Reus-Imagine

Teil 27 

Ich ging zur Tür um diese zu öffnen, mit der Decke um meinen Körper gewickelt stand ich vor der geöffneten Tür. Marco stand vor mir und musterte mich. Man konnte die Situation echt falsch verstehen, “es ist nicht so wie es aussieht” versuchte ich ihm die Situation zu erklären. ” Ehm du brauchst mir nichts zu erklären, sind ja nur Freunde” grinste Marco. Ich verstand gerade gar nichts mehr, er tat so als ob nichts gewesen wäre. Da ich einfach dem Stress aus dem Weg gehen wollte, spielte ich sein Spiel mit. Marco ging an mir vorbei in die Wohnung rein und er schien sich recht gut auszukennen in der Wohnung. Ich ging zuerst in die Küche um Marco ein Glas zu bringen, damit er mit trinken kann. Als ich die Küche verließ um zurück ins Wohnzimmer zu gehen , blieb ich im Flur stehen da Erik und Marco am reden waren. Ohne es zu wollen lauschte ich deren Gespräch mit. ” bist du dir sicher?” Fragte Erik. Marco schien etwas zu überlegen und antwortete : ” ja Sie will doch nur Freundschaft, dann bekommt sie es auch. Ich werde mein bestes geben.” ” Du weißt schon dass…” ohne dass erik seinen Satz zu ende bringen konnte, betrat ich das Wohnzimmer. ” Ehh da bist du ja wieder” sagte Erik als er mich bemerkte. Ich setzte mich zwischen die jungs und war etwas angespannt. ” sei locker, alles wieder gut. Sind Freunde” Flüsterte mir Marco ins Ohr und legte seinen Arm um mich. Ich fühlte mich irgendwie gar nicht wohl gerade, ich löste mich von Marco’s Arm uns setzte mich normal hin. Es waren ziemlich lustige Stellen dabei, aber mir war nicht lachen zumute. ” ich gehe jetzt mal” sagte ich und stand direkt auf als der Film zuende war. Ich umarmte beide und ging in den Flur um mir meine Jacke und Schuhe anzuziehen. Ich wollte gerade noch schnell in das Wohnzimmer um mir meine Tasche zu holen, doch ich bekam wieder ein Gespräch mit. ” was ist denn mit ihr los, sie wollte doch nur Freundschaft. ” hörte ich Marco sagen. Ich stürmte ins Wohnzimmer schnappte mir meine Tasche und sagte noch :” ich will auch nur Freundschaft, aber eine echte. ” ich verließ die Wohnung und ging nach hause. Ich hatte das Gefühl verfolgt zu werden. Ich ging immer schneller und lief auch als ich das Gefühl verfolgt zu werden nicht los wurde. An einer Ecke blieb ich schwer atmend stehen um Luft zu holen. Ein schwarzes Auto fuhr vor und blieb vor mir stehen. Vor Angst schrie ich ganz laut, doch niemand war weit und breit da. Es war stockdunkel, was mir nur mehr angst machte.

Liebe Berliner Polizei, das hat echt Spaß gemacht. Danke für gestern Abend.

Liebe Berliner Polizei,

gestern Abend wollte ich eigentlich nur kurz auf der Gürtelstraßendemo vorbei schauen, um gegen die Verarschepoltik des Berliner Senats zu protestieren, aber dann blieb ich doch länger.

Weißt Du, ich fand es nicht schön, wie du mit den Flüchtlingen umgegangen bist und sie 13 Tage ohne Nahrung und vor allem auch ohne Wasser hast auf dem Dach sitzen lassen. Einer von Euch hat den protestierenden Geflüchteten irgendwann einmal etwas zu Essen gegeben und sich damit einer konkreten Dienstanweisung widersetzt. Meinen vollsten Respekt dafür und ich hoffe, er hat sich damit keine allzu großen Unannehmlichkeiten eingehandelt. Sein Verhalten bestärkt mich in der Auffassung, dass nicht alle von Euch scheiße sind und eigentlich möchte ich ja auch glauben, dass keiner von Euch scheiße sein möchte, auch wenn Ihr Euch nur allzuoft scheiße verhaltet. Die meisten von Euch haben sich nämlich sklavisch an die Anweisung gehalten, diejenigen der Refugees, die sich geweigert haben, die ihnen vom Senat versprochenen Unterkünfte zu verlassen, auszuhungern und von der Wasserzufuhr abzuschneiden.

