nuckels

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Gwen.
Mein Handy lag irgendwo in meiner Tasche vergraben. Wahrscheinlich besaß ich auch schon eine Reihe an wütenden SMS'n gegen Denise gerichtet von Stella, die sich ordentlich über sie auslassen würde, wie ich das Blondchen nun einmal kannte. So aber konnte ich getrost im Schatten der Sonne sitzen, dösen und die Kinder umsorgen, die jetzt mit Essen begannen und dabei schwiegen, Leo mittlerweile neben mir auf der Decke lag, mit einem Handtuch die Augen zugelegt bekam und seinen Nuckel zwischen den Lippen stecken hatte. Währenddessen legte ich meinen Kopf schief, sah einen Moment leicht lächelnd zu Ravenna, danach zu Zach, der sich sein Essen in Rekordzeit zwischen die Lippen schob. Ich rückte ein Stück aus dem von dem Schirm geworfenem Schatten heraus in die Sonne, legte mich auf den Bauch und besaß erneut ein geöffnetes Bikinioberteil, während ich nun mit zusammengebundenem Haar und einer Sonnenbrille auf der Nase eine Zeitschrift durchblätterte, die sich die Medizin zum Thema machte. Ein schwerer Schinken für manch einen, wenn man eigentlich einfach nur am Strang liegen und entspannen wollte, aber für mich waren die Artikel durchaus interessant und lesenswert, informierten mich teilweise über wirklich spannende, aufregende Operationen und thematisierten gerade gefährliche und riskante Operationen während in Kriegen während den letzten siebzig Jahren. Es waren ganze zwanzig Stück, alle heikel und riskant, teilweise fanden sie über Boden oder Wasser in der Luft statt, teilweise unter dem Meeresspiegel und manchmal sogar noch auf dem Schlachtfeld. Dabei musste man sich aber wohl im klaren darüber sein, dass die Unfallchirurgie vor allen in solchen Fällen nicht der plastischen Medizin gleichen sollte. Im normalen Alltag verband man gewisse Dinge mittlerweile schon seit Jahren miteinander, wollte nicht nur Taugliches, sondern auch Ansehnliches schaffen - Dort aber sorgte man sich allein um die Gesundheit, mehr spielte keinen, vorrangigen Wert.
Die Zeit verging so im Flug, während Darren sich eine Pause gönnte, wie auch Ravenna und Leo, die beide schliefen und Zach, der auch irgendwann die Augen zumachte, dabei neben seinem noch geöffnetem, aber nicht mehr angeschaltetem Nintendo lag und hin und wieder leise etwas im Schlaf von sich gab. Irgendwann schloss ich mein Oberteil legte die Zeitschrift zurück zu unseren Sachen und setzte mich neben Darren auf die Decke, schenkte ihm ein leichtes Lächeln und ließ meinen Kopf einfach auf seine mittlerweile wieder trockene, relativ warme Schulter senken. Er roch nach Meerwasser und Sonnencreme. “Ich könnte hier den ganzen Tag nur faul rumliegen.”, erklärte ich ihm träge, sah dabei am Laufe des Strands entlang, beobachtete wieder einige Menschen am Wasser.

Darren:
Wenn man den Kindern beim Schlafen zusah, wurde man selbst richtig träge. Die beiden Kleinen lagen aneinander gerückt, während Zach ausgebreitet auf der Decke lag, seinen Nintendo irgendwo liegen hatte und gemächlich immer wieder irgendwas faselte, dabei leicht seine Mimik zucken ließ, davon aber nicht aufwachen sollte. Unsere Kinder.. Alle drei so verschieden, in einer Hinsicht aber gleich: Nach dem Spielen müsste man schlafen. Ich tippte einen Moment auf meinem Handy rum, fotografierte die schlafende Bande und verschickte das ganze dann nach Seattle, zu meiner Mutter, die sich jetzt Whatsapp zugezogen hatte und immer in diesem Portal rumhing, ständig mit ihren Freundinnen schrieb, die im Übrigen auch nur den Kopf zum Haareschneiden besaßen. Keine Minute später kam ein Kommentar in Russisch zurück, ziemlich aufgeheizt und versonnen, als sie unser Wetter zusehen bekam. Kurz darauf bemerkte ich Gwen neben mir, die jetzt ihren Kopf auf meine Schulter lehnte. “Warts nur ab, bis ich dich ins Wasser werfe.”, drohte ich leicht amüsiert, legte meinen Kopf schief, sodass mein Kinn ihr Haar streifte. Der Strand war ellenlang, überall dasselbe: Kiosks, Cafés und Stände, wo man Zeitschriften, als auch Souvenirs kaufen konnte. Das die Kinder darauf noch nicht gekommen waren ,wunderte mich bis jetzt schon ein bisschen. Das kurze “Plop” von Whatsapp meldete sich aber gleich wieder. Mutter kommentierte das miese Wetter an der Westküste. “In Seattle haben sie seit gestern Dauerregen und 15°C. Arme Schweine.”, ich grinste nur ein bisschen, vor allem, weil hier bestes Wetter war.. bis jetzt hatten wir noch 7 Tage zu verbringen. Da ließ sich noch eine ganze Menge mit anstellen. “Was machen wir heute Abend nun? Nimmt Stella die Kids? Und im Paradies gibt es gerade Ärger.. Nelson schreibt wie ein Irrer.”

