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Mr.Solo Dolo

Ich bin offiziell ein Stubenhocker und so ziemlich jeder, der mich kennt, weiß das. Jeden Tag, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme und mein Zimmer betrete, lege ich meine Tasche ab, zieh meine Jacke aus, schließe meine Augen und fühle die größte Euphorie. Ich bin jetzt an meinem Ort und habe für den restlichen Abend nichts vor. Ich kann mich bis auf Boxershorts und T-Shirt ausziehen und aufs Bett liegen, Musik hören, an Filme arbeiten und den Stress des Tages in einer Rauchwolke verpuffen lassen. Gelegentlich wird diese Meditation von meinen Verpflichtungen unterbrochen, Sachen, die von den meisten Leuten als normales Sozialleben bezeichnet werden würden: Partys, Konzerte, Abendessen, sich zum Trinken treffen. Ich versuche, diese so gering wie möglich zu halten. Vor allem am Wochenende ist es schwierig, solche Verpflichtungen zu vermeiden. 

Wie die meisten Leute habe ich eine Gruppe von Freunden, die mich verstehen, bei denen ich mich nicht anstrengen muss, wenn ich mit ihnen rumhänge. Mit diesen Streunern rauche ich ein paar Mal die Woche eigentlich immer echt viel und rede unwichtiges Zeug. Abgesehen von ihnen kümmere ich mich eigentlich fast überhaupt nicht darum, neue Leute kennenzulernen. Mein ganzes Leben war ich enthusiastisch und freundlich, wenn ich Leute kennenlernte und lange habe ich das auch so gemeint, aber in den letzten paar Jahren habe ich gemerkt, dass die Leute hinter meine Höflichkeiten sehen und einen Blick auf meine Ungeduld und mein Unbehagen darüber, dass ich eine Konversation führen muss, erhaschen. Je mehr sie das mitbekamen, desto weniger versteckte ich es. Wahrscheinlich komm ich deshalb ein bisschen wie ein Arsch rüber, aber offen gesagt, wenn ich es auf diese Art schaffe, in Frieden gelassen zu werden, bin ich voll mit dabei

 

Meine eigenen Gewohnheiten verhärteten sich zusammen mit ihren und als für mich der Tag kam, in die große Stadt zu ziehen, stürzte ich mich in die Veränderungen, im Wissen, dass es gut für mein Arbeitsleben sein würde, aber ich erkannte auch, dass mich eine Menge richtig stören würde. Hier ist es schwierig, eine junge Person zu sein, die ein Stubenhocker ist. Die Leute finden es seltsam, wenn jemand anfang 20 nicht weggeht. Jedem Film, jeder Serie und jeder Werbung zufolge ist Weggehen und Sichabschießen das, was ich natürlicherweise anstreben sollte. Stattdessen werde ich zu irgendwelchen Sachen eingeladen und erfinde immer eine Ausrede, die Arbeit oder eine andere Verabredung beinhaltet. Bis heute habe ich keiner einzigen Person die Wahrheit gesagt: „Das hört sich echt nett an, aber ich habe mich wirklich darauf gefreut, von dir und allen anderen Menschen auf diesem Planeten wegzukommen, damit ich auf meinem Arsch sitzen und mich allein hemmungslos bekiffen kann, also werde ich das auch machen. Ich werde in meinem Zimmer sein und Tonnen rauchen, Comics lesen und Süßigkeiten essen.“

Als ich am Anfang in die große Stadt kam, gab es ein kleines bisschen natürliche Schuld, die ich empfand, wenn ich das ganze Zeug, das die meisten Leute als Spaß bezeichnen würden, ignorierte und stattdessen zu Hause blieb. Wenn ich mich an Wochenendnächten in meinem Zimmer eingenistet habe, kann ich die betrunkenen Schwachköpfe durch die papierdünnen Wände hören, wie sie durch den Flur springen und schreien, Jungs und Mädchen, die nicht mehr gerade gehen oder ihre Gedanken für sich behalten können. Ich kann mir nur schwer vorstellen, das zu wollen und je mehr ich mich in meiner Art einrichte, desto weniger wahrscheinlich wirkt es, dass ich diesen Lebensstil jemals wieder genießen werde.