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Niemand macht Fehler!

Fehler begehe ich nie!

Hört sich überheblich an, aber denken wir doch einmal genauer über diesen Begriff „Fehler“ nach.
In jedem Augenblick, in jeder Nanosekunde werden von unserem Körper, unseren Vitalfunktionen, unterbewusst und bewusst in unseren Gedanken Entscheidungen getroffen, die sich auf unser nächstes Tun auswirken; somit auf den nächsten Augenblick oder auch auf die entferntere Zukunft ausgerichtet sind. Beispiel: das Öffnen und Schließen der Augenlider, damit die Augen nicht eintrocknen – Herzmuskel – trinken – essen - u.a.

Diese Entscheidungen sind ganz klar auf eine Zukunft gerichtet, wie nah oder fern sie auch ist, und wir entscheiden uns immer für den richtigen Weg! Das heißt: In dem Moment der Entscheidung wählen wir (bewusst oder unbewusst) immer den Weg von mehreren Möglichkeiten, den wir für den richtigen halten.

Also: In einer Gegenwart bedenken wir die nötigen zukünftigen Schritte in unserem Leben und durchdenken dabei die uns offenbaren Möglichkeiten. Hier liegt der Tenor auf „offenbaren“ denn es ist durchaus denkbar, dass manche auch möglichen Wege momentan gar nicht „offenbar“ sind, und somit im Moment der Entscheidung nicht existent und nicht wählbar!

Es ist durchaus möglich, dass sich rückblickend auf den Moment der Entscheidung plötzlich weitere Wege offenbaren, die hätten begangen werden können. Weit gefehlt, denn sie waren im Moment der Entscheidung gar nicht existent! Auch wenn man sich rückblickend erklärt „ich habe einen Fehler begangen – ich hätte einen anderen Weg beschreiten können“ stimmt dies nicht wirklich, weil man sich in diesem Moment immer für den richtigen Weg entschieden hat. Nur in der Zwischenzeit neu hinzugewonnene Erfahrungen, auch Lernprozesse und Informationen, lassen uns im nach hinein erkennen: Es wäre noch ein anderer Weg (ob positiv oder negativ mal außer Acht gelassen) möglich gewesen. Erst wenn wir wirklich in der Lage sind in der Zeit zurückzureisen, haben wir die Chance mit diesem neuen Wissen wirklich den nun “offenbaren” Weg zu beschreiten. Da wir noch keine “Zeitreisenden” sind, ist dies nicht möglich!

Fehler ist ein Wort für eine Unvollkommenheit von Konstrukten, die, obwohl die Fähigkeit der Vollkommenheit besteht, bestimmte Dinge nicht aufweisen kann, also gänzlich sachlich und inhuman. Beispiel: Pixel-fehler auf dem Bildschirm, eine Konstruktion funktioniert nicht weil bestimmte Konstruktdetails nicht richtig montiert bzw. gänzlich vergessen wurden (Detailfehler).

Kein Mensch begeht daher wirklich einen Fehler – auch wenn andere dies meinen! Sie können Konstrukte fehlerhaft herstellen, aber bestimmt nicht weil dies gewollt war; es sei denn, es wird ein Zweck damit erfüllt der Anderen nicht offenbar ist und somit nicht mehr als Fehler definiert werden kann, auch wenn es Außenstehenden so erscheint. Jeder entscheidet sich immer für eine positive Zukunft und sieht im Moment der Entscheidung das Gute (zumindest für sich persönlich) in seinem Wollen. Selbst depressive Menschen entscheiden sich positiv, wenn sie sich letztlich suizidieren, denn in ihren Augen ist es besser (somit positiver) dem jetzigen Leben ein Ende zu setzen als weiterzuleben.