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Das ist schon ein starkes Stück, denn nochmal: Den Flüchtlingen, die im April „freiwillig“ den O-Platz verlassen haben, wurde versprochen, dass das Land Berlin sich darum kümmert, dass deren Asylverfahren hierher verlegt werden und dass sie eine wohlwollende Einzelprüfung erhalten würden. Außerdem würde ihnen der Senat für sechs Monate Unterkunft und Sozialleistungen gewähren. Dass der Senat die ersten beiden Punkte ohnehin nicht durchsetzen wollte oder konnte, war von vorneherein klar, dass in Berlin sechs Monate aber noch nicht einmal sechs Monate dauern, das spricht dafür, dass man sich im Berliner Senat denkt, dass man mit den Geflüchteten machen kann, was man will. Weil es eh keine Menschen sind. Weil sie eh keinen Wert haben. Weil man sowieso keinen Respekt vor ihnen hat.

Liebe Polizei, Ihr macht Euch zum Handlanger einer echten Scheiß-Politik und wenn ich nicht manchmal den Eindruck hätte, dass ihr das gar nicht so schlimm findet oder sogar ziemlich gut, hätte mir das auch ein bisschen leid getan, was da gestern Abend mit Euch veranstaltet wurde. Ich muss sagen, Ihr saht echt nicht gut aus dabei und ein paar von Euch waren richtig aus der Puste. Ich selbst wollte, wie gesagt, ja nur kurz da sein, weil ich noch weiter ins Training wollte, aber dann war es so lustig mit Euch und zum Trainieren bin ich ja trotzdem gekommen, denn wir haben gemeinsam trainiert. Du, liebe Berliner Polizei und ich und die anderen – alle zusammen.

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Für Euch kam das bestimmt ein bisschen überraschend und wohlwollend könnte man sagen, Ihr wart da ein bisschen überfordert. Deutlicher gesprochen, muss man allerdings sagen: Ihr hattet die Situation einfach nicht im Griff. Wir sind hingegangen, wo wir wollten. Wir haben die Straßen dicht gemacht und wieder freigegeben, sind durch Straßen gelaufen, die nicht auf der Demoroute vorgesehen waren und wir haben hin und wieder kleine Grüppchen von Euch aufgelesen, die versprengt und orientierungslos in der Gegend herumstanden. Wenn wir scheiße hätten sein wollen, dann wäre Eure übliche Taktik „rein in die Menge und immer nah dran am Volk“ gestern ziemlich in die Hose gegangen und ziemlich gefährlich für Euch geworden. Wir sind aber nicht scheiße und so war Euer komisches Rumgeballere mit Pfefferspray und Eure gelegentlichen körperlichen Ausraster auch höchst überflüssig. Zumal es gar nichts gebracht hat.

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Na ja, ihr wart halt auch echt im Arsch, wenn ich daran denke, wie Ihr teilweise durch die Gegend gehumpelt seid und welch hochrote Köpfe manche von Euch nach den zwei Stunden herumgerenne hatten. Wenn wir das jetzt aber öfter machen, dann gibt sich das ganz schnell und ihr werdet fitter und wir werden fitter und vielleicht rennen wir dann irgendwann mal gemeinsam durch die Straßen und jagen die zum Teufel, die uns und den Flüchtlingen und allen, die ausgegrenzt und im Abseits stehen die ganze Scheiße eingebrockt haben.

Bis dahin dauert es wahrscheinlich noch ein Weilchen, aber du weißt ja: Die Hoffnung darf man nie aufgeben, auch wenn sie ein Hundesohn ist.

Mir hat das gestern Abend auf jeden Fall richtig Spaß gemacht und ich habe es zu keinem Augenblick bedauert, nicht ins Training gegangen zu sein. Von mir aus können wir nächstes mal auch noch ein bisschen miteinander ringen. Ich wäre dabei. Muss aber auch nicht sein.

Ich fand’s schön so, wie es war und wünsche mir deshalb, dass wir das möglichst bald mal wiederholen.

