Watch on immer-anders.tumblr.com

The Case of the Flying Plasticbag (2 min, Berlin, 2013) - go to http://vimeo.com/106173952 to read some remarks on original beauty, copyright, and stealing ideas by Friederike Anders

Drei Punkte, auf die sich die Piratenpartei jetzt konzentrieren sollte

Die Bundestagswahl war für die Piratenpartei ein Desaster. Galt der Einzug in den Bundestag in den Umfragen lange als sicher, erreichten sie gerade einmal 0,2 Prozent mehr als 2009 - als fast niemand diese Partei kannte.

Ich glaube dennoch, dass sich im Programm der Piraten Grundsätze finden, die in der etablierten Parteienlandschaft einzigartig sind, weshalb ich es schade fände, wenn diese politische Positionen kein Gehör mehr fänden, falls die Piraten gänzlich von der Bildfläche verschwinden.

Drei Punkte, die die Piratenpartei meiner Meinung nach nun betonen sollte:

1. Die Piratenpartei ist die einzige etablierte Partei in Deutschland, die das Prinzip Vollbeschäftigung in Frage stellt. Weltweit gibt es für die Arbeitslosigkeit in den vergangenen Jahrzehnten nur eine Tendenz: langfristig nach oben. Daran ändern weder Konjunkturschwankungen etwas noch der speziell deutsche Trend der letzten Jahre, sich durch eine reale Abwertung der eigenen Währung zum Exportwunderland zu machen, wodurch zwar das Beschäftigungsniveau hoch ist, letztlich aber nur wertlose Nominalwerte durch Exportüberschüsse angehäuft werden.

Die Piraten sind die einzige etablierte Partei, die den Trend zum langfristigen Niedergang der Erwerbsarbeit durch technische Fortschritt nicht nur erkannt hat, sondern begrüßt und Konzepte wie das bedingungslose Grundeinkommen dazu ausarbeitet, die eine zeitgemäße schrittweise Entkopplung von Erwerbsarbeit und Einkommen einleiten. Marina Weisband hat das kürzlich gut in einem Interview auf den Punkt gebracht:

Das BGE sehe ich als zwangsläufige Folge der wirtschaftlichen Entwicklung unserer Zeit. Das liegt daran, dass wir Maschinen bauen, die uns schwere, monotone Arbeit abnehmen. Es gibt immer weniger Arbeitsplätze, an denen Menschen schuften müssen. Das ist gut. Doch dabei das Ziel der Vollbeschäftigung zu haben, halte ich für rückständig. Das sorgt nur dafür, dass wir immer mehr Menschen in Leiharbeit, in prekäre Jobs, in Halbtagsjobs stecken – und in reine Beschäftigungsmaßnahmen. Gleichzeitig bezahlen wir Menschen nicht, die echte Arbeit leisten, wie zum Beispiel Kinder großziehen oder Verwandte pflegen, offene Software programmieren, Kunst schaffen, mit Jugendlichen arbeiten usw. Das BGE ist dafür da, hier einen Ausgleich zu finden, der zukunftsfähig ist. Um nicht jedes Jahr aufs Neue um Vollbeschäftigung zu ringen – ein Kampf, der immer schwerer wird, bis wir ihn letzten Endes verlieren werden.

Quelle: kurier.at

2. Die Piratenpartei ist die einzige Partei in Deutschland, die sich klar zu wissenschaftlichen Prinzipien, zur strikten Trennung von Staat und Religion und zur Abschaffung aller religiösen Subventionen bekennt.

Piraten sind Nerds - und Nerds wollen Beweise nach wissenschaftlichen Prinzipien, damit sie etwas glauben. Als einzige etablierte Partei in Deutschland lehnen die Piraten esoterische Gesundheitspraktiken wie Homöopathie klar ab. Als einzige Partei fordern sie pseudomedizinische Verfahren wie Homöopathie gleichzustellen mit echter Medizin - das bedeutet, dass auch Humbug wie Homöopathie die Wirksamkeit in doppelblinden klinischen Studien unter Beweis stellen muss, um als Medikament zugelassen zu werden. Das wäre das Ende des vereinfachte Zulassungsverfahrens, mit dessen Hilfe Scharlatane Pseudomedizin wie Homöopathie ein Apotheken-Siegel verpassen können.

Die Piraten vertreten außerdem eindeutig laizistische Positionen - also eine klare Trennung von Staat und Religion. Dazu gehört unter anderem eine Ablösung historischer Staatsleistungen und eine Gleichbehandlung von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, das schließt mit ein, dass der Staat nicht länger die Kirchensteuer für die christlichen Kirchen eintreibt. Als einzige etablierte Partei fordern die Piraten beispielsweise auch, dass Kirchen ihr religiösen Personal selbst ausbilden und dafür auch die Kosten tragen sollten.

3. Die Piratenpartei ist die einzige Partei, die fordert, dass sich Urheberrechtsgesetze an die durch das Internet geschaffene Realität anpassen sollten - und nicht umgekehrt. Millionenfach wird jeden Tag das Urheberrecht in Deutschland verletzt - durch das Rebloggen eines Tumblr-Eintrags mit einem Klick, durch das Teilen eines Fotos bei Facebook mit einem Klick, durch jeden Menschen, der heute das Internet aktiv nutzt.

Die Rechtsbrüche werden geduldet aber nicht legalisiert - wodurch immer und überall die Gefahr teurer Abmahnungen besteht, ein Zustand von dem nur auf Abmahnungen spezialisierte Anwälte profitieren. Das geht soweit, dass schon Abmahnungen für fremde Fotos auf der eigenen Pinnwand bei Facebook verschickt wurden.

Die Piraten sind die einzige etablierte Partei in Deutschland, die eine grundlegende Reform von Urheber- und Patentrecht fordern - und damit eine Angleichung des Rechts an die realen Verhältnisse im Land.

Es ist Eure Schuld wenn die Welt bleibt wie sie ist. Die Band Die Ärzte mahnt die Piratenpartei ab, weil ein facebook Nutzer eine Textzeile aus einem Ihrer Songs verwendet hat.

