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Internet-Exhibitionisten »Spackeria«: Privatsphäre ist sowas von Eighties

Wir müssen uns von der Idee privater Daten im Internet verabschieden, sagt Julia Schramm. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt die Mitgründerin der “datenschutzkritischen Spackeria”, warum der Datenschutz nicht mehr funktioniert und was es mit Post-Privacy auf sich hat.

10.03.2011 ingsgesamt 353 Beiträge > zum Forum

Spackaria, Datenschutz und das Internet - Einspruch TJ

Ich sehe es ähnlich, das Datenschutz zwar wichtig ist, aber das man in machen Bereichen, insbesondere im Umgang mit dem Internet [… ]und den sogenannten „Sozialen Netzwerken“ wie Facebook man sich entweder darauf einlassen muss das es Datenschutz im Sinne des BDSG […] verzichten muss, da das NETZ nicht (oder kaum) vergisst.

TJ Tobias Grömcke - Auf eigenem Blog Mai 2011

Einspruch Pirat,
soll PostPrivacy die Lösung sein, nur weil wir zu faul oder zu dumm sind Lösungen für Datenschutz zu finden ?
Die Aufgabe von Grundrechten soll die Lösung sein dafür, daß wir es nicht schaffen Datenschutz auch in sozialen Netzwerken zu verankern ?
Nicht wirklich oder ?
Wer ist den gefährlicher Konzerne oder Staaten kurz vor der Pleite - wenn nicht die Kombination aus Beiden.

TJ, nicht falsch verstehen, wenn Ihr Euch nackig machen wollt in sozialen Netzwerken, bei Payback, Apple oder Google nur zu, aber macht aus Eurer Entscheidung nicht die von denen, die darauf keine Bock haben.
Datenschutz muß nicht, diejenigen schützen, die freiwillig Ihre Daten veröffentlichen, sondern die, die das nicht wollen und vor allem die Unwissenden.

Dein hehrer Wunsch, daß Informationen, die im Netz sind, nicht gegen die Person verwendet werden ist und bleibt Wunschdenken.

Du hast Recht, das Netz vergisst nicht und das ist auch gut so, deswegen müssen Firmen, wie auch Staaten zu striktem Datenschutz gezwungen werden. Die Alternative ist, daß sich Menschen, die sich nicht nackig machen wollen, ausgegrenzt werden - und das wollt Ihr nicht wirklich.

Spackeria zum Zweiten

1. Information ist viral - ein Ausbruch möglich, nicht zwingend.

Datenschutz ist einzig temporärer Natur. Seine Wirksamkeit bemisst sich an der Verzögerung Informationen unter Verschluss zu halten. Die Herausforderung an ihn wachsen im selben Maße, wie das Interesse an seiner Umgehung.
Funktionierender Datenschutz ist einerseits trügerische Momentaufnahme und andererseits Beleg für mangelnde Bestrebungen ihn auszuschalten.


2. Öffentlichkeit funktioniert nicht binär.

Intimität ist eine Komfortzone. Sie zu schützen ist ein Balanceakt auf dem Bindeglied zwischen Partizipation an Gesellschaft und ichbezogener Autarkie. Mit jeder Bezugsperson gewinnt - in deren Diskretion zu erbringendes - Vertrauen an Gewicht. Das Risiko zur unfreiwilligen Öffentlichkeit steigt mit jeder Interaktion, aber die Chance zur erwünschten Öffentlichkeit steigt mit jeder Interaktion.

3. Wahrheit ist formbar und relativ.

Ich denke also bin ich also hinterlasse ich Spuren. Ich kann die Intensität, die Ausrichtung und die Interpretationen beeinflussen, nicht aber die Existenz der Auswirkungen meines Handelns und meiner Kommunikation. Die informationelle Selbstbestimmung bedarf wachsend mehr Aufwand. Hilfreich, aber nicht garantierend, sind bewusste Nutzung von Transparenz, Nebelkerzen und digitales Thai Chi. Wer um die Möglichkeiten beobachtender Instanzen weiß, kann unter dem Radar tanzen oder pragmatisch drauf scheissen - im Idealfall selektiv.