Gwen.
Darren’s Aussage brachte mich leicht zum Schmunzeln, doch ich nahm ehrlich gesagt nicht an, dass sie ernst gemeint war. Schon allein, weil er selbst eher amüsiert klang, als irgendwie spitz auf etwas. Ich lächelte jetzt also leicht in mich hinein, ehe ich meinen Blick auf den Bildschirm seines Handys richtete. Er schrieb mit seiner Mutter auf Russisch, hatte die Tastatur dabei auf “Kyrillisch” umgestellt und nicht mehr auf Latein, was heutzutage ja unglaublich einfach auf seinen Handys war. Ich selbst konnte nicht lesen, was da stand, sah noch einen leichten Rand des Bildes von unseren schlummernden, verdammt friedlich und erschöpft wirkenden Kindern, dass er gemacht haben musste und lachte bei seiner Bemerkung leicht auf. “Ich hoffe, dass das nächste Woche wieder besser ist..”, kommentierte ich nur. Gerade war mir das Wetter daheim ja egal. Das Haus stand, es würde nichts kaputt gehen - Was sollte denn da schief gehen? Solange es hier in Kalifornien schön warm war, wir bei besserem Wetter wieder nachhause kommen würden, störte mich da nichts. Zu warm mochte ich es im Übrigen auch gar nicht. Hier wohnen würde ich wirklich nur verdammt ungern, da war mir Seattle’s Klima viel lieber - Aber einfach mal eine Weile hier in der Sonne in LA schmoren kam mir auch ganz gelegen. Jetzt aber wechselte Darren sowieso das Thema, brachte mich auf andere, dennoch schöne Gedanken: Unseren heutigen Abend zu zweit, den wir mal ohne Kinder verbringen wollten. “Als würde sie sie nicht nehmen. Das geht ganz bestimmt klar.”, erklärte ich da ziemlich selbstischer. Sie fuhr doch so auf Kinder ab, wünschte sich nichts sehnlicher, als ebenfalls ein Baby zu haben, um es pflegen und hegen zu können. Manchmal dachte ich zwar, sie wäre sich der darauf lastenden Verantwortung gar nicht so recht bewusst, aber dann war ich mir wieder sicher, dass ich mich einfach nicht einmischen sollte. Somit könnte sie ruhig mal auf die Drei aufpassen, die ja keine große Belastung für sie darstellen sollten - Jedenfalls nicht nach dem Tag, da sie unglaublich träge ins Bett fallen müssten, wie die letzten Abende auch schon.
“Ach, wirklich? Was schreibt er denn? Ist irgendwas passiert?” Darren tippte nun auf den Pfeil zurück, kam dann zur Auflistung seiner gesamten Chats auf Whatsapp. Nelson stand noch über seiner Mutter, eine kleine “2” leuchtete neben seinem Namen auf. Jetzt war ich aber mal gespannt.

Darren:
“Ich hoffe mal, dass irgendeiner die nächste Woche schon wieder abhaut? Mit so vielen ist das langsam nervig.. und heute ist erst Tag 3. Ich hab keine Ahnung, was da noch alles geht.”, erwiderte ich, amtete leicht genervt die Luft aus. Mein Blick hingegen fixierte sich auf das Display meines Handys, da meine Mutter wie eine Irre zurückschrieb und darauf gefasst war alles Neue aus dem sonnigen Los Angeles zu erfahren. Die Tatsache, dass wir gerade am Strand rumlungerten, gefiel ihr wohl, aber eher weniger, dass sie es nicht auch tun konnte. Aber das hätte mir gefehlt. Offline zugehen war eine hingegen äußerst schlaue Variante um sie wieder loszuwerden.
“Na da ist doch gut. Ich denk auch nicht, dass wir schon gegen 10 wieder da sein werden oder?”, überlegte ich, was unseren heutigen, voraussichtlichen Abend betraf. Wir beide hatten schon eine ganze Weile nichts mehr miteinander unternommen. Es war mal wieder Zeit.. seitdem die Kinder da waren, kam man in dem Sinne aber auch zu nichts. Aber Gwen brachte mich gleich wieder auf Nelson zurück. “Keine Ahnung, Oli ist mit Meredith in die Stadt abgehauen.. Denise streitet sich mit Stella.”, erklärte ich, zuckte die Schultern und legte dann mein Handy weg. Viel eher dachte ich daran, was Gwen und ich damals, eher ich ,darunter verstanden miteinander Zeit zu verbringen. Ich dachte an 2012, als wir mit Trevor und seinen Freunden ,die wir bis dahin noch nicht gekannt hatten ,als auch Jannis, nach Deutschland geflogen waren, um uns ein Musik- und Autofestival auf primitiven Niveau zugeben. Zugegeben war es absolut geil, wenn man mal bedachte, dass wir unter Deutschen so viel Spaß hatten. Es war Mitte Juli gewesen, kurz nach meinem Geburtstag. Gerade warteten wir am Flughafen, dass die Maschine nach Berlin abgerufen wurde. Es handelte sich nur noch um wenige Minuten. Zu Trevors Freunden zählte ein in komplett Leder gehüllter Kerl, der aus Wyoming stammte, dazu noch Saskia, die Tattoo Lady.. so viel Blau und Grün, wie die Frau am Körper trug, hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Pete, der Kerl, der das alles organisiert hatte, als auch Madeleine, Jannis’ Schwester, fuhren mit uns. Bis dahin kannte ich seine Freunde nicht, wie jedes mal, wenn er in Begleitung ,die nicht Jannis darstellte, auftauchte. Nur waren Gwen und ich zusammen hier, hatte er mich dazu eingeladen und ich daraufhin Gwen. Ich hatte 3 Wochen Urlaub bekommen, Heimurlaub vom Area 51. Zwar hätte man die auch in Brewster verbringen können, aber zu dieser Einladung konnte ich nicht nein sagen.

