seufzen

Er seufzte, ein tiefer, müder Seufzer.
Ich sah ihn an.
“Meinst du, ich werde es schaffen?”
In Gedanken erprobte ich eine Auswahl von Worten und Sätzen aus meinen Ratgebern, überlegte es mir am Ende aber anders und entschied mich stattdessen für ein schlichtes: “Ja.”
“Bei dir ist alles möglich, stimmt’s?”
“Das meiste jedenfalls.” Mehr zu mir selbst fügte ich hinzu: “Aber nicht alles.”
“Zum Beispiel?”
Zum Beispiel du und ich.

- Die Liebe deines Lebens

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GEMITUS

Seufzen: Das Abwarten des Ausganges eines spannenden Vorgangs löst sich mehr oder weniger gleitend — die Sache ist schlecht ausgegangen … es kann auch langsam und schwer sein, wenn der Ausgang ungünstig war; man sich um etwas bemüht hat, seine Bemühungen aber schließlich aussichtslos aufgeben muss.

hot chocolate

auf zehenspitzen
mit einer tasse
voll heißem kakao
in der hand
betrete ich
das schlafzimmer

dein atem füllt
den raum mit stille
& schmiegt sich
an den süßlichen geruch
der letzten nacht

ganz vorsichtig
setze ich mich zu dir

meine augen
streichen leise
in der dunkelheit
über deine silhouette
bis sie
auf einen dünnen
staubbetanzten
lichtstrahl treffen

stumm lese ich dort
die feinen linien
in deinem arm
jede für einen traum
eine träne, für einen
schmerz; verborgen
zwischen
den leeren zeilen

dein tiefes seufzen
ruft mich
aus dem zwielicht

die tasse
in meiner hand
ist noch ein wenig
warm
.

1.3.2003

Eine gute Freundin eröffnet eine Galerie, und hat mich kurzerhand für die Eröffnungsausstellung rekrutiert, in der es um Schrift gehen soll. Kurz darauf entdecke ich in der Verramschungsecke eines Schreibwarenladens etwas, das mich nostalgisch seufzen lässt: Letrasetbuchstaben! Damit beschriftete und illustrierte man im Architekturstudium noch in den 90er Jahren Zeichnungen, indem der betreffende Buchstabe mit einem extra dafür angeschafften metallenen Letrasetlöffel (eine Art flachgeklopfte Häkelnadel) von seinem Trägerpapier, oder wie auch immer das in der Letrasetbranche hieß, durchgerubbelt wurde, eine konzentrierte Tätigkeit, die einem stets zu zenhafter Zufriedenheit verhalf. Ich kaufe den ganzen Restbestand, und stelle daraus, die wohl letztmögliche Durchrubbelwonne auskostend, eine Handvoll Bilder von fiktiven Städten her.

(Maik Novotny)

Licht

Weiß und leicht fällt es vom Himmel, schwer fällt etwas in mein Herz. In dieser Nacht ist das, was sie dunkel macht, mir näher. Ich drücke Schritte in den Asphalt und erklimme Stufen. Treppenhäuser, leere, leblose Gebirge.
Hinter jeder Tür liegt etwas, was mir fehlt. In dieser Nacht kehrt die Melancholie zu mir zurück. Wie konnte ich sie vergessen, die Bedeutung dieser Nächte, wie wichtig sie sind. Wenn sich das Innere schwermütig, mit einem Seufzen nach außen dreht. 
Vor mir liegt offen, die Landschaft einer Trauer, die irgendwo den Hauch von Schönheit trägt. Ich bin hier mit mir, ich hatte mich zurückgelassen. In diesen Stunden lasse ich die anderen zurück, traurig sehen ihre Augen mir nach. In dunklen Straßen verlor sich meine Gestalt. Im Spiegel sieht mich jemand an. Die Tiefen meiner Seele feiern, isoliert auf dieser Insel, die ich schuf, die bittersüße Schönheit einer vernachlässigten Trauer und sie zelebrieren sich selbst. Treten zärtlich in liebevollen Kontakt zueinander. Es ist gut, es ist notwendig, es tut ein bisschen weh. Ich bin nicht verlassen, vielleicht jetzt sogar ein wenig zu mir zurückgekehrt. In diesen Stunden liegt der Zauber meiner Existenz.

I can hear the moan of burning rubber as we’re flying thru the night
Kick the pedal to the metal in the early morning light
You see, we sleep on rock and gravel
Man, we’re drinkin’ gasoline
There is o so many places
That we never havn’ t seen

KICK IT!


