hintcoinsandpicarats asked you: Hello miss Sharoa! How are you doing today?

Mr. Stachen!  I’m doing well!  And yourself?

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Although, I must admit—I was actually looking forward to seeing you!

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Vor knapp zwei Jahren entschied ich mich, mir einen Buch-Traum zu erfüllen.

Während meines Studiums bin ich auf eine Dichterin gestoßen, deren Dichtungen eigentlich nur durch Zufall zu finden waren: Emmy Ball-Hennings.

Ich traf auf sie während meiner Vorbereitungen zur Zwischenprüfung in Literaturwissenschaft. Ihre Gedichte stachen heraus, zwischen Unsinns-Poesie (und das ist nicht abwertend gemeint) und automatischen Gedichten der Züricher und Berliner Dadaisten. Sie war das einzige weibliche Mitglied des Cabaret Voltaire, jenes Geburtsortes des Dadaismus, und eine begabte noch dazu. Sie dichtete klar, direkt, mitten aus dem Leben. Eine Handvoll ihrer Gedichte fand ich in einem Reclambändchen zum Züricher Dadaismus, mehr nicht. Parallel zu den Prüfungsvorbereitungen begann ich nachzuforschen, wer diese Frau denn gewesen ist und ob es nicht noch mehr Texte von ihr gibt. Doch ich fand nur vereinzelte Aufsätze über sie und biografische Schriften von ihr in Einzelbänden (erschienen bei Suhrkamp und mittlerweile nur noch antiquarisch erhältlich) – ihre Gedichte jedoch waren nicht mehr erhältlich.

Im Laufe der Zeit verlor (s)ich die Spur wieder, bis ein paar Jahre später auf Initiative ein paar meiner Freunde der umtriebige hochroth Verlag auch in Leipzig sein Lager aufschlug. Der hochroth Verlag ist eine Art Verein für Literaturvermittlung. Dort wird schöne Literatur schön verpackt, werden Lesungen organisiert, junge Lyrik und Kurzprosa gefördert – eben Literatur vermittelt. Die Mitglieder arbeiten unentgeltlich und mit viel Herzblut, um junge und/oder vergessene Literatur unter die Leute zu bringen.

Als ich von dem Programm des Verlags hörte, fiel mir Emmy Ball-Hennings wieder ein. Ich sprach kurzerhand mit der Leipziger Vertretung von hochroth, recherchierte und kontaktierte die Rechteinhaber des Nachlasses der Dichterin, wählte etwa 25 Gedichte aus, schrieb eine kurze Biografie, damit der Leser nicht vollends alleingelassen wird, und innerhalb eines halben Jahres war ein Band mit einer Auswahl an Gedichten der (fast) vergessenen Lyrikerin fertig und im Buchhandel erhältlich.

Jeder Band wurde (und wird) von den Mitgliedern handgefertigt – auch ich durfte bei der Produktion der ersten Exemplare mit Hand anlegen. Schließlich gab es auch eine Buchpremiere samt Lesung und das gute Gefühl, schöne Literatur wieder greifbar gemacht zu haben.

Und ich weis noch wie ich an unserem letzten gemeinsamen schultag, mitten im unterricht zu weinen anfing.Hört sich seltsam an aber die schule hat in unserer freundschaft eine wichtige rolle gespielt, einfach weil wir dort so viel unsinn gemacht haben, und weil wir unter allen anderen mit unserer art heraus stachen.Wir waren nicht in der schule um zu lernen, wir waren dort um gemeinsam die lehrer zum verzweifeln zu bringen, um unsere dummen späße zumachen und um die regeln zu brechen.Voraus gesetzt wir waren überhaupt da.Und mir war klar ohne dich würde sich alles ändern.Am nächsten Tag kam mir niemand mehr freudig zur begrüßung entgegen gerannt, mit so viel schwung dass ich fast umflog.Im unterricht saß ich still da, wusste nicht was ich tun sollte, der platz neben mir war leer und die zeit verging plötzlich so langsam.der einzige mensch in der klasse den ich bei mir brauchte, war grade der mensch der nun auf der anderen erdhälfte lebte.Und ich? was sollte aus mir werden? Ohne dich wurde diese klasse unerträglich für mich, es fühlte sich so unerträglich unvollständig an. Ich wechselte die Schule, brauchte neue leute um mich herum, neue Lehrer, einen neuen klassenraum, ich brauchte alles was mich nicht an dich erinnerte, die zeit mit dir fehlte mir so unglaublich, und das tut sie immernoch.