Miss Dirndl 2014 trägt Tattoos.

Passt leider nicht ins Weltbild der HAZ und muss daher retuschiert werden. Zum Glück hat sie nicht auch noch bunte Haare - Das wäre noch mehr Arbeit für den Photoshop-Fuzzi geworden…

Stellt sich natürlich die Frage, was sonst noch so auf HAZ-Linie gebracht wird.

HERZLEER (643)

VON ANNA BLASWICH

Mein Herz tut weh. Ist taub und brennt. Du warst meine intensivste Liebe. Mit Dir habe ich Neues entdeckt, Dich vor lauter Stress gehasst und gleichzeitig noch mehr geliebt. Ich wollte, dass es immer so weitergeht. Doch dann kam das Dokument. Nette Worte, doch aus jedem spie es die Distanz in mein Gesicht. Der harte Bruch, die Unendlichkeit, die ab sofort zwischen Dir und mir lag.

Was dann kam, war Leere. Die verfluchte Leere, die ich zu füllen versuchte. Oder mich wenigstens von ihr abzulenken. Ich versuchte es in anderen Städten, probierte neue Richtungen aus. Immer nur, um zu merken, dass das nur noch furchtbarer, noch zerreißender und entblößender war. Denn Du warst immer noch überall. Die Welt war voll von Dir. Doch die Tür zu. Nur noch oberflächliche Besuche als Außenstehende sind geblieben. Die Grenze zwischen uns in jeder Sekunde kreischend und so ätzend präsent. Und ich will immer noch zurück. Die Welt ist immer noch voll von Dir. Du bist mein Traumberuf. Ich bin Journalistin.

Betr.: Qualitätsjournalismus

Die Branche redet wieder über Auflagenzahlen und darüber, ob Qualitätsjournalismus eine Zukunft hat beziehungsweise für welche Verleger eher nicht. Nun finde ich Defätismus wenig hilfreich, wenn man noch daran interessiert ist, Modelle für die Zukunft des Journalismus zu entwickeln. Als mich vor Monaten ein Professor bat, einen Text für ein geplantes Buch zu schreiben zum Thema: „Hat Qualitätsjournalismus eine Zukunft?“, dachte ich erst: Nicht noch mal die Leier (frühere Texte hier rsp. hier). Ich habe dann doch geschrieben, und in diesen Tagen ist die Uralt-Frage plötzlich wieder öfter gestellt worden. So here we go.

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Hat Qualitätsjournalismus eine Zukunft?

Studenten, die das Handwerk namens Journalismus an der Universität verwissenschaftlicht bekommen, lernen meistens im ersten Semester die Nachrichtenfaktoren kennen. Eine Nachricht ist dieser Theorie zufolge nur dann eine solche, wenn sie möglichst viele Kriterien erfüllt: Neuigkeit, Nähe, ein Dutzend mehr. Ein Killerfaktor ist die sogenannte Negativität, die ich nach ein paar Jahren als Journalist lieber Negativismus nenne. Sie besagt, dass viele Menschen insgeheim lieber von Schlechtem, Bösem, Üblem erfahren als von Gutem, Wahrem, Schönem. Respektive dass Journalisten das glauben – und deshalb gern schlechte, böse, üble Neuigkeiten publizieren.

Die Praxistauglichkeit dieser Annahme wurde vielfach wissenschaftlich überprüft, aber derzeit braucht es dafür keine Forscher. Man muss nur die Fachdienste lesen, 2020-Debatten scannen, auf Branchenkongressen den Panels zuhören oder auf ebenjenen sitzen, schon erlebt man Negativismus in Reinform. Zahlreiche publizistische Protagonisten ergehen sich in gefühlter Schauderwonne, wenn sie über Zustand und Zukunft ihrer Zunft sprechen, absurderweise auf beiden Seiten der Debattenfront. Rückzugskämpfer der altbekannten Medienwelt scheuen die neue digitale und erklären sie zur Schreckensvision oder resignieren. Heilsarmisten der neuen Welt finden die alte verrottet und würden sich kaum stören, wenn sie heute statt morgen stürbe. Negativismus als egozentrischer Killerfaktor: furchtfröhlich berauscht am angeblichen Untergang der eigenen Art.

Kaum eine Branche redet sich so düster in Rage wie die Medienbranche. Selbstkritik angesichts der digitalen Revolution ist das eine; das ist nötig, um zu Selbsterkenntnis zu gelangen. Das andere ist, was an Sich-selbst-Schlechtmachen im Journalismus passiert. Reichlich Medienmenschen überschreiten die Grenze zwischen Ersterem und Letzterem mit einer Leichtfüßigkeit, die neben Negativismus auch den Herdentrieb unseres Berufsstands am Werk wähnen lässt. Herdentrieb ist: Wenn irgendein Vordenker etwas schlechtredet, reden es viele andere auch schlecht. Print tot! Journalisten massenentlassen! Noch mehr Zeitungen sterben! Verlage pennen! Pennen! Pennen! Fernsehsender auch! Diskussionskultur am Ende! Menschen immer dümmer! Wer die großen Narrative der Branchendebatte der vergangenen Jahre im Zeitraffer betrachtet, wähnt sich auf einem Festival von Depressiven.

Damit sind wir beim Thema. Denn die Frage, die über diesem Kapitel steht, folgt letztlich dieser Logik: Hat Qualitätsjournalismus eine Zukunft?

Am besten redigiert man zuerst die Frage.

Wenn es Qualitätsjournalismus gibt, muss es Nichtqualitätsjournalismus geben. Aber was wäre das? Wäre das überhaupt Journalismus?

Und warum sagen wir das jetzt in diesen Krisenzeiten noch häufiger als sonst: Qualitätsjournalismus?

In kleinen wie großen Verlagen und anderen Journalismusanstalten haben sich Kollegen massenhaft angewöhnt, unseren Job zur Selbstbestätigung der Schutzbedürftigkeit alldieweil Qualitätsjournalismus zu nennen, ob es sich darum handelt oder nicht. Dabei ist das Wort ein Pleonasmus – ein weißer Schimmel, eine runde Kugel, ein kaltes Eis, ein alter Greis. Journalismus, der sich nicht der Qualität verschreibt, braucht gar keine Zukunft. Er ist dann Pseudo und meinethalben gern dem Untergang geweiht.