Der Antwort von Bruno Kramm

http://www.youtube.com/watch?v=fGrpm8wDnVI&feature=youtu.be

schliesse ich mich an. Ach ja ergänzend noch, lieber Bela B, Farin Urlaub und Rodrigo RodrigesGONZÁLEZ, wenn ihr meint das Urheberrecht so weit zu missbrauchen, dass ihr Worte verbieten wollt meine ich, fickt Euch ins Knie.
Ich gehe jetzt ein paar Ärzte Alben sharen, auch wenn die in meinem Bekanntenkreis eh keiner mehr will und danach Piraten wählen.

[UPDATE]
—- Breaking News —-
Rodrigo GONZÁLEZ wurde Rodrigo Rodriges genannt. Ein Sack Reis fällt um, Ärzte Fans schäumen. Ich danke für den Hinweis. —- Breaking News —-

[UPDATE 2]
—- Breaking News —-
Ärzte Fans schäumen über die Verwendung des Wortes _fickt_ . Die Ärzte überlegen denken über eine Überarbeitung ihrer Auftritte nach. —- Breaking News —-

[UPDATE 3]
Besonders nett die Ergänzung der schäumenden schlümpfchen: “ICH LEIH MIR MAL WORTE AUS EINER BRITISCHEN FERNSEHSERIE: DO YOUR RESEARCH!”
Liebes Schlümpfchen, soso Du leihst Dir also Worte einer britischen Serie aus, schön für Dich, nennt man auch Zitat. Und da Du es ja so arg mit dem RESEARCH hast, schau doch mal bei Wikipedia vorbei.
"Die Verwendung von Zitaten ist durch das Urheberrecht geregelt und unter bestimmten Voraussetzungen gestattet, ohne dass eine Erlaubnis des Urhebers eingeholt oder diesem eine Vergütung gezahlt werden muss […] Zitate sind mit Literaturangabe zu versehen"

Naumann und die Piraten

Ein Kommentar zum Kommentar

Michael Naumann hat einen bemerkenswerten Kommentar in der Online-Ausgabe des Cicero zum Copyright und der Piratenpartei verfasst - nicht, weil er völlig neue Perspektiven eröffnet, sondern weil er in seinem Artikel von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen stolpert. Nachdem er von Dutzenden Kommentatoren auf diverse elementare sachliche Fehler hingewiesen wurde, ist er in einem zweiten Beitrag auf die Kritik eingegangen. Dieses an sich löbliche Vorgehen hat seine Lage aber auch nicht weiter verbessert, im Gegenteil. Er hat sich noch tiefer im Dickicht des Urheberrechts verstrickt. Naumann scheint weder das Parteiprogramm der Piraten zu kennen, noch hält er sich mit solchen Nebensächlichkeiten wie logischer Konsistenz oder Faktentreue auf.
 
Bemerkenswert ist auch, dass Michael Naumann nach Siegfried Kauder der zweite Urheberrechtsfalke innerhalb einer Woche ist, der seine Unwissenheit in Bezug auf die durchaus kniffligen Fragen des Copyrights zur Schau stellt. Sascha Lobo hat bereits Kauders Rücktritt als Vorsitzender des Rechtsauschusses des Bundestages gefordert, nachdem er den Urheberrechtsbefürwortern mit seinen Kauderstrike-Eskapaden einen Bärendienst erwiesen hat. Es sieht ganz so aus, als ob Siegfried Kauder in Naumann nun einen Bärenbruder gefunden hätte. Die Verfechter des jetzigen Urheberrechts wird es kaum freuen, solche Champions zu haben.
 
Aber langsam: Der Kommentar ist hier nachzulesen und ist auf den ersten Blick ein Plädoyer für das Urheberrecht. Naumann konstruiert gleich im Teaser ein besonderes schönes Paradoxon, wenn er davon spricht, dass die von den Piraten angestrebte Lockerung - aber nicht Abschaffung - des Urheberrechtschutzes ein “Rückfall in eine rechtsfreie Epoche” wäre.

Mit der gleichen argumentativen Schärfe geht es weiter. Naumann führt als Beispiel des Kunstfälschers Wolfgang Beltracchi an, der Millionen mit dem Verkauf imitierter Kunst verdient hat. Das Beispiel ist treffend gewählt, leider veranschaulicht es genau die Position der Piratenpartei, die Naumann widerlegen will. Kopien ohne Lizenz gegen den Willen des Erschaffers gewerblich zu nutzen soll nach dem Parteiprogramm der Piraten illegal bleiben, genauso wie anderweitiges Verwenden, wenn der Künstler sein Werk unter die passende Creative Commons Lizenz gestellt hat. Setzt sich der Nachwuchskünstler allerdings in die Kunsthalle und malt das Bild ab und hängt es sich dann über den eigenen Kamin, ist das sozusagen eine Privatkopie. Damit scheinen sowohl Piraten als auch Naumann einverstanden zu sein.

Augenscheinlich weiß Naumann das aber nicht, denn er unterstellt den Piraten im nächsten Absatz, das Urheberrechtsgesetz komplett aufheben zu wollen. Das wäre schon peinlich genug, aber er untermauert den Schaden, den diese von ihm herbei phantasierte Forderung hätte, mit dem Beispiel einer Aufnahme klassischer Musik, die sich vor vierzig Jahren auf LP noch hundertmal so oft verkauft hätte wie heute auf CD: Schuld sei alleine das Kopieren. Mal davon abgesehen, dass das eine Milchmädchenrechnung ist, weil es legale Downloadzahlen verschweigt und ignoriert, dass der Markt für klassische Musik auch ohne Napster und BitTorrent ziemlich gesättigt wäre, zeigt der Autor hier unwillentlich, welcher Segen gemeinfreie Werke für die Gesellschaft sind. Künstler können sich frei an dem musikalischen Fundus der Gesellschaft bedienen und mit ihren Interpretationen Kultur schaffen, ohne sich Sorgen um Lizenzgebühren und rechtliche Verstrickungen machen zu müssen. Zum Abschluss des Absatzes setzt Naumman noch ein Fanal der Unlogik: “Gestohlen wird ihm [dem Künstler] nicht nur sein Einkommen, sondern seine Lebenszeit.” Da der Künstler seine Lebenszeit, die er zum Üben aufbraucht, monetarisiert, kann man natürlich nur entweder das eine oder andere anrechnen. Ansonsten würde - der gleichen “Logik” folgend - ein Arbeitnehmer, dem ein Stundenlohn von 20 Euro unterschlagen wird, 40 Euro fordern können: 20 Euro entgangener Lohn und nochmal 20 Euro für die Stunde Arbeit.

