JVC GZ-R15 Camcorder im Test: Wasser marsch!
Camcorder verlieren aktuell gegenüber Fotokameras mit Videofunktion und Actioncams. Sie sind nur bedingt urlaubstauglich. Mit den Everio-Camcordern füllt JVC diese Lücke mit interessanten Geräten zu einem akzeptablen Preis. neuerdings.com hat den JVC GZ-R15 getestet.

(Bilder: W.D.Roth)

Die Digitalisierung war zur Jahrtausendwende bei Videokameras weiter fortgeschritten als bei Fotokameras. Inzwischen hat sich das geändert: Fast jeder aktuelle Fotoapparat kann jetzt auch Videos drehen und das in bester Qualität. Allerdings sind die wenigsten Geräte wetterfest – sie im Urlaub an den Strand mitzunehmen, wagt dann doch nicht jeder. Die wenigen Ausnahmen wie die Olympus Tough-Kameras waren lange Zeit nicht sehr lichtempfindlich und damit nicht für Unterwasseraufnahmen geeignet. Die neuen Modelle wurden uns zudem zwei Jahre lang trotz Zusage nicht zum Testen zur Verfügung gestellt. Billig-Alternativen konnten nicht überzeugen.

Actioncams sind die Alternative und drohen die Camcorder abzulösen. Doch muss man die Aufnahmen im Fischaugenstil und die feste kurze Brennweite ebenso wie den meist mangelhaften Ton mögen. Für Bergab-Radrenn-Aufnahmen sicher das Richtige, für den Familienurlaub schon weniger.

JVC hat nun mit den 2014er-Everio „Quadproof“ Camcordern versucht, aus all diesen Produkten eine eierlegende wasserfeste Wollmichsau zu zimmern. Ist das gelungen?

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Die Geräte sind wie ein normaler, eher kleiner Camcorder gebaut, jedoch bis zu 5 m Tiefe wasserfest, fallfest bis 1,5 m, staubgeschützt und bis -10°C frostsicher. Deshalb „quadproof“.

Die Geräte bieten zwar nicht die Qualität eines Semiprofi-Camcorders wie dem Panasonic HC-X909, kosten jedoch auch nur etwa ein Drittel, sind kleiner und leichter (was für professionelle Videoaufnahmen stören mag, als Urlaubsgepäck jedoch freut) und können trotzdem in Full HD aufnehmen. Das geht mit dem integrierten Akku (2850 mAh) sogar bis zu 4,5 Stunden am Stück, also deutlich länger als bei den größeren Geräten.

Der Akku lässt sich allerdings nicht wechseln – dies ist der Preis für die Wasserfestigkeit. Wird eine längere Betriebszeit benötigt, ist eine Powerbank, wie sie für Smartphones angeboten wird – zum Test hatten wir die KW Mobile mit 6600 mAh (Affiliate-Link) zur Verfügung – oder das mitgelieferte Lade- und Netzteil anzuschließen. Damit ist das Gerät allerdings nicht mehr wasserfest.

Das Netzteil irritiert zunächst durch einen Adapter von einem typischen Koax-Netzteilanschluss auf USB. Dies bedeutet jedoch, dass der Camcorder auch von einem USB-Anschluss – oder eben einer Powerbank – geladen werden kann.

Wegen der Wasserfestigkeit ist auch der Ton etwas gegenüber den größeren Geräten eingeschränkt – ein klassisches Konzert sollte man so nicht unbedingt aufnehmen, für ein Open-Air-Konzert im Regen wird man aber dankbar für die Wasserfestigkeit sein. Die Einschränkungen sind jedenfalls erträglich und nicht so massiv wie bei den Action-Cams, bei denen man maximal noch das Schutzblech klappern oder den Auspuff röhren hören kann.

Bildstabilisierung ist ebenfalls an Bord, allerdings rein digital und damit leider den Blickwinkel etwas einschränkend, dafür aber die Batterie schonend. Außerdem ein besonders lichtempfindlicher Sensor, um auch unter Wasser oder bei Nacht noch filmen zu können. Dafür beschränkt sich dieser auf nur 2,5 Megapixel: Zum Filmen in HD ist das mehr als ausreichend, für Fotos heute eher gering einzustufen. Doch eben dadurch ist die hohe Lichtempfindlichkeit möglich. Ein Sensor mit 20 Megapixeln oder mehr wäre hier nicht wirklich weiterführend.