4. Trau, Schau, Wem.

Die Natur der Daten und ihr Schutz wecken Begehrlichkeiten. Technische Möglichkeiten und Verknüpfungen wollen genutzt werden. Die Interessen reichen von Verwertung über Kontrolle bis hin zu Schädigung. Die dafür benötigte Information wird freiwillig übergeben, aufgezwungen abgefragt, mit großen Aufwänden erlangt oder gar künstlich erzeugt. Mangels funktionierendem Schutz, bietet sich eine gesellschaftliche Fokusverlagerung an:
Schaffung strikter und realitätsnaher Regeln für Datenverwendung und eine Ahndung von Verstößen. Der Retourkontrolle spielt ein wichtiger Aspekt in die Hände: Punkt 1 und folgliche Leaks.

5. Ninjas und Schwärme

Unerkannte Spaziergänge und Kritzeleien auf den Klowänden des Internet bleiben trotz oder gerade wegen der vorigen Ausführungen möglich. Wer sich geschickt bewegt oder in Schwärmen untertaucht profitiert von nicht enden wollenden Datenzuwächsen - jede Information emanzipiert sich irgendwann von ihrem Urheber.
Die resultierenden Vor- und Nachteile sind eine Herausforderung für die Gesellschaft und das Individuum. Frei nach F. C. Oetinger bedarf es der Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht zu ändern sind; den Mut, Dinge zu ändern, die änderbar sind; und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Mobbing und üble Nachrede sind kein digitales Problem, das Netz ist einzig ein weiteres Transportmittel. Im Großen und oftmals Positiven widerum wird kein Machtkörper durch Regulation und Mechanismen dafür sorgen können, das Kritik, Protest und Meinung stummgeschaltet wird. Die Emanzipation der kleinen Sender ist unabwendbar.

#fertiggelesen : “Uncharted: Big Data as a Lens on Human Culture”

From Wikipedia, http://en.wikipedia.org/wiki/Google_Ngram_Viewer:
»The Google Ngram Viewer is an online phrase-usage graphing tool originally developed by Google, inspired by a prototype (called “Bookworm”) created by Jean-Baptiste Michel and Erez Aiden from Harvard and Yuan Shen from MIT.«

Als “Abfallprodukt” des Google-Buchdigitalisierungsprojektes ist der https://books.google.com/ngrams Ngram Viewer entstanden: Ein Tool, mit dem man die Verwendung von Worten und Phrasen über Zeit visualisieren und vergleichen kann. Wie es dazu kam, warum das spannend ist und was man damit herausfinden und nicht herausfinden kann, das erklärt dieses Buch.

Und damit ist es zugleich die sinnvollste und anschaulichste Erklärung von Big Data und der Grenzen von Big Data, die ich finden kann. Dringende Leseempfehlung für Politiker und solche, die mit Politikern über den Sinn und die Grenzen von Statistik reden müssen. Und für jeden sonst, der wissen will, wie man http://www.theguardian.com/technology/2014/jun/26/google-healthcare-data-mining-larry-page verstehen soll oder wieso die #spackeria  keine Angst hat.

”Uncharted: Big Data as a Lens on Human Culture”, 
Erez Aiden, Jean-Baptiste Michel, EUR 14,88

http://click-to-read-mo.re/p/7TyB/532f1312

Manchmal müsse man halt krawallig auftreten, um die eigene Position rüberzubringen, sagt Julia Schramm. Das ist ihr gelungen.
Was ist privat, was öffentlich?
Wer sich bei Facebook anmeldet, liefert alle seine Daten freiwillig der Öffentlichkeit aus. Auf diesen Punkt bringen es die Anhänger der neuen „Post-Privacy“-Bewegung.

Die junge Politikwissenschaftlerin hat mit einem Interview bei „Spiegel Online“ im März eine Welle der Empörung ausgelöst, einen „Shit storm“, wie es in der Netzsprache heißt.