Naumann schwenkt von der Musik zur Literatur und erkennt auch in diesem Bereich einen Rückfall in barbarische Epochen. Hat er das bei der Musik noch mit illegal kopierten Stücken begründet, macht er jetzt keine Unterscheidung zwischem legalen und illegalem Download mehr. Alleine schon das Vorhandensein von geschützten eBooks auf einem Kindle oder iPad ist ein Affront gegen die Urheber. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: jemand der sich bei iTunes ein Buch kauft, soll also dazu beitragen, dass die Schriftsteller um ihren Lohn gebracht werden? Hier scheint es fast, dass das Urheberargument nur die Oberfläche ist, unter der ein tiefer Kulturpessimismus sitzt und dass es dem Autor nicht darum geht Kulturerzeugnisse zu schützen, sondern lediglich die alten Medien, die diese Kultur portiert haben.

Als nächstes wird der Softwarebereich abgearbeitet. Hier müssten die Piraten ganz besonders wissen, dass Programmierer genau auf ihr Urheberrecht pochen, so Naumann. Er vergisst jedoch oder weiß es nicht, dass die meisten Piraten dezidiert gegen den Lizenzwahn bei Software sind und ganz bewusst auf Open-Source setzen. Schon wieder ist es Naumann gelungen, ein Beispiel ins Feld zu führen, dass bei den Piraten offene Türen einrennt und seine eigenen Standpunkt untergräbt. Wer die Patentkriege rund um Android verfolgt, wird sich mehr und mehr fragen, wie sinnvoll unser Urheberrecht noch ist. Einen fachlichen Fehler macht er zudem, indem er behauptet, dass Algorithmen das Eigentum ihrer Entwickler sind. Die Implementierung ist das geistige Eigentum der Entwicklern, der Algorithmus ist in Europa aber aus gutem Grund genauso wenig schützbar wie Naturgesetze oder mathematische Formeln (wenn sie nicht direkt mit einer technischen Umsetzung verbunden sind). In seiner Reaktion auf die Kritiker geht er auf diesen Punkt noch einmal ein und stellt eine weitere falsche Behauptung auf: Algorithmen seien keine einfachen Multiplikationstafeln. Das stimmt nur insofern, dass Algorithmen auch komplexer sein können. Allerdings ist das strukturierte Verwenden einer solchen Tafel sehr wohl ein (trivialer) Algorithmus zum Lösen von Multiplikationsaufgaben.

Der Diskurs ob Naumanns Formulierung jetzt präzise war oder nicht, ist letztlich aber nur ein Nebenkriegsschauplatz. Ganz grundlegend macht Naumann das Argument, dass die Piraten, gerade weil sie um das Patentwesen in der IT-Branche wissen, FÜR das jetzige Urheberrecht sein müssten. Dabei sind die Piraten genau deswegen DAGEGEN, gerade weil Ihnen die Haare zu Berge stehen, wenn sie an den Patentwahnsinn rund um Oracle, Android, Apple, Samsung und co. denken.

Nachdem nacheinander die Musik, Literatur und Software bearbeitet wurde, wird es im letzten Absatz schließlich ganz wirr. Naumann beruft sich auf nichts geringeres als das Bundesverfassungsgericht, dass den Bürgern „Informationelle Selbstbestimmung” zugesichert hat. Er leitet aus dieser Rechtsprechung ab, dass künstlerische Erzeugnisse unter keinen Umständen verstaatlicht werden können. Das steht zum Ersten im Widerspruch zur Realität, da jedes geistige Eigentum zwar nicht an den Staat geht, aber zumindest irgendwann in die Gemeinsphäre übergeht. Zum zweiten hat das Urteil gar nichts mit imaginären Eigentumsrechten zu tun. Angesprochen auf diesen offensichtlichen Widerspruch, legt Naumann nach: “Im ‘informationellen Selbstbestimmungsrecht’ ist die Idee ‘beschlossen’ (also mitzudenken), dass es ein Recht auf Eigentum gibt”. Das ist juristisch schlicht falsch. Das Urheberrecht stützt sich zum großen Teil auf das Recht auf Eigentum, das im Artikel 14 des Grundgesetzes festgeschrieben. Das Recht über die eigenen personenbezogenen Daten zu verfügen, ist aus Artikel 2, dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht, abgeleitet. Auch Teile des Rechts auf geistiges Eigentum sind aus diesem abgeleitet, aber parallel dazu und nicht darauf aufbauend. Hinzu kommt, dass die Piraten die Teile des Urheberrechts, die auf den Persönlichkeitsrechten basieren - also im Wesentlichen, dass der Urheber entscheiden kann unter welchen Bedingungen das Werk erstveröffentlicht wird - ausdrücklich stützen. Creative Commons nehmen einen wichtigen Teil des Parteiprogramms ein.

Eine weitere Behauptung stellt Naumann aber noch in den Raum. Er behauptet, das Recht des Künstlers an seinem geistigen Eigentum hätte Vorrang vor allen Ansprüchen der Allgemeinheit. Das ist nicht der Fall, da das Grundgesetz dafür zwar Hürden setzt, aber explizit vorsieht, dass Eigentum verstaatlicht werden kann, wenn das Allgemeininteresse überwiegt.

Den Abschluss reibt Naumann den Piraten noch einmal Kunstfälscher Beltracchi und zu Guttenberg unter die Nase. Der Sinn bleibt wohl nur ihm ersichtlich, da die meisten Piraten sowohl im Fall von zu Googleberg als auch beim Abpinseln der Bilder mit der Ahndung einverstanden sind, stehen sie doch eindeutig im Einklang mit den Prinzipien, die in Ihrem Parteiprogramm verankert sind. Piraten sind doch klar dagegen, die Werke anderer als die eigenen auszugeben. Wie kann jemandem das entgehen, der sich auch nur oberflächlich mit den Positionen der Piraten auseinander gesetzt hat? Damit ist der Schluss leider symptomatisch für den ganzen Kommentar.

