nur leider gaben uns die Arena-Leute so spät Bescheid (am Freitag erst kam die finale Zusammensetzung), wer kommen durfte, dass am Rhetorik-Training letztlich nur Leute waren, die am Freitag nicht diskutierten.

Aus meiner Sicht wurden wir nicht zuletzt deswegen am Freitagabend schon ziemlich aufs Glatteis geführt: Zuerst wurde die Diskussion seelenruhig zu den AKWs gelenkt, um anschliessend noch etwas über die ach so betroffenen Grosis in den Randgebieten zu schwadronieren. Unsere Argumente kamen zu kurz, unsere gut vorbereitete Sprüche kamen nicht zum Einsatz.

Im Zug heim habe ich deshalb als Reaktion noch folgenden Facebook-Beitrag geschrieben und am Folgetag veröffentlich:

Wir waren am Donnerstagabend kurz davor, die Arena platzen zu lassen. Es kam für viele von uns nicht in Frage, mit Klimaverharmlosern oder gar bekennenden Klimaleugnern in der gleichen Sendung aufzutreten. Weil egal, wie gewieft, wortgewandt und rhetorisch geschickt dieser Quatsch vorgetragen wird: Es bleibt Quatsch. Es repräsentiert nicht die Realität, in der wir uns befinden. Und die Realität ist, wie uns unterdessen mehr als 23'000 Wissenschaftler*innen versichern: Wir befinden uns in einer Krise. Wir haben genug davon, darüber zu reden, wann, wieso oder gar OB wir diese Krise lösen sollen. Wir müssen es machen. Und wir müssen es jetzt machen. Weil es ist enorm dringend. Und deshalb waren wir gestern trotzdem da. Weil wir wollen etwas sagen. Weil wir haben etwas zu sagen: Wir haben Angst. Aber wir haben auch Hoffnung. Denn wir können diese Krise lösen. Aber nur, wenn wir sie als Krise behandeln. Aber leider wurde heute einfach eines ganz deutlich: Wir wollten unsere Diskussion unter ganz anderen Gesichtspunkten führen, als es in dieser Zusammensetzung überhaupt möglich war. Weil unsere Opponenten, und das zeigte sich auch im persönlichen Gespräch am Apéro nach der Sendung: diese älteren Herren sind schlicht nicht auf dem aktuellsten Stand der Wissenschaft. Und dieser hier nur kurz zur Illustration: 1. Wir befinden uns mitten im 6. Massenaussterben. Jeden Tag sterben 200 Arten aus. Die weltweiten Tierbestände haben bereits um zwei Drittel abgenommen. Wir verlieren jetzt gerade unsere natürliche Lebensgrundlage. 2. Im schlimmsten Fall drohen wir bereits beim Überschreiten der 1.5-Grad Grenze einen ‘runaway climate change’ loszutreten - eine sich von selber unkontrolliert weiter erhitzende Erde. Je heisser wir den Planeten machen, umso wahrscheinlicher wird es, dass das Klima kippt. 3. In einem solchen Szenario rechnen wir mit mindestens 4 Grad Erhitzung bis 2100, 2.4 Metern Meeresspiegelanstieg und bis zu 760 Millionen Menschen, die alleine schon wegen den steigenden Ozeanen in die Flucht getrieben werden. 4. Bei 4 Grad Erhitzung rechnen wir ebenfalls damit, dass wir bis zu 60% weniger Ernteerträge haben werden - unter anderem wegen den immer stärkeren und längeren Hitzewellen. Laut Hans Joachim Schellnhuber, dem Leiter eines der angesehensten Klimaforschungsinstitute, könnte in einem solchen Szenario die Tragkapazität der Erde auf nur eine Milliarde Menschen sinken. In anderen Worten: 6 von 7 Menschen würden sterben. Wir wussten das heute Abend. Die älteren Herren nicht. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob freiwillige Massnahmen reichen. Oder ob vielleicht doch kleine steuerliche Anreize der richtige Weg sind. Oder ob die rettenden Innovationen dann schon noch zur richtigen Zeit kommen werden. Wenn man das alles nicht weiss. Dabei wollten wir den Politikern und Lobbyisten doch eigentlich Mut machen. Sie scheinen selber nicht zu wissen, was überhaupt möglich wird, wenn wir diese Krise endlich wie eine Krise behandeln: Im Kalten Krieg hat man jeden Haushalt dazu gezwungen, einen Bunkerplatz zu haben. Das war auch nicht gratis. Aber es ging in Ordnung. Schliesslich hatten Bund und Medien tagtäglich unisono verkündet, wie gross die Gefahr von einem Atomkrieg war. Eine Solaranlagen-, Häuserisolations-, oder Wärmepumpe-Pflicht ist völlig möglich. Und solange für 8 Milliarden Franken neue Kampfjets gekauft oder gar für 15 Milliarden Franken neue Autobahnen gebaut werden sollen, soll uns niemand sagen, es wäre nicht genug Geld dafür da. Aber dafür braucht es einen Klimanotstand. Wir wollen, dass die Schweiz ihren Bürgern und Bürgerinnen die Wahrheit sagt. Und dann die Prioritäten neu setzt. Wir haben lange genug zugeschaut, wie ihr vorgebt, etwas zu machen. Euch gehen die Ausreden aus. Und uns geht die Zeit aus. Am nächsten Freitag findet deshalb unsere alternative Klima-Arena statt. Wir werden nur Leute einladen, die den Ernst der Lage begriffen haben. Und dann werden wir darüber reden, wie wir bis 2030 auf Netto Null Emissionen kommen. Weil das müssen wir. Hoffnungsvoll, Der Klimastreik Schweiz. Merci für‘s Teilen! — feeling old at SRF Schweizer Radio und Fernsehen.