Das Fragment einer Hamsterbiographie

Heute ist mir klar geworden, warum mir der Tierarzt erst mit einem großen fragenden Blick begegnete, wie ich ihm meinen verletzten Bubi entgegenhielt und um Sterbehilfe bat. Nun, kleine Haushamster werden eher nicht ‚human‘ getötet … Aber – ich konnte es nicht. Schon damals war mir bewußt: obwohl er bestimmt wahnsinnige Schmerzen empfinden mußte, kam kein Laut über seine Lippen. Nur zu dem Zeitpunkt des Kreuzbruches, da quiekte er schon recht laut. Ja, er hat sich sein Kreuz gebrochen. Bestimmt trage ich noch immer die Schuld in mir, da ich unaufmerksam war. Wie schon vormals hatte ich einen recht großen Spaß mit ihm und glaubte zu wissen, er empfindet ähnlich wie ich. Einmal heraus aus seinem Käfig, den meine Mutter und ich schon in einem recht ordentlichen Zustand hielten. Er war ein Mitglied unserer vierköpfigen Familie – wie auch die Wellensittiche, die mich meine gesamte Kindheit begleiteten. Behutsam holte ich ihn aus seinem Käfig – schon lang hat er sich an meine Hand gewöhnt und beißt nicht mehr – und ließ ihn auf dem Tisch herumlaufen, wo ich gleichzeitig Hausaufgaben machte. Da Hamster und andere Nager sich wegen ihrer Statur vor größeren Höhen fürchten, sie könnten ja abstürzen und sich etwas brechen, habe ich dies schon mehrmals praktiziert, auf dem Küchentisch, und mit Erfolg: Er blieb brav auf der Tischplatte und half mir bei den Hausaufgaben. Nun saß ich aber am Wohnzimmertisch und der Unterschied dieser beiden Tische beruht nicht nur auf seine Architektur und Design, sondern auch rein gesellschaftlich wie zu jener Zeit die Tische von der Hausfrau gestylt wurden: Küchentisch mit einer glatten Wachstischdecke, die verschieden dekoriert in mehreren Ausstattungen zur Verfügung standen, und, je nach dem welche Mahlzeit gerade zu sich genommen wurde, auch ein Set pro Person. Der Wohnzimmertisch immer mit einer Tuchtischdecke und, je nach der Jahreszeit, verschieden ausgestattet. Nicht überladen, sondern eher geschmackvoll arrangiert. Dieses wenig vorhandene Arrangement ein wenig zur Seite geschoben, meine Unterlagen ausgebreitet und ein quicklebendiger Hamster umherwuselnd, eben auf dieser Tischdecke – aus Tuch. Bubi versuchte nun ständig rücklings, mit seinen widerborstigen Fußballen am Tuche haltend, sich vom Tische herunter zu hangeln. Und dies natürlich genau dort, wo er sich die größten Chancen einer Flucht einrechnete: An den Kanten warfen die rechteckigen Tischtücher immer so eine lange Falte, die nicht nur zwei Höhlungen in Tischbeinnähe bildeten, quasi wie ein recht steiler Kanal, sondern auch eine sehr wacklige nicht so steile und abgerundete Kante, die ein wenig abseits vom Tisch zeigte. Diese schmale, zum Ende hin breiter werdende Kante nun versuchte Bubi wie rücklings auf einem Baumstamme reitend hinunter zu kriechen. Alle Viere von sich gestreckt – die Pfötchen mit ihren krallenbewehrten Zehen gespreizt – mit dem Stummelschwänzchen voraus – immer wieder rechts und links über seine Schultern abwärts blickend. Meine Hausaufgaben waren passé. Jetzt wollte ich erkunden, wie weit kommt er und wie lernfähig ist er an dieser Stelle. Natürlich habe ich schon vor dieser erneuten Erfahrung mit seiner Lernfähigkeit Bekanntschaft gemacht. Die erste Erfahrung war, ihn schließlich an meine Hände und auch an mich zu gewöhnen. Die Tiere, die dazu in der Lage sind, tragen bestimmt noch mehr Fähigkeiten als Potential in sich. So war mein spielerischer Umgang mit den Haustieren auch immer mehr ein Experimentieren und ein Sammeln von Erfahrungen, zu welchen Leistungen sie wirklich fähig sind. Natürlich ganz im ‚kindlich-humanen‘ Bereich. Leider mußte sich herausstellen, daß er hier nicht sonderlich