Kunde: Nike

Branche: Sportartikel

Entwurf: Carolyn Davidson

Jahr: 1971

Sie nennen es den „Swoosh“ und wer gutwillig ist, mag darin eine dynamische Bewegung erkennen von etwas, das gleich fürchterlich abgeht. Die offizielle Interpretation sagt jedoch, daß wir es hier mit dem Flügel der griechischen Siegesgöttin Nike zu tun haben. 

Bullshit. Cartoonfans könnten im Swoosh viel eher die Staubfahne des Roadrunners sehen, aber wir wollen Nike nicht das esoterische Gepräge verderben. 35 US-Dollar hat die Studentin Davidson für den Entwurf bekommen – später, als klar war, daß Nike ein zigmillionenschweres Unternehmen wird, soll sie noch ein Aktienpaket obendrauf bekommen haben …

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Kunde: VCDB

Branche: Verkehr

Entwurf: N.N.

Jahr: N.N.

Es geht auch anders. Die Dresdner Verkehrsbetriebe AG und die Berliner Verkehrsbetriebe, eine AöR, eine Anstalt des öffentlichen Rechts, leisten sich gemeinsam eine GmbH, die sich mit Verkehrsprojekten befaßt, die VerkehrsConsult Dresden-Berlin GmbH, oder, lesbarer: VCDB. Schaut man auf das untere Signet, sehen wir die Abkürzung und ein taugliches Logo mit Verkehrsnetzsymbolik, getunkt in die Fartben, die man von den Bahnen aus Berlin und Dresden gut kennt: Gelb.

Oben erkennt man noch, daß man sich anfangs wohl noch nicht so sicher war, ob das genügt. Da war noch der Wunsch nach Schwung, dem ominösen Wundermittel, im Spiel und führte zur Vergesellschaftung des schlichten, aber eigentlich recht ordentlichen Entwurfes mit einem Bogen.

Gut, daß sie ihn noch gekriegt haben, den  Bogen, also weg.

Kunde: Verbandsgemeinde Maifeld

Branche: öffentliche Verwaltung

Entwurf: N.N.

Jahr: N.N.

Zwischen Mosel und Laacher See liegt das Maifeld. Auch dort leben Menschen, die sich über einen elektronischen Zugang zu ihrer Gemeindeverwaltung, sprich: Webseite, freuen. Dafür braucht es ein Logo und der Besucher erfährt sogar, warum das so aussieht, wie es aussieht:

Das Logo symbolisiert den Bogen oder die Brücke, die die Verbandsgemeinde Maifeld zwischen den Menschen in der Region, der Natur und dem Lebensraum, der Industrie und den Arbeitsplätzen, dem Heute und der Zukunft schlägt.

Ein verbindendes Element für alle Bedürfniss, die die Menschen heute und in Zukunft haben. Leben, Wohnen und Arbeiten in einer menschlichen Umgebung.

Denn das Maifeld geht “Engagiert in die Zukunft”.

Womit auf einen Schlag die Platitüden „Bogen schlagen“, „Brücke schlagen/bauen“ und „verbindendes Element“ abgehandelt werden. Zu dem blumigen Text hat der Entwerfer noch ein wenig pseudomoderne Typographie gegeben: Unterzeile mit Claim gesperrt, horizontal verzerrt und in Kleinschreibung – betrifft hier bloß die „Zukunft“, wobei wir mal nicht hoffen wollen, daß die Verwaltung selbige auch klein schreibt …

Einziger Pluspunkt: Logo und Farbgebung symbolisieren in sehr geeigneter Weise die heutzutage so modischen Raps-Monokulturen in sanft gewellter Landschaft – man nimmt also konkret Bezug. Ist doch was!

2

Kunde: ISPM – Institute for Social Profit Management

Branche: Beratung

Entwerfer: N.N.

Jahr: N.N.

Das Grauen … Typochaos in drei Farben, gestürzte Schrift, optisch unsinniger Schlagschatten und dazu, als sei es noch nicht genug, ein Bogen, völlig aus dem Schwerpunkt gefallen.

Die unter diesen traurigen Umständen wahrscheinlich bessere Variante, eine reine Wortmarke, die das soziale Element in Rot hervorhebt, findet sich auf derselben Seite. Wenn da nur nicht der unsinnige Schatten wäre …

Die Inhaber müssen wohl auf ihr Networking vertrauen, denn mit dieser Visitenkarte werden sie nicht mal Blumentöpfe gewinnen.