Gwen.
In letzter Zeit bestanden meine einzigen Tätigkeiten aus 48/24-Stunden-Schichten, Kaffee trinken, mit Kollegen sprechen oder erneut Schichten schieben. Seit Neustem bemühte ich mich aber darum, oft genug zuhause zu sein, damit nicht immer mein Vater mit Bella rausgehen musste. Ich wollte immerhin ebenfalls etwas mit dem Hund unternehmen, war dieser schließlich ein Geschenk von Darren gewesen, sollte mich auch mal rausbringen und das funktionierte ja auch, da ich somit ein gewisses Pflichtgefühl gegenüber dem Tier besaß und es auch ziemlich mochte. Das Mädchen war brav, unglaublich gutmütig und artig. Ich hätte mir keinen besseren Hund wünschen können. Außerdem besaß sie zu meinen Gunsten auch noch eine penible Ader.
Nun aber war Darren wieder einmal in Brewster, doch diesmal sollten seine drei Wochen nicht die ganze Zeit aus Heimurlaub bestehen. Er hatte etwas mit einem Kumpel geplant, war viel eher eingeladen worden und hatte mich ebenfalls mit eingeschleust. Eigentlich stand ich ja gar nicht auf so etwas, aber Darren fuhr zusammen mit mir, Trevor und haufenweise von dessen Freunden, die wir gar nicht kannten. Nur ihm zuliebe hatte ich mir die paar Tage Urlaub gegönnt, war auch ganz froh, mal wieder etwas anderes als Behandlungsräume, Patientenzimmer oder Operationssäle von Innen zu sehen. Demnach lief ich jetzt doch recht gut gelaunt mit zusammengebundenen Locken meine Handtasche tragend neben Darren her, der sowohl unsere Reisetasche, die ja nur für vier Tage mit dem Nötigsten gepackt war, da wir gar nicht mehr brauchten, als auch den Rücksack als Handgepäck dienend trug.
Mein Blick haftete an der Tafel. Es war gerade kurz nach halb zwei in den frühen Morgenstunden und wir hatten eben noch Kaffee getrunken, jetzt ging es mir wieder relativ gut, als ich in der trägen Gruppe gegen Darren gelehnt stand und die ganze Zeit hoffte, dass diese Viertelstunde endlich noch ablaufen würde.

Darren:
Wir befanden uns nun schon seit gut einer halben Stunde am Seattle Airport. Trevor war aus irgendwelchen Gründen mit seinen 4 Freunden hier her gekommen um dann mit uns zusammen nach Deutschland zu fliegen. Bis jetzt war ich nie weiter, als Kroatien, gekommen. Aber Deutsch sprach von uns auch keiner ein Wort.. höchstens dieses deutsche “Scheiße” war mir geläufig. Aber hey, Englisch sprach dort doch hoffentlich auch jeder.. es war ja nicht so, dass wir uns in irgendwelchen abgeschiedenen Bergprovinzen rumtrieben, wo niemand wirklich Plan davon hatte, wo wir eigentlich waren und wie wir mit den anderen kommunizieren sollten.
“Da seid ihr ja!”, rief Trevor, sprang von seinem Sitz auf und lief uns direkt in die Arme. “Kommt mal ran, dass sind Darren und Gwen.”, erklärte er gleich, nachdem er mich feierlich begrüßt hatte und dasselbe mit Gwen tat. Jannis kannten wir ja beide. Dass sie mitkam, war irgendwie von vorn herein klar. “Das sind Saskia, Pete, Maddie und Joe.”, erklärte er mir nach der Reinfolge, wie wir uns jetzt die Hand schüttelten. “Der Flug mit der Nummer 358 wird in Kürze starten. Bitte begeben Sie sich zu ihrem Gate!”, war die Durchsage, die uns völlig aus dem Konzept brachte den anderen jetzt noch genauer unter die Lupe zunehmen. Aber dazu würde in den nächsten paar Tagen genug Zeit sein.

Gwen.
Freundlich lächelnd und nicht mal müde, da ich um die Uhrzeit normalerweise immer einen Kaffee trank und es dann immer etwas zutun gab, also beinahe schon routiniert, begrüßte ich Trevor und Jannis, darauf dann deren Freunde, wobei parallel dazu unser Flug ausgerufen wurde. “Na endlich.”, murmelte ich eher zu mir selbst, als zu den anderen und zog dann schon einmal unsere Bordkarten aus meiner Tasche heraus, reichte Darren eine und behielt die meine selbst in der Hand. Wir saßen zumindest nebeneinander an der rechten Seite, hatten A und B. Wer den dritten Platz unserer Reihe hätte, wusste ich gar nicht, denn es blieb keine Zeit, sich mit den anderen auszutauschen. Ich orientierte mich jetzt einfach noch einmal an den leuchtenden Schildern, ehe ich mich zu Darren drehte und versicherte, dass er folgen würde, dann liefen wir gemeinsam mit den anderen in Richtung des Gates.
Der Flug würde verdammte vierzehn Stunden dauern, die ich mir jetzt noch gar nicht ausmalen konnte. Außerdem hätte ich viel lieber einen Sitzplatz am Gang gehabt, müsste schließlich hin und wieder mal auf die Toilette oder mich frischmachen, worauf ich ja bestand. Dann müsste ich eben einmal mehr darum beten, durchgelassen zu werden. Vielleicht säße ja aber auch niemand bei uns, was wohl doch eher unwahrscheinlich war. Dann würde Darren sich ans Fenster setzen und ich könnte mich zusammen mit ihm schön breit machen, müsste nicht einmal jedes Mal anfragen, ob man freundlicherweise für mich aufstehen würde. Doch so sollte es sicher nicht kommen. Gemeinsam liefen wir jetzt durch das Boarding und betraten durch einen gläsernen Tunnel über dem Flugplatz des Flughafens in das Flugzeug. Freundlich lächelnde Damen begrüßten uns auf Englisch, wie scheinbar auch auf Deutsch, was ich nicht verstehen konnte, wobei es sich hierbei um eine britische Flugorganisation handelte. Am Flughafen London-Heathrow würden wir sowieso noch eine Pause von zwei Stunden einlegen, die meiner Meinung nach vollkommen übertrieben war, danach sollten wir mit einer deutschen Fluggesellschaft nach Berlin-Tegel fliegen. Das klang mir alles irgendwie ziemlich kompliziert, aber Darren durchlief dieses Wirrwarr mehrmals im Jahr, konnte es somit blind und ich verließ mich auf ihn.
Gemeinsam liefen wir nun durch die Reihen und suchten nach der 44, befanden uns aber schon im richtigen Gang. “Willst du am Fenster sitzen?” Ich erspähte nun schon die kleine Ziffer der drei leeren Sitze, die wohl bedeutete, dass wir noch eine Chance besaßen, alleine sitzen zu können. Zumindest waren wir nicht gerade die Ersten, die den Flieger betraten.

