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Sign up to find more cool stuff to follow“The less you eat, drink and read books; the less you go to the theatre, the dance hall, the public house; the less you think, love, theorize, sing, paint, fence, etc., the more you save-the greater becomes your treasure which neither moths nor dust will devour-your capital. The less you are, the more you have; the less you express your own life, the greater is your alienated life-the greater is the store of your estranged being.”
—Karl Marx“Aber was ich sagen will, ist nun, daß das Glück, das von den Kunstwerken ausgeht, oder meinetwegen sogar der Genuß, den die Kunstwerke bereiten, nicht unmittelbar eins ist mit ihrer ästhetischen Erfahrung; daß ihre ästhetische Erfahrung selbst nicht in ihren einzelnen Momenten unmittelbar Genuß bereitet, wie der Dilettant und der Spießbürger es sich vorstellen, die das Kunstwerk in einen Teller mit Rippchen und Kraut verwandeln, sondern daß das Kunstwerk eigentlich das Glück dadurch bereitet, daß es ihm gelingt, einen so in sich hineinzuziehen, [...] daß es einen also nötigt, die Bahnen mitzugehen, die es in sich selbst beschreibt; und daß es einen dadurch allerdings der entfremdeten Welt, in der wir leben, entfremdet, und durch diese Entfremdung des Entfremdeten die Unmittelbarkeit oder das unbeschädigte Leben selber eigentlich wiederherstellt. Wenn es so etwas wie Glück am Ästhetischen oder wie ästhetischen Genuß gibt, dann liegt dieser Genuß also in der Leistung, die, wenn ich so sagen darf, das Kunstwerk an uns vollzieht, indem es uns absorbiert, indem wir in es eingehen und indem wir ihm folgen. [...] Ich möchte wenigstens andeuten, daß Sie an dieser Stelle freilich auch die Problematik der Kunst selber in einer sehr grundsätzlichen Weise berührt finden. Denn diese Kraft des Kunstwerks, einem die entfremdete Welt nochmals zu entfremden, ist ja selber eben doch ein Moment des Scheins. Diese reale Welt, der wir dabei entfremdet werden, wird dadurch nicht in ihrer Entfremdetheit aufgehoben, sondern gerade dadurch, daß wir uns ihr entziehen, in einem gewissen Sinn eben so belassen.”
—Theodor W. Adorno (2009/1958/59): Ästhetik, Nachgelassene Schriften, Abt. IV: Vorlesungen, Band 3, S. 192, 193f.Gedanken zum Thema: Entfremdung im Schreibprozess
Was mich am Schreiben am meisten fasziniert ist die jedes Mal aufs Neue verblüffende, reinigende Entfremdung: Wenn ich einen Text fertig gestellt habe und Ihn erneut lese, ist es für mich so als hätte ein Anderer den Text geschrieben. Gedanken und Gefühle bleiben für mich natürlich nachvollziehbar aber das unmittelbare erleben selbiger ist mit dem Setzen des letzten Zeichens des Textes abgeschlossen. Von einem Moment auf den anderen wird aus dem Erleben eine Erinnerung. Im Prinzip passiert das natürlich dauernd auch wenn ich nicht schreibe aber nur beim Schreiben habe ich das bewusste Erlebnis wie etwas Gegenwärtiges aufhört und zu etwas Vergangenem wird. Gleichsam wird dieses Vergangene entpersonalisiert. Die Erinnerungen und Gefühle die jetzt dem Text innewohnen könnten auch von jedem anderen in ihn eingepflanzt worden sein. Sie betreffen mich nur noch als Konsumenten der die Gedanken des Autors nachvollzieht und seine Emotionen nachfühlt.