—  “Was ist privat, was öffentlich?" veröffentlicht auf dem Südkurier

anonymous asked:

Warum sollte es Datenschutz geben? Personenbezogene Daten sind wichtig für Städteplaner und Notdienste, für Konsumgüterindustrie und Dienstleistungsbetriebe. Daten von Konsumenten werden heute für viel Geld gehandelt, vielleicht gibt es sogar so etwas wie eine "Daten-Mafia". Wenn die Daten jeder Person frei verfügbar wären, könnte man diesem Treiben ein Ende setzen.
Außerdem, wer nichts zu verbergen hat, braucht doch nichts zu berfürchten, wenn seine Daten offengelegt werden, oder?

Ach Gott, nichts zu verbergen haben aber anonym fragen. Welche personenbezogenen Daten sind für Stadtplaner wichtig und warum können diese nicht anonymisiert gespeichert werden ?
Welche personenbezogenen Daten benötigen Notdienste ausser Name und Anschrift nochmals ?
Mag ja sein, daß Du Dir die Dienstleitungen und Konsumgütern aussuchst, die Dir die Konzerne anbieten, weil sie meinen zu wissen was Du willst. Andere hingegen ziehen es vor selbstständig zu entscheiden.
Die von Dir beschriebene Datenmafia existiert doch eben weil der Datenschutz viel zu schwammig und ein rechtloser Papiertiger ist.
Und natürlich fehlt das Totschlag Argument nicht “wer nichts zu verbergen, hat nicht zu befürchten”.
Einfach mal ein paar simple Fragen, wie häufig hast Du Sex, mit wem, mit Dir und weiß Dein Partner davon, was sind Deine geheimen Wünsche und Praktiken ?
Geht mich das was an ? Natürlich nicht und da ist auch gut so.
Eine weitergehende Beantwortung zu dem Thema ist hier - lesenswert.
Vielleicht begreifst Du es damit ein wenig.

Recht auf Unterdrückung von Suchergebnissen

Von den über 41k Anträgen sind viele, bei denen es um Daten zu Betrug (33%), andere Straftaten (12%) oder Kinderpornographie (2-%) geht,  also 65% im Zusammenhang mit Straftaten allgemein.

Jemand meinte sinngemäß: “Neuer Spin: Google muß Kinderschänder schützen”.

Ich schrieb im Chat:

"Ich hatte das nicht als Witz gelesen, sondern durchaus als ernstzunehmenden Gedanken. Es ist ja so, daß ich genau diesen Spin von der BILD erwartet hätte, wenn der Döpfner nicht eine aktive Kampagne gegen Google laufen hätte.

Und es ist ja auch so, daß die Daten nahelegen, dass genau die Täter von Straftaten diese Regel jetzt verwenden, um ihren Namen in Ego-Googlings zu reinigen. Das ist einerseits im Sinne einer 2. Chance nach dem Verbüßen der Strafe ja eine sinnvolle Sache. Andererseits aber für den “normalen bürger” ein sehr starkes Bedürfnis diese info zu bekommen, um sich sicher zu fühlen.

Also genau das herz des Problems, um das es da geht. Und am Ende kommst du an die Daten ja immer noch ran, weil die Originalquellen ja noch existieren. Du musst halt nur die Schufa, eine Auskunftei oder einen Privatdetektiv beauftragen, der für Dich eine Liste der üblichen Originalregister manuell durch geht oder sich ein privates Tool dafür gebaut hat.

Und damit sind die Daten dann immer noch zugänglich, aber halt nur privilegierten Leuten mit Geld. Ändern tut sich genau gar nichts.”

#postprivacy   #spackeria

http://click-to-read-mo.re/p/7zKb/532f1312

Es gab mal eine Zeit, da war klar, wer Freund und wer Feind ist. Datenschutz war gut, Überwachung war böse. Die Netzcommunity war sich einig - heute ist sie es nicht mehr. Die Uneinigkeit, welche sich zuletzt wieder im Streit zwischen “Spackeria” und “Aluhüten” ausdrückt, ist nicht Ursache, sondern das Symptom einer Veränderung.
Crackpille, 08.08.2011

Sehr schöne Analyse der aktuellen Situation in der Datenschutzbeschreibung. Lesenswert, der ganze Beitrag.