Ich freu mich jetzt schon und  verbleibe mit solidarischen Grüßen

Dein Staiger

Da ging sie also, den Koffer in der Hand und in der anderen die Reisepässe. Zügigen Schrittes, ein Windstoß lies für einen Moment die letzten Laubblätter vereinzelt um ihre Beine tanzen. Ihre Haare wirbelten umher, nichts hätte sie jetzt zurückholen können. Nichts auf der Welt hätte sie in diesem Augenblick bremsen können, nichts und niemand. Langsam entfernte sie sich und verschwand in der Menschenmenge nahezu ganz. Mir blieb plötzlich der Atem weg. Ich hatte das Gefühl, mein Hals trocknete fast vollständig aus, ich hustete und als ob sich meine Seele aufgelöst hatte, wurde ich steif, konnte nichts mehr kontrollieren, die Ohrläppchen froren im eisigen Nordwind und meine angespannten Arme und Beine ließen mich wie eine Statue regungslos wirken. Ich versuchte einzuatmen, doch die Kälte schmerzte mit jedem Atemzug, Schlucken viel mir schwer, ich war kurz vor dem Ersticken, die Laubblätter lagen auf dem Boden, als hätte sie mir mein Leben genommen, die Irritationen auf meinen kalten Wangen gaben mir ein unangenehmes Gefühl, wenn ich es nicht besser wüsste, sorgte dieser entstandene Verlust bei mir für ein unvorstellbares Nahtod Erlebnis, plötzlich bekam ich einen Stoß von hinten in die Kniekehle, eine ältere Frau mit Kinderwagen. ”Oh, es tut mir Leid, alles in Ordnung?” Kein Wort von mir, eigentlich habe ich auch nichts wirklich wahrgenommen, nur eines, dass ich von meinem steifen Zustand gelöst worden bin, langsam nahm ich die eine, dann - ihr folgend - die andere Hand aus den Taschen, ich machte einen Schritt und lief, ich lief in Richtung … ich weiß nicht, aber ich lief. Ich irrte umher bis ich vom Marktplatz runterkam, Richtung Bahnhof, ich spürte noch immer nichts, nur den eisigen Wind in meiner Lunge, der, so scharf er war, für Stechen in meiner Brust sorgte und mein Schal mit den winzigen Eiskristallen strich über meine kalten Wangen, beruhigend irgendwie.ich drängelte durch die Menschen um mich herum. ”He, passen Sie doch auf!” - Kein Wort von mir, ich konnte nicht mehr reden, jedes Wort aus meinem Mund würde sich schmerzvoll auswirken, ich lief weiter, sah auf keine Uhr, in kein Gesicht, alles Unwichtige war in meinen Augen kontrastlos und erbleicht, nichts gewann auch nur einen kurzen Blick durch meine glasigen, unkonzentrierten Augen, plötzlich war das Südtor zum Bahnhof in Sichtweite, meine Schritte wurden größer, mein Atem kürzer, noch einen letzten Zug sprintete ich durch die Bahnhofshalle, welcher Gleis? Verdammt, welcher Gleis?!! Hamburg, Hamburg, wo ist der Zug nach Hamburg, da, Gleis 8, keine Zeit, ich rannte los, die Treppen hinauf, den Schal noch einmal über die Schulter geworfen am Gleis angekommen, schweren Atems riss ich die Augen auf, der Zug kam ins Rollen, verdammt, verdammt … verdammt! Ich lief zur Tür, schlug einige Mal gegen den Waggon keine Chance, jetzt war es vorbei, ein letztes Mal nahm ich alle Kraft, jeden Atemzug und rannt bis zum Steuerwagen, noch ehe der Zug den Bahnhof verlassen hatte und sprang und mir wurde schwarz vor Augen. Einige Schreie ertönten am Gleis und dann - sie drehte sich blitzartig um. Als ob sie auf ihn gewartet hätte, mit einer Vorahnung und Tränen in den Augen rannte sie zum Bahngleis gegenüber, es war zu spät, der Anblick zerriss sie von Innen langsam aber qualvoll.

Ein Fehler kostete ihm das Leben, er hat es nicht gesehen, es war die falsche Seite des Gleises an dem sie Stand, er war blind vor Liebe und es hat ihn sein Leben kostet, er starb für sie - das Schicksal wollte es nicht anders.

