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Eindruck Nr.2 - Konfuzius sagt nicht viel

Habe nun die indische Philosophie hinter mir gebracht, die man mit folgenden Stichwörtern charakterisieren kann:

  • traditiionsgebunden
  • aufs praktische Leben gerichtet -> richtiges Leben, um erlöst zu werden
  • mehr Intuition als Ratio
  • Toleranz zu verschiedenen Ansichten (wobei es doch eine Unterscheidung zwischen orthodoxen und nicht-orthodoxen Vorstellungen gibt; wichtig ist aber, dass es nie eine Verfolgung oder Unterdrückung von “Ungläubigen” gab)
  • Geringschätzung des Irdischen
  • Seelenwanderung

Zu dem letzten Punkt wird ein interessanter Gedanke ausgesprochen: “Zweitens weist er [die Seelenwanderung bzw. der Glaube, dass man in einem anderen Körper wiedergeboren wird] nicht das quantitative Mißverständnis zwischen Ursache und Wirkung auf, das man zwischen der kurzen irdischen Bewährungszeit und der in Ewigkeit andauernden Vergeltung finden könnte.” (S.90). Ein Gedanke, dem ich noch einen Post widmen werde.

Heute werde ich interviewt, weil ich an einem Geschichtswettbewerb  der Körber-Stiftung teilgenommen habe und einen Landespreis gewonnen habe. Mal sehen, was so da raus kommt. Hab also jetzt nicht so viel Zeit.

Ach ja: Um der Überschrift gerecht zu werden, muss ich noch die Darstellung des Konfuzius in dem Buch ansprechen. Sei nett und lebe gerecht. Der Staat muss das auch sein. Mehr steht da irgendwie nicht, was mich etwas enttäuscht hat. Vielleicht ja aus Platzgründen.

Interessant ist aber der Gedanke, dass die Begriffe geordnet werden müssen, laut Konfuzius. Darüber werde ich auch, sobald ich mehr Zeit habe, sinnieren.

“Die Sprachphilosophen, die den Tod auslassen, als wäre er etwas ›Metaphysisches‹. Aber daß der Tod in die Metaphysik geraten ist, ändert nichts daran, daß er das älteste Faktum ist, älter und einschneidender als jede Sprache.”

—Elias Canetti, Die Provinz des Menschen, Aufzeichnungen 1942-1972, 1971, S. 295, Frankfurt/M. 1984. 

“Nicht das Sein bedrängt mich oder das Nichts oder Gott oder die Abwesenheit Gottes, nur die Gesellschaft.”

—[Jean Améry]

“Aber geschlossene Weltbilder können sich im Meer eines dezentrierten Weltverständnisses nur auf abgeschirmten subkulturellen Inseln stabilisieren”

—J. Habermas

“Das Erdbeben von Lissabon reichte hin, Voltaire von der Leibniz'schen Theodizee zu kurieren, und die überschaubare Katastrophe der ersten Natur war unbeträchtlich, verglichen mit der zweiten, gesellschaftlichen, die der menschlichen Imagination sich entzieht, indem sie die reale Hölle aus dem menschlich Bösen bereitete. Gelähmt ist die Fähigkeit zur Metaphysik, weil, was geschah, dem spekulativen metaphysischen Gedanken die Basis seiner Vereinbarkeit mit der Erfahrung zerschlug. ”

—Theodor W. Adorno, Gesammelte Schriften, Bd. 6, Negative Dialektik, Dritter Teil: Modelle, S. 354, Frankfurt/M. 2003.

“Dieses Wegrücken des Seienden im Ganzen, das uns in der Angst umdrängt, bedrängt uns. Es bleibt kein Halt. Es bleibt nur und kommt über uns – im Entgleiten des Seienden - dieses 'kein'. Die Angst offenbart das Nichts. Wir 'schweben' in Angst. Deutlicher: Die Angst läßt uns schweben, weil sie das Seiende im Ganzen zum Entgleiten bringt. Darin liegt, daß wir selbst – diese seienden Menschen – inmitten des Seienden uns mitentgleiten.”

—Heidegger: Was ist Metaphysik?

“Denn, von ihr wird, zum Skandal der Philosophie, nicht selten vorgeschützt, daß, was in der Theorie richtig sein mag, doch für die Praxis ungültig sei: und zwar in einem vornehmen wegwerfenden Ton, voll Anmaßung, die Vernunft selbst in dem, worin sie ihre höchste Ehre setzt, durch Erfahrung reformieren zu wollen; und in einem Weisheitsdünkel, mit Maulwurfsaugen, die auf die letztere geheftet sind, weiter und sicherer sehen zu können, als mit Augen, welche einem Wesen zu Teil geworden, das aufrecht zu stehen und den Himmel anzuschauen gemacht war.”

