Prolog

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“This is another public service announcement brought to you, in part, by…” Wenn dich das gleiche, seltsame Gefühl überkommt, wie es bei mir der Fall ist, weißt du ganz genau, wie dieser Satz weitergeht. Und der darauf. Ich kann es nicht wirklich erklären, aber immer, wenn diese Worte aus irgendwelchen Boxen kommen, fange ich unmittelbar an, den kompletten Text mitzusprechen, ohne groß darüber nachzudenken. Meistens habe ich dabei ein fettes Grinsen im Gesicht und warte nur sehnsüchtig auf den ersten Ton von „Kill You“, der mir bereits während des gesamten Intros im Kopf herum schwirrt.

Wie ich darauf komme? Als ich darüber nachgedacht habe, wie ich das Ganze hier einleite, hab‘ ich mich das erste Mal gefragt, wie, wo und wann ich eigentlich das erste Mal bewusst Rap wahrgenommen habe. Sofort musste ich an einen Moment aus meinem Jahr 2000 denken. Während ich bei einer langen Autofahrt eines Familienausflugs aus dem Fenster starrte, passiert etwas, das sofort meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Mein Bruder hatte damals die „Marshall Mathers LP“ in den CD-Spieler unseres Opel Sintra eingelegt. Während meine Mutter aufgrund der vielen vulgären Ausdrücke die Lautstärke immer wieder runter drehte, war ich hingegen unfassbar fasziniert. Zugegeben mein Englisch war damals nicht das Beste und alles verstanden habe ich sicher nicht, trotzdem blieb mir dieser Moment bis heute im Gedächtnis.

13 Jahre später und es ist soweit. Heute dürfen wir uns über die „MMLP2“ von Eminem, dem wohl erfolgreichsten Rapper weltweit, freuen. Ob es dem Namen gerecht werden kann, sei dahin gestellt. Vielmehr aber muss ich darüber nachdenken, was in dieser langen Zeit alles passiert ist. Diese Musik hatte es mir dermaßen angetan, dass ich nie davon genug zu bekommen schien. Da war natürlich Em und sein Camp. Dann kam Mobb Deep. Cash Money. Ruff Ryders. Busta Rhymes. Missy. Dipset. G-Unit. Young Jeezy. Während ich damals blind oder vielmehr taub nach irgendwelchen amerikanischen Alben mit einem ansprechenden Cover griff, dermaßen textsicher die Lyrics von diversen Rapplatten mitsprechen konnte, ohne die genaue Bedeutung zu kennen, und ich auf dem Schulhof immer wieder predigte, dass „Amirap das einzig Wahre sei“, sieht das nun schon wieder ganz anders aus.

Heute höre ich fast ausschließlich deutschen Rap. Lange war ich der Überzeugung, dass mit einigen wenigen Ausnahmen aus Deutschland nahezu nur „Schrott“ auf den Markt kam, doch wenn man sich heute meine Musiksammlung auf dem Handy anschaut, findet man eine breite Pallette an Deutschrapalben und –tracks, bei der von Straßenrap, über humorvolle ironische Künstler, bis hin zu gesellschaftskritischen und melancholischen Texten alles vertreten ist. Die Deutschrapszene ist momentan so vielfältig wie nie. Veröffentlichungen können sich in den Charts behaupten und der Gedanke von Rap als „schwarzes Schaf“ scheint nahezu über Bord geworfen. Während mir die Antwort auf die Frage nach meinem Musikgeschmack vor nicht all zu langer Zeit aufgrund einer Hand voll unbehaglicher Reaktionen bei Familienbesuchen eher schwerlich über die Lippen ging, habe ich heute das Gefühl, dass deutschsprachiger Rap zum ersten Mal diesen Ruf hinter sich gelassen hat. Gleichzeitig scheint kein anderes Musikgenre so sehr von seiner Fannähe zu leben. Auf Festivals läuft man den eigenen Idolen über den Weg, nach Konzerten stoßt man mit ihnen an und tauscht sich einen Moment lang miteinander aus. Auch die Internetpräsenz ist deutlich gestiegen. Künstler kommentieren, antworten direkt auf Fragen und informieren über Facebook. Vor ein paar Jahren musstest du noch regelmäßig die Myspace-Seite deines Lieblingskünstlers aufsuchen, um auf dem Laufenden zu bleiben, heute reicht ein einfaches „Gefällt mir“.