Darren:
Joe müsste doch schwitzen, Saskia war überaus tätowiert, Maddie sah aus wie Jannis und Pete.. ich hatte keine Ahnung, in welche Schachtel ich ihn schieben sollte. Der Kerl hatte von allem irgendwas. Millimeterschnitt wie Trevor, Tattoos wie dieses Saskia, trug dann noch Leder wie Joe. Naja, schien wohl bei allen ganz gut anzukommen. “Ihr braucht nichts im Flieger kaufen.. ich hab Steaks und Baguette mit!”, rief Jannis. “Voraussichtlich, dass wir alle nebeneinander sitzen, oder Darling?” ,erinnerte sie Pete daran, lächelte ihr zu und lief dann mit seinem Koffer vornweg. “Wie hast du die denn durch die Kontrolle geschmuggelt?”, wollte ich wissen, schnappte wieder unsere Tasche und setzte mich dann in Bewegung. “Hä, wie? Die haben das doch gar nicht gepeilt. Ich hab ordentlich Plastikbeutelchen drumgewickelt und eingepackt. Außerdem ist da doch kein Metall drin.”, Jannis gab sich irgendwie allwissend, als hätte sie in dem Fall an alles gedacht. “Und was ist, wenn die Dinger kalt werden?”, Joe sah sie ja schon fast rügend an, als wäre es ein Verbrechen Steaks kalt werden zu lassen. “Glaub mir, die werden nicht kalt.. zumindest nicht in den nächsten 5 Stunden.”, erklärte sie passioniert. “Du willst uns um 7 ein Steak andrehen?”, Saskia blinzelte entsetzt. “Ihre Steaks kannst du immer essen.”, erklärte Trevor reuevoll. Amüsiert verzog ich die Mundwinkel.. na herrlich. Im die Zeit sollten wir vielleicht noch mittelst über Kentucky oder Georgia sein.
Zusammen liefen wir jetzt zum Gate, wollten unser Ticket vorweisen und dann ab in die Maschine verschwinden. Es war an sich unglaublich, wie viele Leute sich für diese Zeit für den Flug nach Berlin interessierten. “Sag mal, sind das da alles deutsche Touris?”, Maddie machte uns auf die Gruppe vor uns aufmerksam. “Keine Ahnung.. ruf am besten mal ganz laut Sauerkrrraut, dann drehen die sich bestimmt um.”, grinste Joe und zwinkerte Maddie zu. “Das mach ich jetzt nicht.”, rief sie und schüttelte grinsend den Kopf. Es zog sich dann so hin, dass wir die Maschine betraten, schließlich noch die Wahl hatten, wer am Fenster sitzen durfte. Wir besaßen ja keine Koffer mehr, lediglich das Handgepäck. “Mir egal, ich schlaf sowieso.”, meinte ich zu Gwen, rutschte dann aber durch und ließ mich auf dem Sitz A der Reihe 44 nieder. Keine Ahnung, wer noch bei uns sitzen würde. Zumindest hatten wir ja noch die Wahl. “Hinter uns saßen Maddie und Jannis, Trevor und die anderen beiden hatte es irgendwie nach vorn verschlagen. Saskia saß mit zwei Aktentypen vor uns.

Gwen.
Ich wartete jetzt noch im Gang, bis Darren durchgerutscht war und jetzt am Fenster der Reihe saß. Ich ging davon aus, dass man uns bitten würde, die über Nacht zu schließen - Jedenfalls kannte ich das nicht anders. An den Kopfteilen der Sitze vor uns befanden sich jeweils immer ein Bildschirm mit Touch-Funktion eingebaut, auf denen mal laut dem leuchtenden Werbebild spielen könnte, wie auch Musik hören oder die neusten Filme sehen. Auf sowas war ich wiederum eigentlich nicht aus, würde ihn sofort nach der Sicherheitseinweisung ausschalten und müsste das penetrante Leuchten nicht die ganze Zeit im Gesicht haben. Unter dem Bildschirm befand sich dann noch das klassische Tablett, darunter das typische Netz mit einigen Flyern darin. Ich beachtete sonstiges nicht weiter, stopfte nur noch das kleine, in Plastik gehüllte Paket gefüllt mit einer Decke ähnelnd einem Tischtuch, ein dünnes, kleines und dunkleblaues Kissen, sowie eine Schlafmaske und ein paar Ohrhörer - also vollkommen klassisch - in das Netz vor mir. Darren schob den Rucksack von uns beiden noch unter seinen Sitz, meine Handtasche stand zwischen meinen Beinen. Absichtlich war ich in den Träger getreten, so konnte man sie mir nicht einfach entwenden und sie würde auch nicht nach vorn oder nach hinten rutschen. Das wäre nicht möglich.
Langsam sammelten sich nun die letzten Menschen an. Auch zu uns kam noch eine Person, wie der Zufall es immerhin wollte. Es war ein relativ kleiner, pummliger und älterer Mann mit grauem Bart, einer Hornbrille auf der Nase und nur noch spärlichem Haar auf dem Kopf. Manche Chance auf genug Platz war damit verflogen, doch ich könnte mich ja an Darren lehnen, würde dann einfach die Armlehne zwischen uns nach oben klappen, damit für ein bisschen mehr Freiheit gesorgt werden würde. "Guten Abend.”, begrüßte er uns beide noch freundlich lächelnd, ließ sich dann auf seinem Sitz nieder und schob den Aktenkoffer unser seinen Sitz. Der Mantel, den er trug, landete dabei über unseren Sitzen. Das könnte ja was werden.