Womit man bei der reduzierten Frage ist: Hat Journalismus eine Zukunft?

Wenn nun ein Journalist auf eine solche Ratefrage zu fernen Tagen antworten soll, liegt nahe, dass er das mit der Geste des halbprofessionellen Sehers tut und bekannte Einlassungen zur Digitalrevolution wiederholt, und am Ende: Vorhang zu und alle Fragen offen. So geht das ja seit Jahren. Darauf verzichten wir in Zukunft besser.

"Zukunft haben" – auch so eine Worthülse. Gemeint ist letztlich: Wird Journalismus genug Geld haben, um zu überleben?

Man kann es auch weniger monetär formulieren. Wir berufen uns gern auf unseren gesellschaftlichen Auftrag. Zurecht. Denn am Ende wird ebenjene Gesellschaft über unsere Ausstattung, unsere Möglichkeiten, unsere Unabhängigkeit – unsere Zukunft bestimmen. Ob es um den Werbemarkt oder den Erfolg von Paywalls geht, wir haben nur eine Chance: eine möglichst große Gemeinschaft von Nutzern vom Sinn unseres Daseins überzeugen.

Womit sich die Frage noch mal anders anhört: Wird Journalismus überleben, der den Leuten dient?

Die Ein-Wort-Antwort eines Optimisten: Natürlich.

Die Langfassung der Antwort folgt, und damit wir das Glas nicht weiter halb leer sehen, sondern halb voll, gliedert sie sich in sieben gute Nachrichten.

Was die Pessimisten gern vergessen: Die Welt ist heute so voll mit Informationen wie nie zuvor. Die Menschen auf der Welt sind infolge der Digitalisierung – einer historisch ungekannten Explosion der Inhalteverbreitung – potentiell besser informiert denn je. Das ist unsere größte Chance als professionelle Vermittler. Denn sie sind es nur *potentiell*. *Tatsächlich* informiert sind die Menschen erst, wenn wir richtig arbeiten. Es gibt Bedarf an uns, ob wir nun festangestellte Verlagsmenschen, Freizeitblogger, Trimediale im Rundfunk oder andere Publizisten sind. Der Informationsmarkt ist zwar so umkämpft, aber auch so groß wie nie zuvor. Der Wettbewerb auf diesem Markt mag härter sein als in früheren Zeiten, weil die nächste gute Webseite nur einen Klick entfernt ist – aber wer eine wirklich gute Webseite macht, profitiert davon, dass die Nutzer eben nur einmal klicken müssen, um bei ihr zu landen. Unser erreichbares Publikum ist viel größer als früher. Gute Nachricht Nummer 1.

Falls dieses Publikum nun eines Tages beschließt, unsere Arbeit nicht mehr auf Papier oder im linearen Fernsehen nutzen zu wollen, dann würde ich das bedauern, weil ich zumindest Papier mag. Aber der Journalismus geht davon nicht unter. Im Gegenteil, man kann die Sache auch anders sehen. Bei der Zeitungsproduktion zum Beispiel kosten Druck und Vertrieb auf Papier mehr als die Hälfte; das vergisst man gern. Digital kostet einen Bruchteil. Das, wofür “Zeitung” steht, hängt wiederum keineswegs am Papier. Der Begriff beschreibt die Leistung, die Welt so zu sortieren, dass sich eine kritische Öffentlichkeit klug danach ausrichten kann. Er war einst ein Synonym für “Nachrichten“; Geschichten, nach denen man sich richten kann. Also hören wir am besten mit dem stupiden Branchenspiel auf, auf das Ende des Zeitungsdrucks zu tippen – 2020? 2032? 6 aus 49? –, sondern beginnen, in der Transformation hin zum Digitalen die Vorteile zu sehen, nämlich die vielen Vorteile unseres neuen Trägermediums. Unsere Möglichkeiten erweitern sich in bekannte und unbekannte Weiten der vernetzten Welt hinein, ohne dass die ganze Veranstaltung gleich unendlich mehr kostet als früher: gute Nachricht Nummer 2.

Viele Kollegen fragen trotzdem erbittert und verbittert, wie wir in dieser neuen Welt unseren Journalismus finanzieren sollen. Die Frage ist wichtig, aber wichtiger ist zuvor eine andere. Die meisten Redaktionen, die im Netz neue Geschäftsmodelle gefunden haben, haben zu allererst die Frage beantwortet, was sie publizistisch erreichen wollen in der digitalen Welt. Erst eine eigenständige Idee fürs Inhaltliche, dann das Publikum davon überzeugen, bis sich finanzielle Ideen logisch daraus ergeben – das ist der ideale Weg. Das bedeutet, gute Nachricht Nummer 3: Am Anfang brauchen wir für die Transformation einfach Verstand und guten Willen, um eine Vision zu finden. (Kant sah in Vernunft und Willen übrigens die Voraussetzung für aufgeklärtes Handeln, in seinen Worten: für den “Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit”.)

In diesem Prozess des Neuerfindens müssen sich alle Redaktionen ihre *eigene* Zukunftsvision suchen. Weil sich jeder Titel im digitalen Raum gegenüber allen anderen behaupten muss, ist eben jeder auf eigene Weise herausgefordert. “Die Tageszeitungen”, “die Verlage”, “die Nachrichtenseiten”: Diese Oberbegriffe werden in der Branchendebatte noch gern benutzt, aber die Ära der weitgehend einheitlichen Geschäfts- und publizistischen Modelle endet gerade. Man merkt das daran, dass die Auflagenkrise, von der alle reden, ja keineswegs alle Häuser in gleichem Maße trifft. Manche gewinnen digitale Abonnenten in einem Ausmaß, das Hoffnung macht. Was läuft bei diesen Titeln anders, besser, klüger? Was kann man aus ihren Strategien lernen? Wer Antworten auf diese Fragen sucht und seine Schlüsse zieht, um die eigene Marke vom Rest des Marktes abzuheben, schärft sein Profil. Profil zu schärfen, ist eine kreative Aufgabe. Sie zielt am Ende auf Kreativität im Journalismus. Gute Nachricht Nummer 4.