Spackeria...loser Wortmüll

Ich wage einen Tanz zwischen den Fronten im Datenschutzdilemma. Hierbei möchte ich meine Sympathie für die Spackeria nicht verhehlen, wenngleich ich deren überspitzten Forderungen als das bewerte was sie sind: Denkanstöße.

Seit einigen Jahren lehne auch ich mich immer weiter aus dem Fenster und “riskiere” Öffentlichkeit - auch, aber nicht nur - im Internet. Ich begann mit Pseudonymität durch Nicknames, die sich im Laufe der Zeit immer näher an meine bekannten Rufnahmen annäherten und kommuniziere mittlerweile immer häufiger mit Klarnamen. Wiedererkennbarkeit und die Möglichkeit eine klar zuzuordnende Kommunikation - auch im RL - führen zu können waren die ersten Gründe, desweiteren geht es auch darum eine “eigene” Identität und Reputation zu erarbeiten.

Die Spackeria lenkt ihren Fokus auf digitale Naturgesetze, die Eigenschaften von Daten. Liquide wie Quecksilber lassen diese sich nur mit größter Mühe einsperren - 100%iger Schutz aber bleibt unerreichte Zielvorgabe. Vielmehr wiegt ein vorgeblicher Schutz in falscher Sicherheit und zeigt bei Veröffentlichung sensibler Daten, wie naiv Menschen dazu neigen einige Daten überhaupt erst zu erstellen.

Die Erstellung von Daten ist der erste Schritt, weg von Schutz, hin zu Öffentlichkeit. Es zeigt sich immer mehr, dass die Erstellung nicht einmal selbsttätig vollzogen werden muss. Heutzutage ist jeder ohne freies Zutun zeitgleich potentieller Paparazzi und “Opfer” von Veröffentlichungen. Schlussendlich sehe ich in der Existenz der Spackeria vor allem die Verdeutlichung eben dieser Umstände. Alles kann öffentlich werden, so es interessiert - Schutzvorkehrungen bieten lediglich Verzögerung, wenn überhaupt.

Und doch ist niemand nackt und wehrlos ausgeliefert. Denn nichts ist so egal und wandelbar wie die eigene Identität. Keine Identität ohne Perspektiven, ohne subjektive Bewertungen, ohne Gesamtheit der vorhandenen Informationen und ihr Zusammenspiel.

Wer ist Sascha Lobo? Laut Google erfahre ich auf 339.000 Websites, was sich hinter diesem Namen verbirgt. Die Wahrheit wohl kaum, die bleibt relativ, subjektiv und tatsächlich egal. Jeder Furz des noch so kleinen Neiders, Fanboys und ihm selbst findet sich irgendwo im digitalen Raum. Aus dieser Melange lässt sich vielleicht ein Destillat dessen erzeugen, was er AUCH ist, aber eben nicht Alles. Ein einzelner Mensch erzeugt in seinem Leben derart viele Informationen, dass er selbst nicht in der Lage ist, seine Identität ohne Relevanzverdrängung zu erfassen und auch dieser Restwert bleibt einzig eines: subjektiv.

Was Sascha Lobo indes beweist, ist ein neuer Weg des Datenschutz. Quasi-Anonymität durch Informationsüberfluss. Einzelinformationen über seine Person, haben eine geringe Halbwertszeit oder gehen direkt unter in der Überdosis auszuwertender “Fakten”. Hinzu kommt der schon vorhandene digitale Radiergummi, der Zeitstempel. An welchem Ort Sascha Lobo, am 23.05.1991 war, lässt sich vielleicht ansatzweise sicher herausfinden, ist aber für seine heutige Existenz von nebensächlicher Bedeutung.