Darren:
Mir war eigentlich egal, was jetzt hier wo stand, da ich vor hatte mindestens noch 8 weitere Stunden damit zu verbringen einfach nur zu schlafen.. wir mussten in London ja umsteigen ,ehe wir dann nach Berlin fliegen könnten. Irgendwie war dieses Atmosphäre verleitend direkt wieder einzuschlafen. Ich war müde, es war kurz nach 2. Also.. gestern war ich nachhause gekommen, hatte Koffer umgepackt und dann mit Gwen wenige Stunden später das Haus verlassen. Da kam schlafen relativ kurz an. Aber hey, immerhin würden wir uns jetzt 3 Tage lang, ehe es am 4. wieder nachhause ging, Rockmusik und Autorennen ansehen. Irgendwie stand ich auf sowas.. und Alkohol! Als Trevor gesagt hatte, er würde mit Freunden fahren, hatte ich eher gedacht, dass sie allesamt männlich waren. Aber spätestens, als von Jannis die Rede war, war diese Illusion einfach geplatzt.
Ich hatte mir schon gedacht, dass wir keine komplette Sitzreihe für uns allein haben könnten, da noch jemand dazu kam. Es war ein Mann.. n Deutscher, der uns sogar begrüßte. Ich grüßte gähnend, aber nicht sonderlich passioniert, zurück. Auf Konversation war ich sowieso nicht aus, wollte schlafen und dabei möglichst nicht gestört werden. Das war ja wohl nicht zu viel verlangt, oder? Der Kerl war bis dahin still. Nach weiteren Minuten ,die ich beinahe zählte, wiesen die Stewardessen auf die Sicherheitsvorkehrungen hin, baten die Handys abzuschalten, als auch den Sicherheitsgurt anzulegen. Mein Ellbogen stützte auf der Seitenlehne, darauf hatte ich mein Kinn gebettet, das von der Hand gehalten wurde. Nach weiteren Minuten, in denen ich das Handy ausgeschalten hatte, ging es dann endlich los. Der Start und das Landen waren meiner Meinung nach das Beste.. außer man flog über eine riesige, beleuchtete Stadt. Davon würden wir heute noch ein paar sehen. “Wo gehts bei Ihnen denn hin?”, wollte unser Sitznachbar wissen, sah uns einen Moment prüfend an, ehe er lächelte und sein Stofftaschentuch aus der Hose zog.

Gwen.
Mein Blick flog noch einmal über den Köpfen der Menschen hinweg, ehe ich nun vorerst endgültig meinen Platz einnahm und zurecht rutschte, während nun eine englische Durchsage ertönte. Eigentlich interessierte ich mich für so etwas gar nicht wirklich, hörte es oft genug. Meistens war das eh immer das Selbe, was man halt schon von anderen Flügen kannte. Außerdem sprach der alte Mann mich jetzt an. Sein Englisch war korrekt, dennoch machte er nicht den Anschein, als würde er das schon immer sprechen. Er besaß einen eigenartigen Akzent und war nicht allzu fließend, wie wir eben ganz normal sprachen. Ich hob meinen Blick jetzt wieder, hatte mich immerhin gerade angeschnallt, und lächelte leicht in seine Richtung. “Nach Deutschland.”, erklärte ich ihm relativ grob, wahrscheinlich interessierte ihn auch nicht alles, was wir machen würden. Während er lächelte, wurden seine rosigen Wagen und die vielen Lachfalten betont, was ihn niedlich wirken ließ, wie einen klassischen Weihnachtsmann. Über die Tatsache schmunzelnd wollte ich gerade die Gegenfrage stellen, doch bekam meine Antwort schon zuvor. “Sie auch? Ich lebe in Deutschland, aber meine Ehefrau war Amerikanerin. Sie wohnte in Seattle damals. Ich bin durch den Krieg hierher gekommen, habe für die Bundeswehr in Deutschland gekämpft.”, erklärte er mir nun wacker mit seinem Englisch, das sich eigentlich doch als ziemlich gut erwies, auch wenn er das ein oder andere Mal kurz stockte, etwas nicht richtig aussprach oder eine falsche Form verwendete. Ich verstand alles. Nun beugte er sich noch ein bisschen nach vorn, warf seinen Blick zu Darren und schien ihn zu prüfen. Ich fand das äußerst verwirrend. “Und Ihre Vorfahren, Mister, haben die auch im Krieg gekämpft?”, fragte er unverblümt und nickte ihm zu. “Sie gehören doch bestimmt auch zum ehemaligen, wie auch meiner Meinung nach weiterhin gegenwärtigen Ostblock, nicht wahr?”, setzte er jetzt an und legte seinen Kopf dabei prüfend schief. Also vermutete er gerade, dass Darren ein Russe war. Damit lag er ja nicht einmal falsch, nur war die Tatsache, dass er das einfach so erkannt hatte, ziemlich überraschend.

Darren:
“Hey Maddie.. kann ich meinen Sitz weiter hinterstellen?”, während Gwen gerade von dem alten Mann angeredet wurde, drehte ich mich nach hinten ,als ich feststellen musste, dass die englische Maschine nicht direkt nach hinten ausgelegte Sitze hatte, zu Jannis Schwester. “Was , die kann man hinterstellen?”, fragte sie mit großen Augen. “Für gewöhnlich schon.”, erklärte ich. “Hinter dir sitzt doch eh keiner mehr, also stell du deinen ruhig hinter.”, scheinbar war es nicht schwer sie davon zu überzeugen, auch wenn ich nur zu meinen Gunsten dachte. “So, ja so gehts.”, redete sie hinten, während ich die Lehne weiter nach hinten klappte und auf meinen Sitz zurechtrückte. Nichts lieber, als schlafen. Musik würde ich nicht brauchen, höchstens ein paar Ohrstöpsel, damit die Triebwerke mich nicht direkt davon abbringen könnten. Wenn man am Fenster saß, hatte man immer den Anschein, als wäre es eextrem laut. Aber ich kannte ja schon die Vorzüge eines Fenster-, Mittel- und Gangsitzes. Kramend beugte ich mich nach vorn um an das Netz ranzukommen, wo die Ohrstöpsel deponiert waren. Aufmerksamkeit regte sich aber bei mir, als Gwen jetzt irgendwas zum Weltkrieg als Kommentar zurückgab. Der Kerl schien aber mit mir zu reden, was mir erst im Nachhinein bewusst wurde. Meine Augen flogen kurz von ihm zu Gwen, ehe ich automatisch eine Braue nach oben zog. Was war das denn für ‘n Vogel? Deutscher.. haha, ganz vergessen. Ostblock.. ohweihja. Tja bei mir ging einiges an geschichtlichen Hintergründen verloren. Aber was der Ostblock war, wusste ich ja. “Woher wollen Sie das denn wissen? Stehts mir auf der Stirn?”, erwiderte ich hingegen ein bisschen irritiert. “Aber ja Mister”, so wie er mich genannt hatte,“kann gut möglich sein.” Was für ein komischer Kerl. Gwen konnte ihn ja ein bisschen unterhalten. Währenddessen fummelte ich an der Packung rum und zog die Stecker raus, wollte sie mir in die Ohren drücken und dann schlafen.. selig und ohne den Alten.