Halbhoffnungsvolle Branchenseher argumentieren gerade, dass Journalisten als starke Einzeltypen vermutlich die digitale Transformation überleben werden – aber nicht die großen Redaktionen, wie wir sie kennen, und dass es diese vielleicht auch nicht braucht. Falsch. Redaktionen müssen überleben, weil es sie braucht. Fachleute sprechen vom Netzwerkeffekt, wenn die Summe mehr ist als die Einzelteile. Eine Redaktion mit vielen exzellenten Journalisten schafft, wenn sie gut arbeitet, mehr als die exzellenten Journalisten allein. Wer daran zweifelt, sollte über Scoops wie WikiLeaks, Offshore- und jetzt ChinaLeaks oder die Detailrecherchen der Snowden-Enthüllungen nachdenken. Natürlich hatten einzelne Journalisten einen enormen Anteil an diesen Enthüllungen, wie auch die Whistleblower und andere Enthüller abseits des Journalismus. Aber ohne die Kraft und Verteidigungsmacht großer Redaktionen wäre die Aufklärung dieser Skandale um ein Vielfaches schwieriger gewesen. Der Guardian, der in den genannten Enthüllungsgeschichten so stark war wie keine andere Redaktion, hat mit seinem Journalismus eine globale Anhängerschaft gewonnen, die sein Überleben sichern wird, davon bin ich überzeugt. Solche Redaktionen sind Möglichmacher, Bollwerke und Netzwerke für herausragende Journalisten. Sie sind wichtig – gute Nachricht Nummer 5 –, und wenn wir es richtig anstellen, ist das durchaus auch dem Publikum zu vermitteln.

Dafür habe ich auch bei zwei Forschern Indizien gefunden, die mich in den vergangenen Monaten haben aufhorchen lassen. Der eine war Wolfgang Schweiger, der sich mit der Frage beschäftigt hat, ob Leser mit harten Kriterien einschätzen können, was Qualität im Journalismus ist. Sein Befund: nicht wirklich. Die angenommene Qualität einer bestimmten Zeitung ist ein erlerntes Konstrukt im Kopf des Lesers, eine Art antrainiertes Vertrauen, das einer Marke entgegengebracht wird. Das größte Problem ist, wenn die Marke dieses Vertrauen durch Fehler oder Parteilichkeit zerstört – dann erodiert ihre Anhängerschaft. Vermeidet sie Fehler oder Parteilichkeit, dann bleibt ihr guter Ruf erhalten. Das Qualitätsversprechen vermittelt sich in der Gesellschaft weiter. Ich folgere daraus: Was auch immer die Digitalisierung mit unseren Geschäftsmodellen anrichtet, wenn wir journalistisch keinen Mist bauen, sondern eben jeden Tag exzellente Arbeit abliefern, vertrauen uns die Leute und erkennen unseren Wert. So viel auch zur Eingangsfrage. Gute Nachricht Nummer 6.

Der andere Forscher war Michael Haller, der in der sonst oft schwarz-weißen 2020-Serie des Spiegel einen zu wenig beachteten Schluss- und Kontrapunkt setzte. “Im öffentlichen Palaver über die Zukunft der Zeitung wollen alle nur das Beste - und ohne Anamnese und Diagnose nur das verschreiben, was sie selbst kennen und können”, schrieb er über die aktuelle Branchendebatte. “Alle meinen es gut, und unserem Patienten geht es schlechter und schlechter.” Dann hinterfragt er gängige Rezepte von Zeitungsreformern, zum Beispiel dass Lokales auf die Titelseite von Regionalblättern müsse oder dass Leser in Zeitungen nur noch magazinige Texte erwarten. Er hält mit Zahlen dagegen – und versucht auch zu entkräften, dass sich junge Leute erst wegen des Internets von Zeitungen abgewandt hätten. Seine Diagnose: Junge Leute fühlten sich von vielen Zeitungsredaktionen grundsätzlich in ihrer Lebenswelt unverstanden. Gerade ihre Erwartungen zu Informations- und Einordnungskompetenz würden oft enttäuscht. “Viele Blattmacher reden derzeit viel über Lesernähe; doch verstanden haben sie ihr Publikum bislang nicht.”

Wenn Haller damit richtig liegt, dann ist das eine schlechte Nachricht. Konkurrierende Forscher, Experten oder andere semi- bis vollprofessionelle Journalismusversteher werden seine Befunde sicher auseinanderfieseln, aber egal. Wir könnten die professorale Intervention in unsere Branchendebatte schlicht als Impuls nehmen, uns zu fragen, wo er in Bezug auf unser eigenes Medium Recht hat. Verstehen wir die Lebenswelt der jungen Leser, die keine Zeitungen mehr abonnieren wollen, ob gedruckt oder digital? Wo enttäuschen wir sie, was tun wir dagegen? Denn, gute Nachricht 7, wir sind doch alle schlau und neugierig genug, um zu hinterfragen, was wir täglich tun, um besser zu werden und jene Leute wieder für Journalismus zu begeistern, die nicht mehr begeistert vom Journalismus in Deutschland sind.

Wir müssen dafür mit den Negativismus aufhören – und uns selbst begeistern.

Was lehrt uns das Scheitern der #Krautreporter?

Schon immer war meckern einfacher als gestalten. Im Meckern sind Journalisten stark. Im Gestalten eher weniger. Die Innovationsfähigkeit der (Online-)Redaktionen spricht für sich.

Deshalb dürfte den Krautreportern von Anfang an klar gewesen sein, dass, sobald sie sich mit ihrem Crowdfunding-Projekt aus der Deckung wagen, sie von massiver Kritik heimgesucht würden. So kam es auch. Nachdem eine haushohe Welle ungestümer Spendenbereitschaft nach wenigen Tagen abflachte, bekamen die Sprötenkieker wieder Oberwasser.