Was von Jesus #ubrig #blieb

Ist das Turiner Grabtuch echt oder eine plumpe Fälschung? Die wohl prominenteste Reliquie Jesu ist mit allen Methoden der modernen Naturwissenschaften auf ihre Echtheit untersucht worden - mit zweifelhaftem Erfolg. Ähnlich rätselhaft scheint die Herkunft des Heiligen Rocks (die nächste Heilig-Rock-Wallfahrt nach Trier findet 2012 statt). Trotz der Zweifel an der historischen Echtheit geht eine ungeheure Wirkung von diesen und anderen Jesus-Reliquien aus. Warum sonst pilgern durch alle Jahrhunderte bis heute Menschen scharenweise zu den gro?en Heiligtümern?
Reiner Sörries führt sachkundig in die Motive und Formen der Verehrung der Jesus-Reliquien ein und lädt Gläubige wie Skeptiker zu einem spannenden Steifzug durch die au?ergewöhnliche Frömmigkeitsgeschichte des christlichen Abendlandes ein.



Die Geschichte seiner Reliquien

mit zahlreichen Schwarz-Wei?-Abbildungen

  • Auflage: 1
  • Seitenzahl: 344
  • Autoren / Künstler: Sörries, Reiner
  • Ausstattung: gebunden mit Schutzumschlag, mit Lesebändchen
  • Groesse / Format: 14,5 x 22 cm
Preis auf Haendlerseite

Die Wasserleiche

Es ging ihr schlecht,
kaum einer bemerkte es.

War das Gerecht?
Sie hielt es fest.
Was hielt sie fest?
Alles, was ihr übrig blieb.
Selten wurde sie geliebt,
ständig wurde sie belogen.
Man, sie kam nicht klar mit ihren Sorgen.
Ritzte sich, hasste sich, wollte sterben.
Doch das war allen egal.

Die Wasserleiche,
sie schwamm im Meer herum.
Die Tat, die sie vollbracht hatte, war nicht dumm.
Sie wollte fliehen.
Sich dem Leben entziehen.

Und dann, ja dann,
da brach dieser eine Tag an.
Es war ihr Tag. Ihr Geburtstag.
Es war früh morgens, als sie in ihrem Bett lag.
Sie wollte nicht mehr,
hatte sich so oft gequält.
Nun fühlte sie sich völlig leer.

Die Wasserleiche,
sie schwamm im Meer herum.
Die Tat, die sie vollbracht hatte, war nicht dumm.
Sie wollte fliehen.
Sich dem Leben entziehen.

Nach der Schule, spät am Abend:
Sie lag dort, ging den Tag durch, sich fragend:
"Warum ich?
Wann ist das Ziel in Sicht?
Wieso bin ich völlig unsichtbar,
unscheinbar?”
Niemand hatte ihr gratuliert.
Nicht mal ihre Eltern hatten daran gedacht.

Die Wasserleiche,
sie schwamm im Meer herum.
Die Tat, die sie vollbracht hatte, war nicht dumm.
Sie wollte fliehen.
Sich dem Leben entziehen.

Mitten in der Nacht,
sie lag im Bett, noch wach.
Als “ich will nicht mehr”, ihr Gedanke war,
zog sie sich schöne Sachen an, was gut aussah.
Sie nahm ihr Handy, Kopfhörer dabei.
Ein Brief in der Hand, sie fühlte sich endlich frei.
Nach einer Stunde blieb sie steh’n.
"Wow, ich kann die schönen Sterne seh’n"
Ganz klar der Himmel, ganz still die Nacht,
hielt ein kleiner Engel mal nicht was er versprach.
Sie ging zum Geländer, sah hinab.
Zog Schuh aus, legte den Brief hinein.
Musik an, das musste sein.
Sie kletterte über das Geländer, sprang dann ab.
Das Mädchen, der kleine Engel, sah nun von oben herab.

Die Wasserleiche,
sie schwamm im Meer herum.
Die Tat, die sie vollbracht hatte, war nicht dumm.
Sie wollte fliehen.
Sich dem Leben entziehen.

Einige Stunden später fand man sie - die Wasserleiche.
Sie war wunderschön, dass sie schon fast Schneewittchen gleichte.
Doch nun war sie fort,
sie war endlich glücklich dort. 

Mein kleines Gedicht, bitte nicht verändern oder als Eigenes weitergeben. Es ist meins!