Gwen.
Ich hatte eigentlich auch keine Lust auf eine tiefgründige Unterhaltung, auf die der Mann jetzt scheinbar noch ausgelegt war. Mittlerweile hatten wir es gegen halb drei in der Nacht zehntausend Meter über dem Meeresspiegel, ich wollte schlafen und die Zeit überbrücken. Der Mann neben mir jedoch schien jetzt auf Konfrontation gehen zu wollen. Eine gute, halbe Stunde gab ich mir diese Unterhaltung noch aus Anstand, während ich dabei aber nie ins Detail ging, nur wenig antwortete und meistens eher lauschte und hin und wieder passend nickte. Dann aber unterbrach ich die Unterhaltung mit der Bitte um etwas Schlaf, packte meine Schlafmaske, wie auch die Decke und das kleine Kissen aus der Kunststofffolie aus und stellte meinen Sitz ebenfalls etwas zurück, was Jannis nicht zu stören schien, die ebenfalls schon die Maske aus weichem Stoff über den Kopf gezogen hatte und wie ihre Schwester schlief. Ich konnte noch durch den Spalt sehen, dass Trevor Kopfhörer in den Ohren hatte und den Kopf leicht im Rhythmus nickte. Darüber ein wenig schmunzelnd positionierte ich mein Kissen noch träge auf Darren’s Schulter, rutschte ein Stückchen mehr zurecht und zog mir dann die Klappe über die Augen, ehe ich mich in die Decke einkuschelte und an Darren gelehnt langsam einen ruhigen Schlaf fand, der erst wieder ungefähr drei Stunden später beendet wurde, als der alte Mann zwischen uns beiden nun bitterlich mit Schnarchen begann, was ich natürlich neben ihm sitzend total schnell wahrnahm, mich vorerst nicht einmal regen wollte, dann aber einfach nicht konnte, als mich leicht verschlafen und nicht gerade ausgeschlafen wirkend aufsetzten musste und die Maske von den Augen zog. Darren schien auch davon wach zu werden. Das würde bestimmt mächtig Ärger geben, jedenfalls konnte ich das jetzt so einschätzen. Aber auch ich wünschte mir etwas mehr Ruhe, seufzte total frustriert auf und sah jetzt zu meinem Freund, der sich langsam aufzurappeln schien, was er ja eigentlich noch gar nicht wollte.

Darren:
Ich hatte gleich von Anfang an nicht weiter mit dem Kerl geredet, der sich dann aber Gwen scheinbar zu Wort nahm und mit ihr redete, über den Krieg und seine häufenden Enkelkinder, die jetzt selbst schon Kinder hatten.. oder sowas in der Richtung. Müde hatte ich meinen Kopf gegen die Scheibe im Innenraum gelehnt, die Augen geschlossen und war eingeschlagen. Jetzt fehlte mir nur noch die Tatsache in Boxershorts rumzuliegen, wie ich es im Bett immer tat ,egal welche Jahreszeit wir gerade hatten. Gwen, da sie immer ziemlich kälteempfindlich war, drehte ja ordentlich an der Heizung, egal wo wir uns gerade befanden. Doch nach ungefähr 3 Stunden hatte alles ein Ende, denn der Alte begann damit schrecklich laut zu Schnarchen, sodass es sogar über meine Ohrstöpsel ging, die ich verdutzt aus den Ohren zog und mich in die Richtung der störenden Person drehte. “Das kann doch nur n Scherz sein!?”, brummte ich genervt, wartete einen Augenblick und stieß den alten Sack dann einfach an seinem Arm an, lehnte mich über Gwen. Er zuckte und hörte sofort auf. Getrost stöpselte ich mir wieder die Ohren zu und dachte jetzt einfach wieder weiterschlafen zu können. Er war ja immerhin wieder ruhig, was mich ungemein aufleben ließ. Daran, dass es direkt damit weitergehen könnte, dachte ich gar nicht erst. Mein Kopf fiel gegen Gwens, der auf meiner Schulter gebettet wurde, nachdem es wieder Ruhe gab. Die Geräusche, als auch das Triebwerk, was ich immer als eigentliches Problem betrachtet hatte, gingen an mir vorbei, ehe dieses grässliche Schnarchen von Neuem begann. Das war doch echt ein verdammter Scherz, oder?!?

Gwen.
Ich wusste gar nicht, wie ich so recht reagieren sollte, da streckte Darren seinen Arm auch schon aus, beugte sich leicht in meine Richtung und tippte den Mann ziemlich kräftig an, der dann verstummte. Ich atmete innerlich erleichtert auf, sah dabei zu, wie Darren sich wieder positionierte und ich dann erneut zuerst das Kissen richtig rutschte, meinen Kopf dann ablegte, die Maske herunterzog und die Decke richtete. Keine zwei Minuten später jedoch begann das Selbe von Neuem. Diesmal tippte ich den Mann an, hatte ja keinerlei Menschenscheu und arbeitete mit diesen zusammen, oft auch mit älteren Menschen, aber hier befanden wir uns in einem Flugzeug und ich war im Grunde niemand, den er als Autorität betrachtete, weil er meinen gültigen Doktortitel nicht einmal kannte, wie es eigentlich nur wenige taten, weil ich mit so etwas nicht immer prahlen musste. “Mister.. Entschuldigen Sie.”, murmelte ich jetzt in seine Richtung, worauf er augenblicklich aufschreckte und dabei ordentlich zuckte, ich dabei zurück in Darren’s Richtung wich, als würde ich davon ausgehen, in jeder Sekunde eine gewischt zu bekommen. Nun sah er uns beide aus riesigen Augen heraus an, die rot unterlaufen waren und runzelte die Stirn, ehe er verärgert das Gesicht verzog. “Was für einen Lärm machen die Triebwerke hier eigentlich? Ich meine, wie soll man dabei denn bitte schlafen?”, äußerte er sich total genervt über die Tatsache, dass diese ziemlichen Lärm machten, der aber durchaus aushalten war. Ich konnte nicht anders, als die Brauen jetzt überrascht nach oben zu ziehen.

