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Allem zum Trotz werde ich immer wieder neu anfangen, weil ich darin die einzige Möglichkeit sehe, zu leben.
‘Die Unvereinbarkeit meiner inneren Bereitschaft mit meinen äußeren Schwierigkeiten, das ist die Qual, die mich tötet’, sagt Artaud.
Mein Fehlurteil in diesem Zusammenhang war, die äußere Schwierigkeit meinem Unvermögen zuzuschreiben, obwohl uns für die äußeren Schwierigkeiten keine Schuld trifft. Was man sich vorzuwerfen hat, ist die Unfähigkeit, mit den äußeren Schwierigkeiten zu Rande zu kommen, selbst wenn oder gerade weil die innere Bereitschaft groß ist. […] Es ist die zerbrechliche Grenze zwischen Vernunft und Wahn, zwischen einem Leben in der Gemeinschaft und dem Ausgestoßensein.
Der Boden droht mir unter den Füßen wegzurutschen, jedesmal, wenn ich mir sage: ‘Ich schaffe es nicht, ich bin allein, ich bin unfähig.’ […]
In einer solchen Gesellschaft fordere ich sogar das Recht, ‘verrückt’ zu sein.
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Anne Cuneo: Passage des Panoramas. Frankfurt am Main 1979, S. 39ff.

Zit. nach: Elisabeth Borchers und Hans-Ulrich Müller-Schwefe (Hg.): Das Jahrhundert der Frau. Ein Almanach des Suhrkamp Verlags. Frankfurt am Main 1980, S. 59f.

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