Es stellt sich die Frage, wie ein derart schlecht recherchierter Kommentar auf die Titelseite eines Qualitätsmediums rutschen konnte. Noch zudem von einem ehemaligen Kulturstaatsminister und  jemanden mit solcher publizistischer Erfahrung. Vielleicht sind die vielen Fehler kein Zufall oder Produkt von zu viel Wut im Bauch, sondern durchaus Absicht. Wenn man den Kommentar nicht als sachliche Auseinandersetzung, sondern als emotionale Melange nach Franz-Josef-Wagnerschem Vorbild sieht, die beim Leser vor allem das wohlige Gefühl auslösen soll, dass das eigene Weltbild bestätigt wird - ohne Rücksicht auf Fakten. Man tausche eben den gemeinen Bildleser mit einem distinguiertem Ciceroleser. Auch der möchte von Zeit zu Zeit in seinen Vorurteilen bestätigt werden.

2008 im Wahlkampf um die Bürgerschaft in Hamburg wurde der damalige Spitzenkandidat der SPD, Michael Naumann, von der Bild fast kategorisch ignoriert. Dies änderte sich erst als Naumann eine Laudatio auf Kai Diekmann bei der Vorstellung dessen Buchs “Der große Selbstbetrug” hielt. Die Rede fiel zwar überaus kritisch (andere würden sagen: angemessen) aus, aber wie solche Kritik als Teil einer Werbeveranstaltung wirkt, hat Judith Holofernes treffend beschrieben. Es ist anzunehmen, dass dieser Schritt Naumanns vor allem seinen Parteigenossen- und genossinnen geschuldet ist. Als Spitzenkandidat trägt man nicht nur für sich Verantwortung, sondern für den ganzen Landesverband. Hier ist der Fall vielleicht ähnlich gelagert und Naumann stellt sich vor seine Mitarbeiter. Die Piraten sind mit ihrer Ablehnung des DividendenLeistungsschutzrechts und angestrebten Neuordnung des Urheberrechts nicht gerade der natürliche Freund von Medienhäusern, die noch gegen die unvermeidliche Marktbereinigung kämpfen.

Vielleicht müssen sich die Piraten damit anfreunden, dass dieser Kommentar den Ton für die zukünftige Auseinandersetzung der Medien mit ihren Positionen gesetzt hat. Die Piraten sind seit ihrem Wahlerfolg in Berlin von den Medien bis jetzt sehr wohlwollend angefasst worden, mit einigen Ausreißern nach oben oder unten (die fast instantanen Seximusvorwürfe der TAZ). Die einzige Pubilkation, die wirklich ausschert - und wen wundert das an diesem Punkt noch - ist der Cicero, der -Vorsicht, Seegefechts-Metapher! - aus vollen Rohren auf die Piraten feuert. Da wurden die Piraten wahlweise schon als gefährlich, Totengräber der Demokratie (bzw. genau genommen deren Wähler), oder eben jetzt von Naumann als Kulturbarbaren beschimpft.

edit: Absatz 9 und 10 nachträglich ergänzt


Bilderklau digital

Wurde früher ein Bild gestohlen, war es weg. Wird heute ein Bild gestohlen, ist es trotzdem noch da. Und keiner merkt’s. Ein digitaler Krimi.

tl;dr-> (wer keine Zeit hat, der scrollt zum «Fazit»).

Angenommen, man würde auch heute noch merken, wenn ein Bild gestohlen wurde. Angenommen Du wärst die Person, die bestohlen wurde. Du würdest deinen Instagram- oder Flickr-Account öffnen und in deinem persönlichen Stream würde ein Foto fehlen. Es klafft eine Lücke, leicht verblasst sieht man noch die Fläche, wo das Bild einmal war, eingebrannt vom UV-Licht der Sonne. So ungefähr würde man heute einen Bildraub feststellen, wenn alles noch so wäre wie früher.

Bilder zu kopieren und weiterzuverwenden war damals eine grosse Kunst und der Fälscher musste technisch mindestens so gut wie der Urheber des Originals sein. Spätestens mit dem Einzug des Computers war das Kopieren eines Bildes bald kaum mehr einen Mausklick entfernt.

Aufgrund einer Häufung von Bildklau-Fällen in meinem digitalen Umfeld wollte ich dieses Thema etwas durchleuchten und habe ein paar Fälle gesammelt. Ready? Los geht’s mit einem leicht durchgeknallten Hotelier aus Gstaad:

Der Fall mit dem Arnensee 



Mein Lieblingshotelier und Zigarrenraucher Thomas Frei unternimmt mit seinen Hotelgästen Wanderungen. Damit ihm dabei nicht allzu langweilig wird, fotografiert er hie und da einen kitschigen Bergsee für seine Hotel-Fanpage und den dazugehörigen Flickr-Account (was er übrigens hervorragend gut macht). Vor ein paar Wochen staunte er nicht schlecht, als plötzlich ein Foto aus seiner Sammlung die Bund-Titelseite der SonntagsZeitung zierte. Ich fragte Thomas, wie er denn darauf aufmerksam geworden ist:

«Indem ich mein Bild in der Zeitung sah. Zuerst schrie ich in meinem Innern: umgotteswillen, was ist das denn für eine grottenschlechtes Foto. Und erst noch in dieser Grösse. Da schaute ich bei der Bildlegende, was dies für ein hundsmiserabler Fotograf ist. Nicht, dass ich den für mein Hotel engagiere. Ich las, Thomas Frei. Hä komisch, der heisst ja gleich wie ich. Dann dachte ich, der heisst gleich und fotografiert den Arnensee genau von der selben Perspektive, von welcher ich immer den Arnensee fotografiere. Aber Hallo, der heisst gleich, gleiche Stelle… das wird doch nicht… Tammisiech. Was für ein wunderbares Foto!»