—Immanuel Kant: Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis, in: Wilhelm Weischedel (Hg.): Immanuel Kant – Werke in sechs Bänden, Darmstadt 1964, S. 129.

“Totaler Determinismus ist nicht weniger mythisch als die Totale der Hegelschen Logik. Schopenhauer war Idealist malgré lui-même, Sprecher des Bannes. Das totum ist das Totem. Bewußtsein könnte gar nicht über das Grau verzweifeln, hegte es nicht den Begriff von einer verschiedenen Farbe, deren versprengte Spur im negativen Ganzen nicht fehlt. Stets stammt sie aus dem Vergangenen, Hoffnung aus ihrem Widerspiel, dem, was hinab mußte oder verurteilt ist; solche Deutung wäre dem letzten Satz von Benjamins Text über die Wahlverwandtschaften, »Nur um der Hoffnungslosen willen ist uns die Hoffnung gegeben«, wohl angemessen. Verführerisch gleichwohl, den Sinn nicht im Leben überhaupt sondern in den erfüllten Augenblicken zu suchen. Diese entschädigten im diesseitigen Dasein dafür, daß es außer sich nichts mehr duldet. Unvergleichliche Gewalt geht vom Metaphysiker Proust aus, weil er dieser Verführung mit unbändigem Glücksverlangen wie kein zweiter, ohne sein Ich zurückbehalten zu wollen, sich anvertraute. Aber der Unbestechliche hat durch den Fortgang des Romans bekräftigt, daß auch jene Fülle, der durchs Eingedenken gerettete Augenblick es nicht sei. So nah Proust dem Erfahrungskreis Bergsons war, der die Vorstellung von der Sinnhaftigkeit des Lebens in dessen Konkretion zur Theorie erhob, so sehr war Proust, Erbe des französischen Desillusionsromans, zugleich der Kritiker des Bergsonianismus. Die Rede von der Fülle des Lebens, einem lucus a non lucendo noch wo es leuchtet, wird eitel durch ihr unmäßiges Mißverhältnis zum Tod. Ist dieser unwiderruflich, so ist noch die Behauptung eines im Glanz fragmentarischer, wenngleich genuiner Erfahrung aufgehenden Sinnes ideologisch. Proust hat daher an einer der zentralen Stellen seines Werkes, beim Tod Bergottes, wider alle Lebensphilosophie, doch ungedeckt von den positiven Religionen, der Hoffnung auf die Auferstehung zum tastenden Ausdruck verholfen. Die Idee einer Fülle des Lebens, auch die, welche die sozialistischen Konzeptionen den Menschen verheißen, ist darum nicht die Utopie, als welche sie sich verkennt, weil jene Fülle nicht getrennt werden kann von der Gier, von dem, was der Jugendstil sich Ausleben nannte, einem Verlangen, das Gewalttat und Unterjochung in sich hat. Ist keine Hoffnung ohne Stillung der Begierde, dann ist diese wiederum eingespannt in den verruchten Zusammenhang des Gleich um Gleich, eben des Hoffnungslosen. Keine Fülle ohne Kraftmeierei. Negativ, kraft des Bewußtseins der Nichtigkeit, behält die Theologie gegen die Diesseitsgläubigen recht. Soviel ist wahr an den Jeremiaden über die Leere des Daseins. Nur wäre sie nicht zu kurieren von innen her, dadurch, daß die Menschen anderen Sinnes werden, sondern einzig durch die Abschaffung des versagenden Prinzips. Mit ihm verschwände am Ende auch der Zyklus von Erfüllung und Aneignung: so sehr sind Metaphysik und Einrichtung des Lebens ineinander.”

—Theodor W. Adorno, Gesammelte Schriften, Bd. 6, Negative Dialektik, Dritter Teil: Modelle, S. 370 f., Frankfurt/M. 2003.

“Diese Metaphysik wurde Dogmatismus, weil sie nach der Natur der endlichen Bestimmungen annehmen mußte, daß von zwei entgegengesetzten Behauptungen, dergleichen jene Sätze waren, die eine wahr, die andere aber falsch seyn müsse.”

—Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse, Hamburg 1999, Paragraph 30, S. 72

Heideggers Holzwege.

Die Philosophie Heideggers ist eine Philosophie, die versagt.

Dinge, die irgendwann versagen, nicht weiterführen oder in die Irre führen, nennen wir Holzwege. Es sind Wege im Wald, welche irgendwann undurchdringlich werden, sodass wir aufhören weiter zu gehen. Gerade hier wird  aber die Philosophie aufmerksam. 


#Heidegger.Holzwege.