Mit dieser Entwicklung setze ich mich auseinander - nicht als spezialisierter Musikwissenschaftler, sondern in aller erster Linie als Beobachter und Fan. Vielleicht bist du mit dem Ganzen hier überhaupt nicht vertraut und hörst in deiner Freizeit ganz andere Musik, stößt hier aber auf den ein oder anderen Künstler, der dein Interesse weckt. Vielleicht aber verfolgst du ähnlich intensiv das Geschehen, kannst jedoch nur mit Straßenrap etwas anfangen und nimmst die Dinge ganz anders wahr, als ich es tue. Nichtsdestotrotz. Solange du nicht gerade der “AlleRappersindspätpubertärendeProlls-Generation” mit der felsenfesten Überzeugung, Rap “sei keine Musik”, angehörst, kannst du hier nicht allzu verkehrt liegen.

Chief Keef - "Back From The Dead"

 

Lil B liebt ihn, Souljah Boy twittert mit ihm. Nur ein cleverer Viral-Marketing-Move via WSHH reichte um den austrebenden Gangsterrapper Chief Keef aus der Mund-zu-Mund-Propaganda Chicagos off paper zu hieven. Sein erstes Mixtape "Back From The Dead" ist nichts als ein G-Ding, Baby. Wir sprechen hier aber nicht von den entspannten George Clinton-Auflagen des G-Funk-Gourmetrestaurant Death Row, sondern von brutaler Trap-Küchen-Realität, die Hihats und Snare-Drums wahllos aus der 808 rattern lässt wie eine frisch-aufgeladene AK-47. Chief Keef hören, heißt Kriegstagebuch hören. Bei dem Film dieser "menschenverachtenden Untergrundmusik", sei mal auf Flows, Kompositon und diesen ganzen Studentenrapper-Kram geschissen und einfach mal der Beifahrersitz auf Gangsta-Lean zurückgestellt. Keef ist ein bisschen wie die jugendliche Besoffski-Version von Prodigy. Allerdings mit deutlich mehr Bock im Nightclub die Fäuste fliegen zulassen, anstatt sich später mit der Posse auf dem Parkplatz vor Taco Bell zu treffen. Hier wird das Rad nicht neu erfunden, aber mit den geilsten 21-Inch-Rims aufgesattelt um eine Runde in der Hood rumzustressen. Angesichts dieses Mixtape-Covers Verrats am guten Geschmack, wovor selbst Mitarbeiter von Pen & Pixel in die nächste Augenkrebs-Therapie flüchten, ist man ob der musikalischen Darbietung krass überrascht. Das Mixtape ist so atmosphärisch-dicht, dass man sich auch mit deutscher Mittelstadt-Sozialisation direkt in den Sündenpfuhl von Cabrini–Green versetzt fühlt. Flowmässig schwadroniert der Chi-City-Crooner so besoffen am Takt vorbei, dass das Wort “verballert” neudefiniert werden muss. Überhaupt ist er kein Mann für die Juice-Awards, geschweige den Pulitzer-Preis. Aber wie Blogger-Kollege Anthony Obst auf Rock’n’Roll is Evil letztens verlautbarte, ist "Back From The Dead" genau das Richtige für jeden, “der gerne mal ein bisschen Straßenkrieg durch seine Speaker jagt”. Bang, Bang!

