abschluss

Warum ich aufgehört habe in der Schule aufzupassen und zu lernen? Mir sind viel wichtigere Dinge durch den Kopf gegangen. Ohne Schule hat man heutzutage keine Zukunft das weiß jeder . Doch nie haben wir über Themen geredet die wohl weit aus wichtiger sind als zu wissen wie man das Volumen der Sonne berechnet. Man hört so viel schlimme Dinge jeden Tag doch in der Schule wird das immer unter den Tisch gekehrt. Keiner kümmert sich darum wie es den Schülern geht , Leistung steht an erster Stelle. Ich hab 10 Jahre hinter mir und Frage mich heute, was ich wohl von dem Wissen jemals brauchen werde. Warum werden tabu Themen nicht endlich mal angesprochen? Alle reden von Veränderung ,doch keiner wagt den ersten Schritt.

Abiballrede

Ich weiß nicht, ob es eine gute Idee war, mich diese Rede halten zu lassen, aber jetzt müssen wir da eben gemeinsam durch.
Kleine Vorwarnung: Der Anfang ist ein bisschen radikal - was will man von einem Mädchen mit Fastglatze anderes erwarten - aber keine Sorge: es gibt einen Wendepunkt und ein Happy End.

Als meine Schwester in der Vorschule war, kam sie eines Tages nach Hause, und sagte: „Wir haben heute gelernt, dass 3+4=7 ist, und 4+3 ist auch =7. Ich befürchte, dieses Mathe wird schwierig".

Und sie sollte Recht behalten:

12 Jahre lang haben wir uns mit Formeln, Theorien und anderen „wichtigen“ Dingen herumgeschlagen. Inhalten, die uns auf die „Realität“ außerhalb der Schule vorbereiten sollten.
Klar, weil ich morgens auch immer aufwache, ein riesiges Vakuum vor meinem Bett, und mir dann sofort die essentielle Frage durch den Kopf schießt: „Feder oder Stein? Was kommt zuerst unten an?“. Oder weil mir ständig Dichter und Kurzgeschichtenautoren über den Weg laufen, mir ihren Text unter die Nase halten und schreien: „Such die Metapher, such!“.
Ich meine, wie kann man überhaupt glücklich werden, ohne zu wissen, worin der Unterschied zwischen Alkanen, Alkenen und Alkinen liegt? Und es sind nicht nur die Vokale.

12 Jahre lang haben wir jeden Tag erneut versucht, in uns zu gehen, um den Heiligen Gral zwischen Grammatik, Geometrie und Gesteinsschichtenamen (vier Alliterationen, vier!) zu suchen. Dieses sagenumwobene Etwas namens: Motivation. Ich vermute ja, einer unserer „humorvollen“ Lehrer hat sie mitgenommen, als er zum Lachen in den Keller ging.

12 Jahre lang haben wir Freunde und Mitstreiter zurücklassen müssen, und nicht etwa, weil sie dümmer waren. Wenn Noten ein Zeichen von Intelligenz wären, hätte ich als Einserschülerin wohl nicht solche Schwierigkeiten mit Kindersicherungen. Nein, sie wurden ausgesiebt, weil sie nicht in der gleichen Zeit mit den gleichen Lehrmethoden aufnehmen und reproduzieren konnten. Weil ihnen die Themen im Unterricht nicht schmeckten, und schon gar nicht durch den Trichter, wie einer Stopflebergans auf schnellstem Wege in den Magen gepumpt.

12 Jahre lang mussten wir uns anhören, was man unserem „jungen“ Gehirn, anscheinend eine dem Berliner Flughafen gleiche Baustelle, noch nicht zumuten kann, wozu wir noch nicht fähig sind, was „die Großen“ schon besser können. „Die Großen“, die gleichzeitig ganz genau wussten, was man uns schon abverlangen, was in diesem Alter von einem Menschen „erwartet“ werden kann.
Als ob wir  bis Level 18 alle in die gleichen Fähigkeiten investieren hätten. Als ob man ohne Cheats und Mods in einem Spielverlauf Krieger, Schamane und Jäger der höchsten Stufe werden könnte.