Ein Camcorder ist auch nicht das optimale Werkzeug für Fotografie, doch kann der uns zur Verfügung gestellte GZ-R15 unter Wasser bessere Dienste leisten als eine Fotokamera im Schutzbeutel oder gar Unterwassergehäuse: Sogar der Touchscreen ist noch eingeschränkt unter Wasser bedienbar: Im Schwimmbad funktioniert es noch, in 5 m Tiefe allerdings nicht mehr. Möglich ist dies, weil es sich um keinen kapazitiven Touchscreen handelt wie bei den ebenfalls wasserfesten Smartphones. Allerdings ist der Touchscreen dadurch auch über Wasser mitunter etwas träge zu bedienen.

Ein Maledivenurlaub war finanziell für den Test leider nicht drin, Unterwasser-Aufnahmen aus dem öffentlichen Schwimmbad in diesem Beitrag hätten vermutlich zu Ärger geführt und meinen großen Zeh in der Badewanne wollte ich euch auch nicht zumuten. Deshalb gibt es in diesem Test keine Unterwasseraufnahmen. Dafür habe ich ein anderes interessantes Feature ausprobiert: Zeitrafferaufnahmen!

2003 hatte ich diese mit der Minolta 7Hi ausprobiert – maximal 99 Aufnahmen im 15-Minuten-Abstand ergaben einen ganzen Tag im Zeitraffer und mit Quicktime in der Einstellung „1 Frame pro Sekunde“ zusammengesetzt ein nettes Video im .mov-Format, das übrigens der sonst so vielseitige VLC-Player nicht wiedergeben kann, nur Apple Quicktime und (nach Hochladen) YouTube.

Spätere, bessere Kameras von Olympus erlaubten Zeitraffer-Aufnahmen nur mit Computer-Fernsteuerung der Kamera – das war mir zu kompliziert, auch noch einen Notebook und Verkabelung auf den Dachboden zu schleppen.

Die GZ-R15 kann dagegen von sich aus Zeitrafferaufnahmen und setzt diese auch gleich selbst zu einem Video zusammen. Dabei sind Intervalle von 1 s, 5 s, 20 s und 80 s wählbar. Dafür hat das fertige Video allerdings nur die normale Framerate von 50 Frames pro Sekunde. Doch können so 24 Stunden auf Stunden oder Minuten eingedampft werden.

Als Motiv wurden dieselben verwendet wie 2003 – Sonnenuntergang und die Antennenanlage des Kurzwellensenders Wertachtal, die Media Broadcast netterweise nicht wie geplant schon am 1. September sprengte, sondern noch für den Test stehenließ.

Die Lichtempfindlichkeit erreicht nicht ganz die der Aufnahmen mit der Minolta 7Hi, die sich ja immerhin pro Aufnahme bis zu 10 s Belichtungszeit herausnehmen durfte. Auch war mittlerweile ein Fliegengitter am Standort montiert und das Fenster konnte nicht mehr geöffnet werden. Zudem benötigt die GZ-R15 für 24-Stunden-Aufnahmen unbedingt ein Netzteil – mit dem integrierten Akku schafft sie selbst im 80-s-Modus nur etwas über 9 Stunden und im 1-s-Modus sind selbst mit der Powerbank keine 24 Stunden zu schaffen. Dennoch sind die Ergebnisse beeindruckend und übertreffen die der zugegeben über 10 Jahre älteren Fotokamera.

Auch die typischen Familienaufnahmen gelingen mit der GZ-R15 ohne Probleme und die lange Akkulaufzeit erlaubt spontanes Filmen ohne vorheriges Aufladen. Selbst wer nicht unter Wasser filmen will, dürfte mit so einer zumindest in gewissen Grenzen geschützten Kamera entspannter in den Berg- oder Strandurlaub starten. Zudem klappte das Überspielen direkt in den Panasonic BluRay-Recorder ebenso gut wie von der Panasonic-Kamera.

Kamera und Powerbank wurden uns von JVC und KW Mobile zur Verfügung gestellt.



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