Daren:
Der Kerl war doch richtig mies.. wieso konnte der sich nicht seine Polypen aus der Nase entfernen lassen oder einfach eine Maske tragen.. oder gar nicht erst schlafen. Das fände ich gerechter, als das er haufenweise Leute deren Schlaf entzog. Und wir brauchten diesen Schlaf, weil er die nächsten paar Tage viel zu kurz kommen würde. Da war ich mir ziemlich sicher. Ich wurde aber gleich wieder daran erinnert, als Gwen sich in meine Richtung kuschte, dass er ja auch anderweitig nervig sein konnte. Triebwerke? Die verdammten Triebwerke? Ich hatte die Stöpsel aus meinen Ohren genommen und bemerkte noch nicht mal recht, dass die Dinger überhaupt liefen.. eher das nervtötende Geschnarche, das er von sich gab. Der Kerl war doch nicht mehr ganz dicht, verrückter Vogel. “Die Triebwerke?”, prustete ich genervt, verdrehte die Augen und ließ mich wieder nach hinten zurück sinken, als ich mich vorher nach vorn gebeugt hatte um zu sehen, was er da gerade trieb. “Mister, haben Sie irgendwas gegen Ihr Schnarchen? Das hält kein normaler Mensch aus.”, sprach ich ihn direkt an und zog mürrisch meine Brauen nach oben. “Ich schnarche doch gar nicht!”, reagierte er eher entsetzt und beleidigt. “Und wie Sie das tun!” Der musste doch schon länger alleine in seinem Bett liegen, wenn ihm das noch niemand gesagt hatte.. oder er einfach nur was an den Ohren hatte. “Das ist mir ja das Neuste..”, gab er von sich, verschränkte die Arme und drehte sich dann wieder weg, sah geradeaus und tat so, als wäre die Sache jetzt beendet. Na ganz toll, die Deutschen waren ja zart betucht.. “Ich sags dir, wenn der weiter schnarcht.. dann zitier ich hier eine Stewardess ran.”, brummte ich und sah Gwen betrachtlich ernst in die Augen.

Gwen.
Ich seufzte bei den Reaktionen des Mannes entladend, hatte Darren aber noch unterstützt und ebenfalls bejaht, dass der Mann ordentlich schnarchen würde - Vor allem in einer ordentlichen Lautstärke! Ich war wirklich froh, dass Darren das nicht tat und erst recht, dass ich so etwas nicht auch noch machte. Das stand für mich für Unweiblichkeit, auch wenn die Tatsache ja total natürlich war. An anderen störte es mich meistens ja auch weniger, nur eben stellte ich da ein größeres Problem dar.
“Ich glaub’s nicht.”, säuselte ich schon beinahe schmunzelnd, aber irgendwie eher verständnislos und überrascht aufgrund der Antworten des Mannes, in Darren’s Richtung und schüttelte meinen Kopf sachte und engstirnig. “Wir hätten uns doch drei Plätze kaufen sollen.”, murmelte ich noch dazu und sah einen letzten Moment in die Richtung des Mannes, der nun stur auf seiner Aussage beharrend im Sitz saß, gerade aufrecht, dabei seine Arme vor der Brust verschränkte und einen Moment noch trotzig geradeaus sah, ehe er nun nachgab und wieder die Augen schloss. Super. Gleich würde es wahrscheinlich wieder losgehen. Das wären mir die Dollar womöglich wert gewesen, andererseits konnten wir uns so andere Dinge leisten. Ich rutschte also ein drittes Mal nun auf meinem Sitz zurecht und lehnte mich erneut geordnet und sortiert gegen Darren, sehnte mich zutiefst nach Schlaf und meiner Ruhe!

Darren:
Der Kerl nickte dann irgendwann wieder weg, war nur im Halbschlaf und atmete lediglich ziemlich laut. Aber Schnarchen tat er nicht mehr.. zumindest nicht für die nächsten 6 Stunden, in denen wir dann auch dazu kamen friedlich durchzuschlafen. Jetzt hieß es noch weitere 4 Stunden zu überbrücken. Wir waren schon fast über dem Strand, der zu Calais gehörte, die Hafenstadt in Frankreich bildete, wenn man mit der Fähre über den Ärmelkanal nach England gelangen wollte. Jannis gab Steaks aus, was der Besatzung nicht gefiel uns aber nicht weiter interessierte. Das Flugzeug war laut und von Kindergebrüll durchzogen. Irgendwer weiter vorne hatte kleine Kinder, die ständig schrien und uns allen damit unheimlich auf die Nerven gingen. Ehrlich, unser Frachter war voller deutscher Touristen ,die allesamt nicht dazu zukriegen waren ihre Klappe zu halten und für ordentlich Lautstärke sorgten. Hauptsache, wir wären die in Berlin-Tegel gleich wieder los.. aber hey, da wimmelte es doch nur so von denen!
Es dauerte noch weitere 4 Stunden, in denen ich die Augen geschlossen hielt und einfach versuchte weiter zu schlafen, mir die Ohren zugekapselt hatte. Nur half das jetzt nichts mehr und ich packte es auch nicht mehr einfach so einzuschlafen. Dafür war ich viel zu wach und mein Magen war gut gefüllt. Aber Jannis Steaks waren einfach nur klasse. “Scheiße Alter, ich will endlich hier raus..”, stöhnte Maddie und hämmerte gegen meinen Sitz. “Du kriegst gleich 'ne Zwangsjacke.”, ließ ich von vorn verlauten, drehte meinen Kopf leicht seitlich nach innen und grinste schief, aber müde. “Haha.. Ne, ehrlich. Ich hab keine Lust mehr.”

