25.05.2011: Gesellschaftskritik nach Auschwitz

Teil 2 der Veranstaltungsreihe “Kritik und Krise - Der kategorische Imperativ”
Mittwoch, 25.05.2011 | 19.00 Uhr | FSU Campus CZS 3 - SR130

Im 19. und 20. Jahrhundert zwangen die Entwicklungen der kapitalistischen Gesellschaft zu einer Neuformulierung der kritischen Theorie. Im deutschen Nationalsozialismus zeigte sich, dass die kapitalistische Gesellschaft an ihren Krisen nicht zwangsläufig scheitern muss, wie es Marx vermutet und gehofft hatte. Vielmehr hielt sie sich durch antisemitischen Massenwahn und unter Regie eines autoritären Staates gewaltförmig zusammen. Die Ideologie, insbesondere der Antisemitismus, wurde selbst zum Grund, aus dem die Gesellschaft noch existierte: Das nazifaschistische Deutschland muss als ein „Produktionsverhältnis des Todes“ (isf) beschrieben werden. Im Moment des krisenhaften Zerbrechens der kapitalistischen Gesellschaft wurde in Deutschland der gesellschaftliche Zusammenhalt durch Massenmord gestiftet. Dies erzwang eine Gesellschaftskritik mit veränderter Perspektive: Die Gesellschaft sei so einzurichten, dass sich derartiges nicht wiederholt.

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Vera Birkenbiehl über Verständigungsprobleme und die Kunst des “Zweinigens”

I do not believe in natural laws of sound, but I believe in listening habits caused by cultural traditions that are responsible for how certain chords are valued. (Georg Friedrich Haas)
—  Original: “Ich glaube an kein Naturgesetze des Klanges, sondern ich glaube an durch kulturelle Traditionen bedingte Hörgewohnheiten, die dafür verantwortlich sind, wie bestimmte Zusammenklänge bewertet werden.”
Frieden | A piece of peace...

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Was ist Frieden?.. Ist Frieden wie wir Heute Leben und lediglich Kriege sind Gewalt? Heißt Frieden, das wir uns zwar nicht hassen aber auch nicht mögen, dass wir immer an uns selbst denken und uns andere egal sind? 

Oder vielleicht, dass wir die verschlossenen Emotionen nicht zeigen können um unseren “Frieden”  zu wahren?…

Jeden Tag gibt es Einbrüche, Mord, Selbstmord, Diebstahl und Schmerzen. Also wenn die Schmerzen nur “gering” sind weil ja nur ein Mensch getötet wurde, ist es immer noch Frieden? 

Das Leben beziehungsweise unsere Gesellschaft kennt keinen Frieden, jeden Tag denken wir nur an uns selbst…

Wisst Ihr, ich weiß nicht ob ich in der Zukunft verweilen möchte oder in der Vergangenheit… denn die Gegenwart ist kein Ort an den Ich mich gerne aufhalte, denn jedesmal wenn ich in der Gegenwart bin, dann fange ich an zu trauern… Bald hab ich meine Ausbildung, dann muss ich bis Ich unbrauchbar bin arbeiten und am Ende bleibt mir dafür nichts.. 

All die Jahre verschwendet, nur weil Ich in das System passen musste. Wer nicht will, der wird ausgeschlossen und verachtet. Doch niemand bemerkt, dass alle Menschen darunter leiden.. Tag für Tag. Die, die sich wehren wollen und für Freiheit kämpfen wollen, werden einfach weggesperrt oder von Kranken behandelt. Jeder Mensch ist Gesund, doch die Gesellschaft macht uns Krank. Die Regierung spricht immer von Frieden.. doch warum gibt es das Militär? Warum gibt es die Polizei? Warum gibt es Gewalt. 
Weil wir uns alle so mögen?..

Hass… Unterdrückung… Gewalt und Rassismus

Warum müssen wir so leben? Könnten wir nicht alle endlich frei sein?

