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[Spam] [Bots] [Klick-Farmen] [Textzirkulation] [Social Media]

Wie erreicht man, dass Social Media-Beiträge inmitten des großen Rauschens der Timeline gelesen werden? Klar. Sie brauchen viele Likes und Favs, sie müssen oft geteilt und retweetet werden.

Weil dafür aber die Beiträge inmitten des großen Rauschens der Timeline überhaupt erstmal von denen bemerkt werden müssen, die dann erst den Like- oder Fav-Button drücken können, muss man irgendetwas erfinden, was das Gehypet-Werden entscheidend vereinfacht.

Die Lösung lautet: Klick-Bots programmieren. Nicht nur einen, am besten tausende. Oder zehntausend.

Das ist auch aufwendig, zahlt sich aber auf lange Strecke aus. Das führt der verlinkte Artikel vor. Es ist ein Prachtstück für Langstreckenjournalismus. Im Detail führt er vor, welche Entwicklungsstufen die kleinen und großen Firmen hinter sich haben, die sich auf das Besorgen von Klicks und Likes spezialisiert haben. Wer früher einmal Spam-Mails verschickt hat, ist längst in diesem Geschäft angekommen, das Einzelunternehmer in Indien ebenso versorgt wie kleine amerikanische Start Ups. Mit dran hängen auch junge Twitter-User, die ihre Zweit- und Drittaccounts zur Verfügung stellen. Die werden einfach per Software eingefügt in die Heerscharen, die dann je nach Auftragslage ausschwärmen und klickend aktiv werden.

Die Branche ist mittlerweile derart angewachsen, dass das Grundprinzip der Sozialen Medien sukzessive ausgehöhlt wird. Das lebt ja davon, dass hier Menschen mit Menschen verbunden werden, um zu kommunizieren und sich gegenseitig Materialien zu zeigen. Wenn aber die Bots überhand nehmen und die Dynamik des Social Web gar nicht mehr von Menschen angetrieben wird und auf Menschen zuläuft, was dann?

Vor allem wirft der Artikel die Frage auf, ob es sich angesichts dieser Inflation von Bots überhaupt noch lohnt, den Versuch zu unternehmen, Beiträge durch Likes und Favs nach oben zu drücken, damit sie wahrgenommen und gelesen werden. Denn wer ist es denn, der sie wahrnimmt? Und wer liest sie? Und klickt den Fav-Button? Mit immer größerer Wahrscheinlichkeit sind das wieder nur —- Bots.

Der Artikel führt vor, dass sich der Markt immer weiter auf eine Grenze zubewegt, an der die Klick-Farmen vollends sinnlos werden. Allerdings zeigt er eben auch, dass die Grenze noch gar nicht erreicht ist und im unübersichtlichen Grenzbereich die abstrusesten Formate zur Ökonomisierung von Bots entstehen, an denen dann wiederum die schrägsten Unternehmerexistenzen hängen.

Das ist für den GWK-Kontext natürlich unglaublich interessant. Nicht nur, weil hier vorgeführt wird, dass Texte mittlerweile ganz anders zirkulieren, als man sich das in klassischen Publikationsseminaren so vorstellt.

Interessant ist es auch, weil hier eine wilde Ökonomie entsteht, die mit dem, was in den Lehrbüchern steht, gar nichts zu tun hat. Und die mit einer Logik, die für Buchkulturen entworfen worden ist, gar nicht zu verstehen und deshalb in ihren Folgen auch gar nicht richtig einzuschätzen ist.

Das hier ist eine Kultur, die in der Gegenwart untersucht werden muss. Wobei man sich als Beobachter nicht mit dem im Weg stehen sollte, was man schon gelernt zu haben meint. Alles, was hier zu sehen ist, ist abstruser, als man es sich denken mag.

Nur wer sich darauf einstellt, bekommt mit dieser Geschichte, die der verlinkte Artikel vorführt, einen kleinen Ausblick auf ein Netz, in dem das, was wir Kommunikationshandlungen nennen, gar nicht von uns ausgeführt wird. Es läuft anders. Ganz anders.

Und wer will, kann übrigens mitmachen. Dafür gibt der Artikel am Ende ein Manual zum Einrichten von Facebook-Bots, die man dann, wenn man sie zu tausenden züchtet, auch gewinnbringend im Dienste von Klick-Farmen arbeiten lassen kann.

Dieses Manual zitieren wir gleich hier. Wer dann noch Lust darauf hat, diesen großartigen Artikel zu lesen, klickt dann gleich unten auf den Link.

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HOW TO BUILD A FACEBOOK BOT (It’s easy!)

PICK A NAME: Fake Name Generator is great for this. One click will get you a full identity: From name, to age, to job—it can even provide a blood type.

CREATE AN EMAIL ACCOUNT: If you want a bulletproof bot, make a phone-verified Gmail account using the same SIM cards you are using to verify your fake Facebook account.

MAKE SURE YOUR STEALTH SOFTWARE IS ON: Your proxy server should show that you’re working from someplace innocuous. Don’t forget to disable the cookies that might snag you.

CREATE A PROFILE: Using the details from Fake Name Generator, flesh out your Facebook account. Dating websites are a great place to steal photos.

PHONE VERIFY THE ACCOUNT: Install a SIM card into a cell phone and type the phone number into Facebook’s phone-verification feature. Wait for Facebook to text you a verification code. Enter the code.

ADD SOME FRILLS TO THE PROFILE: Everything from favorite movies to photo albums, which you can just copy from other profiles. A bot looks a lot more authentic if it has friends, so make sure to send a few requests. If you’re working for a big account farm, you can probably friend some real people who are in on the scam.

CONTROL YOUR BOT WITH THE SOFTWARE: Once you’ve made thousands of bots, you’re not going to want to manually manipulate them. Purchase a program to automate your bots to act real.

WATCH OUT FOR THE SOCIAL MEDIA POLICE:Facebook is hunting you, so be careful. Newly made bots are subject to extra scrutiny, so let your bot marinate for a few weeks. Don’t go overboard on liking too many things. You’ll probably want to maintain a lot of accounts, so they can work in shifts. Whenever you’re paid to like one thing, like a few other random things to create a smokescreen of activity.

AND IF YOU ARE CAUGHT: Don’t sweat it! Facebook is more likely to temporarily disable the like function of the account than delete it. But if the heat’s getting to be too much, just delete the account and reuse the phone number to make a new one. Your business won’t miss a beat.

http://www.newrepublic.com/article/121551/bot-bubble-click-farms-have-inflated-social-media-currency