Der Beitrag wurde mit 1′500 Likes und fast 1′000 Shares einer unserer am besten performenden Posts.

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Eines unserer wichtigsten Kommunikationsziele: Wir wollen das Eigenverantwortungs-Totschlag-Argument widerlegen. Für diesen Zweck habe ich dieses Video von ‘The Years Project’ neu untertitelt und etwas aufgemotzt.

Weil mir die Botschaft des Videos so wichtig ist, haben ich und ein Kollege zusammen 100.- bezahlt, um es auf Insta zu bewerben. Damit haben wir fast 50′000 Menschen erreicht, 3′700 Likes gab es dafür - unsere Followers sind froh um solche Inputs.

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Eine andere Plakatserie, mit der für die Klimademo geworben wurde.

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Eine Plakatserie, mit denen unter anderem mit ein bisschen Guerilla-Marketing in den Trams für die Klimademo geworben wurde.

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Klimastreik - 3

Die nächsten Monate verbrachte ich viel Zeit damit, im Social-Media Team mitzumischen. Ich habe dabei verschiedene Ideen ausgearbeitet, um Infos zu vermitteln:

Eine Serie mit Zukunftsvisionen:

Eine Serie mit netten kleinen Infos:

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Klimastreik - 2

Die nächsten Tage waren wild. Wir wollten nochmals streiken, und zwar schweizweit.

Aber wann? Bis Dienstag war noch nicht klar, ob wir diesen Freitag oder später wieder streiken wollten. Erstere setzten sich durch.

Also haben wir organisiert und vernetzt, was das Zeug hielt. Der Freitag kam, und unsere kühnsten Erwartungen wurden übertroffen: 4′000 demonstrierten schweizweit - mehr als zehnmal so viele wie vor einer Woche.

Ich war mit meiner Kamera vor Ort und habe einiges festgehalten.

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Ich hatte meine Kamera dabei, filmte und fotografierte diesen wilden Haufen, schnitt spontan ein kurzes Video daraus und lud es auf die brandneu erstellten Facebook und Instagram-Accounts.