Das Datenschutzsystem á la Lobo, geht noch weitere Wege. Validität von Information ist schwer nachzuweisen. Traue keiner Selbst- und keiner Fremdveröffentlichung - alles nur Schein. Und wenn sein Twitteraccount morgen den Beitritt zu Scientology verkündet… who knows but him? Dazu der haufenweise Bullshit zahlreicher Identitätsanmaßungen, die Verwirrung ist perfekt. Und doch ist ein Sascha Lobo greifbarer, als manch Kellerkind mit Pseudonym - bis zum Zeitpunkt einer Zwangsveröffentlichung. Heimlichkeit weckt Begehrlichkeiten, nach einer Enttarnung, ist das schickste Pseudonym nur mehr ein Garant von Rückverfolgbarkeit. Wobei auch hier der “Wahrheitsgehalt” von Information, dieselbe Nähe abbildet, die ein WoW-Avatar mit seinem Spieler haben dürfte.

Halbechte Anonymität lässt sich nur durch Langeweile erzeugen, durch Diskretion mittels Passivität. Ein Mensch der lediglich sein vegetatives Nervensystem benutzt, erzeugt keine beachtenswerten Daten, gewinnt aber auch nicht sonderlich viel Spaß am Leben. Veröffentlichte Saufbilder hingegen, beweisen zumindest die vorhandene Chance, dass hinter der digitalen Information, ein menschlicher Erzeuger steckt. So den 200 volltrunkenen Randalebildern ausreichend “Positivinformationen” gegenüberstehen, dürfte ein Arbeitsplatz dennoch realistisches Ziel bleiben. Was die Gesellschaft gerade lernt, ist die Erkenntnis, dass ein besoffener Charlie Sheen aus dem September 2010, durchaus ein vermögender Entertainer im Mai 2011 sein kann. Momentaufnahmen beschreiben Momente, nicht mehr.

Öffentlichkeit ist unser Preis, für die emanzipierte Teilnahme an der Gesellschaft, als Sender, Störer und Partizipant. Der Kontrollverlust hinterlässt einen so ohnmächtig, wie man ihn zu verstehen weiß. Begreift man die eigene Öffentlichkeit als Image, weiß man aus Schulzeiten, wie man damit umzugehen hat. Mobbing und Gerüchteküchen einerseits und aktive Kurskorrektur andererseits ergeben zumindest eine Annäherung an die gewünschte Außenwirkung seinerselbst. Kotze ich jeden Tag auf den Rathausplatz, ist meine Reputation schwerer zurückzuerobern, als kellnerte ich jeden Tag in der Caritas. Alles ist Nichts ist Alles, Spackeria lehrt einzig und allein, dass man sich dessen bewusst sein muss.

PostPrivacy das Zeitalter der Faulen und Dummen ?

Ob wir es nun gut finden oder nicht: Privatsphäre ist so was von Eighties.

Julia Schramm - bei SPON im April 2011

Hey Piratin wie willst Du das überhaupt einschätzen, in den 80er Jahren warst Du entweder noch in Planung oder bist mit der vollen Windel um den Christbaum herumgelaufen.

Datenschutz und Datensparsamkeit ist also bei Dir und den anderen Wohlstandskindern der Spackeria ein Relikt der Vergangenheit. Datenschützer sind nur hinderlich in der schönen neuen sozialen Internetwelt, schliesslich behindern sie das freie “Netz”.
Machen sich doch die Menschen selbst nackig bei Google, Facebook, Xing oder den VZen dieser Welt.
Was soll den schon groß passieren, es wird wohl niemand um vier Uhr morgens von der Privat Gestapo an der Tür abgeholt. Interessant ist hier die Koalition der Willigen von vereinzelten Piraten bis zu gestandenen Christsozialen Unternehmern über Spiegel Online wird der Datenschutz als hinderlich ja sogar weltfremd bezeichnet.

Haben sie am Ende sogar Recht ?

Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn sich jeder im Netz nackig machen kann, wie er will. Aber er möge es nicht den anderen als soziale Regel oktroyieren. Und nicht eine tatsächlich nur von den Profiteuren dieser Daten ersonnene Regel als sozialen Standard definieren.