Sie repetieren in Endlosschleifen und nicht mehr zu zählenden Blogbeiträgen die immerselben Kritikpunkte: die Bezahlweise, den geringen Frauen- und Migrantenanteil in der Redaktion, die eitle Selbststilisierung in Wort und Video, das Club-Konzept für Abonnenten. Sie finden den Namen Krautreporter blöd und der Medienblogger Thomas Knüwer fordert sogar mehr sichtbare Begeisterung auf Seiten der Initiatoren (nicht etwa faire Zurückhaltung auf Seiten der Kritiker): „Das alles wirkt so larifarischeißegal (…).“

Zweifellos hatten die Krautreporter ihre Hausaufgaben nicht professionell genug erledigt, bevor sie an den Start gingen. Ausgerechnet im Marketing wurden Fehler gemacht, so dass es nun immer unwahrscheinlicher wird, dass das Ziel von 900 000 Euro bis zum 13. Juni erreicht wird. Bevor das Netz aber mit Nachrufen und Abgesängen verstopft sein wird, will ich in fünf Punkten mein Zwischenfazit der „Utopie Krautreporter“ ziehen.

1) Kein anderes journalistisches Crowdfunding-Projekt in Deutschland hat bislang eine vergleichbar große Spendensumme generieren können.

2) Eine Redaktion als Kollektiv zu betreiben, in der jeder nach Gutdünken seine Lieblingsthemen bearbeitet, funktioniert nicht. Selbst die taz hat eine Organisationsstruktur und kommt nicht ohne Chefredaktion aus.

3) Es wurde bewiesen, dass journalistischer Idealismus zur Begründung eines Geschäftsbetriebs nicht ausreicht. Es geht nicht ohne das Know-how von Marketingexperten und Kaufleuten.

4) Wer 900 000 Euro Startkapital einsammeln will (oder mehr), braucht eine Mischfinanzierung: Crowdfunding, Venture Capital (im Idealfall max. 10 % pro Investor, um nicht von Einzelnen abhängig zu sein), transparente Kooperationen (z.B. Native Advertising).

5) Die Krautreporter-Kampagne hat vor allem Medienleute erreicht. Diese Zielgruppe ist viel zu klein, um eine große Summe via Crowdfunding einzusammeln. (Außerdem las ich jüngst in einer Studie, dass ein Drittel der Online-Redakteure kein Geld für die Inhalte ihres e i g e n e n Mediendienstes ausgeben würden!)

Wer in meiner tumblr-Vergangenheit wühlt, wird einen Beitrag finden, in dem ich dem Krautreporter-Projekt frühzeitig kaum Chancen vorhergesagt habe. Trotzdem habe auch ich 60 Euro zur Verfügung gestellt. Und ich werde es wieder tun, wenn die nächsten Journalistinnen und Journalisten sich aus der Deckung wagen, um ein neues ehrgeiziges Projekt anzuschieben. Ich hoffe, das passiert bald.

Meckerer hat die Branche genug. Was fehlt sind die Macher.

Mode gleich Labels ?

Wie Einige bereits wissen, möchte ich nach meinem Abitur Journalismus studieren und mich schließlich auf  Mode spezialisieren. Für mich ist es die einzig denkbare Möglichkeit meinen Lebensunterhalt zu verdienen ohne irgendwann zu realisieren, dass ich mein ganzes Leben in einem Job verbracht habe, indem ich mich nicht entfalten konnte. Im Ernst !
Neulich nachts durfte ich die Frage nach meinem Berufswunsch mit einem stolzen und sicheren “Ich werde Modejournalistin” beantworten. Mein Gegenüber zielte mit seiner Frage nach irgendwelchen Fakten zu irgendwelchen Labels drauf, mir zu beweisen, dass ich keine Ahnung von Mode habe und schoss sich damit ein Eigentor. Im Grunde bewies er mir, dass er sich nicht auskennt.
Labels sind durchaus wichtig. Vor allem im Bereich Modejournalismus. Selbsterklärend ! Doch ich finde es mindestens genauso wichtig Mode im Wandel der Zeit und in Verbindung mit Menschen zu sehen. Als Ausdruck von Persönlichkeit und Individualität. Als Zeichen von Entwicklung. Vordergründig in der Rollenverteilung der Geschlechter und der Unabhängigkeit der Frau.  “Unabhängigkeit” – als Wort – ist vielleicht zu stark.
Wie auch immer.. Versteht mich nicht falsch. Ich sage nicht, dass Labels nicht wichtig sind, ich finde es lediglich nicht genug, Mode nur darauf zu beschränken. Punkt !

xoxo
Buschprinzessin

Wieso wir klüger debattieren müssen

Schauen Sie dieses Video an und zählen Sie, wie oft sich das weiße Team den Ball zuwirft. Schauen Sie genau hin und lassen Sie sich überraschen.

Verzeihen Sie, wenn Sie den Film schon kannten – er ist von 1999, ein populäres Mem der Internet-Geschichte, aber man muss den Gorilla aus den Tiefen von YouTube holen, wenn man die Debatte um das Leistungsschutzrecht 2012 filetieren will.

Fangen wir mit ein paar Zahlen an. Die Webseite, an der ich im Hauptjob arbeite, hat monatlich mehr als 37 Millionen Besuche. Als ich das letzte Mal nachgesehen habe, kamen 7 Prozent dieser Visits über Google News, 18 Prozent über allerlei Google-Suchen und 15 Prozent über Google-Suchen nach unserem Markennamen. In der aktuellen Debatte über Artikelauszüge vulgo Snippets geht es entweder um die 7 Prozent oder auch noch um die 18 Prozent, je nach Auslegung des Begriffs. Nehmen wir nun über den Daumen gepeilt an, Google sollte uns im Falle eines Leistungsschutzrechts grob gesagt einen Cent pro Besuch zahlen (was vermutlich hoch gegriffen wäre): Dann würde das bei zusammen 25 Prozent Visit-Anteil insgesamt Einnahmen von 92.500 Euro bedeuten. Wenn Google beschlösse, stattdessen das Geld zu sparen und uns wegen eines Leistungsschutzrechts aus Google News auszusperren, also uns bloß mal die 7 Prozent wegnähme, verlören wir 7 Prozent unserer Visit-Reichweite und vermutlich noch mehr Leser – weil Google-Nutzer seltener, aber zahlreicher kommen als die Kernleserschaft. Ohne ins Detail unserer Umsatzzahlen gehen zu wollen, könnte das Verluste im mittleren sechsstelligen Bereich bedeuten. Jeder kann sich ausrechnen, was das Risiko am Ende der Debatte ist und wie groß die Wahrscheinlichkeit wäre, Ansprüche gegen Google im Falle eines Gesetzesbeschlusses auch durchzusetzen zu können. (Ganz abgesehen davon, dass die aktuelle Gesetzentwurfsformulierung durchaus auch nette kleine Portale wie Rivva bedroht, was keiner wollen kann.)*