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Klimastreik - 1

Am 9. Dezember 2018 schrieb ich in mein Tagebuch:

FUCK. Je mehr man [über die Klimakrise] liest, desto schlimmer wirds. Vor allem, wenn man schaut, wie die Leute so drauf sind. [...] An eine Klimademo kommen nur ~1000+ Leute. WTF.

Niemand schien einen Fick zu geben, alle machten sie weiter, als ob nichts wäre.

Ich war echt nicht gut drauf, und hatte kaum noch Hoffnung, dass wir das Ding noch in den Griff kriegen würden.

Und prompt gingen 5 Tage später die ersten Klimastreikenden auf die Strasse.

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Hello everybody! Ich habe ja dieser Tage meinen Geburtstag. Mein Geburtstagswunsch: Schau dir dieses Video an. Ich und ein paar Freunde haben trotz ETH-Prüfungen viel Zeit reingesteckt, um Dir ein paar sehr wichtige Dinge in recht kurzer Zeit zu sagen. HINTERGRUND: Wir - ein paar Umweltwissenschaftler und ich - lernen gerade für unsere Basisprüfung. Das gibt recht viel zu tun, genug, eigentlich. Allerdings: Sich all die Fakten zu Erderhitzung & co. reinzuziehen, während Europa in Flammen steht und gleichzeitig meine Freunde (auch Grüne) in die Ferien fliegen... - Es ist schwierig, da untätig zu bleiben. Sind wir also auch nicht. Verschiedene Gründe spielen mit, dass so wenig in Bezug auf das Klima passiert, obwohl so viel nötig wäre. Viel Psychologisches funkt dazwischen - und mehrere Faktoren haben zusammengespielt, um eine Art kollektives Schweigen zu generieren. Kurz: Es ist ziemlich uncool geworden, über dieses Thema zu sprechen. Auch wir haben viel Mühe damit, etwas zu sagen, wenn unsere Freunde in die Ferien fliegen. Für uns aber hat mit den unaufhaltbaren Waldbränden in Schweden die Panik unsere Zurückhaltung verdrängt. Für uns - und alle anderen informierten Menschen - ist es an der Zeit, aufzustehen. Wir müssen das kollektive Schweigen brechen. Denn, entgegen dem gerade unter Jugendlichen weitverbreiteten Glauben: Es ist völlig möglich, das Ding noch in den Griff zu kriegen! Es ist nicht an der Zeit, Panik zu schieben - es ist an der Zeit zu zeigen, was eigentlich möglich ist! …Vorausgesetzt natürlich, dass möglichst viele Menschen diese Botschaft erhalten. Heisst: Wenn Du aufgerüttelt wirst durch dieses Video - gut so! Aber um dich nicht wieder der ‚Apocalypse Fatigue‘ (s. Video) hinzugeben, musst auch Du etwas machen. Als erstes zum Beispiel dieses Video liken & teilen. #riseforclimate WEITERE INFOS: Was ist wichtig: www.srf.ch/kultur/wissen/3/klimawandel-licht-loeschen-reicht-nicht Waldbrände in Schweden: www.srf.ch/news/panorama/heftige-waldbraende-in-schweden-wir-koennen-die-groessten-braende-nicht-loeschen Update dazu - Gottseidank gab’s gestern unerwartet viel Regen - aber nicht genug: https://www.srf.ch/news/panorama/waldbraende-in-schweden-viel-regen-aber-nicht-genug Psychologie & Klimawandel: www.ted.com/talks/per_espen_stoknes_how_to_transform_apocalypse_fatigue_into_action_on_global_warming Erdöl und Klimaskepsis? https://en.wikipedia.org/wiki/ExxonMobil_climate_change_controversy —> Fundamental wichtig: Die Erdölindustrie wusste schon in den 70ern vom Klimawandel - und hat sich für das Geld entschieden. Anti-Kohle Proteste, mein Bericht: nactivist.tumblr.com/

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Zwischen Pfefferspray und Kohlebagger

Oder: warum sich Menschen für das Klima runterknüppeln lassen.  