Constanze Kurz, eine Sprecherin des Chaos Computer Clubs

Die letzten “Skandale” über die Einbrüche in Kundendatenbanken bei Sony, den abenteuerlich sorglosen Umgang mit personenbezogenen Daten der Unesco oder den fehlerbehafteten Umgang mit Geodaten von Apple stellen doch nur die Spitze des Eisbergs dar.
Sind es doch nur diese extremen Beispiele die von der Mainstream Presse wahrgenommen wurden.
Kleinere Einbrüche in Unternehmensdatenbanken, die täglich stattfinden und bei denen kundenbezogene Daten en masse gestohlen werden, interessieren den Medienzirkus wenig oder werden schlicht verschwiegen.
Aber gerade die Verbindung von unterschiedlichen Datenquellen machen uns immer mehr gläsern und hier fangen die Probleme an.
Es werden wahrscheinlich keine Gestaposchergen aus Privatunternehmen vor unserer Tür stehen, die realexistierenden Gefahren sind nicht weniger erschreckend.
Die Überprüfung der politischen Gesinnung, Religionszugehörigkeit und Freizeitgestaltung ist mit der Zusammenführung von verschiedenen Datenquellen immer weniger ein Problem.
Man mag das Argument führen, daß man zu seinem Leben stehen muß, nur wo sind hier die Grenzen ?
Welche Informationen über Menschen sind legitim ?
Sollen medizinische oder genetische Informationen eines Menschen frei verfügbar und handelbar sein, wie sieht es mit Krankenakten aus oder Kontodaten ?
Aber selbst wenn man auf Datensparsamkeit achtet, ist diese ohne Datenschutz ad absurdum geführt. Welchen Schutz hätte man sich gegen Verleumdungen und Desinformationen zu wehren als mit der eigenen Aufgabe der Privatsphäre ?
Gehen wir einen weiteren Schritt weiter, hören wir nicht bei allen Verbraucherskandelen von der Verantwortung des mündigen Verbrauchers? Nur wie mündig ist ein Verbraucher, der von Konzernen manipuliert wird, weil diese ihm genau das Präsentieren was seine aufgezeichneten und verknüpften Profildaten hergeben ?
Gar nicht und genau das ist der Wunsch der Konzerne, der Verbraucher soll kritiklos das hinnehmen was ihm vorgesetzt wird.

Was kann man daraus ableiten ? Datenschutz, Datensparsamkeit und Mündigkeit sind eng miteinander verknüpft. Nur wie lässt sich das Umsetzen?
Eine Möglichkeit ist natürlich die Aufgabe der persönlichen Privatsphäre wie es die Spackeria und Teile der CSU fordern. Das ist der einfache aber, wie beschrieben, falsche Weg.

Was benötigen wir ?
1. Personenbezogene Daten dürfen nur solange gespeichert werden wie sie benötigt werden. Findet kein berechtigter und begründeter Zugriff auf diese Daten in einem Zeitraum von 12 Wochen statt, so sind diese rückstandslos zu löschen.
2. Personenbezogene Daten dürfen ausschliesslich verschlüsselt und weitestgehend anonymisiert gespeichert werden. Der Zugriff auf die Daten ist personenbezogen zu protokollieren.
3. Die Aufzeichnung und Protokollierung muß in jedem Einzelfall separat vom Einzelnen genehmigt werden.
4. Auf Wunsch muß - mit Nachweis - die sofortige Löschung aller personenbezogenen Daten möglich sein.
5. Zuwiderhandlungen müssen sowohl strafrechtliche, wie auch wirtschaftliche Sanktionen nach sich ziehen. Die strafrechtliche Verfolgung erfolgt als Offizialdelikt.

Die Privatsphäre ist ein bürgerliches Grundrecht eines jeden freien Menschen, es ist keine Verhandlungsmasse zwischen Gesellschaft und Konzernen.
Grundrechte stehen nicht zum Verkauf weder an die Faulen, noch an die Dummen und schon gar nicht an den Staat und Konzerne.