Viele fragen, warum wir Online-Journalisten uns so zurückhalten oder lavieren angesichts der digitalpolitischen Dimension des Themas. Was mich angeht: Erstens stimmt das so nicht. Zweitens, weil ich lieber ruhig hier argumentiere, als in der allfälligen Hysterie dieser sogenannten Diskussion zu versinken. Die Auseinandersetzung mit dem Thema verläuft so holzschnittartig, dass man sich mit einer abwägenden Haltung kaum noch bewähren kann – weil man sich sofort dem Vorwurf auszusetzen droht, es sich in der argumentativen Mitte bequem machen zu wollen, was falsch ist. Drittens, weil ich Google natürlich aktiv mit unseren Inhalten beliefern lasse, um möglichst viele neue Leser aus der Suchmaschine zu bekommen, Stichwort SEO, und wir sind da nicht mal die schlimmsten, Stichworte ausgerechnet Springer und Burda. Viertens, weil ich in diesen Zeiten natürlich um jede zusätzliche Einnahme für mein Haus froh wäre – mir aber obige Zahlen ansehe und #ausgründen #robots.txt etc.

Und fünftens wegen des Gorillas aus dem Video.

Die wissenschaftlich fundierte Lehre aus dem Film ist: Wenn wir Menschen uns auf ein bestimmtes Ding ganz arg konzentrieren, dann übersehen viele von uns plötzlich andere Dinge, die eigentlich ziemlich auffällig sind. Unaufmerksamkeitsblindheit heißt das, “bedingt durch die eingeschränkte Verarbeitungskapazität des menschlichen Gehirns”, schreibt Wikipedia. In der aktuellen Debatte haben viele von uns Probleme, das Phänomen Google zu verarbeiten.

Schwarz-Weiß-Menschen neigen dazu, gerade digitale Milliardenkonzerne wie Apple, Microsoft oder Google entweder sehr gut oder sehr böse zu finden; da hilft es auch nichts, wenn das Firmenmotto “Don’t be evil” ist. Nun sind diese moralischen Zumessungen an Unternehmen kindlich. Unternehmen wollen Geld verdienen; im Zweifelsfall handeln sie dabei so gut oder böse, wie es zum einen das Geschäft und zum anderen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zulassen.

Betrachtet man Google, laufen die Geschäfte. Das Unternehmen ist faktisch Monopolist für die Suche im Netz, und weil man in einem Meer von Informationen viel suchen muss, schafft dieser Monopolist immer häufiger einen sogenannten Lock-in seiner Kunden: Sie sind in der Google-Welt gefangen. Und sie sind es gern. Beim Suchen und Mailen, beim Texten, Tabellieren und Präsentieren – auch meine Redaktion nutzt gerne Google Docs –, beim Telefonieren, Kaufen und Bezahlen, beim Navigieren und eben Nachrichtenlesen, man kann so weitermachen. Ein Monopol strebt danach, sich in viele Bereiche hinein zu vergrößern (was Google gerade durchaus unter Druck macht), aber wenn die Kunden mitziehen, schafft es das. Googles Mission ist, die Informationen der Welt zu erschließen, wobei eine Information aus der Meta-Perspektive quasi alles sein kann, woraus die Welt besteht; also geht es ums Globale. Und damit um die oben erwähnten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die man setzen sollte.

Dass ein Leistungsschutzrecht dabei in Wahrheit viel zu kurz greift, weil es sich nur mit einem Aspekt von Googles Geschäftsgebaren befasst, hat Philipp Klöckner in diesem lesenswerten Text aufgeschrieben. Er spricht von einem Monopoly. Der Mann hat ein Eigeninteresse, sich über Google zu beklagen*, weil er ein Opfer von dessen Algorithmen ist, aber darum geht es nicht. Sein Text lenkt den Blick darauf, dass unser Verhalten im Netz von Algorithmen abhängt, die wir nicht restlos verstehen und nicht verstehen sollen. Die Rechenergebnisse sind natürlich auch bei Google kommerziell geprägt, weil ein börsennotierter Konzern immer mehr Geld verdienen will und muss. Wie soll ein Monopolist das schaffen, wenn er nicht expandiert und dabei andere Marktteilnehmer angreift? Das Filtern der Welt ist dabei ein wichtiges Werkzeug von Google wie auch von Facebook, und Eli Pariser hat in seinem wegweisenden Buch “Filter Bubble” präzise beschrieben, wie unser digitales Leben dadurch verformt wird.

Die Menschen, die derlei Kritik vorbringen, sind Netzprofis – während sich zum Beispiel Miriam Meckel wegen eines ähnlich gelagerten Artikels in der SZ am Wochenende kritisieren lassen musste, in einem Text des Kollegen Christian Jakubetz, der so schließt:

“Es macht auch nicht allzu viel Sinn, halbstaatliche Sanktionen verhängen und die Konzerne in ihre Schranken weisen zu wollen. Sie machen ihr Geschäft, sie machen es wenigstens aus ihrer Sicht auch gut - und die Nutzer haben mit ihren Klicks abgestimmt. Die Großkonzerne im Netz sind letztendlich durch sie entstanden, und durch sie werden sie auch wieder zurechtgestutzt.”

Ich bin mir da nicht sicher, sondern marktliberal – und deshalb prinzipiell für die Idee einer starken Kartellaufsicht. Die digitalen Märkte monopolisieren sich schneller als die klassischen, von globalen Angeboten wie Such- und Freundesplattformen bis zu nationalen wie Immobilien- und Stellenmärkten. Google ist im Internet dank des hohen Konzentrationstempos binnen zehn Jahren zu einer Art essentiellem Infrastrukturanbieter geworden, vergleichbar der Bahn oder der Telekom in Deutschland – nur dass diese Konzerne weitreichender staatlicher Aufsicht unterliegen, sobald es um eine Grundsicherung des Angebots für die Nutzer geht. Ohne eine solche Kontrolle drohen Kartelle prinzipiell immer, dysfunktional zu werden und innovative Entwicklungen zu hemmen.