Aber egal wie hart es war, jetzt haben wir den Endboss, das Abi, besiegt.
Wir waren „12 Years A Slave“, und jetzt holen wir uns dafür den Oscar.

Oder in den Worten der diesjährigen, bärtigen Gewinnerin des Eurovisionsongcontests: „Steigt aus der Asche, wie ein Phönix“. Manche werden beim ersten Flugversuch vielleicht abstürzen, viele später ins Nest zurückkehren. Aber jetzt ist die Zeit zum Ausschwärmen, jetzt ist die Glut noch heiß.
Hier drin wartet das Feuer darauf, Barrikaden zum Einsturz zu bringen, neue Wege in zugewachsene Ecken des Lebens zu brennen.

Und dass die Flamme in der ganzen Zeit nicht erloschen ist, haben wir auch den 12 Jahren, oder besser der 12 zu verdanken.

Der 1, weil wir Einzelkämpfer sind, die nicht aufgegeben, die sich immer wieder aufgerafft und nicht den leichtesten Pfad gewählt haben. Weil wir den Druck getragen und jeder Herausforderung die Stirn geboten haben.

Der 2, weil es immer jemanden neben uns gab.
Da waren Freunde, neue und alte, die uns wieder und wieder Platz zum Atmen verschafft haben, die die viel zu schnelle Zeit still stehen haben lassen, um sich zu sammeln und sich wiederzufinden. Freunde, mit denen wir alles teilen konnten, Freuden und Sorgen, Träume und Ängste.
Da waren Eltern, die immer wieder Holz nachgelegt haben, mit ihrem Trost und ihrem Glauben an uns. Die uns ermutigt haben, das Beste aus uns herauszuholen, aber ohne zu vergessen, dass wir Menschen sind, und nicht nur „guter“ oder „schlechter“ Schüler.
Und da waren auch Lehrer, die uns fesseln und inspirieren konnten. Die wirklichen ihre Aufgabe erfüllt und uns „gelehrt“ haben.

All diese Menschen und wir selbst haben 12 Jahre lang ihr möglichstes dafür getan, damit heute der Funken überspringen und die Bombe explodieren kann. Nicht falsch verstehen, Sumreen.

Und schon wieder zitiere ich eine fragwürdige Sängerin, deren Musik ich eigentlich gar nicht mag:

„Baby, du bist ein Feuerwerk. Komm zeig ihnen, was du wert bist. Lass sie staunen, während du den Himmel erhellst“.

Lasst es krachen.

Obwohl ich es nie für möglich gehalten habe, habe ich einen Jungen gefunden, der besser ist als du. Einen Jungen, der mich so nimmt wie ich bin und der immer versucht, mich zu verstehen und mir zu helfen. Er ist perfekt für mich. Perfekter als du es jemals sein könntest.
—  alter Brief
Es ist mir scheißegal, ob ihr alle auf diesem beschissenen Festival gewesen seid, wieviele beschissene Fotos ihr gemacht habt, wie hoch euer Promillewert war, wen ihr kennengelernt habt und was ihr alles so übertolles erlebt habt. Es ist mir egal, dass ihr jetzt diese Erinnerung teilen könnt und euer Leben so feiert, dass ihr euch wieder sonst irgendwelche Geschichten erzählt habt und wen ihr gefickt und welche Krankheiten ihr euch damit eingefangen habt. Es ist mir egal, was aus euch wird, ob ihr versagt, gewinnt oder schon morgen bei einem Unfall verreckt, ob ihr mich irgendwann vermisst und dass ich soviel Zeit, Mühe und Liebe in diese zum scheitern verurteilten, einseitigen und billigen Freundschaften gesteckt habe, ob ihr denkt, dass ihr plötzlich weinen könnt, wenn ich weg bin und jammert, dass ihr mir ja noch so viel sagen wolltet, obwohl ihr lang genug Zeit gehabt hättet. Es ist mir egal, durch wen ich ersetzt werde und was aus euch wird, ob ihr irgendwas bereut oder sowieso denkt, dass alles meine Schuld war. Ich hasse euch und habe es immer getan und ich hoffe, dass euch euer Karma irgendwann so dermaßen in den Arsch fickt, dass ihr elendig daran verreckt und merkt, dass nicht alles selbstverständlich war, auch nicht ich.