Sorgenfrei (619)

VON CLARA OTT

Früher als kleines Mädchen lag sie oft weinend im Bett, wenn die Eltern ausgegangen waren. Zwar war sie schon in der Schule, die Kleine auch und ein Babysitter nicht notwendig, doch sie hatte immer Angst. Erst war es lustig, wenn die Eltern ankündigten, abends fort zu sein. Es gab Abendbrot, Kinderfernsehen und Gute-Nacht-Küsse. Die kleine Schwester knipste sofort das Licht an, sobald die Eltern weit weg waren. Sie malte und spielte unbeschwert herum, doch die Ältere war wie erstarrt. Nichts konnte sie ablenken. Stattdessen schlich sich eine bedrohliche Schwere ein, ein Stimmengewirr aus „Sie werden nie zurückkommen!“ und „Sicher haben sie einen Autounfall!“ Während die Kleine spielte, schluchzte die Große und blieb wach, bis die Haustür aufging. Dann stellte sie sich schlafend. Morgens grinste die Kleine und flunkerte, sie hätten fest geschlafen. Bis heute ist sie die viel Mutigere der beiden. Weil sie schon damals ahnte, dass man sich am Ende des Tages immer gut um sich kümmern muss.

Ich wünschte ich hätte ein mehr an Zeit für ein wahrhaftigeres Sehen.
Hinter Masken,
den Glanz schöner Worte,
hinter die Fassaden unseres Lebens.
Ich wünschte uns allen bliebe einwenig mehr an Momenten,
für Wesentliches,
für den Weg zur Liebe.

Körperliches Vergessen

Herbstabend. Die Sonne hat sich schon längst hinter Bergen, Wohnhäusern, Büroetagen und Horizonten verabschiedet und den Mond begrüßt. Aktenordner wurden zurück ins Regal gestellt, Umarmungen zum Abschied vergeben, Cocktails ausgeschlürft und Schäflein in den Stall geführt. Der große, überfüllte Zeiger auf der Uhr rückt sich beschwerlich auf die vorletzte Zahl und wartet geduldig auf das Ende des Tages.

Das ist die perfekte Zeit, um körperlich zu vergessen. Zu vergessen, was zuletzt war und sich zu öffnen für Neues. Für neue Abenteuer, neue Geschichten und neue Taten. Alte Entscheidungen verdrängen, neue herbeiführen. Mit einem Bad symbolisch ein Kapitel zu schließen und eine leere, saubere Seite für das nächste offen zu halten. Mit einer Dusche vielleicht auch Schmutz und Dreck der Straße und den schlammigen Gehwegen abzuwaschen, der über den Tag an einem haften blieb und das Leben beschreibt. Aus den strohigen Haaren Bemerkungen und seltsame Blicke herauszuwaschen und nur Komplimente, nette Gespräche, Erfolge und sonniges Lächeln zu behalten und somit Glanz und Haarpracht zaubern. Das warme Wasser der kalten Luft hervorziehen.Mit dem Wasserhahn nicht nur Wasser abschließen, sondern auch die Erlebnisse des Tages.

Und sich dann in ein weiches Tuch wickeln, wie eine Crêpe-Füllung in ein Crêpe und in die Welt der Träume begeben, in der sowieso vollkommen andere Regeln gelten als in der Wirklichkeit. 

