torbogen

Von richtigen und falschen Tönen

Er sticht den Stachel zwischen zwei Pflastersteine, die jetzt wieder glänzen, als hätten sie noch nie Schuhe von unten gesehen und sich mit ausgerauchten Kippen geschmückt. Während des kurzen, aber kräftigen Regenschauers hatte er sich unter einem Torbogen gestellt. Nun bei schönsten Sonnenschein spürt er das glatte Holz an seiner Handfläche und ein Lächeln springt auf seine Lippen, als er zum gefühlten hundertsten Mal den „Elefanten“ zu spielen beginnt.


Er setzt den leeren Hut auf den Kopf, greift an die Zarge und humpelt die Straße hinunter. Den Bogen hat er zwischen die Saiten geklemmt.

Der „Elefant“ hat seinen schwerfälligen Tanz beendet und wartet auf Beifall. Doch der bleibt aus, allein das Klappern von Absätzen unterbricht die Stille der Stadt und als er aufblickt kann er nur ein Kind vor ihm stehend entdecken. Aber das hat leider kein Geld. Er blickt an sich hinunter und sieht, wie sich allmählich der Leim der Decke löst und ein gieriger Schlund sich öffnet, der alle warmen Töne verschlucken will.

Der „Elefant“ ist verschwunden und er sitzt plötzlich wieder am zweiten Pult. Nach dem langsamen zweiten Satz schmerzt ihm der Rücken und lässt ihn erkennen, wie sehr er außer Übung ist. Da tut der lebhafte dritte Satz richtig gut und seine Finger fliegen mit ungeahnter Kraft über das Griffbrett. Die Steigerung des Forte kommt dem Aufgang der Sonne in seinem Inneren gleich und er schwebt gemeinsam mit dem Feuerball immer mehr gen Himmel.

„He!“ mitten im Lauf muss er stoppen. „Was wird das? Das ist ja gar keine richtige Melodie!“ Lächelnd schaut er auf und blickt in ein Duzend verwunderter und empörter Gesichter. „Sieh mal, so ein großes Publikum hatten wir ja schon lange nicht mehr.“

an niemand

diese Zeit im Jetzt.

Ich hatte Angst zu verlieren, als ich rausfand wie man zur Grenze des Anderen kommt. Die Spiele begriffen sich erst nach Jahren. Du und Ich, als Etwas. Die Sonne geht unter. Zum Anderen schielend, wo die Augen rausstecken wie kleine erfrorene Brustwarzen. Ich irre. Ohne Antwort. Ohne Frage. Festhalten wollt ich eines Tages die Liebe. Doch mein Gefuehl schweigt. Es schweigt schon seit Monaten. Der Kreis. Ein Produkt. Geh nur. Entschwinde. Ich zerbreche an den inneren Scherben. Ein Tanz aus Eigensinn und Hochmut. Was ich wollte war anders gemeint. Geh nur. Der andere Niemand. Auf dem Torbogen der Stadt schaust du herab. Ganz vielschichtig glaenzt die Reflektion in deinem weissen Augen. Leer. Und ganz still schweigen die Tauben.