lernfähig war, beziehungsweise, sein Fluchtinstinkt überstieg Alles. Zu erst beobachtete ich sein Haltungsvermögen, indem ich ihn bei jedem Absturz sanft in meinen Händen auffing. Erstaunlich, wie sich die kleinen Krallen mit letzter Kraft in die rauhe Tischdecke krallen! Nur ab einem bestimmten Punkte, ungefähr noch dreißig Zentimeter vom Boden entfernt, aber dennoch zu hoch für einen kontrollierten Sprung in die Tiefe für einen Hamster, versuchte dann mein kleiner Dicker sich wieder, wahrscheinlich einhergehend mit Kräfteschwund, hinauf zu ziehen. Dies gelang ihm aber überhaupt nicht und mußte sein anfängliches Vorhaben gänzlich aufgeben und ließ sich einfach fallen - - - in meine auf ihn wartenden Hände. Dann habe ich die exponierten Stellen, eben die Tischecken versucht abzusichern, indem ich dicke aufgeklappte Bücher, die es zu Hauf im Wandschrank meiner Eltern gab, so in die Ecken stellte, daß diese mit ihren Außenseiten in den Raum hineinzeigten. Mein Vorhaben hatte aber nur mäßigen Erfolg: Zwar erfüllten diese Barrieren die von mir zugewiesene Aufgabe und hielten Bubi erfolgreich von den Ecken fern, nur fing dieser jetzt an, sich direkt an den steilen Längskanten des Tisches rücklings abzuseilen (- hätte ich fast gesagt). Hier kam er aber nicht sonderlich weit und der Absturz begann schon aus größerer Höhe - - - in meine wartenden Hände. So blieb mir nichts anderes übrig auch die Kanten zu sichern, in dem ich nun die dicken Bücher aufgeklappt, wie ein Dach aussehend, an den vier Kanten aufreihte: von Buchecke zu Buchecke. Da ich mich schon immer recht lautlos bewegen konnte gelang es mir, dies gänzlich ohne die doch recht wachsame Aufmerksamkeit meiner Mutter, die in der Küche zu tun hatte, zu erledigen. Und damals plärrte nicht ständig das einzig vorhandene Röhrenradio im Hintergrund, schon gar nicht während der Hausaufgabenzeit. Auch die Straßengeräusche, obwohl wir mitten in einer Kleinstadt am südlichen Rande des Münsterlandes wohnten (Rathaus fünfzig Meter und die Kirche gute einhundert entfernt) übertönten noch nicht den Gesang und das Gezwitscher der Vögel. Nur einen Teil der mir zugewandten Längskante sparte ich natürlich aus – wie hätte ich sonst noch weiter Hausaufgaben machen sollen, mit einer Hürde von dicken Büchern vor mir, womit ich mich eigentlich selbst ausgegrenzt hätte. Also breitete ich meine Arme angewinkelt so weit aus, daß nicht mehr viel Platz blieb und mir selbst auch noch Raum zum agieren ließ. Das funktionierte hervorragend. Ich mein, der Tisch war schon recht übersichtlich gestaltet, so daß Bubi schon in der Nähe meiner Arme die Aufmerksamkeit meinerseits erhöhte. Gelegentlich ließ ich ihn auch an mir hinaufklettern, an den Ärmeln aufwärts, hinten am Kragen entlang und an der anderen Seite wieder hinunter. Dies war mir das Liebste: jedesmal, wenn er am Kragen entlangkrabbelte, gingen mir in mehreren wohligen Schauern die Gänsehäute herauf und herunter. Aber wehe, er machte auch nur Anstalten einer Flucht und wendete sich dem offenen Felde zu! So dann wurde er gleich wieder auf den Tisch zurückgestellt. Hamster sind nachtaktive Erdhöhlenbewohner, und aus ihrem natürlichen Antrieb heraus suchen sie eher die schattigen und höhlenartigen Plätze auf. Wie ein Dach aufgeklappte Bücher eignen sich hervorragend hierzu, zumal wenn sie ineinander passen. So kann anhand des nahezu ganzen Buchbestandes der gerade zur Verfügung steht, ein ansehnliches Gangsystem gebaut werden. Aber nicht auf dem Tische. Für meinen Bubi aber waren die als Hürde am Rande des Tisches aufgestellten, wie ein Dach aussehenden, Bücher eben auch dunkle Gänge. Dies ließ ich geschehen – solange er an einem Ende hineinkriechend aus dem anderen wieder hinauslugte – kein Problem. Er hatte seinen Spaß, lief von einer Kante zur anderen, lugte mal hier mal dort hinaus und ich konnte mich wieder mehr meinen Hausaufgaben widmen, ohne daß er mir aber gänzlich der Aufmerksamkeit entglitt. Wenn dies geschah und ich mich selbst fragte: ‚Hey, wo ist er denn jetzt wohl?