Ich lachte. Als ich nach ein paar Stunden damit aufgehört hatte und ihn dann fragte, was er anschliessend unternommen hat, sprudelte es wie frisches Quellwasser aus ihm heraus:

«Zuerst schüttelte ich meine Frau – es war gegen 05:05 Uhr am Sonntag Morgen – eben, ich schüttelte sie so, bis mir in den Sinn kam, das sie ja gar nicht weiss, wieso ich sie schüttle. Ich hörte dann auf. Sie schrie mich an, wieso ich sie in aller Herrgottsfrühe schüttle. Da ich keine Antwort fand, stellte ich mich schlafend, worauf sie mich schüttelte. [..] Als ich wieder bei Sinnen war, telefonierte ich dem Marcus G., ein Freund von mir und Profi. Fotograf. Er sagte mir, ich solle 400 Stutz verlangen. Dann legte ich das mal auf Twitter, worauf sich einen Haufen Menschen meldeten und mir gute Tipps gaben, mich retweeteten und und und rund. Dann meldete sich die besagte SonntagsZeitung, dass sie sich mit ihrer Bildredaktion in Kontakt setzen würden und im Anschluss auf mich zukämen. Sie kamen auf mich zu, entschuldigten sich, sagten, dass es eine Grauzone wäre, sie erstaunt gewesen sei, dass das Bild in grosser Auflösung auf Flickr sei, sie aber 190.— bezahlen würden. Kurz alles freundlich und gefühlvoll vonstatten gegangen.»

Obwohl ich natürlich ob Thomas Antwort erneut schmunzeln musste, warf sich mir zugleich die Frage auf: Was, wenn Thomas das gar nie bemerkt hätte? Was, wenn die 190’000 gedruckten Exemplare mit Thomas tollem Foto vom Arnensee einfach so verkauft worden wären, ohne die 190.– Franken beglichen zu haben. Und: ist es fair, ein übliches Bildhonorar im Nachhinein zu bezahlen, wenn der Urheber es bemerkt hat? Ich hakte bei Thomas nochmals nach, ob denn dieser Bilderklau bei ihm nicht ein ungutes Gefühl hinterlassen habe:

«Es ist heute einfach so, dass man in diesem Netz alles und jeden findet. Damit muss man leben. Ob man will oder nicht, ob das rechtens ist oder nicht. Und ob das fair ist oder nicht. Es ist so.»

Der Fall, der nicht in 20 Minuten geschrieben war


Der nächste Fall. Jeremy Kunz hat sein Leben auf den Kopf gestellt, hat seinen Traum verwirklicht und ist Reiseblogger geworden. Er bloggt dabei so gut, dass 20 Minuten bei ihm nicht nur unbemerkt ein Bild klaute, sondern auch gleich den ganzen Textbeitrag. Via Twitter schrieb Jeremy die auflagestärkste Zeitung der Schweiz an und bekam erstmal keine Antwort. Doch sein Tweet wurde so oft retweetet, dass sich 20 Minuten per Mail bei Jeremy meldete – mit einer Ausrede. Man habe das Blogsystem testen wollen und dummerweise den Beitrag danach nicht mehr gelöscht. Sehr witzig. Jeremy meinte dazu:

«Vorher fand ich es frech, jetzt fand ich das Vorgehen von Tamedia einfach nur noch peinlich. Die Antwort fand ich so frech, das ich mich nicht mehr weiter mit Tamedia, sondern mit einem Anwalt bei Kellerhals Anwälte beschäftigt habe und Tamedia gezwungen wurde, neben einer finanziellen Entschädigung zu zahlen auch meinen Blog in der Zeitung zu promoten.»

Früher nutzte Jeremy ein dezentes Wasserzeichen in seinen Bildern, heute mag er keine weiteren Vorkehrungen gegen allfälligen Bilderklau betreiben.

«Mir war es bis jetzt zu doof, mich mit solchen negativen Dingen auseinanderzusetzen und konzentriere mich lieber auf diejenigen, die meine Artikel und Bilder offiziell lizenzieren. Wenn ich eine Urheberrechtsverletzung feststelle, gehe ich dafür um so strikter dagegen vor.»

Mittlerweile musste er bereits fünf mal wegen Urheberrechtsverletzung reagieren und meint unterdessen auch, dass hinter diesen Fällen schlichtweg Kalkül steckt: man hofft einfach mal, dass man nicht entdeckt wird. Mindestens das doppelte Bildhonorar verlangt Jeremy, wenn ein Bild «nachträglich» lizenziert wird. Ist man damit nicht einverstanden, darf man zusätzlich noch die Kosten seines Anwalts plus Kosten für seine Aufwände tragen.

Der Fall mit dem Wein 

Patrick Vuithier verkauft Wein. Auch im Internet. Und da sein Online-Shop nebst Beschrieben zu den Weinen auch Fotos enthält, fotografiert er diese auch gleich mit viel Aufwand selbst. Seine Bilder versieht er mittels einer Software mit einem digitalen Wasserzeichen. Präventiv:

«Das Plugin für die Bildbearbeitungssoftware hinterlegt im Bild ein für Laien nahezu unsichtbares Wasserzeichen, welches nur bei genauem Hinsehen als Muster erkennbar ist. Die meisten Entdeckungen machen wir zufällig beim surfen oder beim Preisvergleich, denn wir erkennen unsere Bilder aufgrund der Studiobeleuchtung sofort. Oder eben die Software meldet, wenn jemand ein Bild von uns im Internet verwendet. Am wenigsten Hemmungen haben Privatpersonen, die bedienen sich für ihre Auktionen gleich an Text und Bild.»

Wie reagieren solche Firmen, wenn sie von Patrick angeschrieben werden?

«Wenn wir solche ‘Piraten’ darauf ansprechen, ziehen die Meisten das Ganze ins Lächerliche und sehen den Bilderdiebstahl als Bagatelle; ein Mitbewerber meinte einmal lakonisch, ob wir denn nichts besseres zu tun hätten, als die Websites der Mitbewerber zu besuchen. Bilder- und Textdiebstahl sehen wir nicht als Kavaliersdelikt, im Gegenteil, wir nehmen uns viel Zeit und investieren Geld, haben ein professionelles Studio eingerichtet und bearbeiten die Fotos. 