„Auf geht’s, ab geht’s...

...Ende Gelände!“ Laut und energievoll schallt die Parole über den Stoppelacker, während eine Gruppe von vielleicht hundert Aktivistis übermütig auf eine Polizeilinie zumarschiert. Die Demonstrierenden sind im Pulk unterwegs, in Reihen geordnet und die Arme mit den Nebenherlaufenden verschränkt. Die Polizei sieht trotz der Helme etwas eingeschüchtert aus, sie halten Schlagstöcke und Pfefferspray in den Händen.

Ein paar Meter vor der Blockade löst sich die Formation auf, die Menschenmenge verteilt sich und versucht an allen Orten durch die Polizeilinie zu brechen. Die Stöcke finden ihre Ziele und einige Menschen gehen mit Pfefferspray in den Augen zu Boden. Der Rest ‚fliesst’ durch die sich öffnenden Lücken durch, die Erfolgreichen brechen in Jubel aus. Barrikade mit leichten Verlusten überwunden, Ziel erreicht – Übung beendet. Die ‚Gefallenen’ stehen wieder auf und grinsen die ‚Polizei’ an, welche wiederum zurücklacht und die Schaumstoffknüppel und Wasserspritzflaschen beiseitelegt. Willkommen im Klimacamp im Rheinland und willkommen zum Actiontraining von ‚Ende Gelände’. 

Das Klimacamp!

Zustände sind das...

Der irgendwie furchteinflössende, 100 Meter hohe Bagger gräbt sich lärmend in den Boden. Auf seiner Suche nach Braunkohle vertreibt er alles in seinem Weg. Wiesen, Wälder, Tiere. Auch die Einheimischen müssen weichen. Ist ein Dorf über einem Kohlegebiet, werden die Bewohner*Innen einfach umgesiedelt. Vierzig Dörfer mussten schon weichen, einige Menschen haben das Prozedere schon ganze dreimal durchgemacht. Zurück bleibt eine Einöde wie aus einem Endzeitfilm.

Etwa so sieht’s dann aus... Im Vordergrund eine ‘Ende Gelände’-Menschenkette. Bild: greenpeace.

Zustände wie in China, höre ich jemand sagen - und doch passiert dies im Braunkohlerevier bei Köln. Hier schürft der Energiekonzern RWE im grossen Stil nach Braunkohle, um die grössten CO2-Schleudern von Europa zu betreiben.

Um seine Klimaziele nicht zu verfehlen, dürfte Deutschland gerade mal einen Bruchteil der hier noch zu findenden Kohlevorkommen ausbeuten. Aber danach sieht es im Moment nicht wirklich aus.

Tun wir was!

Am Donnerstagabend machen wir uns auf den Weg. Wir, das ist der ‚grüne Finger’, eine von vielen Gruppen, welcher RWE die nächsten Tage das Leben schwermachen wird. Die gut 150 Leute fahren aber erstmal weg aus dem Revier, vom Klimacamp ins eine Stunde entfernte Köln, wo wir in einem Jugendkulturhaus übernachten. Warum der Aufwand? Die Polizei ist mit schätzungsweise 1’000 bis 1’500 Beamt*innen im Einsatz und könnte uns den Spass ganz schön verderben. Es ist auch klar, dass mehrere Zivilpolizist*innen unter uns sind, um Informationen zu den Aktivitäten zu erhorchen. Deshalb erfahren auch wir Aktivistis erst am Freitagmorgen das genaue Ziel: Eine Kohlebahn, welche ein nahegelegenes Kraftwerk versorgt.

Der Grüne Finger auf dem Weg. Bilder: Ende Gelände.