‘ und ich momentan keine Antwort darauf besaß, mußte ich gleich nachforschen und nachschauen. Letztlich saß er immer unter einem der Dächer und funkelte mir mit seinen großen leuchtend schwarzen Knopfaugen entgegen. Dann hörte ich auf einmal ein klägliches fiepen, das mir, obwohl ich ähnliches noch nicht hörte, verriet: Dies war der Not- und Schmerzensschrei eines Tieres! Ich fand ihn auf dem Boden, vor dem anderen Ende des Tisches. Er war gerade dabei, sich mit den Vorderfüßchen einstemmend und den Hinterleib kraftlos hinterherschleifend von der Absturzstelle fortzubewegen. Und dies, ohne weiter Laute von sich zu geben! Sogleich erkannte ich die Gegebenheit der Situation, daß er wo auch immer am Tuche herabhangelnd abgestürzt, sich beim Aufprall auf dem Teppichfußboden einen Wirbel gebrochen und somit Querschnittsgelähmt war. Diesmal empfingen ihn meine tränenbefeuchteten Hände und trugen ihn sanft in seine Behausung zurück – in der stillen Hoffnung der Genesung. Nur trat diese nicht ein. Natürlich schaute ich noch mehrmals am Tage, am Abend und auch am nächsten morgen vor der Schule. Aber sein Zustand war unverändert. Nur anhand der Futterschale konnte ich zwar erkennen, daß er wohl mal sein Häuschen verlassen haben mußte, bei meinen Kontrollen war er aber immer nur dort anzutreffen. Am Abend dann entschloß ich mich, Bubi einmal heruaszunehmen, um einmal genauer seinen Zustand zu untersuchen. Dies war erschreckend: Der Hinterleib nun fast gänzlich am Boden liegend, die Hinterbeinchen schlaff abgespreizt – jede weitere Bewegung mußte ihm zur Qual gedeihen! Was konnte ich ihm damals bieten? Rollstuhl für Hamster? Oder ein würdiges Ende seines leidigen Lebens? So faßte ich schweren Herzens den Entschluß, ihm ein würdiges Ende zu bereiten. Einschließlich eines Begräbnisses an einem exponierten Ort – nur für ihn. Am Tage x+2 stürzte ich nach der Schule stampfend die Treppe zu unserer Wohnung hinauf. Peter, unser Wellensittich erwartete mich mit seinem frohen Gezwitscher schon sehnsüchtig auf der Garderobe, wohin er immer flog, sobald er meine Schritte im Treppenhaus hörte. Diesmal schenkte ich ihm aber wenig Aufmerksamkeit, obwohl er auf meiner Schulter sitzend lautstark darum bettelte. Ich schmiss meine Schultasche in eine Ecke der Garderobe und ging sogleich daran, einen Transportbehälter zu suchen, der für einen kranken Hamster geeignet schien. Ich entschied mich für einen Schuhkarton, stattete ihn mit reichlich Heu aus und setzte meinen Bubi hinein. Normaler weise versucht er immer an den Luftlöchern im Deckel oder an den Seitenwänden zu nagen, um sich einen Fluchtweg zu verschaffen. Diesmal blieb er aber ruhig an Ort und Stelle und rührte sich bis zum Tierarzt eigentlich gar nicht. Es war ja nicht weit bis zu ihm, vielleicht fünf Minuten mit Kinderbeinen. Wir kannten uns schon, der Tierarzt und ich: Da war schon einmal eine entlaufene Katze, die sich auf einmal in unseren Kellergewölben blicken ließ und scheinbar nicht mehr hinaus aus dem Gebäude kam. Da ich eh der einzige ‚Kunde‘ und mein Bubi der einzige Patient im Wartezimmer waren, kamen wir auch gleich an die Reihe. Sofort ging ich auf den in der Mitte stehenden Tisch zu, setzte dort den Schuhkarton auf, hob den Deckel und hielt ihm meinen Bubi mit dem Wunsch entgegen, ihn doch bitte von seinen Leiden zu erlösen - - - ich hätte da mal was gehört von Einschläfern …