Marco Reus One Shot

„Kathi?“, hörte ich meine beste Freundin rufen. „Bist du soweit?“. Ich stand vor dem Spiegel und zupfte mir mein Oberteil zurecht. „Ja, komme“, rief ich zurück und kam dann zu ihr. „Geht so oder?“, fragte ich meine beste Freundin Lina und drehte mich dabei im Kreis. „Ja perfekt“, grinste sie und zog mich mit nach draußen. Wir wollten in die Stadt und das schöne Wetter genießen. „So Kathi jetzt erzähl mal, was geht so mit Tim?“, zwinkerte Lina und schaute mich dabei süß an. Wie ich das Thema hasste. Lina versuchte mich schon seit Wochen mit diesem Tim zu verkuppeln. „Lina muss das sein?“, schaute ich genervt und ging etwas schneller. „Ja muss es. Du bist schon so lange Single“. Ich blieb stehen und warf Lina einen wütenden Blick zu. „Sag mal“, fing ich an doch ich wurde unterbrochen. Ein junger hübscher Mann rempelte mich an und übergoss doch glatt seinen Heißen Kaffee über mich. „Sagen sie mal geht’s noch? Haben sie keine Augen im Kopf?!“; brüllte ich und er schaute mich richtig verdutzt an. „Hallo? Ich rede mit ihnen“, wurde ich noch lauter. „Ja ich es tut mir wirklich sehr leid“, meinte er nur und kratze sich dabei verlegen am hinter Kopf. „Ja davon wird mein Shirt auch nicht sauber“, nörgelte ich und meine Laune war jetzt echt im Keller. „Ich kauf ihnen schnell ein neues wenn das in Ordnung ist“, sagte der Unbekannte und richtete seine schwarze Cap. „Ne danke will kein neues“. „Ja dann nicht, Tschüss“, konterte er und verschwand. „Was ein Idiot.“, sagte ich und schaute zu Lina. „Ein verdammt hübscher Idiot Kathi“, schwärmte sie und schaute ihm hinterher und richtete ihren Blick dabei auf seinen Hintern. „Sag mal du findest auch alles geil, was?“, schrie ich und machte mich auf den Weg nachhause. Zu meinem verwundern musste ich feststellen das mir Lina überhaupt nicht hinterher ging. Als ich dann endlich daheim war, zog ich mir das Oberteil aus und schaute auf meinen Bauch der richtig rot war. „Toll“, sagte ich zu mir selber und ich sprang schnell unter die Dusche. Während ich noch in der Dusche stand klingelte mein Handy. Schnell sprang ich raus und ging dran. „Hey Kathi tut mir leid wegen vorher magst du heute Abend mit in den neuen Club kommen? Bitte, mag nicht allein“. Kurz herrschte Stille. „Ja von mir aus Lina. Ich mach mich fertig und hol dich dann ab ja?“. Lina war einverstanden und legte dann auf. Also fing ich an mich zu richten. Nach knapp zwei Stunden war ich dann soweit. Schnell packte ich meine Handtasche und fuhr dann mit dem Auto zu Lina und hupte. Sie kam top gestylt nach draußen und stieg neben mir ein. „Na“, grinste sie und machte sich noch schnell die Haare. „Darf ich fahren?“, fragte Lina und schaute mich an. „Äh ja von mir aus“, meinte ich und wechselte mit ihr den Platz. Sie fuhr dann los und ich fragte mich wo sie hin wollte. „Ist der neue Club nicht in der Stadt?“, fragte ich und schaute auf die Straße. „Ja habs mir anders überlegt“, grinste sie. Sofort merkte ich das irgendwas mit ihr nicht stimmte und sie irgendwas ausheckte. Ich wollte das Thema nicht vertiefen also ließ ich sie einfach machen. Als wir dann endlich das Auto geparkt hatten und ausgestiegen sind zeigte sie mir wo sie hin wollte. Wir standen vor einem richtig noblen Club. „Dein Ernst?“, fragte ich etwas skeptisch. „Ja mein ernst komm jetzt einfach“, strahlte sie und zog mich zu der Schlange, wo wir erst mal eine halbe stunde warten mussten. Dann endlich kamen wir rein und auch von innen sah der Club echt nobel aus. Lina zog mich zur Bar und wir bestellten uns was zum trinken. Ich schaute mich etwas um und sah ein mir bekanntes Gesicht auf der Tanzfläche. „Lina ist das dein ernst? Da ist Tim“, sagte ich wütend und schaute sie dazu böse an. Noch bevor ich gehen konnte kam Tim auf mich zu. „Na Kathi alles gut?“, grinste er mit seinem dreckigen grinsen. „Ja alles super, also wars“, verdrehte ich meine Augen. „Was denn los? Komm wir gehen tanzen“, lächelte er und legte seine Hand an meine Hüfte. Ich wollte gerade was sagen doch ich spürte plötzlich eine Hand und meine Schulter. „Du das geht nicht. Hab was dagegen wenn meine Freundin mit fremden Männern tanzt“, sagte eine Stimme die auch schon mal gehört hatte. Ich drehte mich um und glaubte erst gar nicht wer da hinter mir stand. Der Typ von heute Nachmittag. Tim sagte nichts mehr und verschwand mit Lina auf der Tanzfläche. Ich drehte meinen Körper zu ihm und war wirklich erleichtert das ich Tim nicht mehr an der Backe hatte. „Dankeschön“, lächelte ich und mir fiel erst jetzt auf wie verdammt heiß der Typ doch war. „Nichts zu danken, war dir doch noch was schuldig“, lächelte er. Kurz biss ich mir auf die Lippe und streckte meine Hand aus. „Ich bin Kathi“, lächelte ich. Er nahm meine Hand und schaute mir tief in die Augen. „Marco“. Er ließ los und nippte an seinem Glas. „Wollen wir vielleicht raus? Hier ist es so laut“, lachte ich. Er nickte nur, griff nach meiner Hand und zog mich mit nach draußen. „Viel besser“, strahlte ich und strich mir eine Haare aus dem Gesicht, die mir der Wind ins Gesicht wehte. „Tut mir nochmal sehr leid wegen vorher“, sagte er und strich mir auch durch die Haare. „Ich muss mich entschuldigen. Ich war nicht gerade höflich“, schämte ich mich etwas. Wir unterhielten uns noch eine Weile bis wir dann wieder nach drinnen gingen um zu tanzen. Wir tanzten sehr vertraut und mein Blick zog es immer wieder zu seinen wunderschönen Augen. Marcos Gesicht kam mir immer näher, so nah das sich unsere Lippen berührten. Der Kuss war sehr intensiv und gefühlvoll. Der Kuss verriet mir, dass da mehr zwischen uns beiden ist.  

