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MY BOOBS AND I ARE OFFENDED.
“Ein Feldweg, der in weißen Blüten träumt, In Kirschenblüten, zieht fern über Feld. Die hellen Zweige, feierlich erhellt Zittern im Abend, wo die Wolke säumt, - Ein düstrer Berg, den Tag mit goldnem Grat, Ganz hinten, wo ein kleiner Kirchturm blinkt, Des Glöckchen sant im lichten Winde klingt Herüber goldnen Tons auf grüner Saat. - Ein Ackerer geht groß am Himmelsrand. Davor, wie Riesen schwarz, der Stiere Paar, Ein Dämon vor des Himmels tiefer Glut - Und eine Mühle faßt der Sonne Haar, Und wirbelt ihren Kopf von Hand zu Hand Auf schwarzer Au, der langsam sinkt, voll Blut. ”
—Georg Heym: Printemps, in: Karl Ludwig Schneider (Hg.): Georg Heym - Das lyrische Werk, München 1977, S. 261.Küchenanalytische Literaturrat-Schläge II
Bei Pseudodemenz und drastisch ausufernden Wortfindungsstörungen wie Gedächtnisrissen: W.G. Sebald - Austerlitz.
Beim Aufleuchten des Wiederholungszwanges als Unlustvolles, um ihn als Mögliches zu denken: Franz Jung - Torpedokäfer.
Bei schwüliger Geilheit und dem Züngeln verfestigter Dichotomien, gerade angesichts des Bildes von dem geliebten Einzigen: Georg Heym - Der Dieb.
Um mal die Gewöhnung an altbeliebte Abneigungserklärungen zu durchbrechen und dem Blick wieder das Umherschweifen zu gönnen: Thomas Mann - Visionen.
Bei Wiederauflage der Gespensterangst, gerade wenn die Fußspitze im Nächtlichen etwas berührt, was sich irgendwie leiblos-körperlich einfühlte, wenn der Schatten im Augenwinkel doch eigenlebend hetzt: Rainer Maria Rilke – Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge.
Beim regressiven Verlangen nach feuchten Waldböden, faulendem Blätterlaub und Begehren von Fetischminiaturen: Alfred Döblin - Die Ermordung einer Butterblume.
Wenn zu viele Geschicke ins Durcheinander des eigenen Lebens sich einweben, und das Viele sich im Monstrum verdichtet: Friedo Lampe - Am Rande der Nacht.
Und immer daran denken: Die Lektüre ersetzt nicht die Erfahrung, sie macht sie erst lesenswert. Auch sollte im Auge der Panik nie die Frage danach einsetzen, ob schon gelesen wurde, ob dies alles noch im Gedächtnis bleibt oder ob der Flug, das Verwirrnis der Gedanken nicht über ihr endlich aufhört. All das ist mit einem hölzernen Besen in die Glutenkiste zu kehren: Soll es doch weiter schwelen, das Buch ist nur der Andere, der in fester Form vor einem liegt, der zugeklappt, wieder hineingestellt und dennoch: mit der unermesslichsten Geduld auf einen immer wieder wartet. Es stiftet nie einen Leitfaden, nie die zu lebenden Maximen oder Paradigmen. Aber es stiftet den auf einem ruhenden Blick, der in aller Polyphonie sagt: Es wird Zeit, dass es Zeit wird. Die Abschweifungen, die Unkonzentriertheiten, die Frage, was denn eigentlich auf diesen vielen Seiten stand, was denn nun “eigentlich” gesagt wurde, all das gehört zum guten Dialog, der mit jeder Seite vom Neuen anhebt. Grame Dich nicht, Du wirst Dich schon verlesen haben, hoffentlich.
Das Jahr geht zornig aus
Das Jahr geht zornig aus. Und kleine Tage
Sind viel verstreut wie Hütten in den Winter.
Und Nächte ohne Leuchten, ohne Stunden,
Und grauer Morgen ungewisser Bilder.
Sommerzeit, Herbstzeit, alles geht vorüber,
Und brauner Tod hat jede Frucht ergriffen.
Und andre kalte Sterne sind im Dunkel,
Die wir zuvor nicht sahn vom Dach der Schiffe.
Weglos ist jedes Leben. Und verworren
Ein jeder Pfad. Und keiner weiß das Ende,
Und wer da suchet, daß er Einen fände,
Der sieht ihn stumm und schüttelnd leere Hände.
Georg Heym