Nach dem Auffinden des Bildmaterials hat ein Webseitenbetreiber 24 Stunden Zeit, das Bild zu entfernen, was meist gut klappt. Wenn der Verursacher nicht einlenkt, beauftragen wir unsere Anwälte. In Deutschland ist das Bewusstsein für Urheberrechte klarer, denn es wird sofort abgemahnt von Anwaltskanzleien und es geht meist gleich um viel Geld. Persönlich bin ich kein Freund von Abmahnungen, weil diese oft wellenartig und meist sehr fragwürdig auftauchen.»

Es scheint so, als wäre Patrick Vuithier also recht gut ausgerüstet und ein alter Hase, was die Prävention und die Abhandlung von Bilderklau anbelangt. Noch ein Beispiel gefällig?

Der Fall mit der Schweizer Garde 

Gabriel Giger absolvierte mit mir die Grafiker-Klasse an der Kunstgewerbeschule in Bern. Bereits damals zeichnete er Comic-Strips. Heute zeichnet er erfolgreich Cartoons für den Walliser Boten und sorgt auch auf seiner Facebook-Seite immer wieder für ein Schmunzeln. Zur diesjährigen WM zeichnete er ein passendes Sujet, bei dem sich die Schweizer Garde vor dem Fernseher amüsiert und im Hintergrund der grollende Argentinische Papst Franziskus. Ein Volltreffer, von welchem selbst der offizielle Twitter-Account des Vatikans (99’000 Follower) nicht seine Hände lassen konnte (Tweet).

Natürlich ohne Credits anzugeben oder bei Gabriel um Erlaubnis zu bitten. Kurze Zeit später fand sich der Cartoon auch auf 9Gag wieder – wieder ohne Credits für Gabriel. Offenbar hatte auch der bekannte Deutsche Cartoonist Ralph Ruthe gleiche Probleme mit 9Gag.

«Einerseits ist man froh, dass soviele Leute meine Arbeit gesehen haben und „liken“, anderseits denkt man sich… WTF. Besonders bei 9gag, die ja mit geklauten Bildern Geld verdienen und nicht mal meinen Namen oder Link erwähnen.»

Auch bei Gabriel hinterlässt der Bildklau-Fall kein gutes Gefühl.


Der letzte Fall mit den Reisebildern

Anita Brechbühl ist Travelbloggerin und macht grossartige Fotos, mit denen sie ihre Reiseberichte illustriert. Und natürlich werden auch ihre Bilder irgendwo weiterverwendet (z.B. auch auf 9Gag.com), ohne dass sie es jemals erfahren hat. Wenige Fälle hat sie überhaupt bemerkt:

«In früheren Fällen war es purer Zufall. Plötzlich bin ich meinem Bild auf Google+ begegnet und habe bemerkt, dass es nicht geteilt sondern ohne Credits erneut gepostet wurde. Das Gleiche auf Pinterest und Twitter. Teilweise wurden Bilder aus Tweets ohne Links auf Pinterest Boards geteilt oder Instagram Bilder mit anderen Accounts automatisch und ohne korrekte Namensnennung getweetet. Die aktuellen Fälle habe ich einerseits dank Plaghunter (kostenloses Profil für bis zu 5 Bilder) und Google-Bildersuche entdeckt.»

Anita verdient nebenbei ihr Geld mit Reisen und darüber bloggen. Ich fragte sie, wie hoch denn eine Entschädigung in solchen Bildklau-Fällen sein sollte:

«Schwierig… Es kommt extrem darauf an, mit wem ich es zu tun habe. Einem ausländischen Unternehmen eine Rechnung schicken ist wohl ein hoffnungsloses Unterfangen - und wie will man die wilde Verbreitung (wenn das Bild ohne Credit auf Facebook x-mal geteilt wurde) beziffern? Eine Busse würde sicher präventiv wirken, aber die effektive Umsetzung (und der zeitliche Aufwand, um das Geld einzutreiben) beurteile ich als schwierig.»

Beziehungsstatus zum Thema Bildklau: es ist kompliziert
Ich könnte euch an dieser Stelle noch viel mehr Fälle und viele (auch hilflose) Aussagen zum Thema Bildklau erzählen. Unzählige Mails gingen nach meinem Aufruf via Twitter / Facebook / G+ ein (danke an Claudio, Jürg, Manuel, Heiko, Yves und allen Anderen, die mir Bilderklau-Fälle geschickt haben!). Ich selbst habe auch schon ähnliche Erfahrungen gemacht (die Website meiner damaligen Agentur frühjahr wurde mehrmals kopiert - inklusive selbst geschossenem Bildmaterial). Das ist allerdings länger her. Heute rege ich mich umsomehr auf, wenn Bilder für kommerzielle Zwecke geklaut werden.

Warum drucken Zeitungen nicht sauber lizenziertes Bildmaterial ab? Wieviel kann ich in Rechnung stellen, wenn mein Bild geklaut wurde? Was kann ich vorbeugend dagegen tun? Da ich ratlos war, liess ich mir helfen. Von einem Rechts-Profi:


Tipps vom Anwalt 

Martin Steiger ist Rechtsanwalt und berät in rechtlichen Angelegenheiten im digitalen Raum mit Schwerpunkten im IT-, Immaterialgüter- und Medienrecht. Zuerst fragte ich ihn, wie er das Thema Bilderklau im Schweizer Pressewald aus seiner Erfahrung einschätze:

«Urheberrechtsverletzungen sind in der Schweiz in Medien – gerade auch online – alltäglich. Quellenangaben wie ‘Internet’ oder ‘YouTube’ sind regelmässig anzutreffen. Ich vermute, zwei Gründe stehen im Vordergrund: Einerseits Bequemlichkeit, andererseits die Erfahrung, dass sich Betroffene kaum je zur Wehr setzen – was übrigens auch bei anderen Rechtsverletzungen durch Medien gilt.»