—Lia

Première potion : Quand la nuit tombe

A new potion for grey days and dark nights.
Something old, something new.

Ingredients:
MZ.412
The Midnight Episode
Demdike Stare
Satan’s Slave Entry
Raison d’être
Roly Porter
Samuel Kerridge
The End of All Existence
Peter Bjärgö & Gustaf Hildebrand
Felix K
Raime
Peter Bjärgö & Gustaf Hildebrand
Allseits
SP-X
Theologian
MZ.412
Last Moment Satan’s Slave
Cut Hands


**might have some tracks missing

“Selbst Auschwitz und Nagasaki, alle ungemessenen Greuel unserer Tage zerstören nicht die Werte, die über uns und um uns walten; nicht Werte sind zerstörbar, nur die Formen, in die sie eingegangen sind.”

—H.G. Adler: Zur Bestimmung der Lyrik. S. 30. Unveröffentlichtes Typoskript, Deutsches Literaturarchiv, Marbach. 

“Die Angst des Verwegenen duldet keine Gegenstellung zur Freude oder gar zum behaglichen Vergnügen des beruhigten Dahintreibens. Sie steht - diesseits solcher Gegensätze - im geheimen Bunde mit der Heiterkeit und Milde der schaffenden Sehnsucht.”

—M. Heidegger: Was ist Metaphysik? 1929

“Mit anderen Worten also: die Reflexion auf den Prozeß der Abstraktion gewinnt in der Aristotelischen Erwägung über das Allgemeine schon sehr viel mehr Kraft, als sie bei Platon besessen hat, geht aber doch nicht so weit, daß die Allgemeinbegriffe nun als reine Abstraktionen aufgefaßt würden; sondern die Schwierigkeit und, wenn ich so sagen darf, die Pointe der Aristotelischen "Metaphysik" ist vielmehr gerade dies, daß man auf der einen Seite zwar das Allgemeine nicht unabhängig von dem soll denken können, worin es sich konkretisiert, daß es aber auf der anderen Seite doch auch nicht gegenüber den darunter befaßten Besonderungen eine bloße Abstraktion sei. Ich glaube, wenn Sie sich diese Zuspitzung des Problems vergegenwärtigen, dann wird es Ihnen möglich sein, die Schwierigkeiten dieser Theorie von vornherein zu bewältigen. Man wird ja im allgemeinen mit Schwierigkeiten dann fertig, wenn man ihnen ins Auge sieht. Und Aristoteles macht es einem damit deshalb ein bißchen schwer, weil er ja so als eine Art Denker des common sense auftritt und weil bei ihm, ähnlich etwa später bei manchem englischen Denkern, die abgründigste Fragen zunächst so beantwortet erscheinen, als ob sie dem einfachen Menschenverstand ganz selbstverständliche Antworten gewähren würden, während in Wirklichkeit gerade darunter eben diese Abgründe sich verbergen, – und damit berühre ich zugleich auch die spezifische Schwierigkeit, die der Interpretation des Aristoteles insgesamt zukommt. […] Ich könnte geradezu sagen, daß die "Metaphysik" des Aristoteles darum kreist; daß sie ihr Problem hat eben an diesem Widerspruchsvollen, daß auf der einen Seite dem Allgemeinen die Substantialität abgesprochen wird, daß aber auf der anderen Seite die Allgemeinbegriffe doch nicht die bloße Abkürzung der unter ihnen befaßten Besonderungen sein sollen, sondern daß ihnen trotzdem etwas zukommt, was sie über den bloßen 'flatus voci', den bloßen Hauch der Stimme erheben soll. […] Und wenn Sie die Konzeption der Metaphysik begreifen wollen, dann müssen Sie auf diese Konstellation der Momente in der Aristotelischen "Metaphysik" von Anfang an Ihre Aufmerksamkeit richten. Er sagt, daß substantiell gegenüber dem Allgemeinen nur das Einzelne sei; daß nur das einzelne erscheinende, konkrete Phänomen wirklich sei. ”

—Theodor W. Adorno: Metaphysik, Frankfurt am Main 1998, S. 43f.

“A fact of the matter about what there is a fact of the matter about”

—Michael Dummett

“Wenn wir [...] unsere Bibliotheken durchgehen, welche Verwüstungen müssten wir dann anrichten! Nehmen wir irgendein Buch zur Hand, z. B. über Theologie oder Schulmetaphysik, so lasst uns fragen: Enthält es eine abstrakte Erörterung über Größe und Zahl? Nein. Enthält es eine auf Erfahrung beruhende Erörterung über Tatsachen und Existenz? Nein. So übergebe man es den Flammen, denn es kann nichts als Sophisterei und Blendwerk enthalten.”

—David Hume // Untersuchung über den menschlichen Verstand
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