Wir nutzen also das durch unseren Ortswechsel geschaffene Überraschungsmoment, um uns aus der anderen Richtung der Bahn zu nähern. Dieser Plan geht auf: Die Polizei steht nur mit wenigen Leuten bereit, und wir setzen uns unbehelligt auf die Schienen. Einzig bei der darauffolgenden, mehrere Stunden dauernden Räumung werden einige Aktivistis ziemlich hart angefasst. Darauf werden wir fast alle noch am Einsatzort fotografiert, in Busse gesetzt und ins Camp gefahren – die Polizei ist sich bewusst, dass eine so grosse Anzahl Menschen ohne Personalausweis der Mühe einer Identifikation nicht wert ist. Aber wenigstens sind die Freaks nicht mehr auf den Gleisen. Vorerst.

Sind auch nur Menschen: Die Polizei.

Wess’ Brot ich ess’...

Der Betreiber RWE hat sich über die Jahre enorm viel Einfluss verschafft, erkaufte sich die Gunst der Ansässigen, welche nicht sowieso schon bei ihm angestellt sind – Ein Fussballclub, sponsered by RWE? Danke schön! Das Schützenfest, finanziert von RWE? Aber klar doch! Nicht verwunderlich, dass sich ausser den direkt von Umsiedlungen Betroffenen kaum jemand sperrt. Nicht erstaunlich, hupen uns hier die vorbeifahrenden Autos ständig böse an.

Auch in der Politik des Bundeslandes (Nordrhein-Westfalen, NRW) würde sich niemals eine Mehrheit für einen Kohleausstieg finden, kaum ein*e Politiker*in stellt sich klar gegen die Kohlekraft. Und so produziert NRW auch weiterhin einen Drittel aller deutschen CO2-Emissionen. Dass das Ganze nicht so zum oft beschworenen Bild vom deutschen „Energiewendeweltmeister“ passen will, wen interessiert das schon... Die Regierung stellt sich klar hinter diese „Schlüsseltechnologie“ und schützt die Interessen des Grosskonzerns.

Jetzt setzt’s was...

Deutlicher wird das am nächsten Tag. Mehrere Finger – ich im ‚Goldfinger’ – brechen erneut Richtung Schienen auf. Auf den weiten Feldern gelingt es uns zwar mühelos, die sporadischen Polizeiblockaden zu umgehen und durchfliessen.

Längerfristig denken, unsere Devise.

Als wir nach 3 Stunden Marsch in die Gegend der Schienen kommen, ist allerdings fertig lustig. Unter Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken gelingt es der Polizei, den grösseren Teil der gut 1'200 Marschierenden zuerst zu zerstreuen und dann ganz aufzuhalten. Nur 200 bis 300 enden auf den Schienen, der Rest in einem Polizeikessel - so auch ich.

So nah und doch so fern: Aussicht aus dem Polizeikessel.

Es zeigt sich ebenfalls, was skeptische Geister bei der obigen Schilderung unseres Trainings gedacht haben könnten: ‚Durchfliessen’ einer Blockade von wild brüllenden, Schlagstock schwingenden und gewaltbereiten PolizistEN ist nicht spassig. Auch der Autor trägt eine Schramme davon - ich hatte unseren Freund und Helfer schlichtweg übersehen, bis ich ihn dann gespürt habe. Mit diesem Schlag auf den Unterarm bin ich aber immer noch besser bedient als die paar, welche dann als abschreckende Beispiele ziemlich übel zugerichtet wurden. So wurde auch auf Aktivistis eingeprügelt, welche schon auf dem Boden lagen. Geschichten von einem Knochenbruch machen später die Runde.

Im Kessel erstmal den Pefferspray abspühlen.

Und dann etwas chillen. Bei dieser Hitze trägt man besser keine schwarzen Kampfanzüge.