Denkt auch an andere.. nicht nur immer an euch selbst. Das da im “Ausland” sind auch Menschen, Menschen wie wir. Es hilft nichts Geld nach Afrika zu spenden, denn Geld ist lediglich Papier. Was Menschen wirklich und dauerhaft hilft ist die Hilfe selbst. Die Hilfe von anderen. Was würdet Ihr tun wenn euch niemand hilft? Wenn Ihr immer unterdrückt werdet obwohl Ihr eigentlich nichts getan habt.. Ich wohne zwar in Deutschland aber es gab eine Zeit in der Ich Depressionen hatte und ich wäre fast verhungert. Dieses Gefühl ist schrecklich… scheinbar gilt aber wie immer das Sprichwort, aus den Augen aus dem Sinn… 

Die Welt könnte so schön sein, die uns Gott gegeben hat doch der Mensch hat sie vernichtet.. auch in dem Wissen, dass ich vermutlich scheitern werde sie zu verbessern habe ich es immerhin versucht. 

Helft euch, seid für einander da und vergesst nie, dass diese anderen Menschen auch Gefühle haben. Bewertet nie jemanden nach dem aussehen oder dem Reichtum… sondern versucht Ihm/Ihr zu helfen.
Es gibt keine falschen Menschen, lediglich Menschen die etwas anders gelernt haben. Wenn sie Gewalt anwenden, zeig Ihnen einen Weg um etwas friedlich zu lösen. Wenn sie dir auf die Nerven gehen, sag Ihnen das aber sei friedlich und beleidige sie nicht. Wenn ein Mensch eine andere Meinung hat, gegen alle etwas haben, dann hör ihm zu und schau was er zu sagen hat, denn oft hat die Masse unrecht. 

Nun Ich möchte euch nun nicht weiter belästigen. 

- Liebe Grüße, der in Frieden lebende gebrochene Mensch.

Es wurden Fehler gemacht

"Erst wenn ein Politiker mit dem Rücken zur Wand steht, benutzt er widerstrebend das Wort ‘Fehler’, ohne jedoch eine Urheberschaft zu beanspruchen. In solch unerfreulichen Momenten nutzt er lieber seine ganze Meisterschaft in der Benutzung des Passivs und schöpft alle ihm zu Gebote stehenden grammatikalischen Möglichkeiten aus, Sätze ohne handelndes Subjekt zu bilden…."

Aus: Ich habe recht, auch wenn ich mich irre. Carol Tavris, Elliot Aronson (dt. Erstauflage, 2010)

the mastery of self handicapping

"Only one who devotes himself to a cause with his whole strength and soul can be a true master. For this reason mastery demands all of a person.”

Diesen Satz soll der gute Einstein mal von sich gegeben haben. Wie das mit Zitaten aus dem Internet war’s vielleicht auch eine 13-jährige Tumblr-Userin. Spielt aber keine Rolle, ist trotzdem ein netter Einstieg für meinen Kommentar zum Thema self handicapping.

Self handicapping, diesen Ausdruck habe ich in dieser Woche selbst zum ersten Mal gehört, als meine Mitbewohnerin mich darum bat, ihre Hausarbeit korrektur zu lesen. Sie studiert Psychologie und Thema der Arbeit war der Einfluss sprachlicher Kompetenzen auf das Selbstwertgefühl bei Schülern mit Migrationshintergrund. 

Der Begriff self handicapping wird in der Psychologie im Zusammenhang mit kognitiver Dissonanz erwähnt. Kognitive Dissonanz beschreibt einerseits den Zustand, den wir erreichen, wenn verschiedene Informationen, die wir aus unserer Umwelt aufnehmen, mit einander kollidieren und andererseits unsere Reaktion darauf. Ein Beispiel, das vermutlich jede_r kennt:

Wir sprechen eine Person an, die wir attraktiv finden und bekommen einen Korb. Wahrnehmung A (wir geben etwas von uns preis) kollidiert jetzt mit Wahrnehmung B (Ablehnung). Wir müssen jetzt der Ablehnung einen Grund zuschreiben. Um unser Seelenheil zu schützen kennt unsere Psyche in so einer Situation ein paar Tricks (Selbstwertregulationsstrategien nennen das die Psychologen), die nun angewendet werden, in der Regel, ohne das wir es bewusst mitbekommen. 