Bei den Big Four Google, Amazon, Facebook und Apple habe ich das Grundgefühl, dass wir mehr Kartellkontrolle bräuchten – dass die Marktaufseher aber von der Materie zu wenig verstehen oder keine Hebel haben. Jede Pressefusion wird in Deutschland immer noch dramatisch schärfer beaufsichtigt als die Konzentrationsprozesse im Netz, dem neuen Medium der Massenkommunikation. Weil die zugrundeliegenden Prozesse weltweit ablaufen? Weil die Digitalkonzerne kaum greifbar sind? Es kommt zu einem lächerlichen Ungleichgewicht der Regulierung, wenn hierzulande zum Beispiel RTL und ProSieben keine gemeinsame Videoplattform im Netz eröffnen dürfen, zugleich aber natürlich die US-Giganten das Fernsehen im Internet erobern, auch in Deutschland.

Wer glaubt, der Nutzer werde am Schluss den Missbrauch von Marktmacht bestrafen, sei gewarnt: Ich kenne viele Menschen, die über Bugs des iPhone 3, 4, oder 5 geflucht haben, aber dann nicht zu Android gewechselt sind, weil sie ihre iTunes-Lieder nicht aufgeben wollten. So funktioniert Lock-in. Außerdem – bevor ein Nutzer Google freiwillig verlässt, muss ein besseres Google erfunden werden. Danach sieht es nicht mehr aus. Ein Marktführer ist nur bedroht, wenn ein innovativer Rivale entsteht, und das ist nicht garantiert, wenn es um komplexe Techniken geht.

Ein interessanter Randaspekt des Streits über das Leistungsschutzrecht ist, dass die Verlagsvertreter und die durchschnittlichen Digital-Aktivisten eigentlich näher beisammen sind, als sie denken. Letztere werfen Ersteren in diesem konkreten Fall vor, Klientelpolitik mit schlechten Argumenten zu machen. So be it. Doch abgesehen davon: Grundsätzlich verbindet beide Lager ein diffuses Misstrauen gegenüber Google. Auch Internet-Aktivisten finden es ja gefährlich, wie der Konzern in Sachen Netzneutralität oder beim Polieren von Suchergebnissen agiert. Ginge es um solche Themen, würden sie dem Konzern die Kampagne “Schütze Dein Netz” genauso als Anmaßung vorwerfen, wie es jetzt Printkollegen tun. Ein Konzern kämpft im Zweifel immer nur für die Freiheit, die ihm nützt, nicht für einen gesellschaftlichen Wert an sich. Das ist ihm nicht vorzuwerfen. Nur sollte er darauf verzichten, sich zum Rebellen zu überhöhen. (Auch Verlagsvertreter sollten das an dieser Stelle lassen, um das zu ergänzen – weil es einen nicht ziert, Gleiches mit Gleichem zu vergelten.)

Das Ärgerliche an der aktuellen Debatte ist, dass sie in ihrer Plattheit die größere Diskussion in den Hintergrund treten lässt: darüber, dass Google kein friend ist und kein enemy, sondern ein frenemy. Ein Unternehmen, das Respekt verdient, weil es Großes geschaffen hat und weiter schafft – das deshalb aber größere Aufmerksamkeit braucht als eine Beinahe-Geisterstunde im Bundestag zu einem durchaus hinterfragens- und diskussionswürdigen Nebenthema.

Schauen Sie sich das Video von dem Gorilla noch einmal an. Beim zweiten Mal sehen Sie ihn, und Sie reagieren klüger.

*hier die Reaktion von Christoph Kesse, hier die von Philipp Klöckner

Für meine Freunde von TONIC habe ich ein bisschen gekritzelt. Die Damen und Herren vergeben Stipendien an junge Journalisten von 15 bis 23, in Form von finanzieller und fachlicher Unterstützung. Ah, und ganz nebenbei bin ich übrigens einer der Mentoren, was mediale Reichhaltigkeit und digitale Formate angeht. Wer also jung und motiviert und journalistisch im Blut ist, bewirbt sich jetzt!

Watch on ozmania.tumblr.com

Die Linke und die Drogen | Spiegelfechter

es ging ja schon durch’s netz, ich selbst hatte auch hier drüber geschrieben, dass die linkspartei drogen legalisieren will. oder zumindest entkriminalisieren wollen.. den handel.. oder.. wtf, keine ahnung mann. ich kapiers bis heute nicht. irgendwas mit drogen halt. we will see..

jetzt seh ich dieses video, mit dieser vollkommen nicht ernst zu nehmenden frau von der linkspartei und bin noch verwirrter.

auf jeden fall interessant, was die dame da sagt und welche einblicke sie in ihren eigenen drogenkonsum gibt.

whatever, das geilste zitat ist auf jeden fall: “drogen gehören zum leben dazu.” oder “wie gesagt, wir haben die financial times deutschland auf unserer seite”. na dann! kann’s ja auch nur richtig sein! :D

Los Radio, auf in die Zukunft! (I)

Ich liebe Radio. Und ich mache mir Sorgen. Viele Radioinhalte werden einmal gesendet und verschwinden dann, obwohl im Internet noch viel Platz ist. Auf Webportalen und in sozialen Netzwerken gelten Audios als Klick-Friedhöfe. Deshalb müssen wir etwas tun: Wir müssen neu senden!

Es gibt jede Menge großartige Inhalte, die private und öffentlich-rechtliche Radiosender jeden Tag produzieren: Nachrichten, Beiträge, Interviews, Comedy, Kommentare, Features, Hörspiele - dazu Live-Reportagen, Originaltöne, Collagen. Die meisten Radioinhalte werden einmal gesendet und danach nie wieder gehört. Das ist ein Problem.