Feindbild gewaltbereite Klimafanatiker

Wohl auch um diese Gewalt rechtfertigen zu können, wurde im Voraus schon viel ‚linksextremistische Gewaltbereitschaft’ heraufbeschworen. Obwohl ‚Ende Gelände’ nicht müde wurde, unseren Aktionskonsens zu wiederholen – wir werden uns absolut gewaltfrei gegen Menschen und Dinge verhalten – stand in Zeitungen wie ‚Die Welt’ von unserer angeblichen Nähe zu den ‚G20-Krawallmachern’ und ‚aggressiv klingenden Ankündigungen’.

Meines Wissens hielten sich ausnahmslos alle an diesen Konsens, was die Polizei aber nicht daran hinderte, die bei der Blockade oder im Kessel friedlich auf dem Boden sitzenden Demonstranten mit teilweise krass übertriebener Gewalt zu entfernen. Dank der Anwesenheit von viel Presse und einer parlamentarischen Beobachtung konnte wohl Schlimmeres verhindert werden. Auch ich hatte meine Kamera dabei und konnte einiges dokumentieren. Ein Zusammenschnitt der Gewalt hat der parlamentarische Beobachter Marco Böhme (toller Typ, Die Linke) auf facebook gestellt.

Bei Dreadlocks werden die gleich noch etwas ungemütlicher.

Für die Polizei wird sowas kaum Folgen haben – sie sind sich bewusst, dass nur ein kleiner Prozentsatz von Polizeigewalt überhaupt angezeigt wird, wovon dann ein noch viel kleinerer Teil schlussendlich verurteilt wird. Etwas gezielte Eskalation und Abschreckung liegt also durchaus drin.

Und doch...

Ist es uns das wert.

‘Das muss Ihnen doch zu denken geben’ sage ich später an diesem Tag zu einem der Polizisten, der uns aus dem Gebiet herausbegleitet. ‘Es muss Ihnen doch zu denken geben, dass wir diese Gewalt riskieren für unser Anliegen.’ Tatsächlich muss es jeder*m zu denken geben, dass wir unterdessen bereit sind, so weit zu gehen. Lassen sich diese linksgrünversifften Gutmenschen tatsächlich für ein Hirngespinst verkloppen?

Natürlich nicht. Wir haben auch nicht nur ein ‘hehres Ziel’ für das wir halt ‘zu den falschen Mitteln’ greifen. Wir stellen unsere eigenen Körper zwischen Planet und Kapital, weil wir verzweifelt genug sind. Wir übertreten Gesetze, weil die Gesetze uns in diesem Fall nicht zu schützen wissen. Wir berufen uns auf höheres Recht, weil unsere Moral es uns befiehlt. Und die Zukunft wird uns Recht geben, weil der Klimawandel real ist.

Einige dieser Gutmenschen.

Als ‘pathetisch!’, vielleicht ‘heroisierend!’, aber sicherlich ‘extrem’ wird die öffentliche Meinung solche Ausbrüche meiner, unserer, Antriebskraft bezeichnen und damit lächerlich machen.

Eigentlich ist dies das Meisterstück jeder Öl-Kohle-PR: Es ist uncool, überhaupt über diese Dinge auf diese Weise zu sprechen – und wenn man es doch tut, ist man eben ‘zu pathetisch’ oder einfach nur ein kleines bisschen peinlich.  

Aber sei’s drum, ich wiederhole mich gerne nochmal:

Die Zukunft wird uns recht geben.

Leider.

Weiterlesen z.B. auf der taz.

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Refugees

Below you will find my Lesvos story.

In autumn 2016, I spent more than 2 months there doing refugee aid. Check it out! You’ll have to scroll to the bottom if you want to start at the beginning.

inside a newly squated building

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That Whole Rest.