Diese Entfremdung setzt allerdings schon beim Schreiben ein. Herder sagte einmal ein Schreiber sei während des Schöpfungsprozesses immer ein völlig anderer Mensch als im Alltag. Ich glaube auch diese Beobachtung in meiner eigenen Erfahrung wiederfinden zu können: Sobald ich etwas schreibe befinde ich mich in einer Art Tunnel. Ich bin völlig fixiert auf den Gegenstand über den ich schreibe. Ich bin überzeugt, dass es dieser Gegenstand ist der die Entfremdung herbeiführt. Ein Text ist immer die konzentrierte Form einer Verschmelzung von Autor (mit all seinen ihm innewohnenden Eigenschaften, Fähigkeiten und Meinungen) und dem Gegenstand der Beschreibung. Natürlich ist das auch bei normalen Diskussionen der Fall. Bei schreiben kommt aber die Zeit als entscheidender Faktor hinzu. Während in einer normalen Diskussion eine Antwort relativ spontan kommt und beim sprechen entwickelt wird, spielt Zeit beim Schreiben keine große Rolle. Ich empfinde es sogar so, dass sich Zeit beim Schreiben in gewisser Weise verdichtet. Oft bin ich überrascht wie lange ich geschrieben habe und verliere jedes Zeitgefühl. In ähnlicher Weise verdichtet sich auch die Wechselwirkung zwischen Autor und Objekt. Meiner Meinung nach kann das Objekt deswegen beim Schreiben viel mehr Einfluss auf den Autor und die entstehenden Äußerungen nehmen als in einer normalen mündlichen Diskussion. Löst der Autor sich aus diesem Tunnel der Verdichtung nimmt er automatisch eine Distanz zu Werk und Objekt ein. Das Werk an sich bleibt allerdings was es schon während des Schreibens war: Das konzentrierte Destillat aus Objekt und Autor.
“Sag mir: entfliegt dein Herz bisweilen auch, Agathe, Dem schwarzen Meere der unreinen Stadt, hinan Zu eines andern Meers hellerleuchtendem Achate, Blau, klar und tief wie nur der Keuschheit Ozean? Sag mir: entfliegt dein Herz bisweilen auch, Agathe? - Das Meer, das weite Meer ist unsrer Mühsal Trost! Doch welcher Troll verlieh des rauhen Barden Tönen, Zu dem der Winde Groll aus Riesenorgeln tost, Die Kraft des Wiegenliedes mit Schlaf uns zu versöhnen? Das Meer, das weite Meer ist unsrer Mühsal Trost! - Nimm, Wagen, du mich mit! Entführe mich Fregatte! Weit fort, ja weit! Hier speist die Träne nur den Kot ... - Raunt nicht bisweilen dir dein traurig Herz, Agathe: Fort von der Reue Dorn, von Untat, Schmerzensnot Nimm, Wagen, du mich mit! Entführ mich, Fregatte! - Wie bist du ferne nun, du Paradies voll Duft, Wo unter lichtem Blau nur Liebe webt und Wonne, Wo alles, was du liebst, zurecht nach Liebe ruft, Wo unser Herz ertrinkt in reinster Lüste Bronne! Wie bist du fern nun, du Paradies voll Duft! - Das grüne Paradies der jungen Liebesfreuden, Die Spiele, Lieder, Küsse und der Blumenstrauß, Der Geigen hinterm Hang erregendes Vergeuden, Die Krüge Weins vor Nacht im kleinen Gartenhaus, - Das grüne Paradies der jungen Liebesfreunden, - Unschuldig Paradies, verstohlenen Glückes Hag, Ist es denn ferner schon als fernstes Land im Osten, Ob es denn wohl ein Wehlaut wiederbringen mag? Erweckt ein Silberklang vielleicht aus Nacht und Frosten Unschuldig Paradies, verstohlenen Glückes Hag?”
—Charles Baudelaire: Moesta et errabunda, in: Ders.: Die Blumen des Bösen, Frankfurt am Main und Leipzig 1976, S. 96.Merkst du denn nicht, wie widersprüchlich das alles ist?
Du sagst ich werde immer jemand besonderes für dich, jemand besonderes in deinem Leben bleiben, selbst wenn wir uns letztlich irgendwann auseinander gelebt haben!?
