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Es klingelt zur pause und obwohl ich am morgen eigentlich doch recht gut aufstehen konnte, war ich ziemlich müde. “Wäre ich doch lieber früher schlafen gegangen - dann wäre ich jetzt nicht so müde”, war mein gedanke. Jedoch fiel mir anschließend ein das selbst dieser gute vorsatz mir auch nicht geholfen hätte, denn es lag nicht daran das mir schlaf fehlte - es gab einen anderen grund für meine müdigkeit. 

Es ist diese gewisse müdigkeit, die sicherlich jeder kennt. Ein beispiel: Man steht früh morgens auf, quält sich aus dem bett und macht sich, trotz des schlaftrunks, frisch für den alltag. Die treppen führen einen zur eingangstür und sobald man die tür geöffnet hat, den ersten schritt nach draußen gewagt hat, wünscht man sich nichts sehnlicheres, als wieder rein ins warme zu gehen. Denn die kalte luft stürzt sich auf dich, wie ein baufälliges gebäude und du kannst nichts dagegen tun. Der atem ist sichtbar und die lungen ziehen sich zusammen - der tag fängt an und schon beginnt die qual des alltags. Wir gehen weiter, letztlich müssen wir ja unseren zug oder bus bekommen, um nicht zu spät zu kommen. Also machen wir den nächsten schritt und setzen einen weiteren schritt, dann noch einen und noch einen, in mitten des urbanen dschungels, in der die menschen nur noch hektisch umher irren. Endlich sitzen wir in der bahn, die erste temporäre unterkunft in der es warm ist. Wir treffen die selben menschen, die gleichen, von der kälte - der stadt gezeichneten gesichter, und doch sind sie uns wiederum alle fremd. Schwarz zu Blau. 

Nun, mit meiner müdigkeit stehe ich draußen…

…stehe draußen und blicke in die ferne - Die große uhr steht still. Aber alles um mich herrum ist in bewegung. Zünde mir eine zigarette an und merke dabei, das der boden unter meinen füßen bereits vereist ist. Die bäume hingegen lassen ihre blätter zum letzten mal in den farben des herbstes tanzen und zu allen überfluss frisst sich der kalte wind ein weiteres mal durch meine kleidung bis hin ins knochenmark - zwei jahreszeiten treffen aufeinander. Und dann… wurde alles still.

Ich hörte nur noch wie der wind sich seinen weg bahnte und es schien so als würde er meine aufmerksamkeit auf etwas richten wollen. Um genauer hin hören zu können schloss ich meine augen und vor meinen herzen erschien das bild von vergessenen Zeiten… einer Zeit in der die bereits erwähnte müdigkeit nicht vorkam. 

Ich fand mich in der natur wieder, um genauer zu sein, im Meer. Die Brandung zerschellte an meinen beinen und floss weiter, richtung strand. Vor mir, die unendliche weite des horizonts, die heimat Nüguas - und als ob sie mich begrüßen wollte, schickte sie immer wieder kleine wellen, die es letztendlich dann doch geschafft hatten mich mit zu reißen. Da treibe ich nun vor mich her, im großen Meer und erblicken den hohen himmel. Der wind pfeift durch die landschaft  und ich spüre wie mein herz pocht, und höre mich ein und ausatmen  - und plötzlich, das rauschen des ozeans. Freiheit.

Der wind, mein herz, mein atem und der Ozean, es wird lauter und aufeinmal verstummt alles. Ich erwachte und realisierte das jener ozean lediglich ein LKW war der an mir vorbei fuhr.

"Ich verstehe…" stummelte ich leise vor mich her und blickte mit ruhigen aber klaren blick zur westlich gelegenen großen straße und machte mich auf den weg…

Was ich fand, war zwar nicht der Ozean aber dafür was anderes…