Gwen.
Schlafen in Flugzeugen gelang mir nie wirklich gut. Zumindest konnte ich nach den nun folgenden sechs Stunden nicht einfach nach dem Frühstück die Augen wieder schließen. Ich verbrachte eine Weile auf der kleinen, engen Toilette, benutzte diese zuerst, dann wechselte ich irgendwie aus dem Zwang nach Hygiene meinen Slip, putzte meine Zähne und kämmte mein Haar, wusch auch mein Gesicht, wie ich Feuchtigkeitscreme benutzte. Diese penible Ader konnte ich einfach nicht unterdrückten, aber sie war schon lange nicht so ausgeprägt wie normalerweise. Nur schämte ich mich über diesen Drang nicht, immerhin war so herum besser, als andersherum und ich würde mich nicht um so etwas scheren. Wahrscheinlich würde das Darren auch nicht gefallen, der aber auch nie darüber merkte. Manchmal taten das Kollegen von der Arbeit und zogen mich damit leicht auf, aber was sollte das schon? Außerdem war ich ja sogar bereit dazu, diesem Bemühen für die nächsten vier Tage in Deutschland nicht mehr richtig nachzukommen - Wir besaßen zwar Wohnmobile mit den anderen zusammen, doch das Bad wäre eng und total gezwängt, andererseits würde ich lieber diese kleinen Kabinen benutzen, als die öffentlichen Toiletten und sanitären Anlagen auf dem Festivalgelände. Bei gut zweihunderttausend Menschen war der Gedanke schon eher brutal - Und das Wort nicht einmal übertrieben. Als Ärztin musste ich wiederum auch so eine saubere Ader besitzen. Das war beruflich bedingt, hatte sich irgendwann ganz auf mich eingewirkt.
Nun also stierte ich eine Weile über den dösenden Darren hinweg aus dem Fenster nach unten, konnte aber nichts als Wolken sehen, was mich ja schon beinahe total faszinierte, immerhin war die Tatsache, dass wir uns so weit über dem Meeresspiegel befanden leicht subtil, andererseits war der Anblick einfach nur atemberaubend. Beinahe wie eine Decke aus flauschigem Stoff war der scheinbare Boden damit bedeckt. Ich lehnte nun also ziemlich lange leicht an Darren’s sich immer wieder heben- und senkenden Brust, während mein Blick einfach nur aus dem Fenster glitt, dann aber schien die Sonne ziemlich kräftig durch dieses, weshalb ich wie viele andere auch das Rollo ein Stück nach unten zog. Darren wurde mit der Zeit wacher und aufmerksamer, ich ebenfalls. Nun saßen wir gemeinsam, hatten bereits gegessen - Jannis hatte haufenweise Essen mitgenommen - und warteten darauf, dass wir endlich landen würden.

Darren:
Zwischendurch packte ich es doch nochmal, nachdem mir Jannis noch etwas zu essen hatte zukommen lassen, zu schlafen. Es war irgendwie anstrengend die ganze Zeit zu sitzen, nichts zutun und zu essen. Das machte mich ungewohnt schläfrig. Aber wenn ich nicht gerade nach Osten flog, nach Asien, verbrachte ich auch nicht so viel Zeit in einem derartigen Frachter, nämlich 14 Stunden. Zwischenzeitlich hatte man durchgegeben, dass wir doch nicht mehr in London landen würden, was die meisten empörte. Aber der Flughafen war gesperrt wurden, sodass ein gutes drittel jetzt mit nach Deutschland musste, das gar nicht dorthin gehörte. Abe immerhin gab es dann keine völlig deutschen Durchsagen oder mehr Deutsche, als ich bis jetzt durch den alten Sack hätte ertragen können. Hauptsache, die waren nicht alle so drauf.
Es war irgendwas gegen 4, da wir auch noch 8 Stunden gut gemacht hatte, als wir in Deutschland landeten, in Berlin. Irgendwas schien in London gehörig schief zu laufen, ein Unfall mit einer Maschine? Zumindest wurde der Verkehr eingestellt, was äußerst selten vorkam, aber möglich war. Wir alle hatten es wohl auch vollkommen verdrängt noch umsteigen zu müssen, jedenfalls ging es mir dabei so. Ich war schläfrig ,aber auch gespannt, auf was wir uns da eingelassen hatten. Trevor behauptete ja ein paar Brocken zu sprechen, worauf wir uns aber nicht wirklich verließen. “Die Maschine wird in Kürze landen..”, verrichtete die Maschine erst auf Englisch, dann auf Deutsch mit breitem Akzent. “Wie spät ists hier eigentlich?”, kam es von hinten, Jannis war verschlafen und Maddie schien genervt, hatte die letzten paar Stunden scheinbar kein Auge zugetan. “Stell dir mal vor, du müsstest länger hier drin sitzen.”, warf ich Gwen zu. Nach Bagdad saßen wir länger in eine Flieger, als ich überhaupt gerechnet hätte. Das Landen hingegen war wieder mal spektakulär und irgendwie mein Faible, was das Fliegen anging. Bei manchen drehte sich der Magen um, ich hoffte nicht, dass Maddie hinter mir kotzen würde, anderen hingegen machte das nichts aus. Gwen war einfach nur schläfrig neben mir, war wohl aber nicht begeistert vom stürmischen Bodenkontakt. Der alte Kerl neben uns verkraftete das ganze aber auch nicht und sah relativ blass aus.. blasser, als das er in einer Maschine mit mehreren Stunden Flugzeit gesessen hatte.