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Zweiter Wahlgang der Reichspräsidentenwahl macht Hindenburg zum Sieger, 26. April 1925

Reichsweit findet der zweite Wahlgang zur Wahl des Reichspräsidenten statt, nachdem der erste Durchgang am 29. März keinem der damals angetretenen Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit einbrachte. Die Wählerinnen und Wähler in allen deutschen Ländern sind aufgerufen, sich zwischen den gemeinsamen Kandidaten eines republikanischen und eines rechten Wahlblock-Bündnisses zu entscheiden: für den zwischen SPD, Zentrum und DDP gebildeten sogen. „Volksblock“ kandidiert der bereits im ersten Durchgang für das Zentrum aufgestellte vormalige Reichskanzler Wilhelm Marx (1863-1946), für die im „Reichsblock“ zusammengeschlossen Rechtsparteien DNVP, DVP, NSDAP, BVP, Bayerischer Bauernbund, Wirtschaftspartei und Deutsch-Hannoversche Partei geht nunmehr der ehemalige Chef der Obersten Heeresleitung Paul von Hindenburg (1847-1934) ins Rennen, der sich im ersten Durchgang noch nicht zur Wahl gestellt hatte. Daneben hält die KPD weiterhin an ihrem Kandidaten Ersnt Thälmann (1886-1944) fest, der als dritter Bewerber um das höchste deutsche Staatsamt antritt. Der in nationalen, konservativen und monarchistisch orientierten Kreisen hoch angesehene Weltkriegs-General Hindenburg („Sieger von Tannenberg“), der bereits 1920 als Kandidat für die Reichspräsidentschaft im Gespräch gewesen war, entscheidet den zweiten Wahldurchgang reichsweit mit 48,3 % der Stimmen für sich und wird am 12. Mai 1925 als neues Staatsoberhaupt vereidigt.
In der preußischen Provinz Hessen-Nassau liegt jedoch Wilhelm Marx mit einem Anteil von 51,2 % vor dem 77-jährigen „Befreier Ostpreußens“ Hindenburg, der in diesem Wahlkreis nur bei 45,0 % der Wählerinnen und Wähler (Wahlbeteiligung 77,9 Prozent) Zuspruch findet. Ernst Thälmann kann nicht einmal einen Achtungserfolg verbuchen und bleibt mit 3,8 % weit unter der von ihm in einigen anderen Wahlkreisen annähernd erreichten (oder - wie z. B. in den Wahlkreisen Berlin und Merseburg - überschrittenen) 10-Prozent-Marke. Noch etwas deutlicher fällt der Vorsprung für Marx im Volksstaat Hessen (Hessen-Darmstadt) aus, wo er mit 55,2 % der Stimmen den Kandidaten des „Reichsblocks“ (41,3 %) deutlich auf die Plätze verweist. Thälmann erhält auch im ehemaligen Großherzogtum nur geringe Unterstützung (3,5 %).
Die beiden hessischen Wahlgebiete sind zwei von insgesamt 16 Wahlkreisen des Deutschen Reiches, in denen der für die republikanischen Kräfte angetretene Zentrumspolitiker Marx den selbst parteilosen, aber massiv von den rechts-konservativen bis völkisch-nationalen/rechtsextremen Parteien unterstützten Hindenburg überflügeln kann.
(KU)

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ReLOVEution - Es ist soweit

In dem Monat ist die vorläufige Reichsverfassung in Kraft getreten In dem Monat ist auch ein Befehl des Reichskanzlers ergangen.