Hier zum Download 

Watch on luggasbubb.tumblr.com

come face your fears

Sasha Go Hard - "Round 3 - The Knockout"

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Die #Aufschrei-Debatte ist ja gerade durch Pferdewitze ersetzt worden, doch bereits vor einigen Monaten konnte man als aufmerksamer Leser anhand meines Response-Artikels “RE: Des HipHops neue Hingucker" erahnen, dass Frauen im HipHop und insbesonder Female-Rapper im Jahr 2012 2013 nicht mehr ein vertracktes Dasein als hübsches Arschwackel-Püppchen in unserer Kultur fristen (… hat hier jemand Hype gesagt?). Auch Sasha Go Hard zählt spätestens seit ihrem Blog-Hit “Why They Mad" zu den aufstrebenden/neuen ImpulsgeberInnen des angeblich schwächeren Geschlechts und liefert in dieser Woche ihr drittes Mixtape ("Glory Girl”,”Do You Know Who I Am”) ab. Obwohl sie neben Lil Kim und Nicki Minaj, vor allem Lauryn Hill als größten Einfluss nennt, gestalten sich die 11 Tracks von “Round 3 - The Knockout" gerade nicht im klassischen SoulBap-Gewand ala Ummah, sondern “gehen hart” ins Gesicht mit Elementen aus Moombathon, Trap und generell mehr so “für’n Arsch”. Vermutlich bekam die 20-Jährige Schönheit aus dem Chief Keef-Umfeld auch deswegen gleich vom Complex’ Mag den Titel “Princess Of Drill-Rap” aufgesetzt. Mit Features und Produktionen von Jedermann’s Liebling Diplo, über Jedermann’s Slept-On Le1f bis zur Konsens-Hassfigur Kreayshawn (!?)liebäugelt man hier ganz offensichtlich eher mit dem Ungewöhnlichen. Auch textlich mag man es offensiv, wenn auf “To The Girls” stilecht und standesgemäß eine Frauenhymne vorgelegt oder ganz (normal?) sexistische Köperlichkeits-Tales auf dem für sich sprechenden “Pornstar” mit solider Technik und eindringlicher Stimme vorgetragen wird. Vielleicht liegt es an der rauen Lage im Mordserien-geplagten Chigaco, dass das junge Fräulein ignorantes Frotin' und großmäulige Ghettochick-Ansagen durch die Membrane kredenzt und so ihrem Idol Trina fleißig den Rang abzulaufen versucht, doch irgendwie rechtfertigt das nicht Artikel bei XXL, ausführliche Porträts im Complex und Hinweise im Pitchfork. Man kann sich in etwaigen Gender-Diskussionen oder feministischen Referaten jetzt gerne darüber streiten, ob diese Umsetzung von Rap, jene oft kritisierten “traditionellen” (sprich: männerdominierten) Ideale der gegenwärtigen HipHop-Kultur über das metaphorische Waschbrett zieht (no hausfrau) oder ihnen durch spiegelbildliche Reproduktion in die Hände spielt, wie man es Schwesta Ewa ja gerne vorwirft. Mögen die 808s aggressiv und gewaltig wie ghetto’esque im Unterbauch wummern, der Flow leicht unbedarft, aber natürlich über den Beats schweben, bleibt es zweifelhaft, ob Sasha Go Hard in 12 Monaten noch interessiert. Vielleicht habe ich das aufgrund von Sprachbarrieren auch nicht so richtig verstanden. Man soll sich ja irren dürfen. Mit Pferden hat das trozdem nichts zu tun.

Hier zum Download

anonymous said:

14, weinlich, 1,70m groß, 56kg, kinnlange, braune Haare, Brille. Ich zieh' mich ziemlich neutral an. Das heißt Jeans, Shirt mit Jackre rüber oder Hoodie, vielleicht noch eine Mütze oder Bandana um den Kopf und Sneakers. Ich bin eher so eine die gerne chillt, also sitze, Musik hören und reden. Ich höre nur Rap (Deustch- und Amirap). Ich bin total verpeilt und vergesslich. Ich bin auch ziemlich impulsiv, wudurch ich auf die dümmsten Ideen komme und so ist es eigentlich nie langweilig. Und? :)

Dich mag ich!

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