Natürlich stieg ich danach sofort auf die Frage ein, welche mich am meisten interessierte: kann ich mich in der Schweiz mit einer Angabe von z.B. Creative Commons genügend rechtlich schützen?

«In jedem Fall gelten Creative Commons-Lizenzen auch in der Schweiz und man kann beispielsweise bei der Verwendung des NC-Bausteins gegen eine kommerzielle Verwendung rechtlich vorgehen. Bei Flickr ist zu beachten, dass die verfügbaren Creative Commons-2.0-Lizenzversionen leider veraltet sind. Man sollte nach Möglichkeit die aktuellen Creative Commons-4.0-Lizenzversionen verwenden. NC ist bei Creative Commons-Lizenzen häufig keine gute Idee und SA ist üblicherweise wirkungsvoller (siehe dazu Blogpost Creative Commons: Was gilt als nicht kommerziell?).»

Haueja, dachte ich. Muss ich mich wirklich mit diesen Creative Commons Dings rumschlagen? Reicht denn nicht ein einfaches © Copyright und gut ist?

«Bei der Veröffentlichung von Bildern sollte man einen Copyright-Hinweis anbringen, auch wenn das Copyright eigentlich ein anglo-amerikanisches Konzept ist. Aber man signalisiert damit deutlich, dass ein Bild urheberrechtlich geschützt ist. Verwendungen, die man ausdrücklich erlauben möchte, sollte man deutlich darstellen, beispielsweise mit den gängigen Symbolen für Creative Commons-Lizenzen. Und sofern man seine Bilder kommerziell verwerten möchte, sollte man auch dafür direkt eine Möglichkeit anbieten. Bei der Lizenzierung von eigenen Bildern ist wichtig darauf zu bestehen, dass man als Urheber genannt wird.»

Das klingt also bereits einfacher. Abschliessend wollte ich von Martin dann natürlich noch wissen, was er als Rechtsanwalt empfiehlt zu tun, wenn man einen Bilderklau bemerkt hat und wieviel man denn verlangen kann:

«Nicht autorisierte Nutzungen sollte man abmahnen und dabei in einem ersten Schritt Auskunft verlangen, in welchem Rahmen (Wofür? Wie lange?) die Nutzung erfolgt ist. Aufgrund dieser Auskunft, auf die ein Rechtsanspruch besteht, kann man dann Rechnung stellen. Dabei kann man sich an den Empfehlungen von Branchenverbänden orientieren – gängig sind die SAB-Preisempfehlungen für Bildhonorare – oder auf eigene, bestehende Preislisten verweisen. Wichtig ist, dass diese Preislisten nicht nur pro forma bestehen, sondern auch tatsächlich entsprechende Lizenzierungsmöglichkeiten bestanden.

Ein so genannter Verletzerzuschlag, wie man ihn beispielsweise in Deutschland kennt, wäre angemessen, wurde vom Bundesgericht bislang aber nicht anerkannt. Man kann aber beispielsweise eigene Kosten für den notwendigen Beizug eines Rechtsanwalts als Schadenersatz in Rechnung stellen. Daneben besteht bei Urheberrechtsverletzungen immer auch auch die Möglichkeit, Strafanzeige beziehungsweise Strafantrag zu stellen.»

Wow. So wie es also aussieht, ist man gar nicht so chancenlos, wenn einem Ruhm und Ehre mal nicht ganz reicht. Natürlich muss man abwägen, ob man denn diesen Schritt in einem Einzelfall gehen oder ob man sich den Ärger ersparen will. Denn manchmal kommt man auch ganz gut weg, wenn man mit z.B. einer Zeitung verhandeln kann.

Beispiel Blick am Abend
Aus meiner Sicht versucht das Ringier-Blatt Blick am Abend zumindest, wo möglich saubere Credits zu geben oder Bilder zu lizenzieren. Bei mehreren Tausend verwendeten Bilder pro Tag nicht immer ein Leichtes. Doch gemäss meinem kurzen Telefon-Interview mit dem Stv. Chefredaktor Thomas Benkö tut die Bildredaktion ihr Mögliches, um eine korrekte Verwendung der Bilder zu gewährleisten. Es gäbe erfreulicherweise sehr wenig Fälle, bei denen ein Bild nicht vollumfäglich lizenziert oder die Credits abgeklärt werden konnten. Wenn aber mal ein solcher Fehler passiert, gilt bei BaA die Faustregel, dass man nicht nach Ausreden sucht, sondern nachträglich ein übliches Bildhonorar in doppelter Höhe auszahlt.

Fazit (tl;dr)
Bilder werden jeden Tag in Unmengen geklaut, kopiert und neu veröffentlicht. Die meisten Fälle bleiben wohl unentdeckt. Denn selbst Wasserzeichen lassen sich einfach entfernen. Eine Art unknackbaren digitalen Schutz für Bilder gibt es (noch) nicht. Man kann aber präventiv viel tun, um einen Bilderklau schwierig und mühsamer zu gestalten (siehe nachfolgende Liste ‘vermeiden’). Hat man also vorgesorgt, bleibt der zweite Schritt: wie man gestohlene Bilder wiederfindet (siehe ‘bemerken’). Entdeckt man dann am Tag X, dass ein Foto unlizenziert verwendet wurde, hat man durchaus gute Möglichkeiten, dass man dafür entschädigt wird (‘reagieren’).