Wie verdammt sollte es dann dazu kommen können, wenn ich so “besonders” für dich bin.
Was für Wunder müssen dann die Menschen vollbringen, die an deinem Alltag teilhaben?
Die, die es noch wert sind ihnen jeden Tag zu schreiben, die es wert sind, dass du nachfragst, wenn sie sagen, dass es ihnen “wie immer” geht.
“Dieses Freiheitskonzept wird nun zu einer ontologischen Anthropologie ausgebaut, in der auch das zweite Grundmotiv der bürgerlichen Philosophie des 20. Jahrhunderts seinen Platz findet: die Entfremdung. Es ist nicht nur empirisch leicht festzustellen, daß die totale Freiheit des einsamen Individuums in dieser Welt nicht vorkommt; auch a priori liegt schon in der Setzung des Nicht-Ich durch das Ich eine Selbstbeschränkung des Ich, eine Entäußerung an die Wirklichkeit, die ihm nun als gegenständliche Grenze seiner eigenen Möglichkeit, seiner totalen Freiheit entgegentritt. Der Mensch macht sich selbst unfrei, indem er sich Eigenschaften gibt und also verdinglicht. […] Denn er ist, indem er handelt und sich selbst schafft als ein so und so bestimmtes Wesen, womit er sich aber zu einem 'Gegenstand' mit fixen Eigenschaften macht. In der Objektivierung als der Vergegenständlichung seines Daseins beraubt sich der Mensch seiner Freiheit und legt sich auf einen substantiellen Begriff seiner selbst fest. Er entzieht sich damit der Freigabe in den offenen Raum der vielfältigen Möglichkeiten.”
—Hans Heinz Holz: Integrale der Praxis. Aurora und die Eule der Minerva, in: Aufhebung und Verwirklichung der Philosophie Band III, Berlin 2011, S. 74Ingeborg Bachmann - Entfremdung
In den Bäumen kann ich keine Bäume mehr sehen.
Die Äste haben nicht die Blätter, die sie in den Wind halten.
Die Früchte sind süß, aber ohne Liebe.
Sie sättigen nicht einmal.
Was soll nur werden?
Vor meinen Augen flieht der Wald,
vor meinem Ohr schließen die Vögel den Mund,
für mich wird keine Wiese zum Bett.
Ich bin satt vor der Zeit
und hungre nach ihr.
Was soll nur werden?
Auf den Bergen werden nachts die Feuer brennen.
Soll ich mich aufmachen, mich allem wieder nähern?
Ich kann in keinem Weg mehr einen Weg sehen.
“»So schön ein Haus sein mag, es hat vor allem einmal - und ehe man sich bei seiner Schönheit aufhält - soundsoviel Meter Höhe und soundsoviel Meter Länge. - Ebenso ist die Literatur, welche die unschätzbarste Substanz darstellt, vor allem Zeilenfüllung; und der literarische Architekt, dem nicht schon sein bloßer Name einen Gewinn verspricht, muss zu jedem Preise verkaufen.« ”
—.
Charles Baudelaire. Zitiert nach Walter Benjamin / Die Bohème.
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Die käufliche MuseO meine Muse, der Paläste Kind!
Wirst du, wenn erst der Winter hetzt die Raben,
Für deinen nackten Fuss ein Feuer haben
In trüber Schneenacht und bei eisigem Wind?
Willst du die marmorkalten Schultern laben
Am nächtigen Strahl, der durch die Läden rinnt?
Willst du, wenn leer dir Tasch’ und Gaumen sind,
Verborgnes Gold aus blauen Höhlen graben ?
Allabendlich wird dich der Hunger zwingen,
Chorkindern gleich beim Weihrauchfass zu singen
Den Lobgesang, der deinen Schmerz verhöhnt,
Seiltänzern gleich wirst du zur Schau dich stellen.
Indes dein Lachen, darin Schreie gellen,
Des rohen Haufens Gier und Lüsten frönt.
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charles baudelaire