Erzähl’ mir von deinen Träumen.
Meine machen mich alt, krank und müde.
Habe mal wieder Stunden in ihnen verbracht.
Graues Kopfsausen war das, was blieb.

Dornensucht

Im Garten steht ein Rosenhain

So ästhetisch, wie auch so klein.

Sah ein Mädchen ihn dort stehen,

Musste zu ihm rüber gehen.

Kaum war sie dort, war sie in ihm verschwunden.

Kam nun wieder, mit tausend Wunden.

Die Dornen scharf an den Rosen steh’n,

Sie hat die Gefahr zu spät geseh’n.

-

Der selbe Rosenain ist zu sehen,

Doch blieb nun ein Jüngling vor ihm stehen.

Geblendet stark; von der Rosenpracht,

Hat auch er nicht an die Dorn’ gedacht.

Vergnüglich stürtzt er sich in’s Dickicht;

Zerschneidet sich Beine und Gesicht.

Ein Strohm von Blute aus ihm bricht,

All dies interessiert ihn nicht.

-

Das Mädchen sich befreit aus der Stachelqual,

Schwört sich, dass es nicht passiert ein weit’res Mal.

Hat nun Tränen in den Augen,

Der Junge sieht’s, kann’s kaum glauben:

Wie sie steht; so klar, so rein

Beginnt nun auch er zu wein’.

Ihr Schmerz ist gar fast vorbei

Als sein Herz zerbricht in zwei.

-

Nach wenig Zeit sind des Mädchens Wunden,

So schnell sie kamen, wieder verschwunden.

Das Gröbste war kaum überwunden,

Hat sie ‘nen neuen Hain gefunden.

Der Junge mit dem gebroch’nen Herzen

Leidet seit des Blicks so sehr an Schmerzen.

Und während sie im Dickicht erneut gefangen,

Ist er heimlich und so still von uns gegangen.

-

©robbycar

Müde

Was blieb noch zu sagen den Menschen,
in den feinen Rillen und Schnörkeln
meiner innigsten Seelenseiten:
Arbeit hier und Arbeit dort; schau,
meine Uhr nicht umsonst hektisch
tickt.

Weltpolitisches Geplänkel
und vereinsamte Herzen im Scherbenmeer,
die müden Schritte mit
gezwungenem Ehrgeiz, der Familie wegen
ein Verharren gleich dem Tod.

Sagt, was noch zu sagen wäre
beschallten Ohren taub vom Lärm,
der mechanische Sumpf die Leiden schluckt
mit bunten Pharmazeutika in regenbogengrell:
Das Leben bietet keine Zeit
für tiefe Wasser, im schalen Oberflächensein.

Viel zu lange schrieb ich, sprach ich
mit den meinen vom Boden des Blaus
übertönt vom Alltagstreiben, unerhört, allein’;
niemand auch erkennt, das Schillern
jenes schlummernde Erkenntnissein:
Lethargische Augen, dem Schlaf viel zu nahe.

Ich kritzele müde, elendig im Winkel
dem ungesehenen Schatten der Großstadt
allen menschlichen Einheiten verbunden
und schreibe weiter, wankend ebennnoch:
Für alles Ungesehene mit ausgezehrtem Herzen.

Was blieb zu sagen noch den Menschen
wenn nicht das Erinnern,
dem Erwachen, an den Glanz des Ureigenen;
mit jedem Funken wohlgelebt,
das größte aller Wunder auch:
Wort um Wort, Satz für Satz, der Schönheit
dieses Lebens aus dem tiefsten Grund.

© Rebekka Chapman

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