Das Syndikat provoziert, Anonymous schießt zurück, beides ist überflüssig

Ich bin Kriminalautor und seit Jahren Mitglied im Syndikat, der 700 Mitglieder starken Vereinigung deutschsprachiger Kollegen: Selbstverständlich unterstütze ich also die unter Federführung des Syndikats lancierte Aktion “JA zum Urheberrecht”, die für “die Anerkennung und den Schutz des geistigen Eigentums” eintritt.

Dass jedoch bei der “SYNDIKATs-Fotokampagne für Urheberrecht” “Hemd ab for your rights” durch Guy-Fawkes-Masken pauschal Anonymous zum Fledderer der Urheberleichen erklärt wird, kann ich weder nachvollziehen noch gutheißen.

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(Foto “Kulturfledderer”: Quelle: Syndikat. © Das Syndikat / Armin Zedler)

Zum einen sind die Anonymous-Zellen viel zu heterogen und unterschiedlich, als dass man sie alle in den Topf Urheberexistenzzerstörer werfen könnte. Zum anderen fochten und fechten sie zahlreiche grundsätzlich begrüßenswerte Kämpfe (so ablehnend ich Hackerangriffen auch gegenüberstehe), beispielsweise gegen Scientology, PayPal / VISA / MasterCard (als sie WikiLeaks-Konten gesperrt haben), das mexikanische Drogenkartell Zetas, Menschenrechtsverletzungen im Iran, Rechtsextremismus, Kinderpornographie im Internet sowie für freien Twitter- / Internetzugang während des Arabischen Frühlings und so weiter (Quelle: Wikipedia).

Schon richtig: Anonymous ist laut Website-Video gegen “Copyright-Lobbyismus” (was auch immer das heißen mag) und tritt für manches andere ein, dem ich nicht zustimme, und: Ja, Anonymous agiert und spricht manchmal mit einer erschreckenden Radikalität, die vernünftige, zielführende Diskussionen oder gar Kompromisse eher verhindert als fördert. Man kann konkrete Positionen oder Aktionen von Anonymous also durchaus kritisieren – aber doch nicht pauschal eine ganze Bewegung, die international Dutzende unterschiedliche Ziele verfolgt, humorfrei zur Maske des “Feindes” stilisieren. Was soll das bringen außer Zuspitzung und Provokation, wo doch nur Differenzierung weiterhilft?

Die Konsequenzen waren vorhersehbar. Laut der Facebook-Seite des Syndikats wurden gestern (28.4.) die Webseiten des Syndikats und seines Criminale-Festivals “kurzfristig” lahmgelegt sowie “AutorInnen mit Mailbombs von bis zu über 20.000 Hassnachrichten in weniger als einer Viertelstunde belästigt”. Das ist absolut inakzeptabel. Es ist eine schändliche Machtdemonstration und zugleich ein undemokratischer, ja totalitärer Machtmissbrauch. Kritik muss möglich sein, selbst wenn sie ohne Gewand und Verstand daherkommt und unter einem recht einfallslosen Slogan segelt. Das Syndikat ist weder eine mörderische Drogenorganisation, noch fordert es die Todesstrafe für einen WikiLeaks-Informanten oder Internetverbot für ägyptische Demonstranten. Es ist eine seit 26 Jahren bestehende Vereinigung von Autoren, die – und da schließe ich mich mit ein - angesichts der digitalen Revolution, neuer Technologien und der Forderung nach kostenfreiem Download kreativer Werke schlicht Angst um ihre Existenzgrund- oder nebenlage haben.

Leider hat sich wieder einmal erwiesen, dass Angst ein schlechter Ratgeber ist.

Jetzt wird es ernst.

Nun kann bald keiner mehr behaupten, er hätte es nicht gewusst, keiner hat was gesagt und Liegefahrräder sind sowieso doof.

Das ist er, der Bike Syndikat Tumblr Blog.

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Pax vobiscum

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