Kunde: Veranstaltungsforum der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH

Branche: Veranstaltungen

Entwurf: N.N.

Jahr: N.N.

Große Namen, bedeutungsschwanger, viel Geld, Preisverleihungen, Seriosität, Serifentypo …

Dummerweise ist der Name der Firma so lang, daß sich daraus nichts Schmuckes gestalten läßt – dachte jedenfalls der Designer, als er das Wortmonster zentriert setzte und sich dann entnervt auf die Suche nach einem Logo begab.

Es reichte zu exakt demselben „Alles unter einem Dach“-Entwurf, der auch die anderen Firmenteile von Holtzbrinck ziert, für mehr war keine Zeit oder keine Lust mehr. Ja, damit kann man Geld verdienen …

Kunde: avinci

Branche: Unternehmensberatung

Entwurf: N.N.

Jahr: N.N.

Diese Firma findet man vornehmlich in Telefonbüchern und Unternehmensverzeichnissen und was eine Unternehmensberatung ist, ist ja auch relativ frei definierbar.

Genausowenig konkret und aussagekräftig stellt sich das Logo dar, das zur allgemeinen Planlosigkeit noch eine vertikale Achse hinzufügt. 

2

Kunde: s2 Finanzmanagement

Branche: Finanzdienstleistungen

Entwurf: N.N.

Jahr: N.N.

Eigentlich geht es bloß um Geld. Klingelt das Geld erst in der Kasse, ist es völlig wumpe, wie der Laden aussieht.

Was soll man aus dem Thema Geld und Versicherungen auch machen? Die meisten Gestalter fühlen sich von immateriellen Dienstleistungen erst einmal überfordert und wenn ihnen keine gescheite Grafik einfällt, um die Wortmarke zu unterstützen … landen die Hasenfüße unter ihnen beim Bogen. Die anderen würden sich mit sauberer Typo begnügen.

Bei diesem Thema ist sowieso entscheidend, daß der Finanzmakler und Versicherungsvermittler seine Kunden ordentlich behandelt. Wenn das klappt, ist es wirklich fast egal, wie der Laden aussieht. Dröge, aber so ist das Leben …

2

Kunde: unternehmens.tv

Branche: Videokommunikation

Entwurf: N.N.

Jahr: N.N.

Die Firma macht Video. Video wird überall gebraucht. Jeder braucht das. Deshalb gibt es auch viele, die das machen. Und wie das so ist: darunter einige mit sehr schlechten Logos.

Die RGB-Farben zu finden, überrascht mich nicht – in plakativer Umsetzung wird da natürlich nichts verwertbares draus, da bleibt bloß ein Balken. Und dann dieser Bogen, ein schwarzer, dünner Viertelkreis. Was soll er nur darstellen? Zielsicher wurde hier an jeder denkbaren Symbolik vorbeigezeichnet – von Gestaltung möchte ich nicht reden.

Ohne Wortmarke erklärt das Logo nichts, mit fehlt immer noch etwas, denn „Unternehmensfernsehen“ ist eine schmalbandige Umschreibung für eine Firma, die auch Podcasts, Messe-TV, Lehrfilme und anderes Material herstellt. Also müssen zwei Unterzeilen her. Zusammen ergibt das ein uninspiriertes gebilde, entstanden einzig aus Verlegenheit.

Gut, wenn man Stammkunden hat, dann muß man mit so einem Auftritt keine Aquise machen. Die Videos sprechen ja auch für sich, da ist das Logo bestimmt zweitrangig. Wen interessieren schon blöde Standbilder …

Kunde: Davert GmbH

Branche: Lebensmittel

Entwurf: N.N.

Jahr: N.N.

1973 gründete Rainer Welke einen Bioladen in Münster. Ende der Geschichte, wenn die Alternativen es auch beim Thema Wachstum alternativ machen würden – wie ihre japanischen Kollegen von der Teikei-Bewegung. Aber was ein ordentliches, westfälisches Unternehmen ist, das expandiert. Heute operiert Davert in 17 Ländern weltweit, fair natürlich.

Das Signet kommt wenig überraschend mit Grün daher, garniert mit etwas Gelb in Bogenform. Warum? Im Münsterland gibt es keine Hügel. Mühlen, zwischenzeitlich eines der Hauptgeschäftsfelder, sehen auch anders aus. Bleibt nur die Sonne. Dem Davert scheint die Sonne. Gut, bleiben wir westfälisch brav. Sonne. Schön, mögen ja alle.