Die Lösungen heißen bei den meisten Sendern Mediatheken und Podcasts. Wunderbare Erfindungen! Nur sind Mediatheken abseits der Startseiten oft noch zu kompliziert, nicht intuitiv, nicht voraussetzungslos, manchmal nicht auf der Höhe der Zeit. Und Podcasts kommen irgendwie nicht so richtig in Schwung, wie Ole Reißmann vor kurzem bei „Spiegel Online“ treffend zusammengefasst hat. In seinem Text „Für immer Nische“ nennt er auch gleich sechs Gründe für den ausbleibenden Erfolg von Podcasts, zum Beispiel mangelnde Vielfalt, das breite öffentlich-rechtliche Angebot, die GEMA und die „Labercasts“, also Podcasts mit allzu ausufernder Länge. Ich finde aber, Podcasts und Audios leiden bisher vor allem unter zwei ungelösten Problemen: finden und teilen.

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Kein Geheimnis, dass vor allem Bilder bei Facebook und Twitter geteilt werden; der Erfolg von Instagram und auch Pinterest zeigt das eindrucksvoll. Die Vorteile sind klar: Bei Fotos weiß man sofort, was man bekommt; sie sind schnell zu konsumieren, zu teilen, zu verschicken. Videos von YouTube oder Vimeo sind ebenfalls mit wenigen Klicks bei Facebook gepostet, genau wie Links zu Online-Artikeln oder Webseiten. Aber wer teilt schon einen Radiobeitrag?

Machen wir uns nichts vor: Es ist verdammt schwer, mit Bildern und Videos zu konkurrieren. Aber warum nicht die Erfolgsrezepte kopieren, weiterentwickeln und das Beste daraus machen? Viele gute Ideen und Ansätze gibt es schon, ebenso die Schlüssel zum Erfolg – und die sind vor allem ein leichtes Finden, schickes Aussehen und einfaches Verbreiten.

Was also kann ein Hörer im Internet tun, wenn er den Freunden oder Followern unbedingt einen Radiobeitrag empfehlen will? Link + Datum + Uhrzeit twittern?

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Schritt eins ist das Schwarzbrot: Die Inhalte müssen ins Internet, und zwar schnell! Dass dies automatisiert und trotzdem übersichtlich geschehen kann, zeigt unter anderem  MDR INFO. Der Sender stellt fast alle Beiträge sofort nach Ausstrahlung in die Mediathek, wo sie chronologisch aufs Anhören warten. Trotzdem zeigen sich dort schon zwei Probleme: (1) das Suchen ist mühsam, erfordert viele Klicks und Wissen, die Beschriftung ist manchmal nicht ideal, Schlagworte fehlen; (2) man kann zwar die Mediathek als Ganzes verlinken, nicht aber einzelne Beiträge.

Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur stellen zwar für jeden ihrer Beiträge in der gemeinsamen Mediathek einen - sehr langen - individuellen Link zur Verfügung. Das Posten bei Facebook aber macht optisch so ziemlich gar nichts her.

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Einen ersten cleveren Ansatz zeigt da das private Nachrichtenradio BNR aus den social-media-freundlichen Niederlanden. Auf der Website kann man nicht nur das Programm komplett nachhören, sondern unter “Archief” auch für eine selbst gewählte Uhrzeit einen Link generieren – Dauer zwischen 60 Sekunden und 240 Minuten. Dieser Link kann in einer Mail verschickt oder mit Freunden geteilt werden. Grafisch ist das Posten bei Facebook allerdings noch ein Desaster.

Wer schickes Aussehen und Viralität will, kann einzelne Audios auf Plattformen wie Soundcloud oder Audioboo laden – elementare Voraussetzungen dafür sind alle Rechte am Material und, am besten, die Abwesenheit von Musik, Filmausschnitten oder anderen besonders geschützten Kulturgütern. Mit diesen sozialen Netzwerken für Audios sind gleich mehrere Probleme auf einmal gelöst: Das Audio bekommt ein schickes Aussehen und kann mit einem Bild zusätzlich verschönert werden. Eine Teilenfunktion („Share“) ist ebenso eingebaut wie ein Link zum Einbetten („Emded“) in Blogs und Webseiten. Außerdem sieht ein geposteter Soundcloud-Link bei Facebook oder Twitter bildähnlich aus. Perfekt?

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Nicht ganz. Denn es ist auch mühsam, viele Inhalte erst in soziale Netzwerke zu laden, um sie anschließend in anderen sozialen Netzwerken zu posten. Außerdem bestimmen diese Plattformen die Spielregeln und können diese jederzeit ändern.

Radioredaktionen müssen sich also entscheiden: Entweder sie akzeptieren eine schleichende Entwertung ihrer Arbeit und die Bedeutungslosigkeit in allen Bereichen des Internets, in denen immer mehr ihrer Kunden immer mehr Zeit verbringen. Oder sie erkennen, dass es ein zweites Senden gibt – und dass die Beiträge fürs Internet ebenso aufbereitet werden müssen wie für die Ausstrahlung im Rundfunk. Das kostet Zeit, Geld und Kraft. Aber es macht die geleistete Arbeit auch haltbar, sorgt für mehr Verbreitung, Akzeptanz und Relevanz. Ja: Relevanz!

Wenn Audio-Inhalte über die Welt des Schalls hinaus wirken, bisherige Nicht-Hörer, andere Journalisten oder sonstige Zielgruppen erreichen, wenn sie zitiert werden oder Bundespräsidenten ins Wanken bringen sollen – dann müssen sich Radio-Redakteure einer weiteren bitteren(?) Wahrheit stellen: Das Audio braucht Text!

Gründe gibt es viele: Google findet (noch) kein Zitat innerhalb von Audio-Beiträgen. Im Büro fällt ein heimlich während der Arbeitszeit am Bildschirm gelesener Text nicht so auf – ein Kopfhörer dagegen schon. Journalisten werden auf der Suche nach einem guten Zitat oder Inhalt nicht erst dreieinhalb Minuten durchhören, um dann artig Wort für Wort abzutippen. Deshalb müssen Radiojournalisten exklusive Informationen, O-Töne, Interviewpassagen oder Kommentare auch als Text anbieten und online stellen. Oder anders ausgedrückt:

Wir Radioleute sollten weniger Energie in Presseschauen stecken und mehr daran arbeiten, dass Zeitungen Radio-Kommentare drucken.