Wir können die Ursache in uns selbst zuschreiben, oder in äußeren Faktoren suchen. “Sind wir nicht attraktiv, intelligent, witzig etc. genug?” Um nicht direkt in eine Sinnkrise zu verfallen, neigen wir dazu, solche Angriffe auf unser Selbstwertgefühl eben an Ursachen fest zu machen, auf die wir keinen Einfluss haben. “Die Person ist sicher vergeben, oder hat einfach nicht erkannt, wie großartig wir sind. Naja, dann hat sie mich auch nicht verdient.”

Diese Selbstwertregulationsstrategien erlernen wir im Laufe unserer Sozialisation und je häufiger sie sich für uns als scheinbar nützlich erweisen, desto wahrscheinlicher werden wir sie auch wieder anwenden. Irgendwann dann ganz unbewusst. Im Prinzip genau wie andere Gewohnheiten. Und wie mit anderen Gewohnheiten wird es immer schwieriger, sie wieder loszuwerden, je länger wir sie verwenden. Schon mal drüber nachgedacht, ob man die Muttersprache wieder verlernen kann? Dagegen erscheint es schon leichter, mit dem Rauchen aufzuhören. Das ist natürlich alles etwas vereinfacht dargestellt, aber es reicht als Grundlage.

Das Self handicapping ist nun eine solche Strategie unser Selbstvertrauen zu schützen. Noch ein Beispiel, das sicher der ein oder andere schon mal in dieser oder ähnlicher Form erlebt habt:            Noch drei Tage bis zu einer schwierigen Prüfung. Uns fällt urplötzlich auf, dass wir bisher kaum etwas dafür getan haben. Natürlich sollten wir uns jetzt mit einem Stapel Fachliteratur im Zimmer verbarrikadieren und erst in drei Tagen wieder rauskommen. Natürlich verbarrikadieren wir uns noch am selben Abend mit einem Stapel Schnapsgläsern und einem Haufen guter Freunde in der Lieblingskneipe und setzen uns damit mindestens bis zum nächsten Mittag außer Gefecht.

Unter self handicapping werden all diejenigen Denk- und Verhaltensweisen zusammengefasst, mithilfe derer wir uns selbst demontieren, mit dem Ziel letzlich unser positives Selbstbild zu schützen. Immer dann wenn wir Gefahr laufen, negativ bewertet zu werden, wenden wir dann diese Strategien an. Dazu wird beispielsweise auch das prokrastinierengezählt. Sollten wir die Prüfung dann nicht bestehen, ist es einfach angenehmer für uns zu sagen: “HÄTTE ich genug gelernt, hätte ich die Prüfung bestanden. So konnte das ja nicht klappen. Es liegt also nicht an meiner Intelligenz. Beim nächsten Mal mache ich alles besser.” 

Wichtig ist, dass so ziemlich jeder von uns diese Verhaltensweisen kennt. Der entscheidende Unterschied liegt darin, wie oft sie angewendet werden. Self handicapping hat grundsätzlich eine positive Funktion, wird aber wirklich hinderlich sobald es zu einem Lebensstil wird. 

Ich habe etwas erschrocken festgestellt, dass diese Muster sich bei mir seit der Schulzeit finden lassen. Heute erkenne ich sie klar, wenn es um Prüfungen in der Uni und regelmäßigen Sport geht. Ich bin erstaunt, wie sehr ich mein Verhalten dahingehend perfektioniert und verinnerlicht habe. Ich bin gerade im 5. Semester, studiere ein geisteswissenschaftliches Fach und habe noch nicht eine einzige Hausarbeit geschrieben (allerdings noch 5 offen). Zwar kenne ich meine Ziele, halte mich vor lauter Versagensangst aber davon ab, sie überhaupt anzugehen. Well played brain, well played…

Ich überlege gerade, meine Gesprächstherapie abzubrechen und stattdessen eine Verhaltenstherapie auszuprobieren.

Wer inhaltliche Fehler entdeckt, sehe es mir doch bitte meine mangelnde psychologische Fachkenntnis nach. Wer Interesse am Thema hat und mehr fundiertes Wissen sucht, dem sei als Einstieg dieser Artikel aus “Psychologie und Personalführung” ans Herz gelegt:

"Aber morgen fange ich richtig an!" Prokrastination als verbreitete Arbeitsstörung

 

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