Davert ist übrigens der Name einer Gegend zwischen Münster und Davensberg. Schrecklich flach, öd für die Augen, aber grün.

Kunde: Staatliche Wirtschaftsschule Deggendorf

Branche: Bildung

Entwurf: N.N.

Jahr: N.N.

Ganz schlimmes Verbrechen, ganz viele strafwürdige Fehltritte in einem Signet zusammengefaßt: schlimme, schlimme, schlecht lesbare Typo, altbackene, instinktlose Farbgebung, Wortkonstruktionen mit Logoelementen, schier unlesbare Schrift im Logo, unmotivierte Linien, inkonsequente Schlagschatten und, als sei das nicht genug der Qualen, ein Bogen, der auch noch die extreme Kursive des Logos nachvollzieht. Das sind mehr Minuspunkte, als ich abziehen kann.

Neumachen! Sofort!

2

Kunde: LET Marburg

Branche: Fortbildung

Entwurf: N.N.

Jahr: N.N.

Lassen wir sie selbst zu Wort kommen: „Das Linguistic Engineering Team erstellt Webseiten und CD-ROM Anwendungen die sich mit Themen der Linguistik und den Neuen Medien in der Bildung beschäftigen.“ Das tun sie an der Philipps-Universität in Marburg – das klingt schon so, als stünde dort nicht viel Geld für professionelles Design zur Verfügung. Besonders akkurat ist die Ausführung jedenfalls nicht.

Immerhin, es hat für einen schicken Header gereicht. Das Kürzel „LET“ verliert sich ein wenig auf dem dezent gefärbten Hintergrund. Was tun? Farbe muß her. Auf jeden Fall irgendwas Schwungvolles. Was denn? Keine Ahnung … wisch … Oh, schön, ein Bogen. Keine Ahnung, wofür er steht, aber hat doch was! Lassen wir so.

Wetten, daß es so war? 

2

Kunde: Milchunion Hocheifel

Branche: Milchprodukte

Entwurf: N.N.

Jahr: N.N.

Über Produkte von MUH, der Milchunion Hocheifel, sind die meisten von uns schon mal gestolpert – kein Wunder, strebt doch jede Molkerei danach, ihre lokal erzeugten Produkte möglichst weit in dicken Lastern über Europas Autobahnen zu liefern. Weil es anderswo ja keine Milch gibt. Der Umweltschwachsinn wird vom hauseigenen Marketingslogan „Think Locally and Act Globally“ sehr schön illustriert: denken muß ich nur zuhause, bloß nicht über den Eifeler Tellerrand hinaus.

Dabei ist MUH jetzt Teil eines globalen Unternehmens, gehört seit Herbst 2012 zu Arla, einem Molkerei-Konzern, der keinen Kontinent ausläßt, auch nicht Asien, wo ja bekanntermaßen viele Menschen leben, die gar keine Milch vertragen.

Gut, daß es im Haus geballtes Knowhow in Sachen laktosefreie Milchprodukte gibt: die MinuLakt-Produkte, die über Aldi Süd vertrieben werden, stammen ebenfalls von MUH. Die Logos gefallen sich beide in Rot und Blau auf Weiß – da mochte man beim corporate design bleiben, Handelsmarke hin oder her. Einen Anhaltspunkt für Aussage oder Funktion der Bögen in beiden Logos habe ich nicht gefunden – wenn es eine gäbe, müßte ich dieses Blog nicht machen …

Kunde: FordFit

Branche: Fitneßcenter

Entwurf: N.N.

Jahr: N.N.

Jeder Entwerfer kennt die Regel: “Never fuck with the brand!” Das gilt natürlich nicht für die Ford-Freizeit-Organisation FFO e.V. – die ist eben nicht Ford, sondern bloß assoziiert und ein Verein und dient dem Zweck, den Mitarbeitern günstige Fitneßangebote zu machen.

Das Thema Fitneß böte ausreichend Inspirationen für ein kreatives Logo. Für FordFit hat man generös darauf verzichtet und sich stattdessen entgegen allen Regeln eines corporate design an das Ford-Logo angelehnt, also an die ovale Form. Die Farbe Orange stammt ebenfalls aus dem CD-Manual und steht für Emotion, nur die Typo ist uralt, doch wie gesagt: corporate design ist hier ja kein Thema – was ist das überhaupt? Egal, zurück zum Step Aerobic …

Kunde: Alro Group

Branche: Automobilzulieferer

Entwurf: N.N.