Alrighty. I obviously did at some point stop writing that blog of mine. One reason: Somewhen after my last post, my laptop’s harddisk thought it the best time to say goodbye. Probably couldn’t cope with all that shit, idk. 🤔 Other reason: I was busy. I had spent a long time in cafes writing that blog, cutting videos and uploading pictures. I realised I was not providing immediate help to those needing it. So I spent those last weeks getting more involved in direct action. And finally, when I was back, I went to holidays shortly after, and coming back home, I just wouldn’t find that motivation to sit for a couple of hours and write down what needed to be written down.

So, how am I back here, after more than half a year?

Most immediately probably because of that article in VICE.

VICE is an international youth magazine. For their first Swiss print edition with Swiss editorial staff only, journalist Sebastian came up with the idea of that article about a Swiss guy, helping down in Lesvos. So, when VICE-Photographer Jojo met me on the island, that article was born.

Thus, for an overview on & more details of my story go on and read it here:

Thanks.

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lesvos, days 31-33

Ever since I arrived at No Border Kitchen, we were faced with the coming eviction of the Social Center. First, the cops gave us one week, after that, we talked them into 10 more days.

Finally, the last day had come closer, we started cleaning up and moving our stuff (cookers, food etc.) into one of the factory buildings on the way to the Social Center, where refugees had already been sleeping in before.

I must admit, to some extent the eviction came in handy. You know, sleeping in tents at this rather exposed location at the beach… It was getting colder every day, especially on the windy ones, of which there were quite a few. The cops basically gave us the shove we needed to get away from there and move into a warmer location.

Inside a squatted building. No electricity, no water. Being quiet and keeping the windows shut during the night so nobody notices us.

To find more place for housing, we squated a building near the kitchen, in the middle of town. For everybody new to the world of squatting -  What should this mean, squatting a building?

Basically, we just stayed up late – we didn’t want to be seen. We, that is mostly Europeans, about ten of us, were all a bit nervous (ok, I was). And we had no idea what was going to happen on this portentous evening…

A short interlude after this dramatic cliffhanger:

To pass the time till 2 in the morning, I went to a take-away to skype with my family. So there I was, skyped a bit, drinking wine I had mistaken for beer (the shape of the bottle!), later ending up talking to a 50-year old volunteer from Russia that had a rather pessimistic (and a bit racist) perspective on the whole refugee thing – but he was still moved enough by the people’s fates to come and help. His friend, a 60-year old South African, had an even more pessimistic and sometimes openly racist world view (i.e. strong prejudices about those backward muslims). He elaborated on the economic crisis that Greece was in - I listened. I got a better understanding of why the Greek are so frustrated. Unemployment has strongly risen during the crisis, being at 23% in average and a fucking 46% for 15-24-year olds. The European Union ‚grants’ them more credits to pay their debts and in return demands a pretty fucked-up neoliberal austerity policy combined with privatisation of state business. An example: The whole harbour of Pyraeus, Europe’s third biggest port, has been leased to China.

Alexis Tsipras, the ‚leftist’ prime minister had initially opposed the EU’s demands but changed ‚from revolutionary to realist’ and recently restructure his government, clearing it of critics opposing for example the privatisation of Pyraeus.

So don’t be astonished if people are desperate for change – and that they’re abandoning the leftists while looking for it somewhere else.

Want an overview of the economic crisis? I highly recommend watching ‚Kapitalismuserklärung’ by Volker Pispers. (speaking or learning German is recommended)

The squatting then happened a bit fast for my tippsy-drowsy head. We just went to this old mansion, broke the chain at the entrance, entered and stayed in there for the night. Tada.

No. It’s a cigarette.

The next days, the others started cleaning the house as I went to get my volunteer pass - I started to work again with LATRA, the organisation I helped on my first day here. More about that soon.