Ride carefully amid all the noise…

Ich höre das Seufzen des verbrennenden Gummis während wir durch die Nacht fliegen, Tritt das Pedal durch bis zum Boden im frühen Morgenlicht, Wir schlafen auf Steinen und, Mann, wir trinken Benzin Es gibt so vieles, wo wir noch nicht gewesen sind… TRITT DRAUF! Fahrt vorsichtig in all dem Lärm…
Brief II der selbstgewählten Heteronomie

Widerlich finde ich es, dass du meinen Namen in einigen Jahren vergessen haben wirst. Dass ich deinen nachts auf ewig in fremde Kissen seufzen werde.

Degradierend, dass du meine Ansprüche an andere so hoch, und doch gleichzeitig die an mich selbst so niedrig formtest. Dass ich die höchsten Erwartungen von mir und keinerlei von anderen hege. Dass meiner Feder überhaupt so eine ambivalente Weltskizze entspringt, aus derer sich mir kaum Kunstwerk erschließt.

Berechnend, dass du all die Werke und Feinheiten der Literatur fürsorglich in meines Herzens Kammer bettetest, und dieses nun beim bloßen Klang von Nietzsche, Hesse, Frisch und Sophocles ehrfürchtig in freudiger Erwartung auf einen Gutenachtkuss deinerseits erzittert. Dass es nach absentem Gefühl lechzt.

Betäubend, dass Aussagelossigkeit leerer Worte an einem Sonntagmorgen in kalten Laken Norm geworden ist. Dass aufgeheizte Schultern Unschuldiger mich nicht wärmen. Den Kaffee weiß anscheinend auch niemand recht zuzubereiten, um der Scham der Abgeltung auch wirklich nichts abgewinnen zu können. 

Empörend finde ich es, dass du es wagst, mich anzurufen. Mir Musik zu schicken. Mich deine “Philosophin auserwählten Geschmackes” zu nennen. Nachrichten über deine Pläne von Roadtrips und erweiterten Zuständen mit mir zu hinterlassen. Ist das dein Plan gewesen, eine Intellektuelle deines Ermessens zu formen, mich zu speisen mit einem gewissen Maß an Geist, nicht genügend zur Autonomie taugend, jedoch zu belustigendem Übermut? Du bist dir meiner Hörigkeit bewusst.

Ich bin voller Worte, doch alles, was meinen Fingern entspringt, scheint dem Votum eines innerlichen Diktiergeräts zu folgen. Darf man es wagen, den innerlichen Animalen zu verdammen, ohne seine Seele zu entzweien?

J

1th capitle

Ich habe eine halbe Ewigkeit auf diesen Tag gewartet und dennoch bin ich ein wenig traurig, dass es jetzt so weit ist. Ich springe die drei Treppenstufen vor unserer Haustür hinunter, werfen einen letzten Blick auf das Haus, das Jahre lang mein Zuhause war und steige zu meiner Mutter in den Umzugswagen. Auf dem Weg in unsere neue Heimat, muss Sie natürlich einen Zwischenstop am Friedhof machen den ich mit einem seufzen quittiere, obwohl ich es verstehen kann. Mein Vater ist vor einigen Monaten verstorben, daher kam die Möglichkeit unser Haus zu verlassen und in eine neue Wohnung in Weisenburg zu ziehen. Natürlich stimmt mich der Gedanke an Vaters Tod traurig, aber ich bin froh über einen Neuanfang. Da ich schon länger geplant hatte auf die Fachoberschule in Weisenburg zu gehen, hatte mir meine Mutter nun endlich den Wunsch erfüllt dort hin zu ziehen. Mit meinem Vater wäre das kaum möglich gewesen, da er das Haus nie verlassen hätte aber durch seinen Tod können wir es uns nicht mehr leisten. “Willst du nicht mit kommen?” meine Mutter reist mich aus meinen Gedanken und sieht mich traurig an. “Nein, ist schon okay. Geh du nur zu ihm und verabschiede dich”, erwidere ich mit einem Lächeln. Mutter schaut empört, “es ist doch kein Abschied für immer, Weisenburg ist mit dem Zug in einer Stunde erreicht, wir können ihn jederzeit besuchen!” das glaubst du aber auch nur jetzt denk ich, erwidere aber nichts mehr um sie nicht zu verärgern. Sie steigt aus dem Wagen und läuft zielstrebig auf Vaters Grab zu. Eine Träne läuft ihr übers Gesicht als sie sich davor kniet. Ich wende den Blick ab. Ich bin eine starke Person, ich mache mich von niemandem abhängig und brauche auch kaum jemanden aber wenn es um meine Mutter geht.. ich kann es nicht ertragen sie weinen zu sehen.