Jahr: N.N.

Automobilzulieferer sind of Gemischtwarenläden, weil sie mit ganz verschiedenen Werkstoffen hantieren, oder weil sie zu Firmengruppen gehören, die in ganz verschiedenen Branchen zuhause sind. Die belgische Firma Alro ist so ein Fall. Was soll man im Logo zeigen? Es gibt ja soviel und es muß ja alles rein …

Typischer Irrtum. Nichts spricht dagegen, das Ursprungsprodukt zu stilisieren, oder eine Eigenschaft des ersten Materials, das man erfolgreich in ein Produkt verwandelt hat. Wenn man natürlich versucht, alles in eines zu packen, dann wird am Ende nichts prägnantes übrig bleiben außer einer Kurve, die sinnsuchend im Raum laviert. Ohne fündig zu werden.

3

Kunde: Omfesa Logistics

Branche: Spedition

Entwurf: N.N.

Jahr: N.N.

Wissend, daß das Standardlogo für eine Spedition irgendein Gebilde mit zwei oder vier wild verschlungenen Pfeilen ist, möglicherweise ergänzt um Straßensymbolik und geschmacklose Wortmarken (was eine mehrstündige Autobahnfahrt an einem Werktag zu einer schwer erträglichen Tortur werden läßt), ist man versucht, das Logo dieser Spedition für eine elegante Sache zu halten: es rollt, es geht vorwärts, es ist alles drin, aber es ist eben auch wie hunderte anderer Logos dieser Anmutung und deshalb ziemlich phantasielos.

Omfesa gehört übrigens zur türkischen Omsan-Gruppe, die wiederum zur Oyak-Gruppe gehört. Omsan schmückt sich gleich mit mehreren Bögen, bei Oyak begnügt man sich mit einem kringel, so daß man sagen könnte, der Omfesa-Entwurf sei im corporate design geblieben. Die Stillosigkeit ist jedoch offen sichtbar und wahrscheinlich ist ein tolles Logo im Dialog mit Industriekunden auch nicht besonders wichtig. Aber netter wär’s schon …

Kunde: Fahrschule Bestler

Branche: Fahrschule

Entwurf: N.N.

Jahr: N.N.

Man fragt sich ja schon, was den Entwerfer hier geritten hat? Der einzige Bezug zum Thema, der hier spontan in den Sinn kommt, ist eine Schleuderbewegung. Die wird jedoch noch besser als S-Kurve gezeigt, weil das die typische Gegenbewegung beim Schleudern darstellt. 

Völlig daneben.

Kunde: Velomobiles

Branche: Velomobile

Entwurf: N.N.

Jahr: N.N.

Dieser Bogen hat einen Knick und das hat direkt mit dem angebotenen Produkt zu tun: Die Form empfindet die Kontur eines typischen Velomobils, eines vollverkleideten Fahrrads mit zwei oder drei Rädern nach. 

Naheliegende Idee, in Farbe und Typographie jedoch völlig mißlungen. Text und Form zusammenzuführen ist eine Aufgabe, die nur selten gelingt: die Typo löst die Form auf, die Form beeinträchtigt die Lesbarkeit der Schrift – da ließe sich viel verbessern. Wortmarke und Signet zu trennen, ist die klarere Lösung und erlaubt, beide auch in Alleinstellung zu benutzen – je nach Anbringung eine echte Hilfe!

Kunde: City Light News

Branche: Mission

Entwurf: N.N.

Jahr: N.N.

Wow, bei so vielen hilfreichen Geistern haben sie das bestimmt selbst gemacht, die tatkräftigen WohltuerInnen aus Calgary in Kanada. Schade, daß der Heilige Geist ihnen keine Erleuchtung in Sachen Design geschickt hat. Nötig wär’s gewesen …

Kunde: ATS Sprachendienst

Branche: Übersetzungen

Entwurf: N.N.

Jahr: N.N.

Wunderbar, dieser Kontrast von Schwarz auf Dunkelblau, der das Logo schier unlesbar macht. Dem Künstler, der das gestaltet hat, muß aufgefallen sein, wie wenig er da eigentlich zustandegebracht hat, also fügte er schnell noch eine grafische Form hinzu – natürlich einen Bogen …

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