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lesvos, days 23-31

I spent about a week helping at No Border Kitchen. I put my tent near the Social Center at the beach next to Kara Tepe. Maybe a short overview over the latest NBK ‘facilities’:

1. The Social Center at the beach, lunch-cooking and housing

2. 2 or 3 squatted factory buildings on the way to the beach, housing

3. A rented garage of sorts, dinner-cooking and housing

4. A squat inside Mytilini, housing

 The Social Center at the beach. Kara Tepe would be on the left. I would take my morning baths at the location of the shot. (Yes, morning baths.)

No Border Kitchen is not totally legal and thus in constant conflict with the police. And yes, its relationship with the cops is not exactly improved by the anarchist tendencies among many volunteers. ACAB and stuff.

Me. Having taken my morning bath.

However, their inofficial status gives them many freedoms that the big organisations like UNHCR, Save the Children or IRC do not have. They can act and react quickly without having to hand in lengthy proposals for their idea’s permit or funding (see my LATRA experience). Also, they can (and must) involve the refugees in their work, since we’re simply not enough volunteers to do all that needs to be done. And it works: looking at the respective kitchen crews, chopping veggies and baking chapatis ist mostly done by the refugees - which I have to mention here are seldomly refered to as such – everybody is a helper, or better still: a human being.

The Afghan Crew preparing lunch - Chapati time!

We live and sleep in the same tents or squatted buildings, we eat the same food, we drink our beers huddled around the same campfire.

Still Chapati time!

In the evenings, none of us volunteers can just go home into his or her warm appartement and forget that others are freezing. If the cold winter winds are rising, everybody is cold. Of course, that’s a main reason why solutions (e.g. sealing the windows) to those problems are often found in a more rapid way than in any other organisation (also check the LATRA post).

The food is distributed in changing locations, because the police likes to harass us... This time we were in the forest next to Mytilini castle.

Yes, this may all seem way to romantic to be true, and indeed, the differences are clearly visible at times.

For example talking about this kind of ‘passport protection’. When the police ‘visits’ us, it’s rather useful when there’s plenty of Europeans around. The cops have to (and mostly do) treat us with more care and respect - whereas refugees are more likely of just being shoved around and harassed.

And yes, we volunteers never experience the full meaning of being stuck on the island. At the end of November, I will pack my stuff and leave with the ferry, confortable, warm, safe.

And the other humans will be waiting.

Cleaning one of the factory halls in which we might move the Social Center.

It’s a dirty business.

Volunteering with NBK is a very unique way to immerse yourself into the whole Lesbian* refugee situation. You make friends with many migrants, listen to their stories and eventually really get what makes them so frustrated.** And this really wants you to change things instead of just fighting the symptoms.

One reason why NBK is organising a demonstration each Saturday, for and with refugees.

The protestors passing one of the Frontex-boats.

The sign says ‘freedom’.

I’d love to show the faces here, but it’s just the way we’re handling that. Don’t bring them (or us) into trouble…

* Yes. That’s the correct way to say something is on or from Lesvos. And no, it’s not a funny coincidence.

** As you can see in the clip of the recent fire in Moria. I got it via another volunteer who asked me to blur the people’s faces - being filmed cheering while burning down a camp might not be increasing chances of asylum, i suppose.

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lesvos, day 26

I recently wrote about how the situation here is rather stable. This night, two boats arrived, after a very quiet week. Frontex picked them up, they should be in Moria by now.

In the same time, thousands are doing the boat journey down in Libya. A Swiss journalist is on one of the Seawatch ships and what she’s got to tell is fucking crazy. So, go on and read her story for today: https://www.woz.ch/blog/mission-mittelmeer (in German only).

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«I feel like almost every time I've dispensed advice to new and old volunteers alike in the month and a half I've been back, the most common thing I've said is, "You can't hug every cat."»

Wise words from experienced volunteer Nicholas. He forgot the occasional parrot.

My point is: Not everything is bad in this world.

Also, according to certain studies, people reading depressing things (maybe like day 25) would often switch to watching cute cat videos. Be it true or not, I don’t want you to leave my blog, ever. Understood?