— Felix Hügel (@FelixHuegel)

25. März 2013

Nur wenn Radiobeiträge informativ und spannend beschriftet und getaggt werden, sind sie leicht zu finden (auch Übersichtsseiten und clevere Apps helfen!). Wenn sie dann noch mit einem schicken Bild ausgestattet und einfach zu teilen sind, kurz: wenn sie Spaß machen – dann haben sie im Netz eine Chance. Und erst dann ist die Arbeit getan.

Obwohl, nicht ganz! Natürlich geht da noch mehr als nur ein Bild zum Audio zu laden: Vertonte Bilderschauen („Audio-Slide-Shows“) oder interaktive Beiträge sind zum Beispiel eine eigene, wunderbare Darstellungsform, die mehrere Medien schon ausprobiert haben – vor allem Zeitungen! Sogar längere, unportionierte Audios können eine Chance haben, wenn sie spannend aufbereitet sind. Scrollreportagen setzen noch einen drauf und kombinieren Text, Fotos, Videos und Links zu einem Multimedia-Erlebnis.

Also los, Radio: auf geht’s!

 t.b.c.

Tl;dr:

  1. Audios müssen sofort ins Internet (und damit auch in Apps)
  2. Text muss sein: ein guter Teaser, Hinweise zum Inhalt, saubere Tags, Längenangabe
  3. Jedes Audio braucht ein Bild, auch in Mediatheken
  4. Audios müssen leicht zu teilen sein: (Kurz-)Link, Teilbuttons
  5. Lieber kürzere Audios; längere (>5min) sollten extra aufbereitet werden
  6. Wichtige Inhalte wie O-Töne sollte es auch als Text geben
  7. Es muss immer weitergehen: Audio-Slide-Shows, Multimedia, Experimente
Wie wir die Revolution für eine Evolution nutzen müssen

Danke, liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem schönen Zeitungshochhaus im schnöden Münchner Osten. Dieser öffentliche Dank ist fällig, eigentlich schon länger, spätestens jetzt. Bei der Wahl zum Chefredakteur 2012 des medium magazins bin ich – für mich recht überraschend – auf Platz drei gelandet, hinter Wolfgang Büchner und Christoph Schwennicke. Nun, was immer die Jury bewogen hat: Der Chef steht vielleicht vorne, aber das Team ist das Entscheidende. Die SZ ist für Onliner gerade der spannendste Ort in Deutschland, um den digitalen Journalismus in einem großen Medienhaus weiterzuentwickeln, nicht nur diesem Ranking folgend, sondern auch nach meiner Überzeugung nach beinahe zwei Jahren im Job. Und das liegt an den Kollegen.

Mehr will ich dazu nicht sagen, sondern den Anlass und den Jahreswechsel für etwas nutzen, das ich schon länger tun wollte: an dieser Stelle eine erweiterte Version des Gastbeitrags veröffentlichen, den ich in der Dezember-Ausgabe ebenjenes medium magazins geschrieben habe. Vor welchen Herausforderungen der Online-Journalismus steht, wenn er seinen Beitrag zur Zukunft des Journalismus leisten will:

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Death of Digital Journalism?

Das Fragezeichen im Titel der Session “Death of Digital Journalism?" hätte man sich sparen können, denn die sehr um den Ist-Zustand des digitalen Journalismus drehende Diskussion zwischen dem Blogger Ronny Kraak, “Der Freitag”-Chefonliner Jan Jasper Kosok und dem Moderator Jin-Hun Kim, Chefredakteur und Mitgründer von “Das Filter”, ließ jegliche Visionen einer Zukunft vermissen. Vielmehr wurde der Status Quo besprochen, der neben dem Fakt, dass immer mehr Leute den Zugang zum Bloggen auch ohne journalistische Ausbildung finden, nicht sehr viel Hoffnung macht.

Bisher haben sich Blogger durch eine gewisse Leidenschaft an ihren Themen ausgezeichnet und Journalisten durch ein selbst definiertes Berufsethos, doch in den letzten Jahren ist beides zum Teil verloren gegangen. “Wenn du vom Bloggen leben möchtest, musst du noch sehr viel Scheiße mitnehmen”, sprich Werbung, wie Ronny Kraak anmerkte. Auch Ji-Hun Kim sieht in dem Verhältnis zwischen Werbung und Blogs einen Knackpunkt. Für Kraak ist das Bloggen deshalb noch etwas, dass er neben seinem Beruf macht, damit er sich eine gewisse Unabhängigkeit wahren kann.

Im Fazit bleibt festzuhalten, dass sich Blogs und Journalismus im Digitalen um die gleichen Themen drehen, denn … Trommelwirbel … sie funktionieren gleich. Egal wer oder warum etwas im Internet veröffentlicht, wenn es um Clickbaiting bei der Formulierung von Überschriften und die Finanzierung der Arbeit geht, müssen beide die gleichen Fragen beantworten können und ohne journalistischen Berufsethos und einer zeitgleichen Angleichung der Blogosphäre an Medientrends, werden sich beide Seiten immer ähnlicher. Ihre Probleme ähneln sich, vielleicht auch ihre Lösungen, leider aber auf Kosten der Vielfalt.

P.S. Erst heute Morgen habe ich Dank eines Tweets von Christoph Kappes ein Blog gefunden, dass mir wieder zeigte, was das Tolle am Bloggen ist: medievalbooks.nl.

Auch passend dazu: Die wirkliche Datenkrake heisst Amazon | Netzwertig.

Facebok MY ASS alter. Mich kotzt das sowieso an, da wird die Hauptaufmerksamkeit auf EINEN Internetdienst/Anbieter komprimiert, was auch nicht wirklich zu mehr Transparenz im Netz zuträgt. Whiteout wäre der passende Begriff dazu, vieleicht. Spiegel-Online soll ja auch so’ne Daten-Hure sein, finde den Artikel dazu aber grad nicht.

"Diese Bild-Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz grade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.”

aus: Max Goldt: Der Krapfen auf dem Sims. (S. 12 f.); Karte: Martin Z. Schröder (dazu sehr lesenswert: http://goo.gl/lB4tDQ)

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