Das Bildautoren ABC 

a) vermeiden

  1. Lade deine Bilder so klein (Breite x Höhe) wie möglich hoch. So bist Du schon mal für einen grossen Teil der Bilderdiebe unattraktiv.
  2. Versehe deine Bilder mit einem Wasserzeichen / Signatur (Bsp. ‘© David Blum’).
  3. Versehe deine Bilder mit möglichst wenigen durchsuchbaren Attributen wie Bildname, Tags, Geokoordinaten etc.
  4. Hinterlege deinen Bildern auch ein unsichtbares Wasserzeichen wie z.B. mit digimarc.com (kostenpflichtig).
  5. Willst Du eine Nutzung zulassen, generiere die passende Creative Commons Lizenz zu deinen Bildern.

b) bemerken

  1. Suche mittels einer Rückwärtsbildsuche wie z.B. Google oder Tineye manuell nach Bildern, die du ins Netz gestellt hast.
  2. Nutze für eine automatische Suche Tools wie z.B. plaghunter.com (5 Bilder kostenlos).
  3. Tracke deine mit Digimarc versehenen Bilder via digimarc.com.

c) reagieren

  1. Auskunft verlangen, in welchem Rahmen (Wofür? Wie lange?) die Nutzung erfolgt ist (falls nicht offensichtlich).
  2. Aufgrund dieser Auskunft, auf die ein Rechtsanspruch besteht, kann man dann Rechnung stellen (so genannter Verletzerzuschlag, also Mehrkosten für Lizenzieren im Nachhinenin, gibt es leider noch nicht in der Schweiz). Preis kann sich z.B. an Empfehlungen von Branchenverbänden orientieren – gängig sind die SAB-Preisempfehlungen für Bildhonorare.
  3. Man kann aber beispielsweise eigene Kosten für den notwendigen Beizug eines Rechtsanwalts als Schadenersatz in Rechnung stellen.
  4. Daneben besteht bei Urheberrechtsverletzungen immer auch die Möglichkeit, Strafanzeige beziehungsweise Strafantrag zu stellen.

Wieviel Aufwand man betreiben will, sei jedem selbst überlassen. Die rechtliche Lage ist nun jedoch klar: solange Du es nicht explizit erlaubst, darf keines deiner Bilder ohne deine Einwilligung oder gezahltem Bildhonorar verwendet werden. Und wem das alles egal ist und auch kein Geld dafür sehen möchte: stellt seine Bilder entsprechend gekennzeichnet ins Netz - Publizisten wird es freuen. 

Bilder, Musik, Videoclips und Podcasts machen Webseiten erst so richtig interessant. Doch wer Fotos oder Songs in seine Homepage integriert, sollte dabei auf Urheberrechte achten. Sonst riskieren Web-Autoren unter Umständen teure Abmahnungen. Vorsicht ist auch angebracht bei zweifelhaften Quellen für Musik-Downloads und Tauschbörsen. „Wer ein paar Grundregeln beachtet, geht im Internet kein rechtliches Risiko ein“, sagt Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Hightech-Verbandes BITKOM. Hier die wichtigsten Tipps des BITKOM.

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Medienfreiheit vs. Allgemeines Persönlichkeitsrecht

Entsprechend verhält es sich auch mit dem individuellen „Recht am Werk“. Ich bin davon überzeugt, dass es beim legitimen Kampf um die Urheberrechtsinteressen von Autoren heute nicht mehr um die Rettung des Urheberrechts gehen kann, sondern nur noch um die Sicherstellung geordneter Übergangsfristen in einer Gesellschaft, die auf Copyright letztlich verzichten wird.
Die Daten der anderen – von Content-Wirtschaft und User-Rechten

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Ein Podium zum Thema Vorratsdatenspeicherung, wie wir es seit Jahren kennen: der netzpolitische Lobbyist Markus Beckedahl, jemand aus dem Bundestag, in diesem Fall die neu gewählte Bundestagsabgeordnete Christina Kampmann (SPD), Florian Drücke vom Bundesverband Musikindustrie und Heiko Wiese von der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft. Ole Reißmann, Netz-Redakteur bei Spiegel Online, der die Trennlinie zwischen Überwachungsgegner und -befürworter bildete, moderierte dieses Panel, welches nur den politischen Stillstand in der Debatte dokumentierte.

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Staatliche Förderung parasitärer Zustände

Neben dem Skandal um den Schultrojaner bietet der Gesamtvertrag zur Einräumung und Vergütung von Ansprüchen nach § 53 UrhG ein gutes Beispiel dafür, dass das deutsche Urheberrecht unerträglich kranke Zustände angenommen hat.

Die parasitären Einrichtungen VG Wort, VG Musik und ZFS werden mit Unsummen versorgt, für ein dichtes Dach und funktionierende Sozialräume fehlt es aber an Geld.

Folgenden Rechte für Kopien an Schüler werden gewährt.
- kleiner Teil eines Werkes maximal 12 % eines Werkes, jedoch nicht mehr als 20 Seiten
- eine Musikedition mit maximal 6 Seiten
- ein sonstiges Druckwerk mit maximal 25 Seiten
- alle vollständigen Bilder, Fotos und sonstigen Abbildungen
- Pro Schuljahr und Schulklasse darf ein Werk maximal einmal vervielfältigt werden wie oben beschrieben
- Eine digitale Speicherung über den Kopiervorgang hinaus und ein digitales Verteilen sind durch diesen Gesamtvertrag nicht erfasst

In einer Gesellschaft und einer Nation, die arm an Bodenschätzen ist, sollte man meinen, daß Bildung ein so hohes Gut ist, daß die oben genannten Rechte kostenfrei sind.

Nicht in Deutschland, der Steuerzahler muß 2011 7.300.000 € dafür bezahlen. Am Laufzeitende des Vertrages 2014, nach 4 Jahren, sind es jährlich 9.000.000 €.
Das ist eine Steigerung um 23% für ein und dieselbe Leistung, gemeinhin nennt man so etwas sittenwidrig und Wucher.
Aber auch das ist den Kultusministern offensichtlich egal.

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Hast Du schon die Geschichte von dem lustigen Affenselfie gelesen? Die Debatte um das Urheberrecht um das affige Selbstporträt wird jetzt zu einem echten Problem wie Jens Best in diesem Clip beweist: Es gibt Streit zwischen Affen und Menschen - Selfie of the Apes!

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Till Kreutzer - Geistiges Eigentum vs. Kreativität 2.0 - re:publica 2011

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Alec Empire of Atari Teenage Riot in German issue of Rolling Stone Magazine on Copyright:

"Mir ist eins klargeworden in den nun schon zwei Jahrzehnten, in denen ich Hunderte von Songs veröffentlicht habe… Die Politik soll sich bitte heraushalten. Die Regulierung des Internets, Zensurmassnahmen, neue Gesetze, die Stasimethoden zulassen …all das verkrüppelt das Internet. Wir brauchen keinen Überwachungsstaat." 

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